Opel Zafira Tourer Concept: Lederlounge mit Höhensonne

Innen hui, außen ... naja – aber wie will man einen Kompaktvan schon schmuck verpacken.

Von wegen Familienkutsche: Die Studie Zafira Tourer Concept ist für schokoverschmierte Kinderfinger, Windelpakete oder Schulranzen viel zu schade. Um die Messegäste des Genfer Autosalons bereits jetzt auf die dritte Generation der Großraumlimousine einzustimmen, hat Opel den Kompaktvan jetzt schonmal als Studie hergerichtet und dabei in eine luxuriöse Lounge  verwandelt.

Den besten Platz hat man in diesem Auto in der zweiten Reihe. Dort thronen die Passagiere auf weichen Fauteuils in karamellbraun, für die sich die Opel-Designer von der Business-Class im Flugzeug inspirieren ließen. So kann man nicht nur auf Knopfdruck eine Fußstütze ausklappen, sondern bei stehendem Wagen auch die Kopfstütze rotieren lassen. Sie dreht sich dann um 90 Grad und wird zur bequemen Nackenstütze. Der Clou des Zafira aber bleibt das variable Sitzsystem, das nun noch einmal verbessert wurde und beim Showcar ebenfalls auf Knopfdruck funktioniert: Sobald die dritte Sitzreihe im Wagenboden verschwunden ist und der Mittelsitz der zweiten Reihe zu einer Armlehne zusammengefaltet wurde, lassen sich die beiden äußeren Plätze ein wenig nach hinten und nach innen verschieben. Dann hat man im viersitzigen Zafira mehr Schulter- und Beinfreiheit als in jeder Luxuslimousine.

Möchtegern-Maybach: Ledersessel mit Fußrasten und Nackenstützen, Armelehnen und eingebaute iPads machen die Zafira-Studie zum Traum aller Hinterbänkler.

Aber bequeme Sitze allein garantieren noch kein Wohlfühl-Ambiente. Deshalb hat Opel auch elektronisch aufgerüstet und spendiert jedem Passagier ein iPad, das klapp- und drehbar an der Lehne des Vordersitzes angebracht ist. Darüber hinaus lässt sich der Innenraum vom Licht einer eingebauten “Höhensonne” erleuchten. Unter dem große Panoramadach nämlich ist eine zweite Scheibe eingezogen, die von kaum sichtbaren Metallpartikeln durchzogen ist und mit LED-Technik beleuchtet wird. Drückt man aufs Knöpfchen, schicken die LED ihr Licht in mehreren Stufen dimmbar in die Scheibe, wo es von den Metallpartikeln wie von Micro-Spiegeln reflektiert wird und eine warme, sonnige Atmosphäre zaubert. „So haben wir die Idee einer Lounge auf ein Fahrzeug übertragen und eine automobile Wellness-Oase geschaffen“, sagt Designchef Mark Adams.

So faszinierend das Interieur der Studie ist, so vorhersehbar wirken Technik und Form. Den Antrieb und das adaptive Fahrwerk mit auf Knopfdruck verstellbarem Charakter teilt sich der künftige Zafira mit der Kombiversion des Opel Astra, und das Design, für das sich Chef-Stylist Adams von modernen Hochgeschwindigkeitszügen inspirieren ließ, ist ein Best-Of der aktuellen Modellpalette. Wie der Ampera hat auch der Zafira Schweinwerfer die wie Walrosszähne aussehen und nach oben in den typischen LED-Lichthaken auslaufen. Wie der Insignia Sports Tourer hat er die markante Seitengrafik eines umgedrehten Hockeschlägers; und wie der Meriva hat er eine breite, glatte Heckpartie. Was man allerdings vergebens sucht am großen Bruder des kleinen Vans sind seine pfiffigen Portaltüren. Während die den Minivan zu einem besonderen Auto machen und schön Platz machen zum bequemen und vor allem sicheren Ein- oder Aussteigen, muss der Zafira mit konventionell angeschlagenen Klapptüren auskommen. Da waren den Designern wohl die Konstrukteure und die Kostenkiller überlegen.

Höhensonne auf Knopfdruck: Das Dach des Zafira ist mal klar, mal sonnig gelb illuminiert.

Die werden wohl auch auf dem Weg von der Studie zur Serie noch ein paar Worte mitreden und das „Tourer Concept“ deshalb bis zur Premiere des Serien-Zafria im Herbst auf der IAA wohl seiner edlen Lederausstattung, seiner vielen elektrischen Helfer und wahrscheinlich auch der ganzen iPads berauben. Selbst die Höhensonne im doppelten Dach dürfte nicht so einfach durchzuboxen sein. Klar, mobile Manager und Maybach-Kunden auf dem Spartrip mögen das bedauern. Doch für alle anderen ist das eine gute Nachricht: Auch der neue Opel Zafira wird wieder eine Familienkutsche, die sich für schokoverschmierte Kinderfinger, Windelpakete und Schulranzen nicht zu schade ist.


VW Milano Taxi: Elektrischer Exot am Taxistand

Bitte einsteigen: Ein ungewöhnliches Türkonzept und der Verzicht auf den Kofferraum schaffen Platz für Passagiere.

Von wegen Mercedes E-Klasse! Schon seit Jahren bröckelt der Marktanteil von Deutschlands Taxi Nummer 1. Und nach VW Touran, Skoda Octavia und Dacia Logan MCV drängt demnächst wohl ein weiteres Modell vor Bahnhöfen und Flughäfen in die Pole Position. Denn zumindest als Studie hat VW jetzt einen elektrischen Exoten vorgestellt, den man durchaus als Taxi der Zukunft sehen könnte. Immerhin ist das als Hommage an die italienische Heimat des VW-Chefdesigners Walter de Silva optisch wie nominell als „Milano Taxi“ geführte Schaustück klein und trotzdem geräumig, schnell, handlich und obendrein noch sauber.

Möglich macht das ein ebenso zeitgemäßer wie platzsparender Elektromotor, der immerhin 115 PS leistet und den 1,5 Tonnen schweren Stromer auf bis zu 120 km/h beschleunigt. Weil die Batterie respektable 45 kWh speichern kann, kommt das Taxi auf eine Reichweite von rund 300 Kilometern, bevor die Lithium-Ionen-Akkus an die Steckdose müssen. Allerdings reicht dann im besten Fall schon eine Stunde, um immerhin 80 Prozent der Kapazität zu füllen – bei den langen Standzeiten am Flughafen sollte das kein Problem sein.

Aber der Wechsel vom Diesel auf Elektrizität ist nicht die einzige Konvention, mit der die Niedersachsen mit der Studie brechen. Neu ist auch das Karosserie-Konzept: Statt auf Limousine oder Kombi setzen die VW-Ingenieure auf einen vergleichsweise kleinen Van von 3,73 Metern Länge und 1,60 Metern Höhe – ein Auto, das sich wohl auch ohne Taxi-Schild recht gut verkaufen würde. Der Haken ist, dass der geplante Minivan VW Space-Up frühestens 2013 in Serie gehen wird.

Damit man in einem Auto, das kürzer ist als der aktuelle VW Polo, mehr Platz hat als in einem Passat, hat VW den Kofferraum eingedampft und die Rückbank so weit nach hinten versetzt, dass hinter der Lehne nur noch Platz für ein bisschen Kleinkram bleibt. Dafür herrschen im Fondfußraum großzügige Platzverhältnisse und weil es keinen Beifahrersitz gibt, kann man von hinten rechts die Beine bis unters Armaturenbrett strecken. Statt des Sitzes vorne rechts gibt es dort die Möglichkeit, Gepäck unterzubringen. Vorteil für den Taxler: Er muss jetzt nicht mehr Aussteigen und den Kofferraum öffnen.

Der Zustieg für die Fahrgäste ist auch neu geregelt: Auf der Fahrerseite gibt es gar keine Tür für Passagiere, auf der anderen Seite dafür eine riesige Schiebetüre, die nach vorne aufgleitet. Ebenfalls dem Komfort dient ein großer Touchscreen. Auf dem der Fahrgast die Route verfolgen, den Wettbericht lesen, Informationen zum Zielort abrufen oder mit Hilfe des integrierten Kartenlesers die Rechnung bezahlen kann.

An eine Serienfertigung des Milano Taxi denkt bei VW offiziell noch keiner. Doch insgeheim lassen sie durchblicken, dass sich niemand in Wolfsburg über positive Reaktionen auf die Studie und den Ruf nach einer Serienversion wundern würde.