VW Beetle Dune: Happy Hippie

Und hoch das Bein: Der Beetle für Beachboys steht fünf Zentimeter höher.

Und hoch das Bein: Der Beetle für Beachboys steht fünf Zentimeter höher.

Blumen im langen Haar, Stirnbänder und Wallekleider – früher oder später kommt alles wieder, sogar Automoden. Beispiel VW. Um die Langeweile zu vertreiben und den Lifestyle zu betonen, wird in Wolfsburg jetzt die Flower-Power-Ära aufgefrischt. In Form des Beetle Dune. Die Neuinterpretation des legendären Beach-Buggys wurde als Studie Anfang des Jahres auf der Autoshow in Detroit gezeigt, inzwischen hat der Vorstand grünes Licht für das Auto gegeben: Der Beetle für Strandfans geht in Serie. Und zwar nicht nur als Coupé wie auf der Messe zu sehen, sondern auf Wunsch auch oben ohne. Weil der Dune gründlich umgerüstet wurde und nicht nur ein paar bunte Plastikplanken trägt, muss der coole Käfer vor dem Serienstart allerdings noch das komplette Testprogramm mit Dauerlauf, Hitze- und Kältetest absolvieren. Und das bedeutet: Auf die Straße kommt das Auto erst 2016. Doch nach einer ersten Ausfahrt mit dem Showcar auf der Insel Sylt steht schon jetzt fest, dass sich das Warten lohnen wird.

Froh mit Farbe: Ein paar bunte Kleckse machen aus dem Beetle ein Gute-Laune-Auto.

Froh mit Farbe: Ein paar bunte Kleckse machen aus dem Beetle ein Gute-Laune-Auto.

Schon als Coupé ist der Dune ein Garant für gute Laune und wirkt aufs Gemüt so erfrischend wie eine Song von „The Mamas & The Papas“ an einem verregneten November-Tag. Der goldene Arizona-Lack funkelt mit der Sonne um die Wette, der verchromte Einsatz im Bug glänzt wie eine verspiegelte Pilotenbrille und die dicken Backen der um insgesamt fünf Zentimeter verbreiterten Kotflügel wirken erfreulich prall. Dazu wuchtige Stoßfänger mit Unterfahrschutz und fünf Zentimeter mehr Bodenfreiheit – schon fühlt man sich am Ellenbogen in List wie am Strand von Pismo Beach, wo Bruce Meyers vor 50 Jahren die erste Buggy-Karosse auf ein VW-Käfer-Chassis schraubte. Fehlt eigentlich nur noch der Allradantrieb, den VW der rustikalen Optik zum Trotz erst einmal nicht anbieten wird. Erstens, weil der Beetle noch nicht auf dem MQB-Baukasten des aktuellen Golf basiert und deshalb nicht so mir nichts dir nichts auf Vierradantrieb umgerüstet werden kann. Und zweitens, weil auch die originalen Buggys nur zwei angetriebene Räder hatten – und trotzdem über die Dünen der Baja California flogen wie wild gewordene Sandflöhe.

Käfer in Strandlaune: Bei der Entwicklung hatten die Niedersachsen die alten Beach-Buggys im Sinn.

Käfer in Strandlaune: Bei der Entwicklung hatten die Niedersachsen die alten Beach-Buggys im Sinn.

Während damals ein Vierzylinder-Boxer mit mageren 1,5 Litern Hubraum und 44 PS reichen musste, steckt diesmal – leider natürlich im Bug statt im Heck – ein potenter 2,0-Liter-Turbo unter der Haube, der schon dem Golf GTI Beine gemacht hat. 210 PS, rund 300 Nm Drehmoment und ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe reichen, um den Sandstrand umzupflügen oder nach dem Sundowner in der Sansibar rechtzeitig zum Dinner wieder bei Gosch in List zu sein. Nicht umsonst krabbelt der Käfer in 7,3 Sekunden von 0 auf 100 und schafft 227 km/h. Von so viel Flowerpower konnten die Hippies in den Sechzigern nur Träumen.

Aber man müsse es ja nicht so toll treiben, sagt Matthias Zeuner, der das Produktmarketing für den Beetle leitet. Anders als die Cross-Modelle von Polo & Co soll es den Dune mit allen Motoren geben – also auch mit den jeweils 105 PS starken Basisaggregaten aus der Diesel- und Benzinersparte.

Das ist aber nicht die einzige Extrawurst, die Zeuner durchgesetzt hat. „Weil der Beetle einfach was Besonderes ist“, wird er nicht in die Cross-Familie eingemeindet, sondern darf als „Dune“ seinen eigenen Weg gehen. Und wo die Verantwortlichen in den anderen Baureihen lediglich die Fassade ein bisschen neu gestalteten, haben die Techniker diesmal sogar den Unterbau modifiziert. „Wir haben nicht nur neue Anbauteile montiert, sondern für die neuen Stoßfänger auch die Struktur an Front und Heck geändert“, sagt Zeuner. Und die knapp drei Zentimeter mehr Spurweite sowie die fünf Zentimeter mehr Standhöhe findet man bei den Cross-Modellen auch nicht.

Weniger Flower, mehr Power: Die Studie wird angetrieben von einem 210 PS-Turbomotor. In der Serie gibt's alle Beetle-Motoren ab 105 PS.

Weniger Flower, mehr Power: Die Studie wird angetrieben von einem 210 PS-Turbomotor. In der Serie gibt’s alle Beetle-Motoren ab 105 PS.

Innen hat das Kreativteam ebenfalls ein wenig umgeräumt. Das Arizona-Orange ziert Kedern und Konsolen, anstelle das Handschuhfachs feiert der bekannte Haltegriff aus dem Käfer sein Comeback und neben dem Cockpit prangt ein Display mit AMOLED-Technik, das sind Dioden, die viel präzisier und prägnanter leuchten. Auf dem Bildschirm läuft auch die nächste Generation der Navigationssoftware, die VW „Sideways“ nennt; neu an dem System ist, dass es selbständig Sonderziele vorschlägt. So zeigt der Pfadfinder zum Beispiel nicht nur Restaurants in der Nähe an, sondern er weiß auch, ob dort gerade Freunde des Fahrers sind und hilft so, Cliquen zusammenzubringen.

Ein eigenständiger Name, mehr Freiheiten für die Designer und größere Änderungen am Fahrwerk – das schlägt sich natürlich im Preis nieder. Während VW zum Beispiel beim Cross-Polo rund 1500 Euro aufschlägt, wird das Modell Beetle Dune wohl rund 3000 Euro mehr kosten als der normale Beetle. Das Dune Coupé dürfte also knapp 21.000 Euro kosten und das Dune Cabrio etwa 24.000 Euro.

Der Zukunft entgegen: Noch ein Jahr testen und entwickeln, dann startet der Beetle Dune Anfang 2016 in Serie.

Der Zukunft entgegen: Noch ein Jahr testen und entwickeln, dann startet der Beetle Dune Anfang 2016 in Serie.

Der Produktmanager sagt, er wolle den Spirit der Studie in die Serie retten. Aber wie so oft bleiben dennoch die pfiffigsten Lösungen auf der Strecke: Die taillierte Motorhaube mit den kessen Kühlrippen zum Beispiel ist nicht gut für die Aerodynamik und wird deshalb im Serien-Dune einem normalen Blechteil weichen. Der in den beiden Spoilern integrierte Halter für Ski und anderes Sportgerät wäre zu teuer – fällt also ebenfalls weg. Und auch im Innenraum wird es noch ein paar Abstriche geben. Der Tablet-Computer in der Mittelkonsole mitsamt seiner Sideways-Programmierung beispielsweise muss dem Seriensystem weichen, das aber mit CarPlay und Mirror Link zumindest Smartphones widerspiegeln kann. Und der lässige Haltegriff vor dem offenen Handschuhfach wurde von den Sicherheitsexperten wieder gestrichen. „Dann hätten wir den Airbag ändern und neue Crashtest machen müssen und noch ein paar Monate mehr verloren“, sagt Produktmanager Zehner. Gewartet haben die Fans auf so ein Auto allerdings schon lange genug. Die erste erste Studie eines neuen Strandkäfers stand bereits auf der Autoshow in Los Angeles – im Januar 2000.


VW Golf: Die konservative Konstante unter den Kompakten

Schick und schnörkellos: Der VW Golf wirkt auch in Generation sieben wie aus einem Guss.

Er kann nicht fliegen, braucht noch immer Benzin oder Diesel, und auch einAutopilot ist noch nicht eingebaut. Doch wenn VW einen neuen Golf vorstellt, dann richten sich alle Blicke nach Wolfsburg. Der Wagen ist der König der Kompaktklasse und seit Jahrzehnten das meistverkaufte Modell der Republik. Dabei halten sich die Überraschungen bei der nun siebten Auflage – wie immer – in Grenzen. Denn der Golf ist kein Aufreger, kein Provokateur und kein Pulsbeschleuniger, sondern die konservative Konstante unter den Kompakten, einer, der es allen recht machen will. Das nagelneue Auto, das ab 10. November zu einem unveränderten Grundpreis von 16.975 Euro für den Dreitürer und 17.875 Euro für den Fünftürer bei den Händlern stehen wird, kommt einem vor wie ein guter, alter Bekannter.

Das beginnt bereits beim Einsteigen. „Man muss sich in einem Golf auf Anhieb wohlfühlen und auskennen“, sagt VW-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg, und die erste Begegnung mit der Neuauflage des Bestsellers gibt ihm recht. Man findet sogleich die richtige Sitzposition, hat alle Schalter und Hebel gut bei der Hand und surft über den neuen Touchscreen in der Mittelkonsole, als wäre der schon beim Golf I von 1974 mit an Bord gewesen. Intuitiv tippt man durch die Untermenüs, die sich beim Annähern des Fingers automatisch öffnen. Das neue Cockpit glänzt in schwarzen Klavierlack; es neigt sich jetzt etwas weiter dem Fahrer entgegen und wird von einer klaren, weißen Beleuchtung erhellt. Das Lenkrad leigt gut in der Hand und wirkt trotz der vielen Schalter und Wippen nicht überladen.

Neue Proportionen: Der Golf ist flacher und länger geworden, damit er etwas sportlicher erscheint.

Dann beginnt das, worauf alle schon so lange warten: die erste Fahrt im neuen Golf. Unter der Haube steckt in diesem Fall der 1,4-Liter-Benziner mit Zylinderabschaltung, der mit einem Verbrauchsvorteil von 23 Prozent den größten Einsparsprung in der Motorenpalette macht. Er leistet 140 PS und geht mit maximal 250 Nm ordentlich zur Sache: Von 0 auf 100 schafft er in 8,4 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 212 km/h – das ist absolut ausreichend. Und selbst wenn man die Zylinderabschaltung wenn, dann nur im zuckeligen Stadtverkehr aktiv ist, bleibt der kleine Turbo halbwegs sparsam. 4,8 Liter je 100 Kilometer verbraucht er auf dem Prüfstand, sieben Liter schluckt der Motor in der Praxis. Nur der angestrengt wirkende Klang will nicht so recht zur Kraftentfaltung passen. Denn der neue Golf ist normalerweise so gespenstisch ruhig und gut gedämmt, dass der Vierzylinder beim Beschleunigen fast schon asthmatisch klingt.

Dafür stimmt das Fahrverhalten: Dank eines längeren Radstands liegt der Golf noch ruhiger und gelassener auf der Straße, lässt sich von engen Kehren genauso wenig irritieren wie von Bodenwellen oder Schlaglöchern und hält eisern die Spur. Obwohl komfortabel und gediegen wie eine deutlich größere Limousine, hat er durchaus auch gewisses Fahrspaß-Potenzial. Mit der neuen Lenkung, die über Land mehr Kraft erfordert als beim Rangieren oder im Stadtverkehr, dreht er schnell und leichtfüßig in Kurven ein, die elektronische Differentialsperre zieht das Auto sicher ums Eck und mit Hilfe des extrem schnellen Doppelkupplungsgetriebes schießt der Golf beim Kickdown geradzu von dannen. Für VW-Chef Martin Winterkorn ist der neue Golf nicht nur der schönste, beste und grünste aller Zeiten, sondern „er macht auch mehr Spaß als je zuvor.“

Luxus für alle: Innen wirkt der Golf mit der richtigen Ausstattung so nobel wie eine Mittelklasse-Limousine - kostet dann aber auch so viel.

Wer mit dem Standard-Setup trotzdem nicht zufrieden ist, der kann den Charakter des Wagens auf Knopfdruck verändern. Im Prinzip zumindest. Erstmals hat VW fünf verschiedene „Drive Modes“ angelegt, in denen Fahrwerk, Lenkung, Motor- und Getriebesteuerung und sogar die Assistenzsysteme mal komfortabler, mal sportlicher und mal sparsamer abgestimmt sind. Aber den Aufpreis dafür, der zwischen 990 und 120 Euro liegt, kann man sich sparen: Zumindest bei der aktuellen Programmierung sind die Unterschiede viel zu gering, als dass man sie wirklich spüren könnte. Es gibt es eine Reihe anderer Extras, für die das Geld besser angelegt wäre. Ein knappes Dutzend neuer Assistenzsysteme vom Müdigkeitswarner bis zum Abstandsregel-Tempomat sind im Angebot, die Entwicklungschef Hackenberg als Beispiel für die „Demokratisierung der Technik“ nennt. 2350 Euro kostet das Fahrerassistenz-Paket, in dem die meisten Helferlein gebündelt sind. Das ist kein schlechter Preis, darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass der neue VW kein billiges Auto ist: Hier ein Kreuzchen, da ein Kreuzchen auf der Ausstattungsliste, dazu noch ein bisschen Motorleistung – und ruck zuck steigt der Preis auf  weit über 30.000 Euro. Echte Volkswagen sind billiger.

Neben dem hier getesteten 140-PS-Benziner gibt es zum Verkaufsstart noch einen TSI-Motor mit 1,2 Liter Hubraum und 85 PS sowie zwei Diesel, die aus 1,6 und 2,0 Litern Hubraum 105 oder 150 PS schöpfen. Damit sind maximal 216 km/h und bestenfalls 3,8 Liter möglich. Dass der Golf dabei im Schnitt 14 Prozent weniger verbraucht, liegt nicht nur an den neuen oder überarbeiteten Motoren, sondern auch am Leichtbau: Um bis zu 100 Kilo leichter wurde das Auto – und liegt damit gewichtsmäßig wieder auf dem Niveau der Generation IV. Dabei ist das Auto sogar ein wenig größer geworden.

Satter Stand: Vor allem von hinten sieht man, wie breit der Golf geworden ist und wie satt er auf der Straße steht.

Von den knapp sechs Zentimetern mehr Radstand und Länge spürt man allerdings innen wenig. Einzig der Kofferraum ist tatsächlich gewachsen, fasst jetzt 380 statt 350 Liter und hat obendrein eine niedrigere Ladekante. Ansonsten dient das neue Format vor allem der neuen Form: Flacher, breiter und gestreckter ist die Karosserie und wirkt dadurch sportlicher denn je. Designchef Klaus Bischoff deutet auf die präzisen Kanten und Sicken im Blech, die dem Golf Kontur und Charakter geben sollen, und sagt: „Sie sind es, die aus dem Diamanten einen Brillanten machen.“

Natürlich ist der Golf zuallererst ein Auto, das die Insassen möglichst sparsam, sicher und einigermaßen unterhaltsam von A nach B bringen soll. Doch für VW und eigentlich auch für die Autoindustrie hat der Wagen längst eine größere Bedeutung, sagt Konzernchef Martin Winterkorn: „Sechs Generationen Golf, das sind 38 Jahre eines kontinuierlichen Erfolges, 29,13 Millionen verkaufte Exemplare eines Weltbestsellers, ein über Epochen wirkendes Spiegelbild des technischen Fortschritts, ein immens großer Wirtschaftsfaktor und nicht zuletzt ein Garant für sichere Arbeitsplätze.“ Ein Heilsbringer? Nein. Einfach nach wie vor ein Auto.


VW Golf VII: Abspecken und anfetten beim neuen Modell

VW Golf VII: Die Grafik zeigt die Veränderungen einiger Fahrzeugmaße des neuen Golf im Vergleich zum Vorgängermodell.

Vor rund zehn Jahren löste der VW Golf den VW Käfer als meistgebautes Auto des Planeten ab. Inzwischen sind mehr als 29 Millionen Fahrzeuge vom Typ Golf gebaut – und es macht sich eine neue Generation warm für den Marktstart. Denn ab der ersten Novemberwoche wird der Golf VII bei den VW-Händlern stehen. Offizielle Bilder von dem Auto gibt es noch nicht, die Weltpremiere soll am 4. September in der Neuen Nationalgalerie in Berlin stattfinden. Was es allerdings jetzt schon gibt, sind erste Details zur Technik und zur Ausstattung des neuen Kompaktwagens.

Für VW intern am wichtigsten ist, dass der Golf das erste Modell der Marke ist, das auf dem neuentwickelten Modularen Querbaukasten (MQB) beruht. Dieser Fundus an Komponenten erlaubt eine flexiblere und vor allem billigere Entwicklung und Produktion von neuen Autos und deren Ablegern. Bestimmte Parameter – etwa die Einbaulage des Motors, die Position der Pedalerie und andere – sind millimetergenau festgelegt, drumherum jedoch ist erhebliche Varianz möglich.

Der Audi A3 basiert daher ebenso auf dem MQB wie eben der Golf, aber auch der Seat Leon, der Skoda Octavia und später Modelle wie der kommende Touran, oder Tiguan oder TT.

Für den Golf VII lautet die wichtigste Botschaft der Entwickler: Das Auto ist um rund hundert Kilogramm leichter geworden als das Vorgängermodell. Das Leergewicht entspreche “dem der vierten Generation von 1997″, heißt es in einer Mitteilung aus Wolfsburg. Der Golf IV wog, je nach Motorisierung und Ausstattung, zwischen 1050 und 1477 Kilogramm.

Intelligenter Materialmix: Das Chassis des Golf VII ist ein Puzzle aus unterschiedlichsten Stahlqualitäten. Die wurden stets so gewählt, das Steifigkeit und Gewicht jeweils einen optimalen Kompromiss ergeben.

VW erreicht die neue Leichtigkeit übrigens nicht durch den verstärkten Einsatz teurer und schwer zu verarbeitender Materialien wie etwa Aluminium oder gar Kohlefaserverbundstoffen. Sondern es wurde praktisch an jeder Stelle des Autos nach jenen Pfunden gesucht, die überflüssig sind. Neue Materialien gibt es dennoch, zum Beispiel hochfeste Stähle, die vor ein paar Jahren noch gar nicht zur Verfügung standen. Dank dieser Stahlsorten konnte zum Beispiel allein das Gewicht der Karosseriestruktur um 23 Kilogramm gesenkt werden.

Den Aufwand treibt VW nicht allein deshalb, um sich bei Gelegenheiten wie der Premiere damit brüsten zu können. Sondern Leichtbau ist inzwischen ein Verkaufsargument geworden, denn jedes Kilo weniger drückt auch ein bisschen den Verbrauch. Der insgesamt leichtere Golf VII bedeutet für den Kunden eine Spritersparnis von bis zu 23 Prozent gegenüber dem bisherigen Modell; wobei der geringere Durst vor allem auch ein Verdienst der neuen Motoren ist, zu denen  auch ein Vierzylinder-Benziner mit Zylinderabschaltung gehört.

Zur Serienausstattung des neuen Kompaktwagens aus Wolfsburg gehört erstmals eine neue Multikollisionsbremse. Das System soll den zweiten, unkontrollierten und häufig folgenreichen Aufprall nach einer ersten Kollision mildern oder sogar verhindern. Und zwar, in dem nach einer Kollision automatisch die Bremsanlage aktiviert wird, um, wie VW erklärt, “die noch vorhandene kinetische Energie signifikant zu reduzieren”.

Weniger Verbrauch: Je nach Modell und Motorsierung soll der neue Golf VII um bis zu 23 Prozent weniger Sprit schlucken als das Vorgängermodell, sagt VW-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg.

Angefettet wird der neue Golf in Sachen Ausstattung. Als Extras stehen unter anderem zur Verfügung: Elektronische Differenzialsperre, City-Notbremsfunktion für automatisches Bremsen bei weniger als 30 km/h, automatische Abstandsregelung, Spurhalteassistent mit sogenannter Mittenführung, Müdigkeitserkennung sowie Einparkhilfe. Der neue Golf lässt sich also, den Willen zum Draufzahlen vorausgesetzt, üppig aufrüsten. Von schnieken Dingen wie Lederausstattung oder speziellen Rädern gar nicht zu reden. Neu ist übrigens auch das Infotainmentsystem. Es verfügt nun stets über einen Touchscreen mit Annäherungssensorik. Die erkennt, wenn sich eine Hand oder ein Finger dem Bildschirm nähert und schaltet dann sofort vom Anzeige- in den Bedienmodus um. Das erleichtert das sichere und eindeutige Navigieren durch die Menüs.

Am Format des Autos wurden nur Nuancen verändert. Wie zu erwarten und dem aktuellen Designtrend folgend wird der Golf VII einen Tick länger und breiter, während das Dach etwas flacher sitzt. VW sagt, dadurch werde die Kopffreiheit im Innern nicht eingeschränkt. Die Bedienbarkeit wurde übrigens auch verbessert, und zwar indem der Abstand zwischen Brems- und Gaspedal um 1,6 Zentimeter vergrößert wurde und der Schaltknauf nun zwei Zentimeter höher positioniert ist als beim bisherigen Modell. Das Kofferraumvolumen wächst um 30 auf nun 380 Liter.

Die Theorie klingt soweit plausibel. Jetzt muss der Wagen zeigen, was in ihm steckt, wenn er fährt. Und natürlich, wie er überhaupt aussieht. Dazu schon bald mehr.