Mercedes Vision GLA: A-Klasse auf Abwegen

A-Klasse auf Stelzen: Mit hoher Bodenfreiheit und bulligem Design wird aus dem Kompaktauto ein kleiner Kraxler.

Es ist wie verhext: Jetzt haben die schwäbischen Autobauer vom GLK bis zum GL schon vier ziemlich unterschiedliche Geländewagen im Programm – und trotzdem fehlt den Mercedes-Managern ausgerechnet im Boom-Segment der kleinen SUVs das passende Angebot. Denn zumindest in Europa spielt die Musik nicht mehr bei den großen Allradmodellen, sondern bei den eher schmächtigen, sportlichen und meist auch einigermaßen sparsamen SUVs der Kompkatklasse. Nicht umsonst stehen BMW X1, VW Tiguan und Audi Q3 in der Zulassungsstatistik ganz vorn. Doch Abhilfe aus Mercedes-Perspektive ist in Sicht. Denn als vierte Spielart der neuen Frontantriebsfamilie bringen die Schwaben jetzt nach B- und A-Klasse sowie der kleinen Limousine CLA einen schmucken Abenteuer auf den Weg. Auf der Messe in Shanghai stand das Auto zwar noch als Showcar und sah daher innen wie außen ein wenig überzeichnet aus. Doch im nächsten Frühjahr soll das Serienmodell in den Handel kommen und dem Premium-Primus BMW X1 ordentlich am Zeug flicken.

Genau wie der CLA gibt auch die A-Klasse für Abwege wieder den Stilrebellen und überrascht mit einem jugendlichen, durchaus flotten Design. Während der zu groß und vor allem zu teuer geratene GLK bullig und barock wirkt, steht der GLA schnittig im Wind: Die selbstbewusste Frontpartie lebt von riesigen Kiemen und den beiden Powerdomes auf der Motorhaube, die Flanke trägt die schnittigen Falze, die Mercedes-Designchef Gordon Wagener zu seinem Markenzeichen gemacht hat, und das betont breite Heck mit der weit nach vorn geneigten Klappe sieht eher nach Coupé als nach Geländewagen aus – allerdings gehen dabei ein paar Liter Kofferraum flöten.

Mehr Show als Serie: Der Innenraum wurde für den Messeauftritt luxuriös veredelt.

Auch innen gibt die Studie den Sportler. Sie verfügt über vier stark konturierte Einzelsitze, das Cockpit umschließt den Fahrer beinahe und die Lüftungsdüsen erinnern nicht von ungefähr an den Mercedes SLS. Dazu gibt es feines Leder mit insgesamt 20 Meter an Ziernähten sowie transparente Konsolen für ein luftig-leichtes Raumgefühl und darüber hinaus ein Gepäckabteil, das für Koffer eigentlich viel zu schade ist.

So neu die Karosserie geformt ist – unter dem Blech trifft man auf alte Bekannte. Die Studie ist mit dem 211 PS starken Vierzylinder-Turbo aus dem A 250 ausgerüstet, der mit einem Doppelkupplungsgetriebe und Allradantrieb kombiniert ist. Für die Serie wird es daneben auch die schwächeren Versionen des Vierzylinders geben, einige Dieselvarianten und sicher auch den 360 PS starken AMG-Motor. Und mit Rücksicht auf Preis und Verbrauch ist Allrad nicht immer Standard. Schließlich soll der GLA bei deutlich unter 30.000 Euro starten und auf einen Normwert von unter fünf Litern kommen.

Dickes Ende: Von hinten sieht der GLA überaus breit und wuchtig aus.

Dass Mercedes für die A-Klasse-Familie noch einen Geländewagen plante, war ein offenes Geheimnis, so dass sich die Überraschung bei der Premiere in Shanghai in Grenzen hielt. Doch haben sich die Vorausentwickler zumindest ein paar Details für ein Aha-Erlebnis einfallen lassen. Zum Beispiel die Laser-Scheinwerfer, die nicht nur einen Lichtkegel auf die Straße zaubern, sondern auch Fotos oder Filme an Häuserwände projizieren können. Wer gerade keine Bilddaten zur Hand hat, kann sie mit dem GLA live erzeugen. Denn in den Dachträgern sind zwei Digitalkameras integriert, deren Bild wahlweise an die Scheinwerfer oder an den Monitor in der Mittelkonsole übertragen wird. Diese Kameras lassen sich mit zwei Handgriffen demontieren und können dann zum Beispiel samt eingebautem Lichtspot an einem Fahrrad- oder Skihelm befestigt werden – nicht umsonst lautet das Motto der Studie „raus aus dem Alltag“. Chance auf eine Serienübernahme haben diese Gimmicks vorerst allerdings nicht.

Zwar ist der GLA schon das vierte Modell auf der neuen Plattform, doch wird es dabei nicht bleiben. Angeblich steht als Nummer fünf schon ein CLA Shooting Brake in den Startlöchern, lässt Designchef Gordon Wagener durchblicken. „Und danach gehen uns die Ideen sicher auch noch nicht aus.“


Qoros GQ3: Der Premium-Preisbrecher aus Fernost

Frischling aus Fernost: Mit dieser Limousine will die Marke Qoros von China aus Europa erobern.

Lustloses Design, billige Plastiklverkleidungen, schlampige Verarbeitung und katastrophale Crashtestergebnisse – was bislang an Autos aus China nach Europa kam, taugte allenfalls als Lachnummer. Bange jedenfalls musste den etablierten hiesigen Marken wegen dieser Fahrzeuge nicht werden. Doch jetzt könnte Importeuren wie Skoda, Chevrolet, Kia oder Hyundai womöglich erstmals eine ernsthafte Konkurrenz aus China erwachsen. Auf dem Genfer Autosalon im März gibt eine neue Marke aus China ihren Einstand, die für fernöstliche Verhältnisse beinahe einen Premium-Anspruch verfolgt und vor allem gezielt für den Export in den Westen entwickelt wurde. Dass dem Kunstprodukt „Qoros“ dabei als erster Marke aus dem Reich der Mitte durchaus Chancen eingeräumt werden, liegt vor allem am erfahrenen Personal. Denn für Entwicklung, Produktion, Design und Vertrieb zeichnen keine unerfahrenen chinesische Experten, sondern durchweg erfahrene europäische Automanager verantwortlich.

Wichtigster Mann im Vorstand ist der deutsche Volker Steinwascher, der zuletzt für VW den US-Markt verantwortete. Und für das Design ist Gert Volker Hildebrand verantwortlich, der beispielsweise für BMW den Mini in Form brachte. Zusammen mit einem internationalen Team zeichnet er nun in Deutschland, Österreich und Schweden eine ganze Flotte von neuen Fahrzeugen, die mit der Technik von renommierten Zulieferern wie Bosch, Continental, TWR oder Valeo ausgestattet und maßgeblich bei Magna-Styr in Graz entwickelt werden. „95 Prozent unserer Zulieferer zählen zur internationalen Elite“, prahlen die Qoros-Verantwortlichen. Und auch das Management ist international. Neben Hildebrand arbeiten in Shanghai, München oder Graz etwa 30 weitere deutsche Spezialisten. So übernimmt die Fahrzeuggesamtverantwortung ein einstiger Entwickler der BMW M GmbH, die Entwicklung leitet ein hochrangiger Ingenieur aus den Diensten von Jaguar und Land Rover und für das Qualitätsmanagement zeichnet ein ehemaliger Opelaner verantwortlich.

Neues Gesicht von alten Bekannten: Hinter dem Design von Qoros steht der ehemalige Styling-Chef von Mini, Gert Hildebrand.

Beginnen soll der Qoros-Rollout mit der kompakten Limousine GQ3, die in Genf ihre Premiere feiern und schon kurz danach in den Handel kommen soll. Offizielle Preise gibt es noch nicht. Aber in der Branche kursieren ein mutmaßlicher Preis zwischen 12.000 und 14.000 Euro; das dürfte Autos wie den Skoda Rapid oder den Seat Toledo genauso unter Druck setzten wie Modelle vom Typ Chevrolet Crzue oder VW Jetta.

Zurückhaltend und mit nur wenigen Linien gezeichnet, sieht der Viertürer im Format von Skoda Rapid oder VW Jetta auf den ersten Blick schlicht und schick aus und wirkt wie ein etwas zu klein geratener VW Passat. Er hat markant geformte Scheinwerfer und Rückleuchten, eine elegante Silhouette, eine schmucke Dachlinie und es gibt keine verspielte Details – nur das riesige Q im Kühlergrill wirkt ein wenig übertrieben.

Auch der Innenraum macht auf den ersten Fotos einen überraschend noblen, geradezu deutschen Eindruck. Es gibt gedeckte Farben, augenscheinlich hochwertige Materialien die sauber verarbeitet wirken, und vor allem eine üppige Ausstattung. So bekommt der GQ3 nicht nur ein schlüsselloses Start-System, einen Tempomat und eine Klimaautomatik, sondern sogar serienmäßig ein großes Touchscreen-Navigationssystem samt Musikanlage.

Attraktives Ambiente: Zumindest auf den ersten Fotos sieht der Debütant der Marke Qoros nicht nach Billigauto aus.

Zur Technik machen die Qoros-Leute noch nicht viele Worte. Man sieht auf den ersten Bildern eine Version mit Automatikgetriebe, und man weiß, dass der österreichische Zulieferer AVL für Qoros neue Vierzylindermotoren entwickelt hat. Aber wie viel Hubraum die Triebwerke haben und welche Leistung sie entwickeln, sowie ob es auch einen Diesel geben wird – das ist bislang noch alles offen. Nur beim Thema Sicherheit wird die Qoros-Mannschaft mitteilsamer: Gewarnt von den katastrophalen Crashergebnissen von Fabrikaten der Marken Landwind und Brilliance verspricht sie eine umfangreiche Sicherheitsausstattung und stellt fünf Sterne im Euro NCAP-Crashtest in Aussicht.

Bei der Limousine soll es freilich nicht bleiben: Auf der gleichen Plattform planen die Chinesen eine Schrägheckvariante und einen kleinen Geländewagen. Und natürlich kommt danach das zumindest für den Heimatmarkt China augenscheinlich unverzichtbare Elektroauto. Drei Jahre später soll dann eine zweite Plattform in der Mittelklasse das Portfolio erweitern, lassen die Manager durchblicken.

Obwohl die Ambitionen groß sind, bleiben die Planungen erst einmal bescheiden. Fürs erste hat Qoros sein Werk vor den Toren von Shanghai für 150.000 Autos pro Jahr ausgelegt. Um diese Stückzahl zu produzieren, braucht der VW-Konzern kaum mehr als eine Woche.