Dem Corsa geht ein Licht auf: So bringt Opel Sicht und Sicherheit ins Kleinwagen-Segment

2019 Opel Corsa IntelliLux LED matrix light

2019 Opel Corsa IntelliLux LED matrix Licht

Als Opel vor 120 Jahren mit dem Automobilbau begonnen hat, waren die ersten Ausfahrten noch ein gefährliches Vergnügen. Denn auch wenn es der Lutzmann-Motorwagen beim Tempo mit jeder Express-Kutsche aufnehmen konnte und sich um die alle fünf bis zehn Kilometer fällige Inspektion meist ein Mechaniker aus der Begleitmannschaft gekümmert hat, wurde die Fahrt spätestens bei Dunkelheit eine große Herausforderung – schließlich hatte der Lutzmann nicht viel mehr als zwei Kerzen zu bieten, die hinter Glas vor sich hin glimmen sollten.

„Damals ging es eher ums gesehen werden, als darum, selbst etwas zu sehen“; sagt Ingolf Schneider, der bei den Hessen die Lichttechnik verantwortet. Das hat sich über die Jahre dramatisch geändert und Schneider rühmt Opel dabei als einen der Schrittmacher. Denn egal ob Karbit-Lampe, Glühbirne, die Klappscheinwerfer des GT, das Xenon- oder das LED-Licht – immer waren die Hessen bei den ersten, die eine solche Technologie eingeführt oder zumindest der breiten Masse verfügbar gemacht hat.

1938 Opel Kapitän / 1938 Opel Super Six

1938 Opel Kapitän / 1938 Opel Super Six

Das gilt besonders die Einführung der LED- und mit ihr der Matrix-Technologie, bei der die Leuchtdioden in einzelnen Segmenten individuell angesteuert werden können. Mit Anfangs acht und aktuell 16 Blöcken pro Scheinwerfer lässt sich der Lichtkegel gesteuert von einer Kamera so permanent den aktuellen Verhältnissen anpassen: Das Sichtfeld des Fahrers wird maximiert und die Blendwirkung für den Vordermann oder den Gegenverkehr minimiert, weil entsprechend Bereich im Lichtstrahl einfach abgedunkelt werden können. So kann man zum Beispiel Objekte am Fahrbahnrand viel früher wahrnehmen als zuvor: Bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h macht dies ein Plus von 30 bis 40 Metern gegenüber konventionellem Halogen- oder Xenon-Abblendlicht aus und gibt dem Fahrer 1,5 Sekunden mehr Reaktionszeit.

In der Oberklasse ist diese Technik mittlerweile Gang und Gäbe, doch bei den bürgerlichen Modellen beschränken sich die Hersteller zumeist auf konventionelle LED-Scheinwerfer mit statischer Lichtverteilung, die allenfalls automatisch auf- und abblenden können. „Als wir 2015 den neuen Astra gebracht haben, war Opel deshalb der erste Hersteller, der damit auch in der Kompaktklasse angetreten ist“, prahlt Schneider und freut sich über eine hohe Akzeptanz für das System. Obwohl Opel dafür natürlich einen soliden Aufpreis verlangt, machen je nach Baureihe bis zu 60 Prozent der Kunden an dieser Stelle ein Kreuzchen.

Jetzt macht Opel den nächsten Schritt zur Demokratisierung: Denn wenn im Herbst nach der Publikumspremiere auf der IAA im September in Frankfurt der neue Corsa an den Start geht, wird erstmals auch einem Kleinwagen ein neues Licht aufgehen und als erstes Modell im Segment tritt er ebenfalls mit Matrix-LED-Scheinwerfern an. Erstens, weil Opel damit wieder eine Sicherheitstechnologie weiter nach unten durchreicht. Zweitens, weil die Hessen damit ganz nebenbei auch noch was für ihren Flottenverbrauch tun. Denn mit neuen Energiespar-LED reduzieren sie den CO2-Ausstoß immerhin um ein Gramm pro Kilometer. Und drittens, weil sie sich so ein wenig differenzieren wollen von Brüdern wie dem nächsten Peugeot 208, der mit derselben Plattform schon etwas früher an den Start geht.

2019 Opel Astra mit IntelliLux LED matrix Licht

2019 Opel Astra mit IntelliLux LED matrix Licht

Natürlich hat Opel den LED-Matrix-Scheinwerfer für den Corsa nicht neu erfunden, das weiß auch Lichtexperte Schneider. Doch sind die Hessen damit die ersten, die diese Technik auch in der Kleinwagen-Klasse anbieten und erhoffen sich damit einen deutlichen Sicherheitsgewinn. Denn anders als Airbag & Co, schützt die LED-Technik nicht vor den Folgen eines Unfalls, sondern kann mit besserer Sicht die Sicherheit erhöhen und so verhindern, dass überhaupt Unfälle entstehen. Und besser aussehen tun die neuen Scheinwerfer obendrein, zumal die Autos damit auch bei Nacht unverwechselbar werden. Durch diese Brille betrachtet, hat sich in den letzten 120 Jahren dann vielleicht doch nicht so viel getan. Denn genau wie damals beim Lutzman wird es auch beim Corsa eben doch auch wieder darum gehen, dass und wie das Auto gesehen wird.


Multi-Millionär auf der Datenautobahn: Mit neuer Elektronik wird der Passat fit für die zweite Halbzeit

Er ist Biedermann und Bestseller in einem. Denn kaum ein VW ist konservativer als der Passat und kaum einer ist erfolgreicher. In diesem Sommer steuert die Baureihe auf die Marke von 30 Millionen produzierten Fahrzeugen zu und festigt damit ihren Ruf als weltweit meistverkauftes Mittelklasse-Modell. Außerdem setzt sie sich weiter vom Käfer ab und avanciert nach dem Golf zum Vizemeister in der ewigen Bestseller-Liste von VW. Kein Wunder also, dass die Niedersachsen nicht kleckern, sondern klotzen, wenn jetzt das Facelift zur Hälfte der Laufzeit ansteht. Zum ersten Mal zu sehen sind Limousine, Variant und der Geländekombi Alltrack im März auf dem Genfer Salon, bestellt werden können die Autos ab Mai und die Auslieferung beginnt nach den Sommerferien im August.

Von außen halten sich die Retuschen zwar in vertretbaren Grenzen und beschränken sich auf Schürzen, Schweller und das Kühlergitter. Und auch innen sind es vor allem Details, die den Unterschied machen. Doch dafür schickt VW den Passat auf der Datenautobahn auf die Überholspur und rüstet vor allem bei der Elektronik auf.

So rühmen die Niedersachsen die Baureihe als Vorreiter des automatisierten Fahrens und geben den Travel Assist nun fast über den gesamten Geschwindigkeitsbereich frei: Bis 210 km/h kann man die Hände zumindest sekundenweise vom neuen und nun erstmals mit Berührungssensoren ausgestatteten Lenkrad nehmen und dem Passat die Spurführung und die Abstandregelung überlassen.

Dazu gibt es wie sonst nur im Touareg das intelligente Matrix-Licht, neue Instrumente mit noch mehr Kontrast und mehr Möglichkeiten zur individuellen Konfiguration sowie die nächste Generation des Modularen Infotainment-Baukastens. Der ist nun „allways on“ und öffnet den Passat so buchstäblich für neue Services. Denn so lassen sich nicht nur Musik und andere Informationen streamen, sondern es gibt auf diesem Weg auch einen digitalen Schlüssel, Kurierdienste können Päckchen ins geparkte Auto liefern und man kann seine Parktickets jetzt online und bargeldlos bezahlen.

Zwar dreht sich bei diesem Facelift fast alles um die Software. Doch ein bisschen neue Hardware gibt es auch – vor allem unter der Haube. Denn mit der Modellpflege startet VW eine neue Generation von TDI-Motoren, die ihren Einstand hier mit 150 PS gibt und immerhin zehn Gramm weniger CO2 pro Kilometer ausstoßen soll. Außerdem bauen die Niedersachsen im Passat GTE einen größeren Plug-In-Akku ein und steigern so die Reichweite des 218 PS starken Teilzeit-Stromers auf bis zu 55 WLTP-Kilometer. Daneben gibt es drei weitere, aus der ersten Halbzeit bekannte Diesel mit 120, 190 und 240 PS sowie drei jetzt mit Partikelfilter ausgestattete Benziner, die auf 150, 190 und 272 PS kommen.

Sparsamer als bisher und vor allem sehr viel schlauer, so soll der Passat seine Rolle als Bestseller behaupten und zugleich den Aufbruch in die digitale Welt wagen. Dabei haben die Niedersachsen sogar auf Kleinigkeiten geachtet – und selbst die analoge Uhr im Cockpit ausgemustert.


aumfahrt, erster Klasse: Mit breiter Brust und neuer Kraft startet die V-Klasse in die zweite Halbzeit

18C0903_310Die erste Generation war nur ein mäßiger Erfolg. Doch nachdem Mercedes die V-Klasse wieder näher in die Pkw-Welt geholt hat, verkauft sich das Space Shuttle mit Stern prächtig: Seit dem Generationswechsel vor vier Jahren haben die Schwaben immerhin 209 000 Exemplare auf die Straße gebracht, damit nicht nur in Europa, sondern auch in Asien reüssiert und jetzt sogar in Indien einen Anfang gemacht. Zwar steht ein nachlassendes Interesse kaum zu befürchten. Nicht umsonst war das letzte mit allein 64 000 Zulassungen das bislang beste Jahr. Doch damit der Kurs für den Raumfahrer weiter nach oben weist, wird er jetzt zum ersten Mal kräftig überarbeitet. Auf dem Genfer Salon und kurz drauf bei den Händlern sieht man die V-Klasse deshalb zu Preisen ab 36 990 Euro mit frisch gezeichneter Front mit größerer Breitenwirkung, mit einem durch neue Lüfterdüsen, ein geändertes Cockpit und hochwertigeren Materialien aufgemöbelten Interieur, neuen Assistenzsystemen und vor allem neuen Motoren.

So hält nun auch beim Van der modernste Mercedes-Diesel Einzug. Der zwei Liter große Vierzylinder, der mit einer aufwändigen Chemie-Fabrik fit gemacht wird für die schärfsten Abgasnormen, wird zunächst in zwei Leistungsstufen angeboten: Als V250d leistet er 190 PS und geht mit 440 Nm zur Sache, und als V 300d kommt er auf 239 PS und ein maximales Drehmoment von 500 Nm, das im Overboost kurzfristig sogar auf 530 Nm klettert. Genug, um den großen Brocken von Benz in 7,9 Sekunden auf Tempo 100 zu wuchten und eine Reisegeschwindigkeit von 220 km/h zu ermöglichen. Ebenfalls neu ist die Neungang-Automatik, die es für den starken Diesel serienmäßig und für den kleinen als Option gibt. Genauso übrigens wie der Allradantrieb, der für alle V-Klassen erhältlich ist.

Neben Antrieb und Aussehen hat Mercedes auch die Ausstattung überarbeitet und dabei gleichermaßen Komfort und Sicherheit erhöht. So werden Brems- und Fernlichtassistent schlauer und die Sitze bequemer. Denn zum ersten Mal kann man für die zweite von drei Reihen in dem Van die Komfortsessel der S-Klasse bestellen – samt Massage, Liegefunktion und Klimatisierung.

Zwar hält sich der Aufwand für das Facelift auf den ersten Blick in engen Grenzen, doch eine Neuheit mit größerer Tragweite haben die Schwaben noch in petto: In Genf zeigen sie eine V-Klasse Studie mit Elektroantrieb. Und es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn daraus nicht binnen Jahresfrist der EQ V werden würde.