Citroen „Numéro 9“: Im Geist der legendären Göttin DS

Hypnotischer Blick: Wer "Numéro 9" ins Gesicht schaut, soll dieses Auto nicht mehr vergessen.

Der DS5 war nur der Anfang des Aufstiegs. Weil sich die DS-Familie mit bislang 200.000 Zulassungen als wahrer Glücksgriff für Citroen erweist und die Franzosen die Zeiten noch nicht ganz vergessen haben, in denen sie mit dem originalen DS tatsächlich in der Oberklasse mitspielen konnten, träumt Paris jetzt wieder von der Haute-Vollée und experimentiert mit einem neuen Flaggschiff. Binnen zwei Jahren, so haben es die Franzosen immer mal wieder angedeutet, könnte ein DS6 oder gar ein DS9 die noble Modellfamilie krönen. Und wer das bislang für haltlose Phantasterei hielt, den belehren sie Ende April auf der Autoshow in Peking eines Besseren: Dort enthüllt Citroen die Studie „Numéro 9“, die den Weg nach oben schon viel konkreter vorzeichnet als das abgefahrene Showcar „Metropolis“, das vor zwei Jahren zur Weltausstellung in Shanghai enthüllt worden war.

Langer Anlauf nach oben: 4,93 Meter lang, aber flach wie ein Sportwagen – so will Citroen zurück in die Oberklasse.

Genau wie die legendäre DS, aus deren Namen die Lautmaler „La Déesse“ – mithin also “die Göttin” – gemacht haben, will „Numéro 9“ ihrer Zeit stilistisch wie technisch um Jahre voraus sein. Deshalb ist das 4,93 Meter lange Flaggschiff keine gewöhnliche Limousine, kein GT und kein Coupé, sondern ein avantgardistischer Shooting-Break, der von allem etwas sein möchte. Von vorn sieht das Schaustück deshalb betont sportlich aus, die flanke ist filigran und elegant und das hohe Heck eines Kombis verheißt, das auch Luxusliner praktisch sein können. Selbst in der Draufsicht hat „Numéro 9“ mehr zu bieten als einen großen Spoiler, in den Solarzellen in der Form des DS-Logos eingelassen sind. Denn von oben ist ein riesiges Glasdach zu sehen, unter dem die Karosseriestruktur wie ein Skelett durchschimmert.

Coupé oder Kombi? Beides: Numéro 9 folgt dem aktuellen Trend zum Shooting-Break.

So wegweisend wie das Design ist auch der Antrieb, der allerdings trotzdem ausreichend Bodenhaftung bietet – und zwar im doppelten Sinn. Denn genau wie der DS5 fährt die Studie mit einem Hybridantrieb aus Verbrenner vorn und E-Motor hinten und hat somit sogar Allradantrieb. Anders als das Serienmodell nutzt die Studie allerdings mit Rücksicht auf die Vorlieben des chinesischen Markts statt eines Dieselmotors einen Benziner. Und während der Akku beim DS5 nur für ein paar Kilometer elektrisches Fahren reicht, haben die Ingenieure in „Numéro 9“ einen Lithium-Ionen-Block für bis zu 50 Kilometer elektrische Reichweite eingebaut. Den kann man in 3,5 Stunden auch an der Steckdose laden und so den Normverbrauch rein rechnerisch auf 1,9 Liter drücken. Der Fahrspaß bleibt dabei nicht auf der Strecke, denn schon der 1,6 Liter große Turbo-Benziner leistet 225 PS und der E-Motor steuert weitere 70 PS hinzu. Zusammen reicht das für einen Sprintwert von 5,7 Sekunden und ein Spitzentempo, das locker bei 250 km/h liegen dürfte. Noch ist Nummer Neun nur eine schöne Vision. Aber Citroen lässt keinen Zweifel daran, dass der Wagen so oder so ähnlich in Serie gehen wird. Für die Franzosen ist die Studie sogar drei Autos in einem. Im Pressetext zum Wagen heißt es: „Eine Studie, die eine Vorschau auf die Zukunft der DS-Linie und die Design-Elemente der drei nächsten Modelle dieser Linie bietet: einer noblen Limousine im C-Segment, eines SUV und einer Oberklasse-Limousine des D-Segments.”


Citroen Metropolis: Prunkvoll durch das Reich der Mitte

Langer Luxus-Lulatsch: Mit dieser 5,30 Meter langen Studie will Citroen auf der Motorshow in Peking punkten.

In Europa fährt die Oberklasse längst im Rückwärtsgang, doch am anderen Ende der Welt können Autos gar nicht groß und protzig genug sein. Ausgerechnet das ehemalige Armenhaus China erweist sich als Dorado der Luxuslimousinen und beschert den Nobelherstellern stattliche Zuwachsraten. Weil Reichtum dort mit Vorliebe gezeigt wird, verkaufen sich in Peking oder Shanghai selbst Nobelhobel à la Maybach & Co. noch überraschend gut. Kein Wunder, dass die deutschen Premiumanbieter jetzt zum Start der Motorshow in Peking groß auffahren und dort den überarbeiteten Maybach sowie den langen Audi A8 mit Zwölfzylindermotor und den aufgefrischten VW Phaeton enthüllen. Auch Jaguar, Maserati und Cadillac schöpfen die Sahne des chinesischen Automarktes ab, und natürlich stehen auch Sportwagen von Ferrari und Lamborghini im Reich der Mitte hoch im Kurs. Und jetzt drängt sogar ein französischer Hersteller ins fernöstliche Oberhaus. In der Heimat ist Citroen vor allem bekannt für pfiffige Kleinwagen und künstlerische Großraumlimousinen, rollt die Marke in Peking die feudale Studie Metropolis ins Rampenlicht.

Der Wagen, die von dem hauseigenen Designbüro in Shanghai entworfen, misst stolze 5,30 Meter in der Länge und überragt damit selbst eine Mercedes S-Klasse und einen Audi A8. Weil die Studie Metropolis zudem glatte zwei Meter breit ist, sind standesgemäße Platzverhältnisse garantiert. Trotzdem sieht der Viertürer mit dem großen Kühlergrill, den im Wind zerfließenden Scheinwerfern und dem schrägen Heckstummel ausgesprochen sportlich aus, was auch an der Höhe von lediglich 1,40 Metern liegt.

Wie es drinnen oder unter der Haube zugeht, dazu gibt es nicht viele Informationen. Nur dass ein Plug-in-Hybridangetrieb die Fuhre in Fahrt bringt, wird verraten. Das ist für den chinesischen Markt ein Muss, weil kaum sonstwo so ambitioniertere Umweltziele gelten wie hier. Und Citroen plant ohnehin, im nächsten Jahr ein Hybridauto auf den Markt zu bringen und bis 2012 eine Testflotte von Plug-In-Fahrzeugen auf den Weg schicken – wenngleich unter der Haube des Metropolis wohl eher ein V6-Benziner als ein Common-Rail-Diesel stecken dürfte.

Zwar sieht der Luxusliner spektakulär aus und hätte durchaus das Zeug, irgendwann das legendäre Modell DS zu beerben, doch die Chancen auf eine Serienfertigung sind denkbar gering. Denn in Europa wird sogar um ein Nachfolgemodell für den aktuell größten Citroen, den C6 gerungen.