Audi A3 Clubsport Quattro Concept: Kraftakt in der Kompaktklasse

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Sportlich, nicht spießig: Mit 525 PS rennt dieses Stufenheck 310 km/h – das fegt auch das letzte Staubkörnchen vom Kofferraumdeckel.

Schluss, aus, Ende, vorbei: Audi will sich von BMW und Mercedes nicht länger vorführen lassen und schlägt jetzt zurück. Nachdem die beiden Konkurrenzmarken dem A3 mit dem 306 PS starken BMW M 235i und der 360 PS-Granate Mercedes CLA 45 AMG die Schau gestohlen haben und selbst der VW Golf R mit 300 PS das Niveau des letzten Audi RS3 erreicht, lassen die Ingolstädter jetzt die Muskeln spielen und rütteln am Kräfteverhältnis in der Kompaktklasse – mit dem A3 Clubsport Concept. Das Schaustück, das seine Weltpremiere auf dem GTI-Treffen am Wörthersee feierte, knackt nämlich sogar die 500-PS-Marke und lässt damit selbst etliche Porsche-Typen alt aussehen.

In Fahrt bringt die in magnetic-blue lackierte Sportlimousine der von den Fans geliebte Fünfzylinder-Turbomotor, der in der bislang stärksten Ausbaustufe auch im TT RS zum Einsatz kommt. Während dort allerdings bei 360 PS Schluss ist, satteln die Bayern bei der Studie mit Hilfe eines größeren Laders und mehr Ladedrucks noch einmal 50 Prozent drauf und kommen so auf den Fabelwert von 525 PS. Gleichzeitig steigt das maximale Drehmoment auf 600 Nm und ermöglicht zusammen mit dem standesgemäßen Quattro-Antrieb und einem Leistungsgewicht von 2,9 Kilogramm pro PS Fahrleistungen, von denen man in der Kompaktklasse bislang kaum zu träumen wagte. Von 0 auf 100 beschleunigt der blaue Blitz in 3,6 Sekunden. Damit nimmt er nicht nur dem schon erwähnten BMW 1,2 Sekunden und dem Mercedes 0,9 Sekunden ab, sondern lässt sogar einen Porsche 911 (Sprintwert 4,1 Sekunden für den Carrera 4S) beim Kavalierstart stehen.

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Das dicke Ende: Der Auspuff ist auf maximalen Durchsatz ausgelegt – die Ohren werden es den Entwicklern danken.

Nur ein fixer Start alleine war den Audi-Entwicklern aber zu wenig. Sie versprechen für die Studie auch eine irrwitzige Kurvendynamik und setzen zu diesem Zweck auf eine radselektive Momentensteuerung für den perfekten Drift. Die Höchstgeschwindigkeit liegt übrigens bei 310 km/h – da werden CLA 45 und M 235i im Rückspiegel ganz klein. Und natürlich haben sich die Audi-Leute auch beim Thema Verzögerung etwas einfallen lassen. Um die Kraft zu zähmen, setzten sie nicht nur auf Karbonbremsscheiben in den markanten 21-Zoll-Felgen, sondern schrauben auch eine Air-Brake auf den Heckdeckel: Wenn der Fahrer in die Eisen steigt, stellt sich dieser Spoiler in Sekundenschnelle senkrecht in den Wind und verkürzt so den Bremsweg aus Tempo 250 um zwölf Meter.

Zum potenten Antrieb, dem strammen Fahrwerk und der leichten Karosserie gibt es ein etwas aufdringliches Design, das vor allem auf den Geschmack der GTI-Fans am Wörthersee abgestimmt ist. Von der Seite gesehen ist der Wagen noch einigermaßen unauffällig, doch vorn reißt die Limousine ihren in Karbon gefassten Kühlerschlund soweit auf, als wolle sie ihre Konkurrenten förmlich verschlingen. Und am hinteren Ende kommen sie dann aus den armdicken Endrohren links und rechts des mächtigen Diffusors wieder heraus. Zusammen übrigens mit einem Sound, der nicht minder spektakulär sein dürfte: Wenn Ansaug- und Abgasanlage auf maximalen Durchsatz ausgelegt sind, wird aus dem Rhythmus des Fünfzylinders ein wütendes Fauchen. Angesichts des Grundformats einer kleinen Stufenhecklimousine ist das geradezu furchteinflößend.

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Sportlicher Standard: Innen ändert sich im Vergleich zum S3 auf den ersten Blick nicht viel.

Offiziell ist das Clubsport Concept nur eine Studie. Doch der nach Ingolstadt zurück gekehrte, vormalige VW-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg hält sich zu Gute, dass die meisten seiner Schaustücke es auch auf die Straße geschafft haben. Zwar räumt Hackenberg ein, dass Audi mit diesem Schowcar in den Kategorien Leistung, Dynamik, Klang und Design ans Limit geht. Doch zugleich soll das Auto genau so auch demonstrieren, „wie viel sportliches Potenzial in der A3-Familie steckt.“ Wenn die Studie also mal kein Fingerzeig auf den nächsten RS3 ist – vielleicht nicht mit 525 PS. Aber 100 PS weniger wären ja auch schon weit mehr als genug.


GTI-Treffen: So bringen die VW-Marken den Wörthersee zum Kochen

Kraftmeier aus Wolfsburg: Mehr als 500 PS leistet dieser VW Golf - und wird so zum stärksten GTI aller Zeiten.

Dieses Treffen ist ein Fest für jeden TÜV-Prüfer und die Radarpistolen stehen wahrscheinlich auf Dauerfeuer. Denn am Wochenende kommt in Reifnitz am Wörthersee das PS-Proletariat aus ganz Europa zur Vollversammlung zusammen und feiert das legendäre GTI-Treffen. Wo mehr als 200.000 Fans sportlichen Kompaktautos huldigen, die Luft nach Benzin und verbranntem Gummi riecht und stolze Golf-Piloten ihre aufgebrezelten Boliden präsentieren, darf der VW-Konzern natürlich nicht fehlen. Weil die Niedersachsen um die Treue dieser Kundengruppe wissen, rümpft auch aus dem Vorstand angesichts des überall wabernden Parfüms aus Bier, Benzin und Sonnencreme niemand die Nase. Sondern betont hemdsärmlig schlendern alljährlich die Top-Manager aus Wolfsburg und Ingolstadt sowie, allen voran, VW-Patriarch Ferdinand Piech durch die Meute und danken den Besuchern ihre Begeisterung mit ein paar mehr als schillernden Sondermodellen.

Dickes Ende: Wer diesen GTI sieht, weiß gleich, dass er keine Chance hatDie Krönung kommt in diesem Jahr einmal mehr aus Wolfsburg. Auch, um am Wörthersee noch einmal die Premiere des neuen Golf GTI zu feiern, haben die Niedersachsen eine Studie des Autos aufgebaut, die alles bislang Dagewesene in den Schatten stellt: Mit 503 PS hat der Kraftmeier das Zeug zum stärksten GTI aller Zeiten. Während in der Serienvariante ein zwei Liter großer Vierzylindermotor arbeitet, kommt in diesem Fall ein V6-Motor mit drei Litern Hubraum zum Einsatz. Von zwei Turboladern beatment, mobilisiert er bis zu 560 Nm, die über ein Doppelkupplungsgetriebe, einen Allradantrieb und 275er Gummis auf den 20-Zoll-Felgen derart am Asphalt reißen, dass die Teerbrocken nur so fliegen dürften. Als Resultat katapultiert der V6 den Über-GTI in 3,9 Sekunden auf Tempo 100 und schafft erstmals in der Modellgeschichte ein Toptempo von 300 km/h.

Aber der potente Antrieb ist nur die halbe Miete. Die andere Hälfte zahlt das messerscharfe Design mit deutlich heraustretenden C-Säulen und einer Karosserie, die zwar kürzer ist als die des Originals, dafür jedoch um sechs Zentimeter flacher und gleich um zehn Zentimeter breiter.

Leicht-Athlet: Dieser Audi TT wiegt rund 300 Kilo weniger als das Serienmodell und geht entsprechend beherzt zur Sache.

VW ist mit dem heißblütigen Showcar nicht allein. Auch Audi hat wieder einen Blickfang für den Wörthersee vorbereitet. Zwar dürfte es zum Baden noch ein bisschen frisch sein, doch weil beim GTI-Treffen eine ordentliche Bikinifigur nicht schaden kann, haben die Bayern den TT kräftig abgespeckt und zeigen ein Coupé, das mit einem Leergewicht von 1111 Kilo buchstäblich zum Leichtathleten wird. Immerhin sind das 300 Kilo weniger Gewicht als beim serienmäßigen TT RS.

Angetrieben von einem 310 PS starken Vierzylinderaggregat kommt der TT auf ein Leistungsgewicht von nur noch 3,6 Kilogramm pro PS und dürfte sich entsprechend leichtfüßig bewegen lassen. Beim Sprint auf Tempo 100 in 4,2 Sekunden jedenfalls nimmt er dem Serienmodell 1,3 Sekunden ab. Und 280 km/h Spitze sind auch nicht zu verachten.

Erzielt haben die Bayern den Diät-Erfolg mit einem Bündel von Maßnahmen: Die Karosserie wurde um 43 Kilogramm leichter, im Verbund mit ebenfalls abgespeckten Anbauteilen ergeben sich sogar rund 100 Kilo Gewichtsersparnis. Die Schalensitze aus Glasfaserverstärktem Kunststoff tragen mit 22 Kilo zur Diät bei, aus den Außenspiegeln werden kleine Kameras, die Felgen sind um 20 Kilo leichter, die Federn bestehen aus GFK-Material und die die normale Fahrzeugbatterie nutzt die Lithium-Ionen-Technologie und wiegt deshalb nur noch vier Kilo. Sogar beim Namen wurde gespart: Der nämlich besteht nicht wie üblich aus Metall-Lettern, sondern ist lediglich ein Aufkleber. Andernfalls nämlich hätte der Schriftzug „Audi ultra quattro Concept“ wohl gleich wieder ein Pfund draufgepackt.

Seat Leon, der Löwenkönig: So sportlich soll der spanische Golf schon bald auf die Rennstrecke gehen.

Der dritte Heißsporn aus dem VW-Konzern kommt von Seat. Die Spanier sind auf den neuen Leon SC dermaßen stolz und von seinem sportlichen Potenzial so überzeugt, dass sie den Zweitürer kurzerhand zum Cup Racer umgebaut haben. Angetrieben wird der deutlich erleichterte Dreitürer von einem zwei Liter großen Turbo-Benziner, der auf 330 PS getunt wurde und ein maximales Drehmoment von 350 Nm erreicht. Der Wagen hat fast 40 Zentimeter mehr Spurweite und steht entsprechend satt auf der Straße. Außerdem trägt er markante Spoiler und Schweller. Außerdem gibt es eine Rennsport-Ausstattung sowie einen Sicherheitskäfig.

Der neue König der Löwen ist zwar nicht ganz so potent wie die GTI-Studie und technisch weniger ausgefuchst als der Audi, doch dafür hat er andere Qualitäten: Während Golf und TT allein für die Show gebaut wurden, wird der Leon wohl schon bald in Produktion gehen. Gut möglich, dass Autos dieser Art bereits in der Rennsaison 2014 am Start sind, sagt Entwicklungsvorstand Matthias Rabe. Sogar einen Preis haben die Spanier schon kalkuliert – und das ist der Haken an der Sache: Denn schon die Version mit DSG-Automatik soll rund 83.000 Euro kosten, und für den Langstreckenrenner mit sequentiellem Getriebe werden sogar 113.000 Euro fällig.


Audi A1 Clubsport Quattro: Da kocht der Wörthersse

Kraftzwerg: 503 PS machen den Audi A1 zu einem wahren Bonsai-Boliden, der sogar dem R8 davon fährt - zumindest bis bei 250 km/h die Elektronik einen Riegel vorschiebt.

Da können die Tuner eigentlich einpacken: Wenn Audi beim GTI-Treffen am Wörthersee den neuen A1 Clubsport Quattro enthüllt, sehen die Umbauten von Abt & Co. plötzlich ziemlich brav und bieder aus. Denn der Kraftzwerg aus der hauseigenen Tuning-Abteilung hat nicht nur eine so brachiale Karosserie wie weiland der Ur-Quattro. Sondern vor allem hat er einen Motor, der sogar einen R8 das Fürchten lehren kann. Irrwitzige 503 PS holen die Bayern aus dem 2,5 Liter großen Fünfzylinder-Turbo-Aggregat, das im RS3 oder dem TT RS mit 340 PS auch schon gut im Futter steht.

Wegen des wie in der DTM direkt vor der Hinterachse nach draußen geführten Sportauspuffs ist die Rennsemmel wahrscheinlich infernalisch laut, und wie der Teufel geht sie sowieso: Bis zu 660 Nm Drehmoment schleudern den etwa 1,4 Tonnen schweren Kleinwagen in 3,7 Sekunden auf Tempo 100. Damit nimmt er selbst dem R8 fast eine Sekunde ab. Den Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h schafft der A1 in 2,4 Sekunden, und nach 10,9 Sekunden soll der Zeiger die 200er-Marke erreicht haben. Bald danach ist allerdings Schluss: Obwohl die Kraft wahrscheinlich locker für 300 km/ gereicht hätte, schieben die Bayern dem wilden Treiben bei 250 km/h einen Riegel vor.

Aktuelles Sportstudio: Mit dem Serienmodell hat der Innenraum der A1-Studie kaum mehr etwas gemein.

Damit der Clubsport diese Leistung auch nur halbwegs auf die Straße bringen kann, gibt es nicht nur eine ausgefeilte Aerodynamik mit einem geschmacklich grenzwertigen Doppelflügel an der hinteren Dachkante, sondern vor allem ein modifiziertes Fahrwerk mit dem Allradantrieb aus dem TT RS. Es hat weniger Bodenfreiheit, lässt sich über eine Gewinderegelung der jeweiligen Strecke anpassen und setzt zumindest vorn auf eine Bremsanlage mit Scheiben aus Keramik und Karbon.

Dazu gibt es einen auffälligen Sportanzug für den Giftzwerg aus Ingolstadt. Der Kühlergrill wird zu einem bösen Schlund, die Scheinwerfer scheinen mit ihren roten „Wings“ förmlich zu glühen, durch die Nüstern in der Motorhaube flirrt die heiße Abluft, das Dach signalisiert mit dem wabenförmigen Karbonmuster „Achtung Leichtbau“ und mit den sechs Zentimeter weit ausgestellten Kotflügeln bläst der A1 so weit die Backen auf, als wolle er die anderen Autos nur so von der Überholspur pusten.

Kesse Kehrseite: Der Heckspiler sieht zwar prollig aus, garamtiert aber den nötigen Abtrieb.

Auch innen bleibt kein Auge trochen. Statt Schalter am Lenkstockhebel gibt es Kippschalter in der Mittelkonsole, die Türgriffe weichen leichten Schlaufen, das Lenkrad hat mehr Grip und die Original-Sitze sind ersetzt durch zwei Rennschalen aus dem R8 GT. Die Rückbank ist demontiert und von zwei Abdeckungen ersetzt, unter denen die leichte Rennbatterie sitzt. Außerdem gibt es im Fond einen Extraplatz für die beiden Helme der Insassen.

Ganz so sportlich wird es den Anschein hat wird es für den Gernegroß aus Ingolstadt vorerst nicht werden. Das Auto bleibt nämlich ein Einzelstück. Die A1-Baureihe, in der bislang bei 185 PS das Ende der Leistungsspirale erreicht ist, wird dennoch aufgebrezelt. Demnächst, so ließ Entwicklungsvorstand Michael Dick verlauten, werde es zumindest eine Kleinserie mit Allradantrieb und einem deutlichen Leistungsplus geben. Und spätestens zur Modellpflege des Autos dürften die Bayern einen S1 mit Allradantrieb und mehr als 200 PS nachschieben.