Zurück in die Zukunft: Mit dem Velar wird Range Rover gar vollends zur Mode-Marke im Matsch

Der Name ist von gestern, doch das Auto weist weit in die Zukunft. Denn wenn Land Rover jetzt zum Genfer Salon den Range Rover Velar auf die Bühne rollt, erinnert die vierte Baureihe der noblen 4×4-Abteilung zwar an den allerersten Prototypen, mit dem die Briten vor fast 50 Jahren die Entwicklung des Range Rover gestartet haben. Aber die Form soll Range Rover fit machen für die Zukunft, sagt Chefdesigner Gerry McGovern, der die noblen Land Rover-Ableger mit diesem ebenso schlanken wie schnörkellosen Schmuckstück gar vollends zur Modemarke im Matsch machen möchte. In London jedenfalls oder in New York kann man sich dieses schnittige Raumschiff auf seinen bis zu 22 Zoll großen Rädern viel besser vorstellen, als in der Savanne oder der Wüste – selbst wenn Projektleiter Kevin Stride keinen Zweifel daran lässt, dass für den Velar das gleiche gilt wie für alle anderen Geländewagen der Briten: Above and beyond – also höher und weiter zu kommen als die Konkurrenz.

Ob Stride damit recht hat, wird sich erst noch zeigen müssen. Doch was jetzt schon klar ist, ist dass der Sommer erhältliche Range Rover Nummer Vier kreativer ist als die Wettbewerber. Denn auch wenn er eindeutig auf Autos wie das Coupé des Mercedes GLE oder den BMW X6 zielt, ist er eben nicht einfach nur ein Range Rover mit flachem Dach, sondern tatsächlich ein ausgesprochen eigenständiges Modell mit einer ganz eigenen Positionierung, die sich nicht zuletzt auch im Preis niederschlägt. Denn mit einem Grundtarif von 56 400 Euro kostet er zwar 15 000 Euro mehr als ein Evoque, bliebt aber knapp 4 000 Euro unter dem Range Rover Sport. Beim Platzangebot ist die Sache dagegen nicht ganz so einfach. Denn mit einer Länge von 4,80 Metern und 2,87 Metern Radstand sieht der Velar bei der ersten Sitzprobe nicht schlechter aus als der Range Rover Sport: Selbst im Fond lässt es sich gut aushalten und der Kofferraum fasst bis zu 673 Liter.

Mit den schlankesten LED-Scheinwerfern, die McGovern je einem Serienauto ins Gesicht gerückt hat, mit vollkommen glatten Oberflächen, für die Land Rover sogar im Tesla-Stil versenkte Türgriffe einführt und einem Heck, das ohne Ecken und Kanten auskommt, wird der Velar nicht nur zu einem Blickfang, sondern zugleich zum windschnittigsten Range Rover aller Zeiten. Und vor allem macht das Design neugierig auf einen Innenraum, der nicht minder futuristisch ist: Die Instrumente digital, die ganze Mittelkonsole wirkt wie ein einziger Touchscreen und wo man sich sonst in einem Range Rover bisweilen noch immer fühlt wie in einem altehrwürdigen Londoner Gentlemans Club ist der Velar so cool und stylish wie ein In-Club für die Yuppie-Szene. Wäre da nicht noch ein Lenkrad vor der Bedienlandschaft und der vertraute Knubbel für die Gangwahl, man könnte sich fast in einem Raumschiff wähnen.

So futuristisch der Velar gezeichnet ist, so konventionell ist er konstruiert. Denn im Grunde ist der Lückenfüller zwischen Evoque und Range Rover Sport nichts anderes als ein neu eingekleideter Jaguar F-Pace. Er nutzt die gleiche Aluminium-Architektur, hat auf Wunsch ebenfalls eine Luftfederung und fährt mit denselben Motoren: Zunächst mal drei Dieseln mit 180, 240 oder 300 PS und zwei Benzinern mit 250 oder 380 PS. Und genau wie das erste SUV von Jaguar, das 10 000 Euro günstiger ist, muss der Velar ohne Geländeuntersetzung auskommen. Doch wer die Briten kennt, der weiß, dass sie Offroad keine Kompromisse machen und deshalb auch dieser Range Rover mehr können wird, als die allermeisten Kunden sich selbst je zutrauen. Wozu gibt es schließlich die Terrain Response, einen Geländetempomaten und eine Wattiefe, bei der andere Geländewagen längst baden gehen.

Zwar weiß McGovern, dass Geländewagen bei aller Liebe zum SUV auch als blech gewordene Unvernunft in der Kritik stehen. Und selbst mit seinem ultraschlanken Design und Verb4auchswerten ab 5,4 Litern kann sich der Velar davon nicht freimachen. Doch beweisen die Briten mit diesem Auto zugleich einen Sinn für gesellschaftliche Trends und nachhaltige Verantwortung. Nein, nicht weil es eine Elektrovariante oder wenigstens einen Plug-In-Hybrid gäbe. Davon ist bei Land Rover noch immer keine Rede. Aber statt dessen wird der Velar zum ersten Range Rover, den man auch in einer veganen Variante kaufen kann.


Autofahren in Nepal: Kunterbunt ins Chaos

Geisterbahn in Nepalgunj: Die nächtliche Ortsdurchfahrt ist ein Auto-Abenteuer erster Güte.

Die Szenerie ähnelt der einer Geisterbahn. In pechschwarzer Dunkelheit rumpelt man über eine Buckelpiste, patscht in riesige Pfützen, sieht Schlamm spritzen, nimmt auf dem Untergrund fußballgroße Steine wahr und erkennt von links und rechts immer wieder dunkle Gestalten, die über den Weg huschen. Es ruckelt und quietscht, hektisch wechselt der Fuß vom Gas auf die Bremse und zurück, die Hupe quäkt und das Lenkrad steht keine Sekunde still. Allerdings ist dies hier kein Rummelplatz, sondern die ganz normale Realität des Abendverkehrs: Willkommen zur Rushhour in Nepalgunj, einer Grenzstadt zwischen Indien und Nepal.

Wer die zwei Kilometer lange Durchfahrt der 80.000-Einwohner-Stadt, die eigentlich eine riesige Ansammlung von Baracken, Lehmhütten und baufälligen Betonburgen ist, heil überstanden hat, der hält selbst die Rallye Dakar für eine Spazierfahrt. Denn wie überall in Nepal ist der Verkehr auch hier das reine Chaos. Jeder gegen jeden lautet das Motto und die einzige Verkehrsregel ist, dass man sich nicht an Regeln hält. Die Fahrzeugbeleuchtung funktioniert oder auch nicht, der Linksverkehr scheint außer Kraft gesetzt, die Vorfahrt nimmt man sich einfach und die Straße ist natürlich nicht nur für Autos da. Sondern auch für Fahrradfahrer, Familien, spielende Kinder, Eselskarren oder mobile Verkaufsstände. Und als wäre das noch nicht genug, trotten immer wieder ein paar Kühe mitten hindurch. Es sind selbstverständlich heilige Kühe, die auf jeden Fall Vortritt haben. Oft hilft kein Hupen und kein dichtes Auffahren, die erbarmungswürdig mageren Klapperkühe weichen keine Millimeter, sondern wühlen unbeirrt weiter nach etwas Nahrhaftem im Müll, der überall auf der Straße liegt. Und dann kommt der Verkehr ringsum mal wieder komplett zum Erliegen.

Karren statt Kraftfahrzeug: Viele Fuhrwerke sind in Nepal mit Wasserbüffeln bespannt.

So dauert es eine Ewigkeit, bis man die Ortsdurchfahrt hinter sich hat, den Wagen vor dem Hotel abstellt und hofft, dass nur bald die Sonne wieder aufgehen wird. Doch auch wenn man tagsüber zwar deutlich mehr erkennen kann, macht das die Fahrerei nicht grundsätzlich einfacher. Zu abenteuerlich ist der Fuhrpark der Napalis. In einem Land, in dem selbst Billigautos wie der Tata Nano als Luxus gelten und die Taxifahrer meist einen Suzuki Alto bewegen, gibt es kaum private Autos, doch dafür umso mehr Zweiräder. Dazu kommen in den Städten noch tausende Tuktuks und Rikschas und auf dem Land Traktorengespanne oder Karren, die wahlweise von Wasserbüffeln, Pferden oder Eseln gezogen werden. Und wer gar nichts zum Fahren hat, der läuft eben: Egal ob morgens, mittags oder abends – fast rund um die Uhr sind selbst in den einsamsten Gegenden überall Fußgänger unterwegs, und machen manche Autofahrt zu einem riskanten Slalom. Denn nicht nur die Kühe lassen sich vom fließenden Verkehr nicht aus der Ruhe bringen, sondern auch nicht die meisten Fußgänger.

Zwar ist Nepal ein bettelarmes Land, die Straßen sind in einem katastrophalen Zustand, die Städte versinken im Schutt und um jede Siedelung türmen sich Mist und Müll, doch die Menschen wirken zufrieden. Es scheint, als seien die Nepalis mit sich im Reinen, sie hinterlassen einen fast schon beseelten Eindruck. An jedem Flusslauf und an jeder Quelle sind Waschfrauen zu sehen oder Menschen bei der Körperpflege. Überhaupt gilt: Die Menschen auf den Straßen wirken allesamt äußerst gepflegt – was wiederum in krassem Gegensatz zur oft maroden Infrastruktur steht und umso bizarrer wirkt.

Konvoi durchs Chaos: Die Land-Rover-Truppe auf dem Weg durch Katmandu.

Geschmückt sind übrigens auch die Fahrzeuge, so es sie denn gibt. Lastwagen sind geradezu rollende Kunstwerke, auf denen anzügliche Sprüche und die Bilder asiatischer Gottheiten die friedliche Koexistenz verschiedener Werte demonstrieren. Die wenigen Pkw haben Stoffbänder und Girlanden am Kühlergrill und die Frontpartie mancher Busse oder Traktoren glitzert fast so wie ein Diadem. Selbst die Fahrradrikschas und die Dreirad-Taxen sind prächtig verziert – das macht das Verkehrschaos zwar nicht besser, aber wenigstens erfrischend bunt und hübsch.

Mittendrin rollte in diesen Tagen eine knappes Dutzend Land Rover, die auf den Straßen von Nepal fast so wirken wie Ufos auf Rädern. Ähnlich bunt beklebt, mit Expeditionsausrüstung und vor allem mit gleißend hellen Zusatzscheinwerfern brennen sie im Konvoi durch die Nacht. Ihr Ziel ist das indische Mumbai. Dort soll nach 50 Tagen Fahrt ein Auto-Abenteuer enden, das Ende August in Berlin gestartet wurde und über 15.000 Kilometer und elf Länder entlang der alten Seidenstraße nach Indien führte. Am Steuer der Allradler saßen weder PS-Profis noch Vollgas-Veteranen, sondern insgesamt zwölf ganz normale Land-Rover-Fans, die sich in einer mehrstufigen Ausscheidung unter rund 30.000 Kandidaten qualifiziert hatten.

Hier in Nepal sind bereits 13.000 Kilometer zurückgelegt, die Fahrt durch das höchste Land der Erde dauert vier Tage. Hier ein schneller Blick auf den Mount Everest, dort ein Fototermin am Fuß der Arnapurna-Runde, zwischendurch einige Offroad-Etappen entlang von Flußläufen oder über Dschungel-Trecks. „Wir würden ja gerne noch bleiben, aber wir haben einen Termin in Mumbai“, sagt einer der Fahrer mit einem verschmitzten Grinsen. Denn genau 50 Tage nach dem Start wollen die Auto-Abenteurer im einstigen Bombay sein.

Ein bisschen Offroad zur Abwechslung: Immer wieder biegen die Evoque ins Unterholz ab und pflügen durchs Gelände.

Die Fahrer werden am Ziel ins Flugzeug steigen und zurück nach Deutschland jetten. Doch der Rücktransfer der Autos wird abermals über den Landweg erfolgen. Und diesmal wird Land Rover dafür sogar Geld verlangen. Denn auf der Fahrt zurück von Mumbai nach Berlin sollen nicht die Gewinner einer Ausschreibung hinter den Lenkrädern sitzen, sondern ganz normale Offroad-Kunden. Für eine Teilnahmegebühr ab 2600 Euro werden die einzelnen Etappen angeboten. Eine Abenteuerreise im Range Rover Evoque – die manchmal ein bisschen so sein wird, wie eine Endlos-Fahrt in der Geisterbahn.