Rasante Vision: Fährt die Formel 1 im Jahr 2035 mit Magnetschwebe-Rennern?

Motorsport von Morgen: So stellt sich Harald Belker den Grand Prix in 25 Jahren vor.Gegen Athleten wie Thomas Mann oder Tyler Max ist selbst Sebastian Vettel nur ein Durchschnittsfahrer. Denn wenn Vollgas-Pilot Mann in seinem Rennwagen mal richtig aufs Gas steigt, beschleunigt er in 9,1 Sekunden von 0 auf 300 Sachen und bremst die Fuhre auch wieder bis zum Stillstand ab. Wie das? Pure Phantasie. Mann ist nämlich einer der Stars in der fiktionalen Rennserie „Pulse“, die mit Rennautos ohne Räder, aber mit Magnetschwebetechnik über Kurse jagen, die jede Achterbahn in den Schatten stellen.

Mann rast mit zwei Dutzend Athleten aus aller Herren Länder durch eine virtuelle Welt, die sich der deutsche Designer Harald Belker ausgedacht hat. Belker lebt in Hollywood und hat in den letzten fünf Jahren die Vision „Pulse – the Future of Racing“ entwickelt, der Mann & Co. entsprungen sind. Das Science-Fiction-Spektakel skizziert ein Motorsport-Szenario, das gut 20 Jahre in der Zukunft spielt und auf Fahrzeuge setzt, gegen die aktuelle Formel-1-Boliden aussehen wie Oldtimer.

Magnete statt Motoren: Die Formel-1-Wagen von übermorgen fahren – jedenfalls in der Vision Pulse – wie der Transrapid auf starken Magnetfeldern.

Weil heute der Reifen und seine beschränkte Kraftübertragung der wesentliche limitierende Faktor im Motorsport ist, bleibt das schwarze Rundstück in der wilden Vision aus Hollywood auf der Strecke . Und mit ihm auch gleich der Verbrennungsmotor. Statt auf der Straße fährt die Rennserie von Übermorgen auf Schienen, und statt mit Sprit fährt sie mit Strom: Genau wie der Transrapid rasen die aerodynamisch optimierten Gleiter auf einem Magnetfeld über den Kurs und erreichen dabei Geschwindigkeiten, die nahe an die menschliche Belastungsgrenze kommen.

Das spüren bei Pulse übrigens nicht nur die Rennfahrer, sondern durchaus auch die Zuschauer. Statt mit einem Getränk auf der Tribüne zu sitzen oder zu Hause vor dem Fernseher die Bilder der Cockpitkamera zu verfolgen, sind sie in diesem Szenario mittenmang dabei: denn in riesigen Simulatoren fahren sie die Rennen einfach selber mit.

Theorie statt Praxis: Noch gibt es Belkers Rennsport-Szenario nur als Buch. Aber bald soll es Videos, Computerspiele und vielleicht sogar einen Film darüber geben. Und dann? Ist zumindest Harald Belker ein reicher Mann.

Die sollen in der Vision von Motorsportfan Belker viel spannender sein als die Formel 1 heute. Nicht mehr Taktik und Teamorders, sondern wieder fahrerischer Mut und optimale Technik entscheiden über den Sieg – und zwar nicht in der Boxengasse, sondern auf der Strecke. Dafür übernimmt das Regelement zahlreiche Elemente aus anderen Sportarten: Von der Tour de France zum Beispiel ist eine Teamwertung entlehnt, und aus der Rallye-WM wurde die Idee mit den Sonderprüfungen, für die es in den Rennstrecken besonders halsbrecherische Streckenabschnitte gibt, auf Pulse übertragen.

Hinter der virtuellen Welt steht der aus Deutschland nach Los Angeles ausgewanderte Autodesigner Harald Belker, der nach Zwischenstopps bei Porsche und Mercedes seit knapp zehn Jahren für die Hollywood-Studios arbeitet und das „Transportation-Design“ für Filme wie “Spiderman” oder “Minority Report” macht. Dafür entwirft er Raumgleiter, futuristische Verkehrswelten oder Hochgeschwindigkeitszüge und vor allem Autos – bis hin zum Batmobil. So ein Auftrag sei zwar der Traum jedes Designers, sagt Belker. Doch selbst wenn man das berühmteste Filmauto der Welt zeichnet, reicht es am Ende doch nur für eine Fußnote im Abspann. Deshalb hat er begonnen, eine eigene Welt zu entwerfen und die unter dem eigenen Namen publik zu machen.

Bislang gibt es die virtuelle Raserei allerdings nur auf dem Rechner des Künstlers und in einem kürzlich erschienenen Buch. Das rief bereits das Interesse von Medienschaffenden hervor: Mit der BBC verhandelt Belker derzeit über eine Serie kurzer Videos, es laufen Planungen für Pulse-Spielwaren und ein Pulse-Computerspiel, und mit etwas Glück wird für den Hollywood-Mann danach auch der Traum vom eigenen Kinofilm wahr. Nur dass die Magnet-Gleiter irgendwann tatsächlich einmal über Kurse in Berlin, Las Vegas oder Shanghai schießen, darauf wagt selbst ihr Schöpfer nicht zu hoffen. Gänzlich ausschließen will Belker das natürlich trotzdem nicht. Immerhin war auch das Mobiltelefon mal eine Erfindung aus einem Science-Fiction-Film. Und weil der Pulse-Macher nicht nur Designer ist, sondern auch ein Ingenieursstudium absolviert hat, hat er die Grenzen der Physik bei seinem Projekt nicht vollends außer acht gelassen. Belker: „Gut möglich, dass etwas wie Pulse möglich wäre.”


Der Berg ruft: Im Teutoburger Wald bekommt die Nordschleife eine kleine Schwester

Im grünen Bereich: Noch fahren die Rennwagen nur durch die Computersimulation. Doch ab 2012 soll das "Drive Resort Bilster Berg" im Herzen des Teutoburger Waldes ganz real den Betrieb aufnehmen.

1932 – das war das Jahr, in dem im heutigen Westen der Republik die letzte Rennstrecke genehmigt wurde. Doch jetzt, fast 80 Jahre nach der Eröffnung des Hockenheimrings, ist es vielleicht wieder so weit. Denn mitten im Teutoburger Wald will ein Graf mit ein paar finanzstarken Investoren das „Drive Resort Bilster Berg“ aus dem Boden stampfen. Spätestens im Frühjahr 2012, so versprechen die Initiatoren, werden auf den ostwestfälischen Hügeln die Motoren glühen. Heute zwitschern hier noch die Vögel zwitschern und im Sommer zirpen die Grillen.

Allerdings wird der Bilster Berg keine Rennstrecke im üblichen Sinn. Vielmehr planen die Initiatoren ein Areal, das wie zum Beispiel das Ascari Race Resort in Spanien ein Refugium für reiche Raser ist, wie der ehemalige Sowjet-Armee-Flugplatz Groß-Dölln bei Berlin zum Stützpunkt für Sicherheitstrainings wird und wie der Automotive Proving Ground in Papenburg als Teststrecke für Autohersteller und Zulieferer dient. Denn während Rennen vor großen Publikum in der Regel mit roten Zahlen enden, sind die Strecken für sehr individuelle Nutzer permanent ausgebucht: „Testfahrten, Präsentationen, Meßprogramme – dafür findet man in ganz Europa heute kaum mehr einen Platz“, sagt Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff, der in der Region aufgewachsen ist, dort ein Luxushotel und vier Kliniken betreibt und nun das Projekt Bilster Berg angestoßen hat.

Als Basis dient den PS-Enthusiasten ein ehemaliges Munitionsdepot, das die britische Rheinarmee 1994 räumte. Auf dem rund 85 Hektar großen Areal soll zwischen rund 30 Bunkern und Lagerhallen ein Rundkurs angelegt werden, von dem Berater Walter Röhrl bereits als kleine Nordschleife schwärmt. Denn wie das legendäre Oval in der Eifel führt auch der 4,2 Kilometer lange Parcours aus der Feder von Formel-1-Pisten-Planer Hermann Tielke fast ausschließlich durchs Grüne, ist gewunden wie ein Riesenslalom und bietet  eine Höhendifferenz von insgesamt 70 Metern.

Grüne Hölle Nummer 2: Wer das ehemalige Munitionsdepot aus der Luft sieht, erkennt schnell, warum der Bilster Berg Walter Röhrl an die Nordschleife des Nürburgrings erinnert.

„Das Gelände ist für das Projekt bestens geeignet“, sagt Geschäftsführer Hans-Jürgen von Glasenapp, der weißwovon er spricht. Schließlich war er zuletzt Chef auf dem Hockenheimring. Die Lage mitten in Deutschland sei ideal, auf dem Berg gibt es kaum Probleme mit dem Schall, die terrassenförmige Anlage garantiert einen ambitionierten Streckenverlauf und so abgeschieden wie das Drive Resort liege, sind hier auch Prominente oder Prototypen unter sich. Das beste jedoch ist die Infrastruktur, die die Briten den künftigen Nutzern hinterlassen haben: Die Zufahrtstraße, die Energieversorgung, die Tankstelle und nicht zuletzt die vielen Lagerhallen – all das wird für den neuen Bestimmungszweck allenfalls renoviert und überarbeitet. Neubauten sind dagegen bis auf die Strecke selbst, das Clubhaus, das Technikzentrum und das Welcome Centre nicht nötig. „So können wir die Investitionen und damit natürlich auch die Preise gering halten“, sagt Glasenapp und stellt Tagesmieten von etwa 15.000 Euro in Aussicht. Andere Rennstrecken verlangen meist mindestens das Dreifache.

Trotzdem müssen die Projektpartner tief in die Tasche greifen, um das verlassene Munitionsdepot in ein lebendiges PS-Refugium zu verwandeln. Rund 34 Millionen Euro sollen investiert werden und kein einziger Cent davon aus öffentlichen Kassen stammen. „Alles wird privat finanziert“, sagt der Graf und ist nach der überstandenen Wirtschaftskrise guter Dinge: Nicht nur die meisten Genehmigungen sind mittlerweile erteilt, sondern auch der Großteil des Geldes ist beisammen. Spätestens im nächsten Frühjahr, sind die Initiatoren überzeugt, können die ersten Fahrzeuge den Berg stürmen – auch wenn es zunächst wohl nur Bagger sind.