Mehr Sport wagen: Jetzt bekommt auch der Porsche Macan das GTS-Doping

Ein bisschen Sport muss sein – erst recht bei einem Porsche. Deshalb schärfen die Schwaben nun auch ihr kleinstes Modell nach und bieten den Macan 18 Monate nach dem Start ebenfalls als GTS an. Ohnehin schon der knackigste unter den kompakten Geländewagen, wird der Baby-Cayenne damit zum Ende des Monats gar vollends zum Bordstein-Boliden. Denn wie immer bei den GTS-Modellen dreht Porsche nicht nur ein wenig an der Leistungsschraube und kitzelt in diesem Fall 20 PS mehr aus dem drei Liter großen V6-Benziner. Sondern nach der bewährten GTS-Rezeptur gibt es obendrein ein spürbar strammes Fahrwerk mit 15 Millimetern niedrigerem Schwerpunkt, Bremsen mit mehr Biss und ein nachgeschärftes Design. So schmückt Porsche den Macan mit dunklen Anbauteilen in glänzendem und mattem Schwarz und spendiert ihm für den scharfen Blick auf Wunsch zum ersten Mal LED-Scheinwerfer. Außerdem bauen die Bodybuilder sportliche Sitze mit mehr Seitenhalt ein, verteilen im Innenraum großzügig Alcantara und geben dem Macan mit einem neuen Sportauspuff die entsprechende Stimmgewalt. 
Das Training zeigt Wirkung: Mit jetzt 360 PS und bis zu 500 Nm beschleunigt der V6 den Geländewagen in 5,2 und mit dem Sport-Chrono-Paket sogar in 5,0 Sekunden von 0 auf 100 km/h und treibt ihn zumindest einen Hauch über die Hürde von 250 km/h, die für die meisten Konkurrenten bindend ist. Denn immerhin stehen bei ihm jetzt 256 km/h als Spitzentempo im Datenblatt.
Zwar verspricht Porsche Fahrleistungen und mehr noch ein Fahrgefühl, wie es eines Porsches würdig ist. Doch natürlich gilt das auch für den Preis: Denn statt der 59 715 Euro für den Macan S verlangen die Schwaben für den GTS gleich 73 400 Euro. Auch in dieser Disziplin gibt sich der Macan damit ganz schön sportlich.

Renault Alpine A610: Der letzte seiner Art

Donnerkeil aus Dieppe: So sahen vor zwanzig Jahren Sportwagen aus.

Sie bauen charmante Kleinwagen, praktische Vans und zwischendurch auch mal respektable Limousinen – nur mit Sportwagen haben die französischen Hersteller kein glückliches Händchen. Das war allerdings nicht immer so. Denn in Dieppe in der Normandie hat Jean Rédélé vor mehr als 50 Jahren die Marke Alpine gegründet. Er war mit 24 Jahren der jüngste Renault-Händler im Land, ein Heißsporn und ein so versierter Konstrukteur, dass er 1954 mit seinem ersten getunten Renault gleich einen Klassensieg bei der Mille Miglia errang.

Mit diesem Erfolg im Rücken und der Renault-Technik im Regal baut er ab 1956 eigene Autos. Benannt nach dem Alpenpokal, den er zwei Jahre zuvor ebenfalls nach Hause holt, schickte er den Alpine A106 und kurz darauf den A110 ins Rennen, der zu einem der erfolgreichsten Rallye-Wagen seiner Zeit wurde und zum Beispiel die legendäre „Monte“ gewann.

Als 1991 die letzte Alpine in den Handel kam, wurde der Wagen zwar noch in Dieppe gebaut, doch Rédélé hatte den Markennamen und seine letzten Firmenanteile schon mehr als zehn Jahre zuvor an Renault verkauft und mit dem neuen Modell persönlich nichts mehr zu tun. Aus den fliegengewichtigen Flundern von einst war denn auch ein komfortabler Gran Turismo geworden, der trotz seiner Kunststoff-Karosserie satte 1,4 Tonnen auf die Wage brachte.

Heckschleuder: Der V6-Motor hinter den Sitzen macht den Alpine zu einem Auto für Könner – denn große Fahrwerkselektronik gab es noch nicht.

“Dennoch war der Wagen eines der sportlichsten Autos, das die Franzosen je auf die Straße brachten”, sagt Andreas Conrad aus der Eifel, der einen der nicht einmal 900 gebauten A610 in der Garage hat. Das damals mehr als 100.000 Mark teure Coupé ist – von der engen Pedalerie abgesehen – nicht nur ungeheuer bequem und überraschend geräumig, sondern vor allem verdammt schnell. Sein drei Liter großer V6-Turbo im Heck leistet 250 PS, katapultiert den Wagen in 5,7 Sekunden auf Tempo 100 und schafft noch immer mühelos 265 km/h. Mit den vielen alten Porsche-Typen rund um den Nürburgring habe der Franzose deshalb leichtes Spiel, schwärmt Conrad. Und noch etwas erfreut den Fahrer an seiner Flunder: „Während man den Elfer hier an jeder Ecke sieht, ist der Alpine immer ein ganz besonderer Exot geblieben.“ Selbst wenn er für seinen Klassiker mittlerweile leicht 30.000 Euro bekommen würde, sagt er, „verkauft wird dieses Auto so schnell nicht.“ Weil das die meisten Besitzer ebenso sehen, ist es im Augenblick verdammt schwer, an so ein Auto heranzukommen.

Comeback-Kurs: Mit ein bisschen Glück kommt bald wieder ein Renault-Sportwagen unter dem Namen Alpine auf die Straße.

Doch das könnte sich bald ändern. Denn nach bald 20 Jahren Pause erinnert sich Renault jetzt wieder an seinen sportlichen Ableger und bereitet ein Comeback der flinken Flundern vor. Ein erster Prototyp wurde kürzlich am Rande des Formel-1-Rennens in Monaco gezeigt, und in etwa zwei Jahren könnte so ein Auto auch auf die Straße kommen. Alpinist Conrad sieht die Renaissance mit gemischten Gefühlen. Klar würde er sich freuen, wenn es bald wieder einen echten Sportwagen aus Frankreich gäbe. Und dass ein neuer Alpine die Preise für die alten kaputt machen würde, ist auch nicht zu befürchten. Aber an einen puristischen Rennwagen will er in Zeiten von Fahrwerkselektronik und Batterie-Boom nicht so recht glauben. Seine melancholische Prognose: „So wie früher wird es nie wieder.“