Ferrari-Auktion: Rasende Rarität für einen guten Zweck

Eiliger Exot: Der Ferrari 599XX EVO for Emilia wird extra für die Auktion gebaut.

Mehr als 20.000 Menschen obdachlos, tausende Häuser beschädigt oder zerstört und zeitweise wurde auch die Autoproduktion in Maranello angehalten – die Erdbebenserie in der Emilia Romagna lässt auch Ferrari nicht kalt. Im Gegenteil: Um den Opfern der Erdstöße zu helfen, hat der Sportwagenhersteller jetzt eine spektakuläre Online-Auktion gestartet. Noch bis zum 20. Juni kann man auf den Webseiten www.ferrari.com und www.ferraristore.com auf eine Reihe von Devotionalien rund um das Cavallo Rampante bieten, die sonst nicht für Geld zu haben sind.

Absolutes Highlight im Online-Shop der Mitmenschlichkeit ist eine Weiterentwicklung des Ferrari 599XX für den Kundensport, die als „Evo“ im vergangenen Jahr auf der Motorshow in Bologna gezeigt wurde und in dieser Form nicht für den Verkauf gedacht war. Statt 730 PS leistet sein V12-Motor jetzt 750. Zudem hat der Wagen um 35 Kilo abgespeckt und bekommt ein aktives Aerodynamik-System mit einem aus der Formel 1 inspirierten Heckflügel, dessen Flaps ihre Stellung elektronisch gesteuert und passend zum Streckenprofil variieren können.

Der rare Renner, der mit einem Startgebot von 1,35 Millionen in die Versteigerung geht, wurde speziell für die Auktion gebaut und trägt eine ins Metall gefräste Widmung von Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo sowie die Autogramme der Formel-1-Piloten Fernando Alonso und Felipe Massa. Die beiden werden dem neuen Besitzer den neuen Wagen im September am Rande des Großen Preis von Monza übergeben.

Neben dem 599XX Evo kommen Raritäten aus der Welt der Formel 1 unter den Hammer. Dazu zählen mit einem Startgebot von 50.000 Euro unter anderem ein V8-Motor aus der Saison 2008, mit dem sich Ferrari den 16. Weltmeisterschaftstitel in der Konstrukteurswertung sicherte, sowie Rennanzüge, Handschuhe und Helme mit Original-Autogrammen von Alonso und Massa. Außerdem gibt es die „Nasenspitze“ des legendären F60, mit dem die Scuderia ihre 60. Formel-1-Saison in Folge bestritt.

Ferrari-Präsident Montezemolo vertraut darauf, dass ihn seine Stammkunden bei dieser Auktion nicht enttäuschen werden. Schließlich sei der „599XX Evo for Emilia“ ein einzigartiges Auto, das es so nie wieder geben werde. „Deshalb bin ich mir sicher, dass wir auf die Großzügigkeit unserer Ferrari-Anhänger in aller Welt zählen können.“


Unikat im Kupferdress: Ein Sportwagen wie aus dem Märchen

Mercer Cobra: Virgil Exner gestaltete dieses Auto als Hommage an die US-Marke Mercer, die zwischen 1909 und 1925 rund 5000 Autos baute. Foto: RM AuctionsVirgil Exner war Autodesigner und Anfang der sechziger Jahre Kreativchef der US-Marke Chrysler. Nach seiner Pensionierung legte er den Zeichenstift allerdings nicht beiseite – sondern gestaltete weiterhin Autos. Mit Vorliebe sogenannte Revival-Cars, Phantasiemodelle für Marken, die längst das Zeitliche gesegnet hatten.

Das US-Magazin “Esquire” hatte Interesse an diesen Entwürfen und bat Exner, für die Dezember-Ausgabe vier seiner Lieblingsentwürfe detailliert auszuarbeiten. So entstanden hinreißende Skizzen für Autos der verflossenen Marken Bugatti, Duesenberg, Pierce-Arrow und Mercer. Aus mindestens einem dieser Autoträume wurde dann ein realer Traumwagen, und der wird jetzt im kalifornischen Monterey versteigert. Der Schätzpreis liegt zwischen 800.000 und 1,2 Millionen Dollar.

Das der Wagen tatsächlich gebaut wurde, liegt an George Hartley. Der war Chef der “American Copper Development Association” und in dieser Funktion darauf aus, den Autoherstellern Kupfer als Metallwerkstoff der Zukunft zu verkaufen. Ein wichtiges Vehikel bei diesem Unterfangen sollte das von Exner gestylte Auto werden, denn für den Bau des Wagens, der bei der Turiner Karosseriebetrieb Sibona-Bassano erfolgte, wurden insgesamt elf unterschiedliche Kupfer- und Messing-Legierungen verwendet.

Bremsscheiben, Felgen, Türtafeln, Mittelkonsole, Instrumenteneinfassungen, Kühlergrill und Motorabdeckungen sind aus Kupfer, sogar das Lenkrad ist aus einer Chrom-Kupfer-Aluminium-Legierung gefertigt. Die Basis des sehr speziellen Autos ist das verlängerte Chassis eines englischen Cobra-Sportwagens.

Als das Auto fertig war – angeblich soll die Herstellung des Wagens Exner keine 15.000 Dollar gekostet haben – wurde es umgehend an den Kupfer-Lobbyisten Hartley verkauft, diesmal allerdings für 35.000 Dollar. Daraufhin wurde der glänzende Mercer-Cobra auf eine werbewirksame Welttournee geschickt. Der Wagen erregte überall Aufsehen, wo er gezeigt wurde, doch Kupfer blieb, vom Kabelbaum moderner Autos einmal abgesehen, ein seltener Werkstoff moderner Fahrzeuge. Ändern könnte sich das jedoch mit dem vermehrten Aufkommen von Elektromodellen, denn die Spulen der E-Motoren dieser Fahrzeuge sind in aller Regel aus Kupferdraht gewickelt.