VW Beetle Cabrio: Ein Käfer mit der Sonne im Herzen

Gute-Laune-Käfer: Das Dach geht runter und die Mundwinkel nach oben, wenn man mit dem Beetle Cabrio unterwegs ist.

Da werden die wilden Siebziger wieder lebendig und die Lifestyle-Jugend sucht schon mal die Sonnenbrille raus: Der VW Beetle macht sich frei und lässt pünktlich zum nächsten Frühjahr die Hüllen fallen. Getreu der Hippie-Hymne „Let the sun shine in“ bringen die Niedersachsen die Knutschkugel ab Ende Februar zu Preisen ab 21.350 Euro auch als Cabrio in den Handel.

Die neue Offenheit steht dem Beetle gut. Denn während der geschlossene Käfer eher ein bisschen verspielt aussieht und auch in der zweiten Generation von Möchtegern-Puristen als Frauenauto geschmäht wird, macht das Cabrio für einen Open-Air-Aufschlag von rund 4000 Euro die deutlich bessere Figur. Stramm und sportlich steht der offene Viersitzer auf der Straße und lockt zu einer Ausfahrt in einen Sommer, der hoffentlich niemals endet. Schließlich sind wir in Kalifornien, wo der Wagen derzeit auf der LA Autoshow Weltpremiere feiert und schon auf dem Markt eingeführt wird, während sich in Deutschland gerade der Winter breit macht und sich die Weihnachtsstimmung ausbreitet. Also rücken wir die Sonnenbrille zurecht, öffnen noch einen Knopf am Hemd und starten auf den Pacific Coast Highway.

Kragen hoch: MIt dem neuen Verdeck sieht der Beetle mehr nach Käfer aus als je zuvor.Doch vor das Open-Air-Vergnügen haben die Herren Ingenieure den Verdeck-Striptease gesetzt – und der hat es in sich. Das Dach selbst bewegt sich zwar serienmäßig auf Knopfdruck, funktioniert bis Tempo 50 auch während der Fahrt und braucht zum Öffnen keine zehn Sekunden. Aber danach muss man in einer üblen Fummelei eine Persenning über das Sandwich aus Stoff spannen, die erst mühsam eingehakt und dann ringsum festgeklemmt werden muss. So was kennt man sonst nur noch von Oldtimern. Lohn der Mühe: Wenn das Verdeck wie ein Kragen hinter den Sitzen liegt und die Persenning das Paket mit eingenähten Polstern noch größer und kantiger erscheinen lässt, sieht der Beetle mehr nach Käfer aus als je zuvor. Aber muss man dafür wirklich jedes Mal ein paar Fingernägel opfern?

Ist der Beetle aber erst einmal „oben ohne“, kennt der Spaß kaum Grenzen. Mit dem Wind in den Haaren und dem blauen Himmel über dem Auto, hat man gleich auch die Sonne im Herzen und ein Lächeln auf den Lippen. Und bei offenem Dach kommen die Passagiere jetzt auch besser auf den Rücksitz. Die Kniefreiheit ist bescheiden wie eh und je, aber zumindest nach oben ist nun Luft, so dass man auf Kurzstrecken tatsächlich auch mal zu viert fahren kann.

Deckel zu: Es dauert exakt elf Sekunden, bis das Stoffverdeck vollautomatisch geschlossen ist.

Dabei streicht in der Stadt nur ein laues Lüftchen durchs Haar. Doch sobald man draußen auf der Landstraße etwas mehr Gas gibt frischt der Fahrtwind im offenen Auto merklich auf. Und auf der Autobahn bläst bisweilen auch mal ein ausgewachsener Orkan durch den Innenraum. Wie zugig es wird, bestimmt man nicht nur mit der Stellung der Fenster, dem Windschott und natürlich mit dem Gaspedal. Sondern die Entscheidung fällt eigentlich schon beim Kauf. Denn es gibt den Beetle mit fünf Motoren, von denen zumindest einer wirklich stürmisch ist. Sparsame Naturen sollten den Benziner oder Diesel mit 105 PS kaufen, wer halbwegs vernünftig ist, bestellt den 140-PS-TDI oder den 160 PS starken TSI. Und wer wirklich Fahrspaß haben will, nimmt den Turbo, wie er zum Beispiel auch im Golf GTI zum Einsatz kommt. Zwei Liter groß und 200 PS stark, gibt er den Leistungssportler für die Lifestyle-Gesellschaft und macht dem charmanten Krabbler ordentlich Beine: Von 0 auf 100 rennt das Auto dann in 7,6 Sekunden und Schluss ist erst bei 223 km/h. Und wenn man zwischendurch mal die Hippie-Musik im Fender-Soundsystem leiser dreht und die Ohren spitzt, hört man plötzlich einen charmanten Gruß aus der Vergangenheit. Denn mit geschicktem Soundtuning klingt der Vierzylinder verdächtig nach genau jenem Boxer-Knattern, das in den Siebzigern zum Soundtrack einer ganzen Generation wurde.


VW Golf GTI Cabrio: Premiere für eine eilige Luftnummer

Bekanntes Gesicht: Wabengrill mit rotem Rahmen - das gehört zum Golf GTI, auch wenn er oben ohne fährt.

Jetzt aber schnell: Kurz bevor VW im September auf dem Autosalon in Paris den neuen Golf enthüllt, spendieren die Niedersachsen der aktuellen Generation noch einmal einen Superlativ und bringen den Bestseller Ende Juni erstmals als GTI Cabrio in den Handel. Das ist nicht nur die erste Open-Air-Version des sportlichen Golf-Ablegers in fast 40 Jahren GTI-Geschichte, sondern mit 210 PS und 237 km/h wird der Kraftmeier zugleich zum bislang schnellsten Cabrio in den Golf-Annalen. Allerdings hat dieses Vergnügen einen stattlichen Preis: 31.350 Euro kostet die eilige Luftnummer und ist damit um rund 5000 Euro teurer als die bislang stärkste Cabrio-Variante mit 160 PS.

Für den nötigen Fahrtwind sorgt – wie im geschlossenen Modell – der zwei Liter große TSI-Motor mit 210 PS. Der Vierzylinder-Turbo entwickelt ein maximales Drehmoment von 280 Nm, das bereits bei 1700 Touren anliegt. So kann man ganz genüsslich und gelassen über die Landstraßen cruisen und trotzdem in jeder Lebenslage die nötige Leistung abrufen: Einmal beherzt aufs Pedal getreten, schon fängt der Vierzylinder an wütend  zu knurren, die Drehzahl

Eiliger Abgang: Mit maximal 237 km/h stürmt das GTI Cabrio dem Generationswechsel des Golf entgegen.

schnellt in die Höhe und man wischt mühelos am Vorausfahrenden vorbei. Der GTI sprintet im besten Fall in 7,3 Sekunden auf Tempo 100 und stürmt auf der Autobahn so lange voran, bis die Tachonadel schon fast an der 250er-Marke kratzt. Je höher allerdings Drehzahl und Tempo getrieben werden, desto beweglicher zeigt sich auch die Tanknadel: Die 7,6 Liter Normverbrauch jedenfalls kann man bei gattungsgerechtem GTI-Betrieb getrost vergessen.

Wie jeder Golf GTI trägt auch das Cabrio die klassischen Insignien des automobilen Breitensports: Es gibt wie eh und je den rot eingefassten Wabenkühlergrill, spezielle „Denver“-Felgen mit betont breiten Reifen, neue Schürzen und Schweller sowie einen Heckdiffusor, aus dem frech die geänderten Endrohre ragen. Und natürlich sitzt man auch im Golf GTI Cabrio auf Wunsch auf den traditionellen Sportsitzen mit Karo-Muster. Klassisch ist auch das Stoffverdeck, das nach wie vor zu den schnellsten Systemen des Markts zählt: 9,5 Sekunden genügen dem Golf zum Striptease, der Sommer kann also kommen.

Willkommen daheim: Wer in einen Golf steigt, erlebt keine Überraschungen - auch nicht im GTI.

Aber GTI heißt bei VW längst nicht mehr nur Motor und Maskerade. Sondern für die nötige Dynamik gibt es auch ein strammer abgestimmtes Fahrwerk sowie die elektronische Quersperre XDS, die noch mehr Spaß in Kurven bringt. Sie bremst bei forcierter Fahrt das kurveninnere Vorderrad ein wenig ab, dreht den Wagen so noch schneller ein und kompensiert das Untersteuern, das viele Fronttriebler ein wenig träge erscheinen lässt. Wer dann noch das adaptive Fahrwerk mit variablen Dämpfern bestellt, der erlebt den GTI als knackig, trocken und meilenweit entfernt von der zementierten Langeweile, die den gewöhnlichen Golf sonst so erfolgreich macht.

Wer mit dem GTI Cabrio Staat machen möchte, der muss sich allerdings ein wenig beeilen. Denn nur wenige Monate nach der offenen Version des Bestsellers lanciert VW bereits den nagelneuen Golf, nämlich die siebte Generation der Baureihe. Kaum im Handel, wird der luftige Sportler so über Nacht quasi zum fabrikneuen Oldtimer.