Endlich mehr Sport wagen: So lässt BMW im Oberhaus die Muskeln spielen

Erfolg macht träge, faul und langsam. Das haben sie jetzt auch bei BMW erkannt. Nachdem der einstige Champion in der Oberliga mittlerweile einen gefährlichen Rückstand auf Mercedes hat, haben sich die Bayern ein Fitnessprogramm verordnet und dabei den Sport als probates Mittel entdeckt. Wenn Ende November zu stolzen Preisen ab glatten 100 000 Euro der wiedergeborene Achter den ausrangierten Sechser beerbt, zielt der deshalb weniger auf das Coupé der Mercedes S-Klasse oder den Porsche Panamera, sondern bei allem Luxus mehr auf Autos wie den Porsche 911 oder den AMG GT. „Das wird ein echter Traumwagen für Gentlemen-Driver“, schwärmt Marketing-Mann Carsten Groeber, der in München die Luxusklasse verantwortet, und nennt die Acht Modellen wie dem Z8 oder dem ersten Achter sei Dank die sinnlichste Ziffer in der BMW-Nomenklatur: „Die gibt es nur für ganz besondere Autos.“

Besonders macht den neuen Achter nicht nur sein leidenschaftliches Design, das den 4,84 Meter langen, 1,35 Meter flachen und stolze 1,90 Meter breiten Achter so provozierend aussehen lässt wie einen ausgestreckten Mittelfinger im Samthandschuh. Sondern die Bayern reklamieren auch eine große Nähe zur Rennstrecke, schlagen eine Brücke zu ihrem Le Mans-Auto und starten aus diesem grund auch gleich mal mit einem M-Performance-Modell.

Zur Jungfernfahrt bitten sie nicht im 840d, der mit seinen 320 PS und seinem Normverbrauch von 6,1 Litern nicht viel mehr ist als ein Alibi für die Preisliste und die CO2-Bilanz. Sondern das erste Rendezvous wird untermalt vom Grollen eines Achtzylinders, der unter der muskulösen Haube des M850i tobt. Der kostet dann zwar gleich mindestens 125 700 Euro, fährt aber mit 530 PS und 750 Nm sowie einem Sprintwert von 3,7 Sekunden tatsächlich in der Porsche-Liga. Nur beim Spitzentempo kann er nicht mithalten, Weil BMW bei 250 km/h Schluss macht und nur den echten M-Modellen freien Auslauf gewährt.

Und der Gran Turismo, der mit Rücksicht auf den ebenso unförmigen wie erfolgreichen Sechser GT leider nicht so heißen darf, ist nicht nur auf der Geraden schnell. Sondern der Achter ist für ein Auto seines Formats überraschend handlich und agil und hat tatsächlich das Zeug zum Rennwagen. Seine knapp fünf Meter und seine beinahe zwei Tonnen jedenfalls kaschieren die Bayern ausgesprochen wirkungsvoll – selbst wenn sie dafür einen hohen Aufwand treiben: Ein Allradantrieb, der wann immer möglich der Hinterachse den Vorzug gibt, ein elektronisch geregeltes Sperrdifferenzial im Heck, die Allradlenkung und eine sehr präzise, sehr direkte Fahrzeugführung – da wird der Achter auf der Landstraße fast so handlich wie ein Vierer – nur dass er eben bald doppelt so viel Dampf hat.

So faszinierend sich der Achter auch fährt, so imposant seine Katalogwerte sind und so handlich sich der Wagen anfühlt, kann er es allerdings nicht ganz mit AMG GT oder Porsche 911 aufnehmen. Denn so richtig raus aus seiner Haut als Luxusliner will der Achter eben doch nicht. Deshalb gibt es neben der üppigen Leistung auch reichlich Lack und Leder bis hin zu den Glasapplikationen auf Schaltknauf, Startknopf und iDrive-Controller und ein Heer von Assistenzsystemen, die eine die Freude am Fahren auf Knopfdruck fast vollständig abnehmen.

Von den weiteren Varianten ganz zu schweigen. Schließlich haben die Bayern nicht nur einen M8 mit geschätzten 650 PS in der Pipeline, sondern schon zum Start gibt es auch einen 320 PS starken 840d xDrive und Derivate wie das Cabrio und das Gran Coupé sind für das nächste Jahr auch schon bestätigt – alles sicher interessante Alternativen für reiche Raser und die Genießer unter den Gentleman Drivern, aber Gift für PS-Puristen.

Aber auch in der Luxuswertung ist der Achter allenfalls zweiter Sieger. Denn die Rückbank ist eine Zumutung, weil der Zustieg nur Gummimenschen gelingt, die Knie nur bei Kleinkindern hinter die Vordersitze passen und der Kopf schnell am Dachhimmel schlieft. Und das Ambiente ist zwar nobel, unterscheidet sich aber allenfalls in Petitessen von anderen, vermeintlich banalen Neuerscheinungen wie dem X5. Im Panamera sitzt man deshalb unter dem Strich bequemer und in der S-Klasse geht es am Ende eben doch ein bisschen vornehmer zu.

Das heißt aber nicht, dass der Achter ein schlechtes Auto ist. Im Gegenteil: Sportlicher als jeder andere BMW, leidenschaftlicher gezeichnet und trotzdem immer und überall in der Wohlfühlzone – so wird der Achter zum besten Kompromiss zwischen Luxus und Leistung, den man diesseits eines Bentley Continental haben kann – und der kostet immerhin so viel, dass man dafür fast auch einen Elfer und eine S-Klasse bekommt.



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