Software-Update: Mit neuer Elektronik wird der Opel Zafira zum Blitzmerker

Viel besser hätte Opel den Zeitpunkt kaum wählen können: Während halb Deutschland auf gepackten Koffern sitzt und sich auf die Sommerferien freut, rücken die Hessen noch einmal den Zafira ins Rampenlicht. Schließlich ist der variable Raumriese die ideale Reiselimousine, wirbt Deutschlandchef Jürgen Keller und lockt Familienväter deshalb jetzt mit einem gründlichen Update in das Spaceshuttle aus Rüsselsheim. Die Preise ändern sich dabei nur marginal und beginnen künftig bei 21 990 Euro.

Auf den ersten Blick sind allerdings auch die Änderungen kaum der Rede wert. Denn weder hat Opel neue Motoren im Programm, noch tut sich viel am Design. Es bleibt deshalb bei vier Benzinern von 120 bis 200 PS, den beiden Dieseln mit 130 und 170 PS und den Umrüstungen für Flüssig- oder Erdgas. Die neue Chromspange im Grill oder die Schwingen in den Frontleuchten lassen den Zafira zwar ein bisschen breiter da stehen und schnüren ein engeres Band mit dem neuen Astra, ändern aber nichts an der Form und schon gar nicht am Format. Und die in diesem Segment einzigartigen LED-Matrix-Scheinwerfer fallen mit ihren individuell angepassten Lichtkegeln leider nur in der Dunkelheit auf.

Dass sich die Ingenieure trotzdem nicht auf die faule Haut gelegt haben, erkennt man, wenn der zweite Blick ins Cockpit fällt. Dort hat Opel zur Hälfte der Laufzeit ordentlich aufgeräumt, hat ein neues Multifunktionslenkrad eingebaut und vor allem die Multi-Media-Zentrale ausgewechselt. In der Mittelkonsole steckt deshalb jetzt ein Touchscreen, der nicht nur einen Haufen Knöpfe überflüssig macht und so für Ordnung im Bedienchaos sorgt, sondern auch noch iPhone & Co integriert und sogar Kurznachrichten von Whats-App, ICQ und anderen Messangern vorlesen kann. Das macht den Opel-Van zum Blitzmerker unter den Großraumlimousinen.

Außerdem hat jetzt auch der Zafira einen virtuellen Wächter, der in der OnStar-Zentrale ein schützendes Auge auf das Auto wirft und dem Fahrer mit Rat und Tat zur Seite steht, die Navigation füttert oder auf dem Weg in den Urlaub auch mal ein passendes Restaurant heraus sucht. Und dass im OnStar-Modul gleich auch noch ein Hotspot für bis zu sieben Endgeräte integriert wurde, ist auf einer ebenso langen wie langweiligen Urlaubsfahrt auch kein Schaden.

Während man sich bei Antrieb und Ausstattung vielleicht trotzdem ein paar mehr Neuheiten gewünscht hätte, ist der neue Zafira beim Fahren ganz der alte geblieben. Und das ist auch gut so. Denn während man hoch über der Straße thront und den Ausblick durch die Panorama-Scheibe genießt, kommen schon nach den ersten Kilometern Urlaubsgefühle auf – selbst wenn es nur in die Stadt und nicht an den Strand geht. Und nicht nur in der ersten Reihe fährt man dabei entspannter als in fast jedem anderen Opel. Schließlich ist und bleibt der Zafira ein Wunder der Variabilität und mit seinen bis zu sieben Sitzen, der pfiffigen Lounge-Bestuhlung, dem guten Dutzend Ablagen und einem Kofferraumvolumen von 152 bis 1 860 Litern so vielseitig wie ein Schweizer Taschenmesser.

Aber so viel Lust der Zafira auch aufs Reisen macht, hilft das Update in diesem Sommer jedoch nicht mehr. Denn in den Handel kommt das Facelift erst im September – wenn die Ferien für die meisten Familien schon wieder vorbei sind.


Blitzmerker: So schlau fährt der Opel Zafira in die zweite Halbzeit

Opel Zafira

Opel Zafira

Die große Zeit der Großraumlimousinen ist zwar offenbar vorbei und Autos wie der Zafira haben deshalb einen schweren Stand. Doch Opel steht in Treue fest zu der Reiselounge auf Rädern und stemmt sich deshalb jetzt mit einem Facelift gegen den weiteren Abstieg. Dabei verkneifen sich die Hessen teure Änderungen an der mittlerweile ebenso ausgereiften wie ausgefuchsten Hardware mit sieben Motoren von 120 bis 200 PS und einem vorbildlich variablen Innenleben und bringen stattdessen lieber die Elektronik und das Design auf Vordermann.

Wenn der Zafira im September in die zweite Halbzeit startet, erkennt man ihn deshalb vor allem an der frisch geschminkten Frontpartie mit neuen Leuchten und einem prägnanten Grill sowie an einer neuen Generation von Infotainment-Systemen, die im aufgeräumtem Cockpit steckt.

Sie bieten künftig neben einem mobilen WLAN-Hotspot und dem digitalen Assistenten OnStar auch die problemlose Smartphone-Integration mit Apple CarPlay und Android Auto und machen mit ihrem großen Touchscreen ein paar lästige Knöpfe im Cockpit überflüssig.

Ebenfalls neu und eine Premiere im Segment sind die adaptiven AFL-Scheinwerfer mit LED-Technik und Kamera-Steuerung, die je nach Verkehrssituation neun unterschiedliche Lichtbilder auf die Straße zaubern und den Zafira so zur größten Leuchte in seiner Klasse machen wollen.

Das Cockpit wird ein wenig ergonomischer, das Lenkrad ist künftig griffiger und ein paar frische Farben gibt es auch. Doch sonst ändern die Hessen nichts am Innenraum. Warum sollten sie auch? Schließlich definiert der Zafira mit fünf oder  sieben ausgesprochen variablen Sitzen, 710 bis 1 860 Litern Stauraum, über 30 Ablagen und praktischen Details wie der verschiebbaren FlexRail-Mittelkonsole oder dem integrierten Fahrradträger FlexFix noch immer den Standard im Segment.

Auch an den Preisen dürfte sich bei der Modellpflege nicht viel ändern. Denn wenn Opel das Ende des Raumfahrtzeitalters nicht noch beschleunigen will, müssen die Hessen Maß halten und sich eng an der aktuellen Auflage orientieren, die als Selections-Modell bereits für 24 250 Euro in der Liste steht.