Strom-Linie: Mit dem e-tron GT stiehlt Audi dem Porsche Taycan die Schau

Dagegen ist das Model S von Tesla ein Verbrechen am guten Geschmack und auch die Prototypen des Porsche Taycan sehen plötzlich ganz schön pummelig aus: Wenn Audi in zwei Jahren mit dem e-tron GT nach zwei vergleichsweise konventionellen SUV unter Strom seinen ersten elektrischen Gran Turismo an den Start bringt, dann könnten die Bayern zumindest die Schönheitskonkurrenz für sich entscheiden. Das jedenfalls lässt das e-tron GT Concept vermuten, das sie jetzt als seriennahe Studie zur LA Autoshow auf die Bühne in Los Angeles gefahren haben.

Dass der Wagen so gut proportioniert ist, liegt zu allererst einmal an der neuen Plattform, die gemeinsam mit Porsche entwickelt wurde und auch den Tycan trägt, Sie hat erstmals einen flachen Boden und erlaubt so die Abkehr vom hochbeinigen SUV-Design. Stattdessen duckt sich der e-tron nun tief auf die Straße, hat einen entsprechend niedrigen Schwerpunkt und eine entsprechend schlanke Silhouette.

Über die neue Plattform hat Designchef Marc Lichte einen ausgesprochen eleganten Hut aus Aluminium und Karbon gestülpt, der die Formensprache des A7 Sportback in eine neue Zeit fortschreibt: Der offenbar unverwüstliche Single-Frame-Grill wie beim e-tron SUV invertiert, die Motorhaube stark gepfeilt, die Flanken muskulös und über die Hinterachse weit ausgestellt und das flache Dach sanft über den Kofferraum gezogen. Dazu noch eine markante Lüftungsfuge in der Fronthaube, Scheinwerfer mit einem stechenden LED-Blick und eine neue Interpretation des durchgehenden Leuchtenbandes am Heck – fertig ist ein knapp fünf Meter langes und nur 1,38 Meter hohes Schaustück, das auf der Messe alle Blicke fängt.

Aber der e-tron soll nicht nur schön sein, sondern auch schnell. Nicht umsonst verantwortet statt der AG in Ingolstadt die Sport GmbH in Neckarsulm Entwicklung und Produktion des Serienmodells. Das bekommt an jeder Achse eine E-Maschine mit einer Systemleistung von 590 PS und Fahrleistungen auf dem Niveau des R8, versprechen die Bayern. Immerhin soll der GT in 3,5 Sekunden auf Tempo 100 kommen und nach zwölf Sekunden schon 200 km/h schnell sein. Nur wenn man das Pedal voll durchtritt, könnten pure Petrolheads ein wenig enttäuscht sein: Mehr als 240 km/h lassen die Entwickler mit Rücksicht auf die Reichweite nicht zu. Da ist Porsche konsequenter und gewährt dem Taycan Auslauf bis mindestens bis 250 km/h.

Audi e-tron GT Den Strom ziehen die Motoren aus einem Akku von gewaltigen 90 kWh, der im Wagenboden integriert ist und nach der aktuellen Norm mehr als 400 Kilometer Fahrt ermöglichen soll. Ist er leer, gibt es mehrere Möglichkeiten zum Nachladen: Wie der Tycan bekommt auch der GT einen 800 Volt-Lader und ist deshalb binnen 20 Minuten zu 80 Prozent wieder befüllt – wenn man eine passende Säule findet, Mit 11 kW verspricht Audi eine Akku-Ladung über Nacht und wer sich die Finger nicht am Kabel schmutzig machen möchte, der wird den GT als ersten e-tron auch induktive nachladen können.

Während die Designer sonst bei Studien ihrer Phantasie gerne freien Lauf lassen, haben Marc Lichte und sein Team beim e-tron GT die Bodenhaftung bewahrt, damit nur ja niemand an den ersthaften Absichten zweifelt. Nicht einmal die 22-Zoll-Räder sind deshalb nur zur Schau montiert, sondern werden auch in der Serie kommen. Genau wie die beiden Kofferräume mit hinten 450 und vorne noch einmal 100 Litern Stauraum oder das Cockpit, das mit seinen großen Touchscreens noch einmal ein paar weniger Schalter hat als A8 & Co. Selbst das neuartige Materialkonzept hat durchaus Chancen: Weil Audi nicht nur bei Antrieb, sondern auch bei Ausstattung sauber bleiben will, verzichten die Bayern diesmal auf Leder & Co und haben ihr erstes veganes Auto auf die Räder gestellt.