Schlaumeier für Schöngeister: So wird der neue CLA zum schönen Streber unter den schwäbischen Kompakten

Er ist der Schönling unter den kompakten Schwaben und hat es damit weit gebracht. Denn in gerade einmal fünf Jahren hat Mercedes über 750 000 Exemplare des CLA verkauft, damit zum Beispiel nicht zuletzt die USA für die Frontantriebs-Familie erschlossen und vor allem reichlich Kunden von der Konkurrenz geködert: In Europa lag die Eroberungsrate bei bis zu 50 und in den USA zu den besten Zeiten sogar bei knapp 70 Prozent. Entsprechend hoch sind die Erwartungen, wenn die Schwaben jetzt auf der CES in Las Vegas die zweite Generation des viertürigen Coupés vom Stapel lassen und die Markteinführung für den Mai ankündigen.

Allerdings dürfte es der CLA diesmal deutlich schwerer haben – nicht zuletzt wegen der Konkurrenz aus den eigenen Reihen. Schließlich gibt es mittlerweile auch eine A-Klasse-Limousine, die im gleichen Teich fischt. Deshalb durfte sich Designchef Gorden Wagener beim CLA noch ein bisschen mehr austoben und hat entsprechend wenig Linien und dafür viel Leidenschaft ins Blech gepresst: Der Bug hat das gleiche Haifisch-Gesicht wir der große Bruder CLS, die Dachlinie ist etwas schneller, die Türen sind wie es sich für ein Coupé gehört ohne Rahmen, und das glatte Heck ein wenig verführerischer als bei der A-Klasse. Außerdem ist das Coupé immerhin gute zehn Zentimeter länger als die Limousine. Nicht umsonst wächst der CLA gegenüber seinem Vorgänger um fünf Zentimeter und streckt sich nun auf 4,69 Meter.

Zwar hat der CLA ein eigenes Gesicht und die Motorhaube zieren markante Power-Domes – doch unter dem Blech halten sich die Unterschiede in engen Grenzen: Das gilt für die Assistenzsysteme, die nahezu den Umfang der S-Klasse haben, genau wie für den Antrieb. Auch der CLA bekommt deshalb die bekannten Drei- und Vierzylinder, wird mit Front- oder Allradantrieb, Schaltgetriebe oder Doppelkupplung angeboten. Auf der Premierenbühne steht er als CLS 250 mit 225 PS. Doch wird es ganz sicher auch die AMG-Versionen CLA 35 und CLA 45 und ein paar abgespeckte Varianten bis zum CLA 180d mit 115 PS-Diesel geben.

Dass der CLA seine Publikumspremiere gerade auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas feiert, hat einen guten Grund: Mercedes positioniert den Schönling als Schlaumeier und feiert in dem viertürigen Coupé den ersten Generationensprung für das Bediensystem MBUX. So wird er zwar trotz der etwas engagierteren Abstimmung nicht viel anders fahren als die A-Klasse und keine neuen Motoren bekommen, aber er hört gründlicher zu als bisher, glänz mit reichlich Allgemeinwissen aus dem Web und beantwortet deshalb mehr Fragen und wird zum Fitnesscoach. Vor allem aber erkennt MBUX mittlerweile auch Gesten, so dass ein Fingerzeig genügt, um etwas das Licht anzuschalten oder die Menüs auf dem Bildschirm zu wechseln. Und wer zwei Finger zum V spreizt, der kann damit auch einen zuvor selbst definierten Befehl abrufen und sich so zum Beispiel ganz ohne Worte nach Hause navigieren lassen.

Außen schön und innen schlau – so soll der zweite CLA an den Erfolg der ersten Generation anschließen, sagt Vertriebschefin Britta Seeger: „Der neue CLA ist noch emotionaler und sportlicher als sein Vorgänger. Gepaart mit neuen Bediensystemen setzt er neue Maßstäbe für die ganze Klasse.“