Ferrari F12 Berlinetta: Das Hammer-Gerät aus Maranello

Schnell und schön: Der F12 ist keine brutale Krawallschleuder, sonden ein rasendes Kunstwerk.

Downsizing, Elektro-Antriebs-Euphorie und Geiz ist Geil? Mag ja sein, dass das die bestimmenden Themen im großen Automobilgeschäft sind – aber gewiss nicht für eine Marke wie Ferrari. Wie weit die pfeilschnelle Fiat-Tochter tatsächlich über den Dingen steht, beweisen die Italiener jetzt mit dem neuen Flaggschifs F12 Berlinetta, das nächste Woche in Genf Premiere feiert und vermutlich Anfang 2013 in den Handel kommt: Denn der Nachfolger des 599 GTB sieht mit der endlos langen Haube, den muskulösen Flanken und dem knackigen Heck nicht nur verboten gut aus, sondern er bricht auch unter der Haube alle Rekorde: 740 PS machen ihn zum bislang stärksten Straßenmodell in der Firmengeschichte.

Heißer Hintern: Bei einem Spitzentempo von mehr als 340 km/h wird man den F12 wohl am häufigsten aus dieser Perspektive sehen.

In Fahrt bringt das rassige Coupé aus der Feder von Altmeister Pininfarina zwar derselbe V12-Motor, der am im  Familienmodell FF zum Einsatz kommt. Doch während der 6,3-Liter im Viersitzer vergleichsweise mickrige 660 PS leistet, haben die Italiener jetzt noch einmal 15 Prozent Leistung extra mobilisiert. Außerdem steigt das maximale Drehmoment auf 680 Nm, von denen 90 Prozent bereits ab 2500 Touren an der Hinterachse reißen. Kein Wunder, dass der F12 in nur 3,1 Sekunden auf Tempo 100 schnellt, nach 8,5 Sekunden schon 200 Sachen auf dem Tacho anzeigt und erst jenseits von 340 km/h außer Puste kommt.

Technisch eng mit den Formel-1-Rennwagen verwandt, ist der F12 aber nicht nur auf der Geraden schnell. Ferrari verspricht auch eine herausragende Kurvendynamik. Dafür gibt es neben Karbonbremsen und einem Trans-Axle-Getriebe mit Formel-1-Genen unter anderem ein weiter entwickeltes Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern und eine Karosserie, die knapper geschnitten und leichter konstruiert ist. In jeder Dimension haben die Italiener ein paar Zentimeter gekappt und mit dem neuen Spaceframe aus Aluminium sowie jeder Menge Karbon das Gewicht um 70 auf kaum mehr als 1500 Kilo gedrückt.

Von wegen Sportstudio: Von so einem noblen Arbeitsplatz können die Formel-1-Fahrer bei Ferrari nur träumen.

Außerdem haben sie den 4,62 Meter kurzen und 1,27 Meter flachen Wagen im Windtunnel gründlich glatt geschliffen und ein paar aerodynamische Finessen eingebaut, die einerseits den Anpressdruck erhöhen, andererseits aber den Luftwiderstand senken. Lohn der Feinarbeit: Die Runde auf der Rennstrecke von Fiorano spult der F12 in 1:23 Minuten ab und ist damit schneller als jeder Serien-Ferrari zuvor.

Angenehmer Nebeneffekt von Leichtbau, aerodynamischem Feinschliff und Motor-Optimierung: Der Verbrauch sinkt um 30 Prozent auf 15 Liter. Das dürfte den Kunden allerdings ebenso egal sein wie der Preis, der sicher deutlich über 300.000 Euro liegen wird. Wer Ferrari kennt, der weiß, dass er sich darüber keine Gedanken machen darf: Während die einen noch überlegen und rechnen, haben nämlich die anderen schon das Scheckbuch zur Hand. Vermutlich wird es auch beim F12 Berlinetta sein wie schon so oft: die erste Jahresproduktion ist bereits zum Messedebüt ausverkauft.


Ferarri SA Aperta: Offener Sonderling für reiche Raser

Schnell, schön und selten: Nur 80 Exemplare des SA Aperta will Ferrari bauen. Und wer sich erst jetzt entscheidet, ist schon zu spät dran - bereits vor der Premiere ist das Auto ausverkauft.

Ein neuer Ferrari ist immer eine kleine Sensation. Doch dieses Auto soll alles toppen, was es bislang aus Maranello zu kaufen gab. Wenn Firmenchef Luca di Montezemolo nächste Woche auf dem Pariser Salon das Tuch vom SA Aperta zieht, enthüllt er nicht einfach einen weiteren rasanten Roadster, sondern „den exklusivsten Ferrari aller Zeiten“. Das zumindest behaupten die Italiener mit Blick auf die lediglich 80 Exemplare, die sie von dem offenen Zweisitzer bauen wollen.

Stückzahl und Name kommen natürlich nicht von ungefähr. Viel mehr ehren die Italiener damit ihren langjährigen Design-Partner Pininfarina. 80 Autos gibt es, weil das Designstudio in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiert. Und SA steht für die Stilisten Serigio und Andrea Pininfarina, denen Ferrari seine schönsten und erfolgreichsten Modelle verdankt.

Dass der Wagen zudem „Aperta“ heißt, erklärt sich beim Blick auf das Auto von selbst. Denn viel offener (ital.: aperto) als der Sonderling für reiche Raser kann ein Auto kaum sein: Die Frontscheibe ist deutlich gekappt, von Seitenfenstern ist auf den ersten Fotos gar nichts zu sehen und das Verdeck ist nicht viel mehr als eine leichte Haube, die man nur bei schlechtem Wetter aufzieht und an den markanten Finnen befestigt, die von den Kopfstützen aus über das lange Heck fließen.

Technisch ist der SA Aperta eng verwand mit dem 599 GTO. Von ihm übernimmt er auch den V12-Motor mit knapp sechs Litern Hubraum, der 670 PS leistet und weit mehr als 300 km/h erreichen dürfte, die Rede ist gar von 315 km/h.

Genau Angaben dazu macht Ferrari nicht. Auch zum Preis schweigen sich die Italiener eisern aus. Aber das spielt ohnehin keine Rolle mehr. Nachdem die ersten Millinäre den Wagen hinter verschlossenen Türen beim Concours d’Elegance in Pebble Beach schon einmal bestaunen durften, sind die 80 Exemplare bereits vor der offiziellen Premiere verkauft.