Ein Kessel buntes: So aufregend wird das Autojahr 2016

Autofahrkäufer sehen spannenden Zeiten entgegen. Denn als hätten Hersteller und Importeure nicht schon in den letzten Jahren ein imposantes Neuheitenfeuerwerk abgebrannt, ist der Premierenkalender auch für 2016 schon jetzt wieder bis zum Platzen gefüllt. Über 100 Generationswechsel, Facelifts, neue Varianten und ganz neue Modelle werden für reichlich Bewegung im Autohandel und ein buntes Bild auf den Straßen sorgen. Alle offiziellen Ankündigungen und die wichtigsten Gerüchte sind hier nach Segmenten zusammen gefasst.

 

Dick im Geschäft: Die Neuheiten der Business-Klasse

Volvo S90

Volvo S90

Die wichtigsten Neuheiten des Jahres gibt es 2016 in der gehobenen Mittelklasse. Dort will sich bereits im Frühjahr die Mercedes E-Klasse als neuer Leitstern unter den Geschäftslimousinen etablieren. Doch der Himmel gehört den Schwaben nicht lange alleine. Sondern kurz darauf drängt Volvo mit seinem neuen Flaggschiff S90 ins Blickfeld und irgendwann sollte auch Alfa endlich die neue Giulia fertig haben, die uns die Italiener eigentlich zum Jahreswechsel versprochen hatten und nun nochmal ein paar Monate nach hinten schieben. Dazu im Sommer das Cadillac-Flaggschiff CT6 und im Herbst einen ersten Ausblick auf die für Anfang 2017 versprochenen Neuauflagen von BMW Fünfer, Audi A8 und Porsche Panamera – da wird es dem gehobenen Management mit großzügiger Dienstwagenregelung schnell warm ums Herz. Zumal es in diesem Segment nicht nur für standesbewusste Vielfahrer, sondern auch für Praktiker ein paar wichtige Premieren gibt: Denn schon im März in Genf steht neben dem Volvo S90 auch der für Europa viel wichtigere Lademeister V90, Kia stellt dem Optima zum allerersten Mal einen Kombi zur Seite und im Oktober in Paris zeigt Mercedes die neue E-Klasse auch als T-Modell. Auch Schöngeister sollen auf ihre Kosten kommen – zum Beispiel mit dem neuen Audi A5 und dem Lexus Coupé RC.

 

Matsch more: Der Boom auf der Buckelpiste geht weiter

Volkswagen Studie Tiguan GTE

Volkswagen Studie Tiguan GTE

Zwar hat mittlerweile wirklich auch der allerletzte Hersteller mindestens einen Geländewagen im Programm. Doch weil die Prognosen für die SUV weiter steil nach oben zeigen und die Kauflust ungebrochen ist, reißt die Flut der Neuheiten auf der Buckelpiste nicht ab. Das mit Abstand wichtigste Modell wird dabei der neue VW Tiguan, der nach seiner IAA-Premiere aus dem letzten September im Frühjahr endlich auf die Straße kommt. Er startet als konventioneller Fünfsitzer, kommt im Herbst aber auch als Tiguan XL mit sieben Sitzen und wahrscheinlich 2017 auch als Coupé. Außerdem streut VW die Gene des Geländegolfs großzügig im Konzern und lässt auch die anderen Marken daran teilhaben. Den großen Tiguan gibt es deshalb auch als ersten Geländewagen von Skoda und den kleinen als Buckelpisten-Premiere bei Seat. Und als wäre es damit noch nicht genug, darf Audi im Frühjahr endlich mit dem Q2 gegen den BMW X1 oder den ebenfalls zur Erneuerung anstehenden Mini Countryman antreten.

Infiniti QX30

Infiniti QX30

Dazu gibt es fürs Mittelfeld einen aufgefrischten Opel Mokka, ein Update samt Hybrid-Antrieb für den Toyota RAV-4, einen zweiten, sehr viel kleineren Allradler von Toyota im Herbst, den Infiniti QX30 auf Basis des Mercedes GLA, einen neuen Peugeot 3008, die nächste Generation des Jeep Compass  und ein Facelift für den Ford Kuga. Für die gehobene Mittelklasse kommen der Nachfolger des Renault Koleos und der Ford Edge und wer gerne in Samt und Seite in den Schlamm fährt, der kann das mit dem neuen Cadillac XT5, dem Jaguar-Erstling F-Pace oder der jüngsten Generation des Lexus RX versuchen. Und dann gibt es ja auch noch Bentley Bentayga, der als luxuriösester aller Geländewagen die Spirale wieder ein Stückchen weiter nach oben schraubt.

Noch immer nicht genug? Dann lässt sich der Entscheidungsbaum mit ein paar neuen Varianten noch weiter verästeln. Schließlich gibt es den Audi Q7 im neuen Jahr auch als Sportmodell mit S-Label, beim BMW X4 leistet sich die M GmbH eine Performance-Variante und Mercedes macht den GLC zum SUV-Coupé.

 

Lass die Sonne in den Herz: Die neuen Open-Air-Modelle der Saison

Mercedes-AMG S 65 Cabrio

Mercedes-AMG S 65 Cabrio

In den letzten Jahren hingen dicke Wolken über dem Segment der offenen Autos. Doch 2016 klart die Stimmung für Cabrios und Roadster mächtig auf und alle Welt setzt ihre Kunden an die frische Luft. Am größten ist die neue Offenheit bei Daimler, wo im Frühjahr gleich vier neue Open-Air-Modelle starte: Für Sparer gibt es ein neues Smart Cabrio, für Snobs zum ersten mal seit Jahrzehnten wieder eine offene S-Klasse und für Sportler wahlweise den aufgefrischten SL oder ein Update für den SLK, der mit der Modellpflege zum SLC wird. Und als wäre das noch nicht genug, dürfte im Lauf des Jahres auch die C-Klasse noch ihre Hüllen fallen lassen.

Range Rover Evoque Cabrio

Range Rover Evoque Cabrio

Die Konkurrenz kommt da kaum hinterher. Denn BMW hat 2016 am unteren Ende der Skala nur den offenen Mini und am oberen als zweites Cabrio von Rolls-Royce den Dawn zu bieten, und bei Audi stehen allenfalls der R8 Spyder und der Nachfolger des A5 im Kalender. Aus dem Ausland kommen dazu noch die offene Version des Chevrolet Camaro, das Comeback des Citroen Mehari und natürlich der Fiat 124 Spider, mit dem die Italiener die Wiederentdeckung des Dolce Vita feiern wollen. Ach ja, und dann steht uns noch ein weiteres Frischluft-Experiment ins Haus. Denn mit dem Evoque Cabrio will Land Rover ausloten, ob der SUV-Boom auch unter freiem Himmel funktioniert.

 

Ein bisschen Spaß muss sein: Das tut sich 2016 auf der Überholspur

Honda NSX

Honda NSX

Da können die Schnellfahrer einpacken und alle Konkurrenten ihre Ambitionen begraben: Der neue König der Überholspur steht bereits fest, bevor das Jahr 2016 begonnen hat. Denn wenn Bugatti im Genf den Chiron vom Stapel lässt, bleibt für die anderen nur noch ein Platz unter ferner liefen. Nicht umsonst will die französische VW-Tochter das ohnehin schon schnellste und stärkste Serienmodell der Welt in jeder Dimension noch einmal deutlich besser machen. Weil der Tiefflieger damit aber auch noch einmal teurer werden dürfte und dann wahrscheinlich vollends unbezahlbar ist, lohnt vielleicht doch ein Blick auf die anderen Neuheiten, die sich im Rückspiegel der Normalsterblichen bahnbrechen wollen. Das kunterbunte Spektrum beginnt mit dem 350 PS starken Ford Focus RS und BMW M2, mit dem die Scharfmacher aus Garching ihr Programm nach unten abrunden und den rebellischen Geist des Legendären 2002ti aufleben lassen. Es führt über die zweite Variante für die McLaren Sport Series und die aufgefrischten Porsche-Modelle von Elfer sowie Cayman und Boxster, die künftig in der Baureihe 718 zusammen gefasst werden. Und es gipfelt in so vorlauten PS-Protzen wie dem neuen Camaro, der ein paar Wochen nach seinem US-Start jetzt auch in Deutschland auf die Überholspur drängt, oder dem Ford GT, der zum Ende des Jahres Jagd auf Lamborghini & Co macht. Dazu noch ein Facelift für den Nissan GT-R und als überfällige Sehnsuchtsmodelle endlich einen neuen Aston Martin sowie den seit Urzeiten angekündigten Honda NSX, schon ist auf dem Highway wieder die Hölle los.

 

Im Namen des Volkes: Die bürgerlichen Neuheiten für die breite Masse

Während sich in der Oberklasse und in den Nischen jede Menge Bewegung abzeichnet, ist es in den Volumensegmenten eher still. Neue Kleinwagen sind selten, in der Kompaktklasse tut sich wenig und bei den bezahlbaren Mittelklasse ruht der See relativ still. Zu den wichtigsten Neuheiten im Namen des Volkes dürften deshalb der überfällige Nachfolger des Ford Ka bei den ganz kleinen und der Renault Mégane, der Opel Astra Sportstourer sowie die nächste Generation des Honda Civic und der neue Fiat Tipo bei den Kompakten zählen. Außerdem macht VW den Beetle als Dune zum Standkäfer du bereitet für den Herbst das nächste Facelift für den Golf vor. Und wer viel Auto für relativ wenig Geld haben will, der schaut nach dem Renault Talisman, der im ersten Halbjahr als Limousine und Kombi den Laguna beerbt. Am wenigsten tut sich allerdings bei den Vans, die offenbar jeden Drive verloren haben. Gäbe es nicht noch Facelifts für den Citroen C3 Picasso und den Opel Zafira, wäre der Renault Scénic nach aktuellem Stand die einzige echte Neuheit.

 

Grüne Welle: Jede Menge neuer Öko-Autos

Audi Q7 e-tron 3.0 TDI quattro

Audi Q7 e-tron 3.0 TDI quattro

Der Durchbruch für das Elektroauto lässt zwar weiter auf sich warten. Doch weil die CO2-Vorgabegen streng sind und das Gewissen schlecht ist, haben die Autohersteller trotzdem eine ganze Menge neuer Öko-Modelle in Petto. Das mit Abstand wichtigste und zugleich gewöhnlichste ist der Toyota Prius, der als globaler Bestseller unter den Grünen im Frühjahr in die fünfte Generation geht und noch einmal alles etwas besser machen will. Während Toyota beim Prius weiterhin auf die bekannte Technik setzt, drehen vor allem die deutschen das Rad ein bisschen weiter und forcieren ihre Plug-In-Offensive: Bei BMW werden deshalb der Active Tourer, der Dreier und der Siebener zum Teilzeitstromern mit Steckdosen-Anschluss, bei Audi fährt der Q7 an die Ladesäule und bei Mercedes kommt die neue E-Klasse mit Plug-In-Batterie. Doch auch die reinen Akku-Autos nehmen im neuen Jahr einen neuen Anlauf. Nicht umsonst wartet alle Welt gespannt auf die überfällige Markteinführung des Tesla Model X. Außerdem gibt es von Chevrolet im Frühjahr die Serienfassung des Bolt, dem im Herbst ein Ableger von Opel folgen wird. Ach ja, und die Brennstoffzelle säuselt natürlich auch weiter: Nach dem Toyota Mirai kommen deshalb im Sommer die ersten Exemplare des Honda Clarity auf die Straße.


Tesla Model X: Ein Flügeltürer für die ganze Familie

Einer wie alle? Auf den ersten Blick sieht das Model X noch aus wie ein etwas eleganteres SUV von der Stange.

Wenn Elon Musk, der Chef von Tesla Motors, derzeit mit seiner Familie unterwegs ist, dann meist in einem Audi Q7. Doch so richtig zufrieden ist der Multimillionär mit diesem Fahrzeug nicht. Denn erstens schlägt sein Herz natürlich für die elektrische Fortbewegung, und zweitens mangelt es ihm bei dem deutschen Dickschiff an Platz und Performance. Deshalb auf beispielsweise einen Chrysler Voyager umzusteigen, kommt für ihn allerdings auch nicht in Frage. Denn die Mutter aller Großraumlimousinen ist zwar innen ungeheuer geräumig, dafür jedoch ziemlich unelegant. Und von Fahrspaß kann auch keine Rede sein.

Ein wenig muss Musk – vermutlich mit zahlreichen Menschen aus der Oberschicht in Amerika und anderswo – noch mit diesem Zustand klar kommen. Doch Ende 2013 oder Anfang 2014 wird sein Unternehmen solche Kompromisse überflüssig machen. Denn als drittes Modell nach dem Tesla Roadster und der für diesen Sommer avisierten Limousine Tesla Model S geht dann in rund zwei Jahren das Model X an den Start. Der Luxusliner aus der Fünf-Meter-Liga wird das unvermeidliche Cross-Over-Modell, ohne das heute offenbar kein Nobelhersteller mehr auskommt. Tesla zielt damit zum Beispiel auf Kunden, die jetzt noch Audi Q7 fahren oder Mercedes R-Klasse oder den BMW X6.

Irre! Sobald die Türen aufgehen, stockt den Zuschauern der Atem. So was kennt man bislang nur von Supersportwagen.

Während andere Marken mit solchen Zwittertypen oft nur den kleinsten gemeinsamen Nenner bedienen, holt Musk bei seinem Mix das Maximum aus allen Modellen heraus. „Wenn das Elektroauto ein Erfolg werden soll, reicht es nicht, ähnlich oder gleich gut zu sein wie konventionelle Fahrzeuge“, sagt der E-Pionier. „Sondern wir müssen besser sein.“ Deshalb bietet das Model X genau so viel Platz wie ein Minivan, hat aber Statur und Status eines sportlichen Geländewagens. Und damit der Fahrspaß nicht auf der Strecke bleibt, ist es nach Aussage des Chefs auch noch ähnlich dynamisch wie ein Porsche 911.

Dafür sorgt ein E-Motor – bei optionalem Allradantrieb auch zwei von dieser Sorte – mit gut 350 PS, der den Wagen in 4,4 Sekunden auf Tempo 100 katapultiert. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei etwa 200 km/h. Gespeist wird die E-Maschine (oder die beiden E-Maschinen) von Lithium-Ionen-Akkus, die im Wagenboden integriert sind. Es wird dort zwei unterschiedliche Pakete mit 60 oder 85 Kilowatt-Stunden Speicherkapazität geben, die eine Reichweite von maximal knapp 500 Kilometern ermöglichen sollen. Einen benzinbetriebenen Range-Extender wie im Fisker Karma oder im Opel Ampera hält Musk bei dieser Reichweite für verzichtbar.

Kühne Kehrseite: Das Heck des Model X kombiniert den Schwulst des BMW 5er GT und den hängenden Hintern des Audi A7.

Der Elektroantrieb hilft aber nicht nur beim sauberen Vortrieb, er schafft auch den nötigen Platz für bis zu sieben Passagiere in drei Reihen. Das bieten normale Geländewagen und Minivans zwar auch. Doch spätestens, wenn die Insassen mehr als eine Handtasche mitnehmen möchten, wird es in ihnen eng. Der Tesla hat jedoch hinten keinen Tank und vorn keinen Motor. „Wir geben Menschen den Platz in ihrem Auto zurück“, sagt Musk und wuchtete während der Vorstellung des neuen Autos mehr als ein Dutzend Koffer aus den beiden großen Kofferraumklappen an Front und Heck des Modell X.

Das Innenleben ist praktisch und die Stauräume sind pfiffig. Doch der Clou des Model X ist das Türkonzept. Denn dort, wo normale Vans allenfalls mit Schiebetüren locken, hat Tesla-Designchef Franz von Holzhausen so genannte Falconwing-Doors eingebaut. Ganz ähnlich wie im Mercedes SLS, nur zwei Nummern größer, schwingen sie auf Knopfdruck nach oben und machen den Weg frei in die beiden hinteren Reihen. „Nie war das Einsteigen so einfach“, sagt Musk und entert fast Aufrecht in den noblen Innenraum.

Musk, den seine Fans als den Steve Jobs der Autoindustrie verehren, macht mit und bei Tesla so ziemlich alles anders als die großen Pkw-Konzerne aus der alten Welt. Das gilt auch für die Informationspolitik: Während Mercedes & Co. ihre Neuheiten meist bis zur letzten Minute geheim halten, spricht er sehr offen über seine Pläne. Auch beim Model X. Denn selbst wenn der Prototyp direkt von der Premierenbühne zu Testfahrten startete, wird es bis zur Markteinführung noch fast zwei Jahre dauern. Kein Wunder also, dass es derzeit weder konkrete technische Daten, noch einen Preis gibt. Die 50.000 bis 90.000 Dollar, die das Model S kosten soll, sind die einzige Richtgröße, die potenzielle Kunden momentan haben. Die scheinen solche Unwägbarkeiten allerdings nicht zu stören: Kaum war das Model X enthüllt, waren auch schon die ersten Reservierung unterschrieben.