Fiat Mefistofele: Ein Höllenhund für Teufelskerle

Donnervogel: Seinen Namen hat der Mefistofele wegen des infernalischen Lärms, den er wohl auch bei der Rekordjagd im Jahr 1924 veranstaltet hat.

Fiat und Sportwagen – das soll nicht zusammenpassen? Heute stimmt das vielleicht, denn in der rasanten Abteilung tummeln sich heute die Fiat-Konzernmarken Ferrari, Maserati und auch Alfa Romeo. Doch vor mehr als 80 Jahren sah das ganz anders aus. Da stellte Fiat sogar einmal das schnellste Auto der Welt: das Modell Mefistofele. Das Auto wurde am 12. Juli 1924 vom Briten Ernest Eldridge mit 234,980 km/h über eine lange Gerade bei Arpajon in Frankreich geprügelt und stellte damit alle bis dahin gültigen Geschwindigkeitsrekorde ein. „Man musste ein wahrer Teufelskerl sein, um diesen Höllenhund von Auto zu beherrschen“, sagt Michele Lucente. Er  hat zwar so gar nichts von einem verwegenen Draufgänger, doch der Eindruck täuscht etwas. „Er ist der Einzige im ganzen Fiat-Konzern, der hinters Steuer des Mefistofele darf“, sagt Restaurator Dazia Gianfranco.

Zu gefährlich ist der Kettenantrieb, zu fragil sind die nur hinten angebrachten Bremsen, zu kompliziert die außen angeschlagene Schaltung und zu riskant die vertauschten Pedale für Gas und Bremse, als dass die Fiat-Verantwortlichen irgend ein Risiko eingehen würden. „Außerdem ist der Wagen ein absolutes Einzelstück und für uns nicht zu ersetzen. Da müssen wir schon ein bisschen vorsichtig sein“, sagt Gianfranco, dem das Auto während der vierjährigen Grundsanierung offenbar sehr ans Herz gewachsen ist. „Selbst die Versicherungssumme von sieben Millionen Euro könnte den Schaden nicht decken.“

Kraftpaket: Hubraum ist durch nichst zu ersetzen – außer durch mehr Hubraum. Deshalb hat Ernest Eldridge vor der Rekordfahrt einen Sechszylinder mit 21,7 Litern Brennkammervolumen eingebaut.

Imposant und einschüchternd wirkt der Mefistofele bereits im Stand: Räder und Motor – aus viel mehr besteht der Wagen nicht. Er basiert auf dem Rennwagen SB4 von 1908 und wurde von Eldridge eigens für den Rekordversuch umgebaut. Nichts ist besser als Hubraum – außer noch mehr Hubraum. Nach diesem Motto ließ der Brite in seinem Rennstall in Brooklands den alten Vierzylinder rausschmeißen und einen Sechszylindermotor einsetzen. Der stammte ebenfalls von Fiat, war ursprünglich für Kampfflugzeuge entwickelt worden und entsprechend kräftig: Aus wahnwitzigen 21,7 Litern Hubraum schöpft die Maschine 320 PS und macht ein Spektakel, als sei der letzte Tag gekommen. Imposant wie die Leistung und der Lärm ist allerdings auch der Verbrauch: „Bei einem Liter auf 500 Metern ist der Tank nach fünf Minuten leer“, sagt Mefistofele-Fahrer Lucente.

Während er sich auf dem winzigen Einzelsitz hinter dem Steuer einrichtet, rutscht man selbst auf den öligen Holzboden nebenan und sucht Halt zwischen der niedrigen Brüstung und dem Fahrer. Nebenbei wird die linke Hüfte vom Auspuff gegrillt. Obwohl der Motor noch keine fünf Minuten läuft und ein dickes Seil als Isolierung um das Rohr gewickelt ist, sieht man das Metall schon glühen und spürt eine höllische Hitze – wie passend!

Schnell wie der Teufel: 234,980 km/h reichten 1924 noch für den Geschwindigkeits-Weltrekord.

Wenn Lucente Gas gibt, bricht ein Inferno los: Beißender Qualm, Motorenölgestank, Hitze, reißender Fahrtwind und ohrenbetäubender Lärm. Dabei lässt es Signore Lucente bei der Probefahrt mit dem Journalisten eher gemächlich angehen. Schnell genug, um einen Eindruck davon zu bekommen, was Geschwindigkeit in einem solchen Geschoss in den Frühtagen des Autobaus bedeutet hat, ist es allemal. Und es ist beruhigend zu wissen, dass Lucente heute keinen Rekord mehr brechen muss – und das auch gar nicht wollte. Er sagt lapidar: „Für das Rekordtempo von damals bin ich viel zu feige.“


Ciento Once: Ein Traum von einem Supersportwagen

Mercedes-C111-Epigone: Ciento Once heißt das Auto, dass die Tuningfirma GWA aus San Antonio plant.

Den kenn’ ich doch? Genau, irgendwo hat man dieses Auto schon einmal gesehen. Das Gefühl stimmt – und auch wieder nicht, denn der silberfarbige Sportwagen mit dem Mercedes-Stern am Bug ist derzeit noch eine Vision – und zwar die eines Remakes des legendären Mercedes-Experimentalautos C 111 aus dem Jahr 1969.

Damals enthüllten die Schwaben einen orangefarbenen Keil mit Flügeltüren, der die Autowelt auf Anhieb faszinierte. Wegen seines Designs, mehr noch aber wegen der Antriebstechnik, denn im Heck des originalen C 111 steckte ein Dreischeiben-Wankelmotor mit mit 258 PS. In einer zweiten Version des Konzept-Sportwagens verbaute Mercedes gar einen Vierscheiben-Wankelmotor mit 350 PS Leistung, der bis zu 300 km/h schnell war. 1976 schließlich wurde eines der insgesamt zwölf produzierten C 111-Modelle mit einem Fünfzylinder-Turbodiesel ausgerüstet, um auf dem Hochgeschwindigkeitskurs im italienischen Nardo reihenweise Diesel-Weltrekorde aufzustellen. Eine Serienfertigung jedoch erlebte das Modell C 111 nie.

Jetzt plant Arturo Alonos, Chef des texanischen Mercedes-Tuners GWA aus San Antonio genau dies. Er will quasi den C 111 reanimieren, oder zumindest dessen Formensprache. Der Name des künftigen Wagens, der derzeit nur als Projekt im Computer existiert, lautet Ciento Once – spanisch für einhundertelf.

Traum vom Fliegen: Wie das große Vorbild Mercedes C 111 soll auch der Ciento Once Flügeltüren bekommen.

Optisch ähnelt der Wagen mit Gitterrohrrahmen und Aluminiumkarosserie stark dem Original von 1969. Neu ist allerdings ein ausfahrbarer Spoiler am Heck – und die Technik. Für Vortrieb soll ein V12-Motor von Mercedes-AMG mit 408 PS sorgen, Komponenten wie die Bremsanlage oder das Fahrwerk stammen ebenfalls aus Modellen des Stuttgarter Herstellers. So jedenfalls der Plan. Im Innenraum herrscht der Stil der siebziger Jahre vor – mit einer spartanisch-sportlichen Einrichtung und einem lässigen Karo-Muster auf den Bezügen der Karbonsitze.

Ob das Auto je gebaut wird, ist völlig offen. Offenbar harrt Arturo Alonso nun erst einmal der Dinge und wartet, ob und wie viele Millionäre sich bei ihm melden mit dem dringenden Wunsch, ein Auto wie den Ciento Once zu besitzen. Der Wagen selbst dürfte ziemlich teuer werden. Und ob er wirklich einen Mercedes-Stern auf der Nase tragen würde, ist wohl auch fraglich. Denn wenn es um Markenrechte geht, kennen Autohersteller keine Ausnahmen.