Eine Stufe höher: Als Scala probt der Skoda Rapid den Aufstieg in die Golf-Klasse

Skoda will es wissen. Als wäre der VW Golf durch die vielen kompakten SUV und Cross Over nicht schon genug unter Druck, geht ihm jetzt auch noch die Schwestermarke aus dem Osten ans Leder. Denn wenn die Tschechen im Frühjahr als Nachfolger des Rapid den Scala an den Start bringen, dann ist der Name Programm und aus dem Polo-Cousin wird ein waschechter Golf-Gegner, der zu Schätzpreisen ab etwa 16 000 Euro deutlich mehr Pomp und Prestige bietet als sein Vorgänger und mehr Platz und mehr Ausstattung als sein Vorbild aus Wolfsburg.

Zum ersten mal aus dem modularen Querbaukasten zusammengestellt, orientiert sich das Design stark an der Studie RS Vision, die Skoda auf dem Pariser Salon gezeigt hat und die von einem neuen Selbstbewusstsein künden soll. Doch das wichtigste Argument für den 4,36 Meter langen Scala soll sein Platzangebot werden: Nicht umsonst versprechen die Tschechen bei 2,65 Metern Radstand vor allem den Hinterbänklern mehr Kniefreiheit als die Konkurrenz. Und auch der Kofferraum des zunächst mit Schrägheck geplanten Hoffnungsträgers ist riesig und fasst 467 bis 1410 Liter.

Hinter dem stolzen Grill gibt es bekannte Motoren aus dem Konzernregal, die dank Partikelfilter für alle Fraktionen auf dem neuesten Stand sind. Los geht es bei den Benzinern mit einem Dreizylinder von einem Liter Hubraum, der mit 95 oder 115 PS daherkommt. Im Topmodell arbeitet ein TSI-Motor mit 1,5 Litern Hubraum und 150 PS und als einziger Diesel steht ein 1,6-Liter mit 115 PS in der Startaufstellung. Elektrifizierung ist für Skoda in dieser Klasse genauso wenig ein Thema wie ein Mild-Hybrid. Aber dafür gibt es eine CNG-Umrüstung für den Dreizylinder. Er kann dann mit Erdgas oder Benzin betrieben werden und kommt so auf 90 PS.

Mit dem Wechsel auf die MQB-Architektur bekommt Skoda für den Scala Zugriff auf viel neue Technik, die es abgesehen von den serienmäßigen LED-Scheinwerfern freilich zumeist gegen Aufpreis gibt – das gilt für das adaptive Fahrwerk genauso wie für das Infotainment mit digitalen Instrumenten und eigenen Apps auf dem freistehenden Touchscreen oder die Assistenzsysteme, die bis 210 km/h den Abstand zum Vordermann regeln oder viel weiter über die Schulter schauen als der bisherige Totwinkel-Assistent. Wer dort alle Kreuze macht, ist zwar schnell bei 20 000 Euro und mehr, kommt damit aber auch verdammt nahe an Golf & Co, die weniger Platz bieten und mehr Geld kosten.

Technsich auf dem neuesten Stand, wie immer in vielen Details „simply clever“ und obendrein so schick, dass man ihm seinen Schnäppchenpreis nicht mehr ansieht – so sichert sich Skoda mit dem Scala die Platzreife in der Golfklasse und rückt dem großen Vorbild gefährlich nahe. Dass sie das in Wolfsburg so ungerührt geschehen lassen, hat allerdings einen einfachen Grund: Im Herbst kommt ein neuer Golf und rückt die Rangordnung in der Kompaktklasse wieder zurecht.



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