Bitte recht freundlich: Mit Charme und Chuzpe stempelt der neue Suzuki Swift Corsa & Co zu Spießern

Kleiner wird feiner – mit diesem Motto sind Stadtflitzer wie der VW Polo, der Opel Corsa oder der Ford Fiesta in den letzten Jahren bei Auftritt und Ausstattung stetig weiter aufgestiegen und haben längst das Niveau der Kompaktklasse erreicht. Zwar gibt es deshalb kaum mehr einen Grund, Golf, Astra oder Focus zu kaufen. Doch der ganz eigene Esprit der Kleinwagen und ihre jugendliche Unbekümmertheit sind dabei zu einem Gutteil auf der Strecke geblieben. Dass es auch anders gehen kann, will Suzuki jetzt mit dem neuen Swift beweisen. Denn wenn Mitte Mai für Schätzpreise ab etwa 14 000 Euro die sechste Generation des Bestsellers an den Start geht, punkten die Japaner vor allem mit einem unverstaubten Charme und stempeln Corsa & Co so zu echten Spießern.

Zu fröhlich schaut der Swift mit seinen von LED-Leisten eingefassten Glubschaugen in die Welt, zu verführerisch ist sein Schmollmund und zu kess sind die jetzt etwas weiter ausgestellten Kotflügel, als dass man sich dieses Charmes entziehen könnte. Und weil die die A-Säulen auch weiterhin schwarz gehalten sind und das Dach förmlich über dem Auto schwebt, erinnert die Front nach wie vor an die Kanzel eines Kampfjets und gibt dem Kleinwagen etwas Verwegenes, bevor noch jemand mit ihm Kuscheln will.

Die Form ist neu und doch vertraut. Aber das Format hat sich verändert: Von außen betrachtet, ist der Swift etwas geschrumpft, ist einen Zentimeter kürzer und drei Zentimeter flacher geworden und hat nur in der Breite vier Zentimeter zugelegt. Doch innen bietet der 3,84 Meter lange Fünftürer einer neuen Plattform mit zwei Zentimetern mehr Radstand sei dank etwas mehr Platz. Das merkt man auf dem Rücksitz und mehr noch dahinter, wo der Kofferraum um 54 Liter zugelegt hat. Jetzt fasst er 265 Liter bei aufrechter Rückbank und 947 Liter, wenn man sie flachlegt. Nur dass dann leider eine hässliche Stufe im Ladeboden bleibt.

Mit der neuen Plattform hat der Swift im besten Fall bis zu 120 Kilo abgespeckt und tut sich auf der Straße entsprechend leichter. Zum einem Konkurrenten für den Mini oder den Audi A1 fehlt es ihn zwar an Schärfe in der Lenkung und an der Härte im Fahrwerk. Aber wo das Fahren bei vielen japanischen Kleinwagen und erst recht den meisten anderen Suzukis eine lästige Pflichtübung ist, macht der Swift auch auf der Landstraße gute Laune und fährt flink um die Ecken.

In Fahrt bringen ihn dabei Motoren, wie man sie schon von Baleno & Co kennt: Es gibt einen 1,2 Liter großen Vierzylinder mit 90 PS für die Basisversion und den quirligen Dreizylinder-Turbo mit einem Liter Hubraum und 112 PS für das Top-Modell. Der Motor schnattert zwar wie alle Dreizylinder, und ein sechster Gang würde dem Getriebe auch nicht schaden. Doch mit 170 Nm ist man gut bei der Sache und wer den Boosterjet nur ordentlich auf Touren hält, der wischt auf der Landstraße lässig am Vordermann vorbei und traut sich auf der Autobahn auch mal ganz nach links: Von 0 auf 100 in 10,0 Sekunden und bei Vollgas 190 Sachen – das ist nicht schlecht für einen Kleinwagen und allemal schnell genug, damit der Swift nicht den Staub eines Spießers ansetzt.

Aber nur weil er ein frecher Feger ist, mangelt es dem kleinen Japaner nicht an technischer Substanz. Das beweist Suzuki mit dem Mild-Hybrid-System, das es im Swift erstmals in Kombination mit dem Dreizylinder gibt und den Verbrauch auf 4,3 Liter drückt, genauso wie mit dem optionalen Allradantrieb für den 1,2 Liter, den in dieser Klasse sonst nur noch Subaru anbietet, den aber immerhin jeder zehnte Swift-Kunde bestellt. Und obwohl man im Innenraum noch immer zu viel Hartplastik sieht und zu dünne Stoffe fühlt, wirkt selbst das Cockpit up-to-date, weil es zwischen den Instrumenten einen großen Bildschirm und in der Mittelkonsole einen hübsch inszenierten Touchscreen gibt.

Doch der ganze Stolz der Japaner sind die Radar-, Kamera- und Lasersensoren in der Front, mit der sie automatisch den Abstand regeln, bei der Spurführung helfen, die Aufmerksamkeit des Fahrers messen, das Fernlicht steuern und bei einem drohnenden Auffahrunfall die Notbremse ziehen.

Dabei schießen sie allerdings ein wenig über das Ziel hinaus. Denn die Ingenieure sind offenbar so stolz auf die wachsamen Sinne des Swift, dass zum Beispiel der Abstandswarner bei jeder Gelegenheit Alarm schlägt, selbst im Stau ständig scharf ist und so an den Nerven zerrt, dass man ihn nach der dritten Ampelphase längst ausgeschaltet hat. Ein bisschen Chuzpe kann bei so viel Charme schließlich nicht schaden.