VW Race Touareg „Qatar“: Einsatzwagen für den Emir in Eile

Wüstenkrieger: Im weiß-goldenen Smoking statt im Rennanzug will VW mit dem Race Touareg die Scheichs locken.

Gerade erst hat der VW Touareg die legendäre Rallye Dakar gewonnen, da steht er schon wieder im Rampenlicht: Auf der ersten Katar Motorshow in Doha feiern die Niedersachsen jetzt die Premiere des Race Touareg „Qatar“ und zeigen damit, wie eine Straßenversion des Wüstenrenners aussehen könnte. Bislang nur ein schönes Gedankenspiel, wird daraus womöglich bald Ernst. „Wenn wir genügend Interessenten für das Auto finden, könnten wir uns durchaus eine Kleinserie vorstellen,“ deutet ein VW-Insider an. Die abzusetzen dürfte selbst bei einem Schätzpreis in Millionenhöhe gerade in den Golfstaaten kein Problem sein.

Vom Siegerauto aus Südamerika unterscheidet sich der Prototyp auf den ersten Blick nur durch ein paar kleine Zugeständnisse an die Straßenverkehrsordnung – und durch seinen feinen Zwirn: Trug er zur Rallye noch den dunkelblauen Rennanzug mit quietschbunten Sponsoren-Aufklebern, zeigt er sich in Katar in einer Farbe, die im Morgenland gut ankommen dürfte. Ein reines Weiß mit dem klangvollen Namen „Magic Morning“, das bei bestimmten Lichteinfall ins Gold changiert und so bestens zu den güldenen Felgen und dem gleichfarbigen „Race Touareg“-Schriftzug auf den Flanken passt.

Davon abgesehen jedoch bleibt der Race Touareg die wilde Kampfmaschine, die sich ohne Kompromisse durch die Wüste wühlt und mit dem Serienmodell kaum mehr als den Namen und das VW Logo auf der Kühlermaske gemein hat. Die Karosserie aus Karbon und Kunststoff hat nur noch zwei Türen und dafür das Heck eines Coupés, auf dem Dach duckt sich eine riesige Hutze, Bodenfreiheit und Federwege reichen für die wildeste Kletterpartie, und wo die Araber sonst einen V8-Benziner bestellen würden, will VW sie jetzt mit einem Diesel locken.

Schneller Sonderling: Bis auf die Markenzeichen hat auch der zivile Race Touareg nichts mit dem VW-Serienmodell gemein.

Der im Heck platzierte Fünfzylinder hat vergleichsweise magere 2,5 Liter Hubraum, bringt es aber unter ohrenbetäubendem Lärm auf 310 PS und beschleunigt den Rennwagen wie eine Kanononkugel. Zwar liegt das Spitzentempo bei der Dakar bei kaum 200 km/h, doch mit weniger als sechs Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 lässt der Koloss selbst manchen Sportwagen blass aussehen.

Auch innen ist der Race Touareg meilenweit entfernt vom Serienmodell. „Bis auf den Blinkerhebel gibt es keine Gleichteile“, sagt Mark Miller aus dem Rennfahrer-Kader der Dakar. In seinem Arbeitsgerät allerdings musste er sich in abwaschbare Schalensitze zwängen, blickte auf blankes Blech und auf ein Gewirr aus Kabeln und Schläuchen; das Messemodell aus Doha dagegen wirkt innen eher wie eine Luxuslounge. Zwar bleibt es bei der verwirrenden Vielfalt an Schaltern und Instrumenten, der Knauf für das sequentielle Getriebe ragt wie ein Knüppel ins Cockpit und man muss auch hier durch einen Überrollkäfig auf den Platz klettern. Doch sind die weiterhin sehr körperbetonten Schalensitze jetzt mit Nubuk und Nappa beledert, und die Konsolen sind mit mattiertem Karbon oder poliertem Aluminium verkleidet.

Dass die Niedersachsen den zivilisierten Wüstenrenner ausgerechnet in Katar zeigen, liegt nicht nur am vielen Sand in der Gegend. Und auch nicht an den günstigen Spritpreisen, die den Einsatz des mit einem Verbrauch weit jenseits von 20 Litern alles andere als sparsamen Diesels ermöglichen würden. Sondern es liegt vor alllem an der Vorlieber der Emiratis für schwere, schnelle und spektakuläre Geländewagen. Davon haben bislang vor allem Porsche, Mercedes und zum Teil auch BMW profitiert. Doch VW und den Touareg hatten die schnellen Scheichs bis dato nicht auf der Shopping-Liste. Das, so hofft ein VW-Offizieller, könnte sich mit diesem Auftritt schnell ändern.