Der Berg ruft: Im Teutoburger Wald bekommt die Nordschleife eine kleine Schwester

Im grünen Bereich: Noch fahren die Rennwagen nur durch die Computersimulation. Doch ab 2012 soll das "Drive Resort Bilster Berg" im Herzen des Teutoburger Waldes ganz real den Betrieb aufnehmen.

1932 – das war das Jahr, in dem im heutigen Westen der Republik die letzte Rennstrecke genehmigt wurde. Doch jetzt, fast 80 Jahre nach der Eröffnung des Hockenheimrings, ist es vielleicht wieder so weit. Denn mitten im Teutoburger Wald will ein Graf mit ein paar finanzstarken Investoren das „Drive Resort Bilster Berg“ aus dem Boden stampfen. Spätestens im Frühjahr 2012, so versprechen die Initiatoren, werden auf den ostwestfälischen Hügeln die Motoren glühen. Heute zwitschern hier noch die Vögel zwitschern und im Sommer zirpen die Grillen.

Allerdings wird der Bilster Berg keine Rennstrecke im üblichen Sinn. Vielmehr planen die Initiatoren ein Areal, das wie zum Beispiel das Ascari Race Resort in Spanien ein Refugium für reiche Raser ist, wie der ehemalige Sowjet-Armee-Flugplatz Groß-Dölln bei Berlin zum Stützpunkt für Sicherheitstrainings wird und wie der Automotive Proving Ground in Papenburg als Teststrecke für Autohersteller und Zulieferer dient. Denn während Rennen vor großen Publikum in der Regel mit roten Zahlen enden, sind die Strecken für sehr individuelle Nutzer permanent ausgebucht: „Testfahrten, Präsentationen, Meßprogramme – dafür findet man in ganz Europa heute kaum mehr einen Platz“, sagt Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff, der in der Region aufgewachsen ist, dort ein Luxushotel und vier Kliniken betreibt und nun das Projekt Bilster Berg angestoßen hat.

Als Basis dient den PS-Enthusiasten ein ehemaliges Munitionsdepot, das die britische Rheinarmee 1994 räumte. Auf dem rund 85 Hektar großen Areal soll zwischen rund 30 Bunkern und Lagerhallen ein Rundkurs angelegt werden, von dem Berater Walter Röhrl bereits als kleine Nordschleife schwärmt. Denn wie das legendäre Oval in der Eifel führt auch der 4,2 Kilometer lange Parcours aus der Feder von Formel-1-Pisten-Planer Hermann Tielke fast ausschließlich durchs Grüne, ist gewunden wie ein Riesenslalom und bietet  eine Höhendifferenz von insgesamt 70 Metern.

Grüne Hölle Nummer 2: Wer das ehemalige Munitionsdepot aus der Luft sieht, erkennt schnell, warum der Bilster Berg Walter Röhrl an die Nordschleife des Nürburgrings erinnert.

„Das Gelände ist für das Projekt bestens geeignet“, sagt Geschäftsführer Hans-Jürgen von Glasenapp, der weißwovon er spricht. Schließlich war er zuletzt Chef auf dem Hockenheimring. Die Lage mitten in Deutschland sei ideal, auf dem Berg gibt es kaum Probleme mit dem Schall, die terrassenförmige Anlage garantiert einen ambitionierten Streckenverlauf und so abgeschieden wie das Drive Resort liege, sind hier auch Prominente oder Prototypen unter sich. Das beste jedoch ist die Infrastruktur, die die Briten den künftigen Nutzern hinterlassen haben: Die Zufahrtstraße, die Energieversorgung, die Tankstelle und nicht zuletzt die vielen Lagerhallen – all das wird für den neuen Bestimmungszweck allenfalls renoviert und überarbeitet. Neubauten sind dagegen bis auf die Strecke selbst, das Clubhaus, das Technikzentrum und das Welcome Centre nicht nötig. „So können wir die Investitionen und damit natürlich auch die Preise gering halten“, sagt Glasenapp und stellt Tagesmieten von etwa 15.000 Euro in Aussicht. Andere Rennstrecken verlangen meist mindestens das Dreifache.

Trotzdem müssen die Projektpartner tief in die Tasche greifen, um das verlassene Munitionsdepot in ein lebendiges PS-Refugium zu verwandeln. Rund 34 Millionen Euro sollen investiert werden und kein einziger Cent davon aus öffentlichen Kassen stammen. „Alles wird privat finanziert“, sagt der Graf und ist nach der überstandenen Wirtschaftskrise guter Dinge: Nicht nur die meisten Genehmigungen sind mittlerweile erteilt, sondern auch der Großteil des Geldes ist beisammen. Spätestens im nächsten Frühjahr, sind die Initiatoren überzeugt, können die ersten Fahrzeuge den Berg stürmen – auch wenn es zunächst wohl nur Bagger sind.