Zurück in die Zukunft: Mit dem Velar wird Range Rover gar vollends zur Mode-Marke im Matsch

Der Name ist von gestern, doch das Auto weist weit in die Zukunft. Denn wenn Land Rover jetzt zum Genfer Salon den Range Rover Velar auf die Bühne rollt, erinnert die vierte Baureihe der noblen 4×4-Abteilung zwar an den allerersten Prototypen, mit dem die Briten vor fast 50 Jahren die Entwicklung des Range Rover gestartet haben. Aber die Form soll Range Rover fit machen für die Zukunft, sagt Chefdesigner Gerry McGovern, der die noblen Land Rover-Ableger mit diesem ebenso schlanken wie schnörkellosen Schmuckstück gar vollends zur Modemarke im Matsch machen möchte. In London jedenfalls oder in New York kann man sich dieses schnittige Raumschiff auf seinen bis zu 22 Zoll großen Rädern viel besser vorstellen, als in der Savanne oder der Wüste – selbst wenn Projektleiter Kevin Stride keinen Zweifel daran lässt, dass für den Velar das gleiche gilt wie für alle anderen Geländewagen der Briten: Above and beyond – also höher und weiter zu kommen als die Konkurrenz.

Ob Stride damit recht hat, wird sich erst noch zeigen müssen. Doch was jetzt schon klar ist, ist dass der Sommer erhältliche Range Rover Nummer Vier kreativer ist als die Wettbewerber. Denn auch wenn er eindeutig auf Autos wie das Coupé des Mercedes GLE oder den BMW X6 zielt, ist er eben nicht einfach nur ein Range Rover mit flachem Dach, sondern tatsächlich ein ausgesprochen eigenständiges Modell mit einer ganz eigenen Positionierung, die sich nicht zuletzt auch im Preis niederschlägt. Denn mit einem Grundtarif von 56 400 Euro kostet er zwar 15 000 Euro mehr als ein Evoque, bliebt aber knapp 4 000 Euro unter dem Range Rover Sport. Beim Platzangebot ist die Sache dagegen nicht ganz so einfach. Denn mit einer Länge von 4,80 Metern und 2,87 Metern Radstand sieht der Velar bei der ersten Sitzprobe nicht schlechter aus als der Range Rover Sport: Selbst im Fond lässt es sich gut aushalten und der Kofferraum fasst bis zu 673 Liter.

Mit den schlankesten LED-Scheinwerfern, die McGovern je einem Serienauto ins Gesicht gerückt hat, mit vollkommen glatten Oberflächen, für die Land Rover sogar im Tesla-Stil versenkte Türgriffe einführt und einem Heck, das ohne Ecken und Kanten auskommt, wird der Velar nicht nur zu einem Blickfang, sondern zugleich zum windschnittigsten Range Rover aller Zeiten. Und vor allem macht das Design neugierig auf einen Innenraum, der nicht minder futuristisch ist: Die Instrumente digital, die ganze Mittelkonsole wirkt wie ein einziger Touchscreen und wo man sich sonst in einem Range Rover bisweilen noch immer fühlt wie in einem altehrwürdigen Londoner Gentlemans Club ist der Velar so cool und stylish wie ein In-Club für die Yuppie-Szene. Wäre da nicht noch ein Lenkrad vor der Bedienlandschaft und der vertraute Knubbel für die Gangwahl, man könnte sich fast in einem Raumschiff wähnen.

So futuristisch der Velar gezeichnet ist, so konventionell ist er konstruiert. Denn im Grunde ist der Lückenfüller zwischen Evoque und Range Rover Sport nichts anderes als ein neu eingekleideter Jaguar F-Pace. Er nutzt die gleiche Aluminium-Architektur, hat auf Wunsch ebenfalls eine Luftfederung und fährt mit denselben Motoren: Zunächst mal drei Dieseln mit 180, 240 oder 300 PS und zwei Benzinern mit 250 oder 380 PS. Und genau wie das erste SUV von Jaguar, das 10 000 Euro günstiger ist, muss der Velar ohne Geländeuntersetzung auskommen. Doch wer die Briten kennt, der weiß, dass sie Offroad keine Kompromisse machen und deshalb auch dieser Range Rover mehr können wird, als die allermeisten Kunden sich selbst je zutrauen. Wozu gibt es schließlich die Terrain Response, einen Geländetempomaten und eine Wattiefe, bei der andere Geländewagen längst baden gehen.

Zwar weiß McGovern, dass Geländewagen bei aller Liebe zum SUV auch als blech gewordene Unvernunft in der Kritik stehen. Und selbst mit seinem ultraschlanken Design und Verb4auchswerten ab 5,4 Litern kann sich der Velar davon nicht freimachen. Doch beweisen die Briten mit diesem Auto zugleich einen Sinn für gesellschaftliche Trends und nachhaltige Verantwortung. Nein, nicht weil es eine Elektrovariante oder wenigstens einen Plug-In-Hybrid gäbe. Davon ist bei Land Rover noch immer keine Rede. Aber statt dessen wird der Velar zum ersten Range Rover, den man auch in einer veganen Variante kaufen kann.


Ohne Kanten, aber mit Charakter: So will der neue Discovery Familienväter und Forscher beeindrucken

Land Rover beamt die ewig Gestrigen in die Zukunft. Nachdem die Briten schon den Defender eingestellt haben, machen sie jetzt auch noch aus dem altertümlichen Discovery ein richtig modernes Auto: Wenn im April zu Preisen ab 50.500 Euro die fünfte Generation des Geländeklassikers in den Handel kommt, hat er mit dem Vorgänger auf den ersten Blick nicht viel mehr als den Namen gemein: Rund gelutscht und aus dem Leim gegangen, wird er zu einem unter vielen im weiten Feld der Family-SUV, der selbst Eigenheiten wie die geteilte Heckklappe einbüßt und statt der charakteristische Stufe im Dach nur noch eine kaum sichtbare Bügelfalte trägt. Doch bevor die Traditionalisten jetzt auf die Barrikaden gehen, gibt es nach der ersten Testfahrt Entwarnung: Die klassischen Kanten mögen zwar modischen Kurven gewichen sein, doch der Charakter ist noch immer derselbe.

Man sitzt viel aufrechter als in den meisten anderen Geländewagen und fühlt sich hinter dem riesig großen aber ungewöhnlich dünnen Lenkrad tatsächlich wie ein Entdecker auf dem Weg in neue Welten – selbst wenn man nur zwischen Wohnung und Büro pendelt. Wozu gibt es schließlich eine weiter verbesserte Terrain-Response, ein Menü im Bordcomputer, das einem Fahrzeugneigung oder Lenkeinschlag zeugt und natürlich den obligatorischen Allradantrieb, der CO2-Ausstoß hin und Flottenverbrauch her –anders als bei Evoque und Discovery Sport selbst für das Einstiegsmodell nicht zur Diskussion gestanden hat?

Das Fahrgefühl da oben auf dem Hochsitz ist irgendwie vertraut, weil dem Discovery nicht nur im Gelände kein Pfad zu schmal und keine Piste zu steinig ist . Sondern weil ihm auf der Straße jede Eile fremd ist, weil man den Bogen lieber etwas weiter zieht und weil man dieses Auto mit Weitblick bewegt. Und es ist trotzdem ganz neu, weil die kurvige Karosse viel leiser durch den Wind schneidet, die optionaleLuftfeder auch die gröbste Buckelpiste bügelt und weil der deutlich leichtere und flachere Discovery sich auch mit Kurven nun viel leichter tut.

Während er Forscher wie eh und je mit seinem Abenteuer- und Entdeckergeist ködert, hat er für den Kampf an der Familienfront vor allem das Format geändert: Er wird flacher und schmaler, geht dafür aber deutlich in die Länge: Der Radstand wächst um vier Zentimeter auf 2,92 Meter und statt 4,83 misst er nun 4,97 Meter. Das schafft innen noch mehr Platz nicht nur für Kind und Kegel. Sondern in der dritten Sitzreihe können dank der um 16 Zentimeter verschiebbaren Mittelbank jetzt auch Erwachsene halbwegs bequem auf Reisen gehen, und wem die 258 Liter Kofferraum hinter der dritten oder die 1231 Liter hinter der zweiten Reihe nicht reichen, der kann den Kofferraum auf nahezu konkurrenzlose 2 500 Liter erweitern. Und dazu gibt es so viele Ablagen und Staufächer hinter allen erdenklichen Konsolen bis hin zum Wandschrank hinter der Klimazentrale, dass man sich im Discovery nach ein paar Kilometern wohnlicher eingerichtet hat als in einem Ein-Zimmer-Appartement.

Aber nicht nur die Form hat sich beim Generationswechsel radikal verändert. Auch bei der Technik machen die Briten einen riesigen Sprung: Genau wie zuletzt der Range Rover zieht der Discovery um auf eine neue Aluminium-Plattform und bekommt eine Leichtbau-Karosserie, mit der das Gewicht im besten Fall um knapp zehn Zentner sinkt. Das erhöht Fahrspaß und Agilität und senkt zugleich den Verbrauch. Der geht für die Basismotorisierung auf 6,0 Liter zurück und liegt damit auf einem vom Discovery noch nie erreichten Niveau,

In Fahrt bringen den Geländegänger dabei die bekannten Ingenium-Motoren. Los geht es mit einem Zweiliter-Diesel, den es mit vermutlich eher freudlosen 180 PS und völlig ausreichenden 240 PS gibt. Zumindest, solange man gemütlich im Verkehr mitschwimmt, ist der Motor mit seinen imposanten 500 Nm und einem Normverbrauch von 6,3 Litern ein ebenso leiser wie sparsamer Dauerläufer, mit dem man von Augsburg bis nach Afrika durchfahren könnte. Nur beim Überholen braucht man ein bisschen mehr Atem und bei 207 km/h ist schon wieder Schluss. Aber für engagiertere Entdecker gibt es ja auch noch den V6-Diesel mit 258 PS und 600 Nm, und für die Benzin-Fraktion haben die Briten einen drei Liter großen V6-Motor mit 340 PS und 450 Nm in Petto, mit dem das Spitzentempo auf 215 km/h steigt. Nur über alternative Antriebe verliert Land Rover noch kein Wort.

Neue Zeiten brechen auch im Innenraum an: Vom „digitalen Discovery“ ist die Rede, wenn die Entwickler über den großen, frei konfigurierbaren Touchscreen mit Online-Navigation und App-Store sprechen oder vom Activity Key, mit dem man die Schüsselgewalt auf ein wasserdichtes Armband übertragen kann, wenn sie vom WLAN-Hotspot für bis zu acht Endgeräte schwärmen oder die Zahl der Steckdosen aufzählen wie früher die Ablagen. Nicht umsonst haben sie neun USB-Buchsen und sechs 12-Volt-Anschlüsse im Innenraum verteilt. Dazu gibt es Sitzheizung auf allen Plätzen und als Geheimwaffe im Kampf um die Generation iPhone eine App, mit der man die Sitze im Auto sogar vom Bildschirm des Handys aus umlegen kann. Klingt albern, ist aber gar nicht so unpraktisch, wenn man im Laden an der Kasse steht, mal wieder ein bisschen mehr eingekauft hat und auf dem Parkplatz nicht lange sein Auto umbauen möchte.

Obwohl der Discovery sich mit dem Generationswechsel mehr denn je auf den Alltag der Digital Natives einlässt und sich mit seiner Rolle als Familienkutsche für die Großstadt anfreundet, behält er seine Abenteurer-Allüren. So macht die Luftfederung mit einer automatischen Absenkung um vier Zentimeter nicht nur den Einstieg leicht, sondern kann den Wagen zum Kraxeln auch um bis zu acht Zentimeter anheben. Wattiefe und Böschungswinkel sind so konkurrenzlos wie die Anhängelast. Und wenn die All Terrain Progress Control wie ein Offroad-Tempomat alle Abenteuer-Assistenten auf Ankommen programmiert, kennt der Disco kein Halten mehr und die Party in der Pampa kann steigen. Kein aktueller Geländewagen diesseits von G-Modell, Wrangler oder Land Cruiser dürfte weiterkommen, zumal der Defender als einzig legitime Referenz ja seit dem letzten Jahr nicht mehr produziert wird.


Ihre Majestät machen sich frei: Als Maybach-Landaulet wird die G-Klasse zum Sonnenkönig

MercedesG 650 Landaulet

MercedesG 650 Landaulet

Je oller, je doller: Weil die Mercedes G-Klasse 38 Jahre nach ihrer Premiere mittlerweile von Verkaufsrekord zu Verkaufsrekord eilt und selbst extreme Exoten wie der 6×6 oder der 4×4 hoch Zwei reißenden Absatz finden, legen die Schwaben jetzt noch einmal nach: Wenn sie Anfang März auf dem Genfer Salon das Tuch vom Mercedes-Maybach G 650 Landaulet ziehen, wird das nicht nur das teuerste Modell in der Palette, sagt Baureihenchef Gunnar Güthenke. Sondern es wird zugleich das exklusivste Cabrio und der nobelste Geländewagen, den man aktuell bei einem Serienhersteller kaufen kann. Selbst der Bentley Bentayga oder der Rolls-Royce Dawn wirken dagegen plötzlich irgendwie gewöhnlich.

Auf seine Rolle als neuen Sonnenkönig bei Paraden und Safaris hat Mercedes den G gut vorbereitet. Denn zum riesigen Dachausschnitt und dem elektrischen Verdeck vom Format eines Mannschaftszeltes haben sie in der Manufaktur in Graz auch noch den Radstand um 60 Zentimeter gestreckt und so endlich mal genügend Beinfreiheit für die Hinterbänkler geschaffen. Und weil der jetzt dann fast 5,40 Meter lange G 650 auf den Portalachsen des 4×4 hoch Zwei und hochglanzpolierten 22-Zöllern steht, sieht er nicht nur bulliger aus als jede andere G-Klasse. Sondern er fährt auf der Autobahn spürbar komfortabler und kommt im Gelände noch weiter, verspricht Güthenke.

MercedesG 650 Landaulet

MercedesG 650 Landaulet

In Fahrt bringt ihn dabei der einzige Motor, der für dieses exklusive Modell in Frage kam: Der stärkste, den Mercedes aktuell zu bieten hat. Deshalb säuselt vorn unter der Haube der sechs Liter große Zwölfender aus der S-Klasse, der selbst mit den 3,3 Tonnen buchstäblich leichtes Spiel hat: 630 PS und 1000 Nm sind Argumente, denen sich die Trägheit der Masse bisweilen beugen muss. So stürmt das G-Modell wie ein wütender Bulle in weniger als sechs Sekunden auf Tempo 100 und danach fast mühelos weiter, bis die Elektronik dem Zwölfzylinder bei 180 Sachen den Hahn zu dreht. Mehr sei weder den Reifen noch dem Verdeck zuzumuten, entschuldigt sich Güthenke. Doch wer es einmal in dieses Auto geschafft hat, der muss sich ohnehin von niemandem mehr hetzen lassen und stöhnt weder über das Tempolimit noch über die fast 30 Sekunden, die sich die G-Klasse für den Sonnenaufgang Zeit lässt.

MercedesG 650 Landaulet

MercedesG 650 Landaulet

Wie kraftvoll das Landaulet fährt, wie locker es mit seinen traditionellen drei Sperren über Geröll klettert und wie sperrig es sich dagegen gibt, wenn es durch enge Gassen geht – all das dürfte den Besitzer allenfalls beiläufig interessieren. Während vorn ein dienstbarer Geist seine Macht über den Motor auskostet oder am Lenkrad schwitzt, genießt man hinten die nobleste Sonnenbank der Welt und fletzt sich auf den Liegesessel aus der Maybach-Version der S-Klasse – Fußauflage, Massageprogramm, Klapptische und Barfach inklusive. Dabei fährt einem schon bei 30, 40 km/h so viel Wind durch die Haare, dass man schnell das Gefühl für die Geschwindigkeit verliert und dankbar auf die großen Bildschirme schaut, die Güthenkes Mannschaft samt einer Art zweiten Armaturenbretts mit den typischen Haltegriffen und dem originalen Handschuhfach zwischen die beiden Sitzreihen geschraubt hat.

Wer mehr vom echten Leben sehen will, der lässt die riesigen Seitenscheiben herunter surren oder stellt sich einfach auf. Denn mit dem großzügigen Fußraum und der Luke zwischen dem Dach über der Fahrerkabine und der Querstrebe über den Rücksitzen wird der Maybach für Mtaschpiloten zum rollenden Hochstand mit besten Perspektiven. Dann hat man nicht nur den perfekten Ausblick, sondern auch die richtige Bühne, auf der einem alle Aufmerksamkeit gewiss ist. So oder so ähnlich musste sich der Papst fühlen, als er noch in seinem Papamobil unterwegs gewesen ist.

MercedesG 650 Landaulet

MercedesG 650 Landaulet

Wenn man es nicht ganz so hat mit der Öffentlichkeit, lässt man mit einem Knopfdruck erst das Dach und danach die Trennscheibe zum Fahrer hoch surren, die sich mit einem weiteren Knopfdruck milchig eintrübt. So wird das Sonnenstudio zum Separé und nur der Himmel weiß, für was die Liegesitze und der flauschig tiefe Teppich im Fußraum noch taugen.

Die Idee für das Landaulet ist rund zwei Jahre alt und ein bisschen aus der Not geboren. Denn in Graz, wo die G-Klasse seit jetzt fast vier Jahrzehnten gebaut wird, waren sie selbst ein wenig überrascht, wie gut ihre beiden letzten Sonderserien angekommen sind: Über 150 Exemplare des 6×6 und mittlerweile fast schon 1 000 4×4 hoch Zwei waren ihnen Grund genug, über weitere Extreme nachzudenken, sagt Güthenke und erklärt damit die Genese des luftigen Giganten. Zwar kommt der G-Chef mit dem Landaulet auch jenen Kunden entgegen, die sich zwei Jahre nach der Einstellung des Cabrios endlich wieder ein offenes Auto wünschen. Doch so richtig helfen wird ihnen das Landaulet nicht. Denn erstens ist kaum anzunehmen, dass Mercedes den Sonnenkönig für weniger als eine halbe Million verkaufen wird. Und zweitens werden in Graz nur exakt 99 Exemplare gebaut, von denen die allermeisten schon an irgendwelche Scheichs und Potentaten verteilt sein dürften. Trotzdem können sich Frischluftfreunde vorsichtige Hoffnungen machen. Schließlich kommt bald eine von Grund auf neue G-Klasse. Und nachdem das Landaulet so eine Welle gemacht hat, müsste es mit dem Teufel zugehen, wenn es dann nicht demnächst auch wieder ein Cabrio für nicht ganz so reiche Kunden gäbe.


Jaguar C-X17: SUV-Studie leicht und cross

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Noch ist der C-X17 eine Studie – aber mit besten Chancen auf eine Serienfertigung im Jahr 2015.

Mehr als 300.000 verkaufte Land Rover pro Jahr und gerade mal 50.000 Jaguar – so richtig gerecht war die Verteilung zwischen den beiden britischen Schwestermarken zuletzt nicht. Das weiß auch Firmenchef Ralph Speth und richtet seine Aufmerksamkeit deshalb verstärkt auf die sportliche Seite: Mit einem massiven Investitionsprogramm und vor allem mit neuen Modellen will er die kleine Tochter zu neuer Größe führen und „bei Jaguar jetzt richtig Gas geben“. Eine zentrale Rolle könnte dabei ein Auto spielen, das man eigentlich eher von Land Rover erwartet hätte. Denn zu einem guten Teil stützen sich Speths Planungen ausgerechnet auf einen Geländewagen. „Wir denken dabei allerdings, nicht an einen Offroader“, sagt Designchef Ian Callum und lenkt den Blick auf die Studie C-X17, die zwei Monate nach der Weltpremiere auf der IAA in Frankfurt jetzt mit neuem Lack – silberfarben statt blau – vor der Skyline von Dubai zur Jungfernfahrt bereit steht.

Während die Scheichs mit feudalen Allradlern durch den Sand pflügen, duckt sich die Studie vergleichsweise tief und breit auf die Straße. Sehnig und sportlich statt kantig und klotzig wirkt das Auto, es sieht nicht wie ein tiefer gelegter Range Rover aus, sondern wie ein aufgebockter F-Type mit vier Türen und einem festen Dach. „In den letzten Jahren haben wir unsere Markenwerte geschärft und Jaguar wieder richtig positioniert“, sagt Branddirektor Adrian Hallmark mit Blick auf die neu erwachte Leistungs-Fokussierung, die nicht zuletzt vom F-Type rührt. „Jetzt, wo die Hausaufgaben gemacht sind, können wir die Marke auf dieser Basis schrittweise verbreitern und erweitern.“ Im Prinzip lasse sich so auch ein SUV von Jaguar in die Markenmatrix einfügen.

Aktuelles Sportstudio: Der Innenraum hat nichts vom Hochsitz eines SUV, sondern man fühlt sich wie in einem Hightech-Maschinenraum.

Sportlichkeit ist nämlich nicht alleine eine Frage des Designs. Der C-X17 soll vor allem auch schnittig fahren. Deshalb schwebt man trotz 21 Zentimetern Bodenfreiheit nicht über den Dingen, sondern ist mittendrin im Geschehen. Man sitzt in einer schlanken Lederschale und im Prototypen gibt es auch für die Hinterbänkler noch Einzelsitze. Statt der expeditionstauglichen, aber eher schwerfälligen Offroad-Technik von Land Rover gibt es das schnelle Torque On-Demand-Allradsystem aus den Modellen XJ und XF, das auf trockener Straße aus dem Auto einen Hecktriebler macht. Statt des Land-Rover-Fahrprogramms Terrain-Response glänzt der C-X17 mit Torque-Vectoring. Dazu gibt es eine leichte Alu-Karosserie, ein strammes Fahrwerk und potente Motoren – wenn’s sein muss bis zum 550 PS starken V8.

Die Basis für diesen und viele weiteren Entwicklungsziele von Jaguar ist eine neue Leichtbau-Architektur, die sich die Briten umgerechnet weit mehr als zwei Milliarden Euro kosten lassen. Zusammen mit einer Familie neuer Vierzylinder-Benziner und -Dieselmotoren für eine weitere halbe Milliarde Euro und den bekannten V6-Motoren aus dem F-Type ist das der Teilesatz, aus dem Jaguar die Zukunft bauen wird. Denn die Plattform bündelt nicht nur die Alu-Erfahrung von XJ und Range Rover und ermöglicht so im Rohbau Gewichtsvorteile von bis zu 40 Prozent; sie ist auch variabler als je zuvor: „Radstand, Spurweite, Spitzposition – in allen Kernwerten sind wir so flexibel, dass wir künftig unsere gesamte Modellpalette auf diese Architektur stellen können“, sagt Projektleiter Graham Wilkins. „Und das gilt nicht nur für bestehende Baureihen, sondern auch für zahlreiche neue Projekte.“

Das erste davon ist eine neue Mittelklasse-Limousine unterhalb des XF, die ab 2015 gegen Mercedes C-Klasse oder 3er BMW antreten soll und wahlweise mit einem CO2-Wert unter 100 g/km oder einem Spitzentempo von mehr als 300 km/h glänzen wird, verrät Wilikins. „Aber wie flexibel die neue Architektur wirklich ist, das zeigt kein Auto besser als der C-X17“, sagt der Ingenieur.

Schaulaufen im Wüstensand: Der Prototyp bei einer ersten Ausfahrt in Dubai.

Offiziell bleibt der C-X17 eine Studie, die vor allem die Bandbreite der neuen Architektur illustrieren soll. Doch auch wenn jeder bei Jaguar über den Crossover brav im Konjunktiv spricht, zweifelt niemand mehr an einer Serienfreigabe: Zu rosig sind die Prognosen für das SUV-Segment und zu geschickt ist der C-X17 geschnitten. Denn mit seinen gut 4,70 Meter und einem Schätzpreis von 45.000 Euro fährt er nicht direkt gegen Autos wie den Porsche Cayenne oder den BMW X5. Sondern genau so, wie der F-Type zwischen Cayman und 911 sitzt, würde die Serienfassung des Jaguar-SUV die Lücke zwischen Macan und Cayenne oder X3 und X5 passen.

Ein sicheres Indiz, dass ein solcher SUV von Jaguar kommen wird, sind die Debatten über einen möglichen Namen des Autos, die man hin und wieder erlebt, wenn man mit Jaguar-Leuten zusammen ist. Sollte die alte Bezeichnung X-Type noch einmal heraus geholt werden? Stellt man den Modellen XJ und XF einen XC zur Seite? Oder lässt man sich etwas ganz Neues einfallen? Selbst Designchef Ian Callum mischt sich mit wachsender Neugier in diese Diskussion ein. Sein Argument: „Schließlich bin ich derjenige, der am Ende das passende Logo entwerfen muss.“


Autofahren in Nepal: Kunterbunt ins Chaos

Geisterbahn in Nepalgunj: Die nächtliche Ortsdurchfahrt ist ein Auto-Abenteuer erster Güte.

Die Szenerie ähnelt der einer Geisterbahn. In pechschwarzer Dunkelheit rumpelt man über eine Buckelpiste, patscht in riesige Pfützen, sieht Schlamm spritzen, nimmt auf dem Untergrund fußballgroße Steine wahr und erkennt von links und rechts immer wieder dunkle Gestalten, die über den Weg huschen. Es ruckelt und quietscht, hektisch wechselt der Fuß vom Gas auf die Bremse und zurück, die Hupe quäkt und das Lenkrad steht keine Sekunde still. Allerdings ist dies hier kein Rummelplatz, sondern die ganz normale Realität des Abendverkehrs: Willkommen zur Rushhour in Nepalgunj, einer Grenzstadt zwischen Indien und Nepal.

Wer die zwei Kilometer lange Durchfahrt der 80.000-Einwohner-Stadt, die eigentlich eine riesige Ansammlung von Baracken, Lehmhütten und baufälligen Betonburgen ist, heil überstanden hat, der hält selbst die Rallye Dakar für eine Spazierfahrt. Denn wie überall in Nepal ist der Verkehr auch hier das reine Chaos. Jeder gegen jeden lautet das Motto und die einzige Verkehrsregel ist, dass man sich nicht an Regeln hält. Die Fahrzeugbeleuchtung funktioniert oder auch nicht, der Linksverkehr scheint außer Kraft gesetzt, die Vorfahrt nimmt man sich einfach und die Straße ist natürlich nicht nur für Autos da. Sondern auch für Fahrradfahrer, Familien, spielende Kinder, Eselskarren oder mobile Verkaufsstände. Und als wäre das noch nicht genug, trotten immer wieder ein paar Kühe mitten hindurch. Es sind selbstverständlich heilige Kühe, die auf jeden Fall Vortritt haben. Oft hilft kein Hupen und kein dichtes Auffahren, die erbarmungswürdig mageren Klapperkühe weichen keine Millimeter, sondern wühlen unbeirrt weiter nach etwas Nahrhaftem im Müll, der überall auf der Straße liegt. Und dann kommt der Verkehr ringsum mal wieder komplett zum Erliegen.

Karren statt Kraftfahrzeug: Viele Fuhrwerke sind in Nepal mit Wasserbüffeln bespannt.

So dauert es eine Ewigkeit, bis man die Ortsdurchfahrt hinter sich hat, den Wagen vor dem Hotel abstellt und hofft, dass nur bald die Sonne wieder aufgehen wird. Doch auch wenn man tagsüber zwar deutlich mehr erkennen kann, macht das die Fahrerei nicht grundsätzlich einfacher. Zu abenteuerlich ist der Fuhrpark der Napalis. In einem Land, in dem selbst Billigautos wie der Tata Nano als Luxus gelten und die Taxifahrer meist einen Suzuki Alto bewegen, gibt es kaum private Autos, doch dafür umso mehr Zweiräder. Dazu kommen in den Städten noch tausende Tuktuks und Rikschas und auf dem Land Traktorengespanne oder Karren, die wahlweise von Wasserbüffeln, Pferden oder Eseln gezogen werden. Und wer gar nichts zum Fahren hat, der läuft eben: Egal ob morgens, mittags oder abends – fast rund um die Uhr sind selbst in den einsamsten Gegenden überall Fußgänger unterwegs, und machen manche Autofahrt zu einem riskanten Slalom. Denn nicht nur die Kühe lassen sich vom fließenden Verkehr nicht aus der Ruhe bringen, sondern auch nicht die meisten Fußgänger.

Zwar ist Nepal ein bettelarmes Land, die Straßen sind in einem katastrophalen Zustand, die Städte versinken im Schutt und um jede Siedelung türmen sich Mist und Müll, doch die Menschen wirken zufrieden. Es scheint, als seien die Nepalis mit sich im Reinen, sie hinterlassen einen fast schon beseelten Eindruck. An jedem Flusslauf und an jeder Quelle sind Waschfrauen zu sehen oder Menschen bei der Körperpflege. Überhaupt gilt: Die Menschen auf den Straßen wirken allesamt äußerst gepflegt – was wiederum in krassem Gegensatz zur oft maroden Infrastruktur steht und umso bizarrer wirkt.

Konvoi durchs Chaos: Die Land-Rover-Truppe auf dem Weg durch Katmandu.

Geschmückt sind übrigens auch die Fahrzeuge, so es sie denn gibt. Lastwagen sind geradezu rollende Kunstwerke, auf denen anzügliche Sprüche und die Bilder asiatischer Gottheiten die friedliche Koexistenz verschiedener Werte demonstrieren. Die wenigen Pkw haben Stoffbänder und Girlanden am Kühlergrill und die Frontpartie mancher Busse oder Traktoren glitzert fast so wie ein Diadem. Selbst die Fahrradrikschas und die Dreirad-Taxen sind prächtig verziert – das macht das Verkehrschaos zwar nicht besser, aber wenigstens erfrischend bunt und hübsch.

Mittendrin rollte in diesen Tagen eine knappes Dutzend Land Rover, die auf den Straßen von Nepal fast so wirken wie Ufos auf Rädern. Ähnlich bunt beklebt, mit Expeditionsausrüstung und vor allem mit gleißend hellen Zusatzscheinwerfern brennen sie im Konvoi durch die Nacht. Ihr Ziel ist das indische Mumbai. Dort soll nach 50 Tagen Fahrt ein Auto-Abenteuer enden, das Ende August in Berlin gestartet wurde und über 15.000 Kilometer und elf Länder entlang der alten Seidenstraße nach Indien führte. Am Steuer der Allradler saßen weder PS-Profis noch Vollgas-Veteranen, sondern insgesamt zwölf ganz normale Land-Rover-Fans, die sich in einer mehrstufigen Ausscheidung unter rund 30.000 Kandidaten qualifiziert hatten.

Hier in Nepal sind bereits 13.000 Kilometer zurückgelegt, die Fahrt durch das höchste Land der Erde dauert vier Tage. Hier ein schneller Blick auf den Mount Everest, dort ein Fototermin am Fuß der Arnapurna-Runde, zwischendurch einige Offroad-Etappen entlang von Flußläufen oder über Dschungel-Trecks. „Wir würden ja gerne noch bleiben, aber wir haben einen Termin in Mumbai“, sagt einer der Fahrer mit einem verschmitzten Grinsen. Denn genau 50 Tage nach dem Start wollen die Auto-Abenteurer im einstigen Bombay sein.

Ein bisschen Offroad zur Abwechslung: Immer wieder biegen die Evoque ins Unterholz ab und pflügen durchs Gelände.

Die Fahrer werden am Ziel ins Flugzeug steigen und zurück nach Deutschland jetten. Doch der Rücktransfer der Autos wird abermals über den Landweg erfolgen. Und diesmal wird Land Rover dafür sogar Geld verlangen. Denn auf der Fahrt zurück von Mumbai nach Berlin sollen nicht die Gewinner einer Ausschreibung hinter den Lenkrädern sitzen, sondern ganz normale Offroad-Kunden. Für eine Teilnahmegebühr ab 2600 Euro werden die einzelnen Etappen angeboten. Eine Abenteuerreise im Range Rover Evoque – die manchmal ein bisschen so sein wird, wie eine Endlos-Fahrt in der Geisterbahn.


Mercedes Vision GLA: A-Klasse auf Abwegen

A-Klasse auf Stelzen: Mit hoher Bodenfreiheit und bulligem Design wird aus dem Kompaktauto ein kleiner Kraxler.

Es ist wie verhext: Jetzt haben die schwäbischen Autobauer vom GLK bis zum GL schon vier ziemlich unterschiedliche Geländewagen im Programm – und trotzdem fehlt den Mercedes-Managern ausgerechnet im Boom-Segment der kleinen SUVs das passende Angebot. Denn zumindest in Europa spielt die Musik nicht mehr bei den großen Allradmodellen, sondern bei den eher schmächtigen, sportlichen und meist auch einigermaßen sparsamen SUVs der Kompkatklasse. Nicht umsonst stehen BMW X1, VW Tiguan und Audi Q3 in der Zulassungsstatistik ganz vorn. Doch Abhilfe aus Mercedes-Perspektive ist in Sicht. Denn als vierte Spielart der neuen Frontantriebsfamilie bringen die Schwaben jetzt nach B- und A-Klasse sowie der kleinen Limousine CLA einen schmucken Abenteuer auf den Weg. Auf der Messe in Shanghai stand das Auto zwar noch als Showcar und sah daher innen wie außen ein wenig überzeichnet aus. Doch im nächsten Frühjahr soll das Serienmodell in den Handel kommen und dem Premium-Primus BMW X1 ordentlich am Zeug flicken.

Genau wie der CLA gibt auch die A-Klasse für Abwege wieder den Stilrebellen und überrascht mit einem jugendlichen, durchaus flotten Design. Während der zu groß und vor allem zu teuer geratene GLK bullig und barock wirkt, steht der GLA schnittig im Wind: Die selbstbewusste Frontpartie lebt von riesigen Kiemen und den beiden Powerdomes auf der Motorhaube, die Flanke trägt die schnittigen Falze, die Mercedes-Designchef Gordon Wagener zu seinem Markenzeichen gemacht hat, und das betont breite Heck mit der weit nach vorn geneigten Klappe sieht eher nach Coupé als nach Geländewagen aus – allerdings gehen dabei ein paar Liter Kofferraum flöten.

Mehr Show als Serie: Der Innenraum wurde für den Messeauftritt luxuriös veredelt.

Auch innen gibt die Studie den Sportler. Sie verfügt über vier stark konturierte Einzelsitze, das Cockpit umschließt den Fahrer beinahe und die Lüftungsdüsen erinnern nicht von ungefähr an den Mercedes SLS. Dazu gibt es feines Leder mit insgesamt 20 Meter an Ziernähten sowie transparente Konsolen für ein luftig-leichtes Raumgefühl und darüber hinaus ein Gepäckabteil, das für Koffer eigentlich viel zu schade ist.

So neu die Karosserie geformt ist – unter dem Blech trifft man auf alte Bekannte. Die Studie ist mit dem 211 PS starken Vierzylinder-Turbo aus dem A 250 ausgerüstet, der mit einem Doppelkupplungsgetriebe und Allradantrieb kombiniert ist. Für die Serie wird es daneben auch die schwächeren Versionen des Vierzylinders geben, einige Dieselvarianten und sicher auch den 360 PS starken AMG-Motor. Und mit Rücksicht auf Preis und Verbrauch ist Allrad nicht immer Standard. Schließlich soll der GLA bei deutlich unter 30.000 Euro starten und auf einen Normwert von unter fünf Litern kommen.

Dickes Ende: Von hinten sieht der GLA überaus breit und wuchtig aus.

Dass Mercedes für die A-Klasse-Familie noch einen Geländewagen plante, war ein offenes Geheimnis, so dass sich die Überraschung bei der Premiere in Shanghai in Grenzen hielt. Doch haben sich die Vorausentwickler zumindest ein paar Details für ein Aha-Erlebnis einfallen lassen. Zum Beispiel die Laser-Scheinwerfer, die nicht nur einen Lichtkegel auf die Straße zaubern, sondern auch Fotos oder Filme an Häuserwände projizieren können. Wer gerade keine Bilddaten zur Hand hat, kann sie mit dem GLA live erzeugen. Denn in den Dachträgern sind zwei Digitalkameras integriert, deren Bild wahlweise an die Scheinwerfer oder an den Monitor in der Mittelkonsole übertragen wird. Diese Kameras lassen sich mit zwei Handgriffen demontieren und können dann zum Beispiel samt eingebautem Lichtspot an einem Fahrrad- oder Skihelm befestigt werden – nicht umsonst lautet das Motto der Studie „raus aus dem Alltag“. Chance auf eine Serienübernahme haben diese Gimmicks vorerst allerdings nicht.

Zwar ist der GLA schon das vierte Modell auf der neuen Plattform, doch wird es dabei nicht bleiben. Angeblich steht als Nummer fünf schon ein CLA Shooting Brake in den Startlöchern, lässt Designchef Gordon Wagener durchblicken. „Und danach gehen uns die Ideen sicher auch noch nicht aus.“


Tomcar TM2: Der wilde Wüstenfuchs

Grün und rustikal: Was aussieht wie ein Spielzeug, ist ein ernsthafter Geländewagen, der jeden Jeep stehen lässt.

Auf den ersten Blick sieht er aus wie ein zu groß geratenes Go-Kart, das ein Kind im Sandkasten vergessen hat. Doch der Tomcar TM2 ist alles andere als ein Spielzeug, selbst wenn er hier im Einsatz beim Outdoor-Veranstalter Green Zebra in Scottsdale, Arizona, vor allem den Spieltrieb der Touristen befriedigen soll. Denn der federleichte Zweisitzer, der mit bis zu 60 Sachen so wild und wendig durchs Geröll pflügt wie ein Wüstenfuchs auf der Jagd, zählt zu den besten Geländefahrzeugen der Welt. Klar sieht man mit dem Vehikel in der schmucken Downtown von Scottsdale ein bisschen albern aus, und auf dem Highway würde man sich wohl ziemlich klein und verletzlich fühlen. Doch hier in der Sedona-Wüste macht der grellgrün lackierten Springmaus kein anderes Auto etwas vor.

Dort, wo man mit einem Jeep Wrangler oder einem Land Rover Defender schon ganz, ganz vorsichtig steuern muss und Modelle wie die Mercedes M-Klasse oder der BMW X5 leider außen vor bleiben müssen, hat der Tomcar-Fahrer ein breites Lächeln auf dem Gesicht und den Fuß beherzt auf dem Gaspedal. Knapp 40 Zentimeter Bodenfreiheit, ein halber Meter Federweg und Ballonreifen fast so breit wie hoch – so wirbelt sich der kompakte, lediglich 700 Kilo schwere Feger mit einem 54 PS starken Vierzylinder durch die Wüste. Und dabei haben wir noch nicht einmal die Differentialsperre aktiviert oder fahren gar das Modell mit dem aufpreispflichtigen Allradantrieb. „Es gibt einfach kein anderes Fahrzeug, das sich so mühelos über dieses Terrain bugsieren lässt“, sagt Green-Zebra-Chef Greg Elder über die Mischung aus Buggy, Geländewagen und Quad mit Karosserie, die kinderleicht zu fahren ist. „Man braucht praktisch keinerlei Erfahrung“, sagt Elder.„Einsteigen, anschnallen, Gas geben – mehr muss man nicht machen.“

Erst Armee, dann Abenteuer: Entwickelt wurde das Tomcar für das israelische Militär. Dann haben ihn die Freizeitveranstalter entdeckt.

Ausgefahrene Trails mit knietiefen Spurrillen durcheilt man wie eine Steilkurve auf der Achterbahn, Steigungen nimmt der Tomcar so behände wie eine Bergziege, selbst große Steinbrocken sind für ihn keine ernstzunehmenden Hindernisse und jede Bodenwelle wird zur Sprungkuppe – aber stoppen lässt sich der Winzling nicht.

Das haben ihm die Entwickler quasi in die Wiege gelegt. Auch wenn man den Wagen mittlerweile vor allem von Abenteuer-Touren wie hier bei Green Zebra kennt oder ihn als Expeditionsfahrzeug im Fernsehen sieht, wurde er für ganz andere Zwecke gebaut: als Kriegsgerät. Denn hinter dem Tomcar steht die israelische Armee, die den Wagen in Auftrag gab, etwa als Patrouillenfahrzeug für die Grenzregionen. Zu diesem Zweck sollte er nicht nur extrem robust und geländegängig sein, sondern auch so klein und leicht, dass man ihn problemlos in einen Hubschrauber packen kann. Zwar hat die Entwicklung gut zehn Jahre gedauert, doch dafür wurde Tomcar so zum wahrscheinlich einzigen Autohersteller in Israel. Und nachdem neben der eigenen Armee mittlerweile auch die britische und die australische Army bei den Israelis bestelen, die US Coast Guard im Tomcar patrouilliert und der Zweisitzer auch zwischen Indien und Pakistan auf Streife geht, ist der Wühler seit dem Jahr 2005 für einen Preis ab etwa 20.000 Dollar auch von Zivilisten bestellbar – allerdings nicht in Deutschland. Denn einen offiziellen Vertrieb gibt es nur in Israel, in Spanien, den USA und in Australien, wohin Tomcar mittlerweile die Produktion verlagert hat.

Flink wie ein Wiesel: Auf der Straße ein Schleicher, kommt einem der Tomcar mit 60 Sachen in der Wüste verdammt schnell vor.

Glaubt man Männern wie John, die uns als Guide auf dieser Tour begleiten, ist das lokale Händler- und Servicenetz für den Tomcar weitgehend verzichtbar. „So einfach, wie dieses Gefährt konstruiert ist, kann kaum was kaputt gehen“, sagt der Mechaniker mit Blick auf den stabilen Stahlrahmen, um den eine Kunststoffkarosserie gelegt wurde – mit einer Plastikplane als Dach. Auch das Innenleben ist so schlicht, wie es nur irgend möglich ist: Zwei Sitze, ein paar Schalter, eine Handvoll Instrumente – mehr braucht es nicht, um durch die Wüste zu kommen. Und falls doch mal etwas kaputt geht, der Antriebsriemen abspringt oder ein Getriebe abraucht, ist das auch kein Beinbruch, sagt John: „Es gibt eigentlich nichts, was man nicht binnen fünf Minuten wieder reparieren kann. Und zwar zur Not auch mitten in der Wüste.“

Was für den Tomcar ein Kinderspiel ist, wird für seinen Fahrer allerdings schnell zum Höllenritt. Nicht nur, dass man auf den buckeligen Trails trotz der strammen Hosenträgergurte in dem Stahlkäfig hüpft wie ein Gummiball. Sondern vor allem schluckt man jede Menge Staub und Schmutz. Schon nach fünf Minuten kratzt es im Hals, nach zehn Minuten brennen die Augen, nach einer Viertelstunde knirscht es zwischen den Zähnen und als die Tour nach gut zwei Stunden zu Ende ist, liegt im Fußraum und in den wenigen Ablagen des Cockpits so viel Sand, dass es für einen ganzen Kinderspielplatz reichen würde. Mechaniker John hat dafür nur ein Lachen übrig – und den Strahl eines Dampfstrahlers. Weil es bis ins Hotel zur Dusche noch ein gutes Stück ist, würde man als Fahrer da am liebsten einfach sitzen bleiben.


Mercedes Ener-G-Force: Science Fiction statt Steinzeit

Ach du dickes Ding: In der Vision der Designer wird die G-Klasse vollends zum Riesen auf Rädern.

Totgesagte leben länger. Viel länger sogar. Denn obwohl mancher Kritiker der Mercedes G-Klasse schon vor zehn Jahren keine Zukunft mehr attestierte, gibt es den Klassiker unter den deutschen Offroadern noch immer – und zwar schon seit 1979. In dieser Zeit hat sich der Urvater der Stuttgarter Geländewagen so fest in die Erinnerung der PS-Gemeinde eingegraben, dass die eckige Form mittlerweile als unantastbar gilt und jeder Mercedes-Designer in den letzten 30 Jahren einen Bogen um den kantigen Koloss machte. Doch jetzt reißen die Schwaben den SUV-Saurier aus der Steinzeit und zeigen zum ersten Mal, wie sie sich die Zukunft der G-Klasse vorstellen.

Für die LA Design Challenge, einen Kreativwettbewerb im Umfeld der Los Angeles Motorshow, haben die Designer die Studie Ener-G-Force auf die Räder gestellt. Dafür wird die G-Klasse zu einem monströsen Big-Foot, der als Superjeep mit Ballonreifen und imposanter Bodenfreiheit wohl auch die wildesten Abenteuer in Wüste, Dschungel oder Arktis bestehen würde. Von Ecken und Kanten müssen sich die Fans des Klassikers allerdings verabschieden, denn die G-Klasse der Zukunft hat stark konturierte Bleche und erlaubt sich sogar ein paar muskulöse Rundungen. Und wo sie heute noch ein hoch aufragendes Passagierabteil hat, ist das so genannte Greenhouse der Studie flach wie bei einem gechoppten Tuning-Modell.

Mit dem G geht’s immer: Der Ener-G-Force stammt aus dem Genpool der G-Klasse – deshalb kommt er fast überall durch und kennt kaum Hindernisse.

Doch Erkennungsmerkmale wie der beinahe rechteckige Kühlergrill, die Positionsleuchten oben auf den Kotflügeln, das gerade Dach, die eckigen Radkästen und die strenge Fenstergrafik bleiben ebenso erhalten wie das außen angeschlagene Ersatzrad – selbst wenn daraus jetzt eine ausziehbare Toolbox für das Expeditionswerkzeug wird.

Weil die Juroren der Design-Challenge eigentlich einen Streifenwagen für das Jahr 2015 gefordert haben und die zivile Variante der G-Klasse-Studie erst später ins Spiel gebracht wurde, hat der modernisierte Saurier jede Menge Science-Fiction-Technik an Bord: Terra-Scan zum Beispiel. So nennen die Entwickler jenes Radar- und Videosystem, das vom Dach aus das Terrain sondiert und den Dienstwagen von Captain Future mit individuellen Anpassungen an Fahrwerk und Federung sicher über Stock und Stein führt. Oder den Hydro-Tech-Converter. Er produziert Wasserstoff aus Brauchwasser, mit dem Mercedes eine Brennstoffzelle betreibt und so an Bord den Strom für die vier elektrischen Radnabenmotoren generiert, mit denen der Ener-G-Force bis zu 800 Kilometer ohne Schadstoffausstoß fahren kann.

Auf der Suche nach dem G-läuf in die Zukunft: Wie könnte die nächste G-Klasse aussehen – das war die Fragestellung beim Entwurf dieser Studie.

Natürlich ist der Ener-G-Force nur eine Fingerübung. Und Designchef Gordon Wagener findet die Studie so überzeichnet, dass niemand ernsthaft mit einer Umsetzung rechnen dürfte. Andererseits sagt er aber auch, dass aus dem Showcar sehr wohl mal ein richtiges Auto werden könne und die Form als Vorbild für kommende Geländewagen von Mercedes dienen solle. Denn neben betont modischen und eher sportlichen Allradlern, sieht er auch eine Flotte von 4×4-Modellen, die durchaus wieder etwas kerniger, rustikaler und verwegener aussehen dürfe. Und dann sagt er noch etwas, was vielleicht die wichtigste Botschaft für die Fans des G-Modells ist. „Die Studie zeigt, dass der Klassiker eine Zukunft hat und wir den Faden weiterspinnen werden.“ Die Angst um das Aussterben des Dinosauriers ist also unbegründet. Denn Totgesagte leben länger.


Neuer Range Rover: Allrad-Adel auf Abwegen

Im Luxus-SUV über die Schotterpiste: Der Range Rover ist für jeden Offroad-Ausflug zu haben.

Vergessen Sie Wanderstiefel und Cargohosen: Wer mit dem neuen Range Rover ins Gelände startet, kann den Smoking und die Lackschuhe anbehalten. Denn so vornehm wie das Flaggschiff der Briten war bislang kein anderes Geländefahrzeug. Zwar zahlt man bei einem Einstiegstarif von 89.100 Euro für das ab Januar lieferbare Dickschiff einen wahrlich stolzen Preis. Doch gibt es dafür im Prinzip auch zwei Autos in einem: Einen expeditionstauglichen Geländewagen, der mühelos durch nahezu jedes Gelände voran kommt, und darüber hinaus eine Luxuslimousine die sich vor jedem Grandhotel ausgezeichnet macht.

Im Gelände war der Range Rover schon bislang ziemlich stark. Nicht umsonst halten sich die Briten jetzt schon mehr als 40 Jahre an der Spitze des Segments der Luxus-Offroader. Doch für die mittlerweile vierte Generation wurden alle Fähigkeiten noch einmal optimiert: Die Federwege der automatischen Luftfederung und mit ihr die Bodenfreiheit sind größer denn je, die Watttiefe steigt enorme 90 Zentimeter und der Allradantrieb stellt sich jetzt samt Stabilitätsprogramm und Fahrwerksregelung automatisch auf jedes Terrain ein. So dürfen die Bäche noch tiefer, Felshänge noch ruppiger und Dünen noch steiler sein.

Elefant in Eile: Wenn's sein muss, schafft der Range Rover 250 km/h.

Neu sind beim neuen Modell jedoch die Qualitäten auf der Straße. „Wir wollten uns nicht nur mit den besten Geländewagen, sondern auch mit den komfortabelsten Limousinen messen“, sagt Chefingenieur Mick Cameron. Dann öffnet er die Tür zum Luxussalon auf Rädern. Man kann jetzt bequemer einsteigen, hat vorn etwas mehr und hinten (plus zwölf Zentimeter Beinfreiheit) sogar deutlich mehr Platz als bislang und bekommt auf Wunsch anstelle einer Rückbank jetzt auch zwei feudale Einzelsitze im Fond. Vor allem aber reist man in einem Ambiente, das nobel ist wie in einem Grand Hotel, ohne jedoch opulent oder überladen zu wirken. Während das Außendesign nur dezent retuschiert wurde, um den Wagen zu strecken und ihn etwas schnittiger durch den Wind zu treiben, wirkt er innen jetzt modern statt mondän und stylish statt schwülstig. Da ist das Ergebnis der Anstrengung, etwa die Hälfte der bisherigen Schalter und Tasten zu eliminieren und stattdessen noch mehr Lederoberflächen und Zierkonsolen ins Auto zu bringen.

Kraftpaket: Zwar bietet Land Rover auch wieder einen V6-Diesel an, aber "Sir Range" fährt am liebsten mit dem V8-Kompressor. Kein Wunder, dann pulverisieren 510 PS die 2,3 Tonnen Fahrzeuggewicht förmlich.

Egal ob Prunkschiff oder Schlachtross, Boulevard oder Buckelpiste – was den Range Rover auszeichnet, ist die absolute Mühelosigkeit, mit der er jedes Terrain meistert. Er lässt sich genauso leicht mit Vollgas über die Autobahn treiben wie im Kriechgang durch ein Flussbett oder mit ausgefahrenen Luftfedern über eine Geröllhalde. Viel mehr als den großen Zeh auf dem Gaspedal und den kleinen Finger am Lenkrad braucht es dabei nicht. Und wo man in anderen Geländewagen je nach Konstruktion und Einsatzzweck wahlweise auf- oder abseits der Straße irgendwann an die Grenzen des Konzepts gelangt, bleibt der Range einfach nur souverän. Selbst bei hohem Tempo ist es gespenstisch ruhig an Bord, auch in engen Kurven hält sich das Dickschiff dank der adaptiven Luftfederung lotrecht, und das Gelände muss schon arg wüst sein, damit der Earl Grey aus den Bechern in den Getränkehaltern schwappt.

Wer mit dem Range Rover auf dem Autobahn keine BMW 5er und Mercedes E-Klassen jagen will, der muss künftig auch nicht mehr zum V8-Motor greifen. Denn erstmals nach langer Zeit bieten die Briten wieder einen Sechszylinder-Diesel an, der mit 258 PS und 600 Nm Drehmoment mehr als genug Kraft aufbringt. Er ist laufruhig und harmoniert perfekt mit der Achtgang-Automatik. Er beschleunigt in 7,9 Sekunden von 0 auf 100 und ermöglicht 209 km/h. Und vor allem verbraucht er auf dem Prüfstand lediglich 7,5 Liter. Das sind bei nahezu identischen Fahrleistungen 22 Prozent weniger als früher und demonstriert, welchen Aufwand die Briten beim Generationswechsel getrieben haben. Denn für mehr Dynamik und weniger Verbrauch hat der Range Rover erstaunliche 420 Kilo abgespeckt. Dafür wurde er als erster Geländewagen der Welt komplett aus Aluminium gefertigt. Zwar stehen am Ende noch immer imposante 2160 Kilo Mindestgewicht im Fahrzeugschein. Doch die Rohkarosse wiegt jetzt nur noch 280 Kilo und ist damit sogar um 23 Kilo leichter als die eines BMW 3ers. Außerdem besteht auch das Fahrwerk zu weiten Teilen aus Aluminium, der Luftwiderstand wurde optimiert und an jeder anderen Stellschraube zugunsten des Verbrauchs gedreht.

König der Kraxler: 30 Zentimeter Bodenfreiheit und nahezu 60 Zentimeter Federweg – so kommt der Range Rover über fast alle Hindernisse.

Nur bei der Lust an der Leistung macht Land Rover keine Kompromisse: Neben dem V6-Diesel gibt es deshalb auch weiterhin den V8-Diesel (ab 107 100 Euro), der bei 4,4 Litern Hubraum jetzt auf 339 PS und 700 Nm kommt, 217 km/h erreicht und trotzdem nur noch 8,7 Liter verbraucht. Und wer kein Umweltgewissen aber dafür jede Menge Geld hat, der gönnt sich für weitere 6 500 Euro Aufschlag den wunderschön antiquierten V8-Kompressor und pfeift mit dem Nachdruck von fünf Litern Hubraum und 510 PS auf den Zeitgeist. Egal, wenn schon auf dem Prüfstand 13,8 Liter durch die Zylinder rauschen: Immerhin gehen hier 625 Nm zu Werke, die das Prunkschiff in 5,4 Sekunden auf Tempo 100 wuchten und mit den richtigen Reifen erstmals in der Modellgeschichte 250 km/h ermöglichen. Wer hat, der hat, denkt der Kenner, tritt aufs Gas, schweigt und genießt den knurrigen Krawall, der aus den Tiefen des Motorraums in den Innenraum dringt und das noble Soundsystem praktisch überflüssig macht.

Natürlich nehmen die Briten den Mund ein wenig voll, wenn das neues Flaggschiff forsch als „bestes Auto der Welt“ bezeichnen und sich dafür nicht nur mit Offroadern wie dem Audi Q7 und dem BMW X5 vergleichen, sondern auch mit Luxuslinern wie der Mercedes S-Klasse oder dem Rolls-Royce Ghost. Doch völlig daneben liegen sie nun auch wieder nicht: Im Gelände können dem Range Rover nicht viele Autos das Wasser reichen, und auf der Straße kommt er der artfremden Konkurrenz ziemlich nahe. Jedenfalls bleibt diese typisch britische Kombination aus Auto-Adel und Abenteurer in dieser Art weithin unerreicht.


Land Rover Defender: Schonzeit für den Dinosaurier

Verlängerung: Mit dem neuen Dieselmotor darf der Defender noch bis 2015 verkauft werden; dann ist endgültig Schluss.

Es gibt wohl kein Auto, das schon so oft totgesagt wurde wie der Land Rover Defender. Doch seit der Premiere im Jahr 1948 hat der Dinosaurier unter den Geländewagen nun schon alle Klippen des Schicksals umschifft und ein halbes Dutzend neuer Mutterkonzerne ebenso überstanden wie die stetig verschärften Zulassungsrichtlinien.

So ganz langsam ist das Ende aber tatsächlich absehbar. Drei, höchstens vier Jahre wird es noch gut gehen, bis ihm die Behörden mit neuen Anforderungen zum Fußgängerschutz und der Euro-6-Norm endgültig den Garaus machen. Und schon um diese Schonzeit für das Auto herauszuschlagen mussten die Ingenieure noch einmal kräftig Hand anlegen. Ohnehin ist der Allradler nur noch als Lkw zulassungsfähig; nun hat der Defender einen neuen Dieselmotor mitsamt eines Rußpartikelfilters bekommen, der  zumindest die Hürden der Euro-5-Norm nimmt. Es gibt den so noch einmal aufgepäppelten Wagen zu Preisen ab 26.690 Euro in einem halben Dutzend Varianten mit kurzem, langem oder extralangem Radstand sowie als Pickup, Cabrio oder Kombi.

Der neue Vierzylindermotor hat 2,2 statt bislang 2,4 Liter Hubraum, aber die identischen Leistungsdaten. Auch er kommt also auf 122 PS und Nm, mit denen sich der Defender dank Untersetzungsgetriebe und Differentialsperre wirklich überall durchwühlt. Nur eilig darf man es dabei nicht haben. Zwar haben die Briten das Spitzentempo um 13 km/h angehoben, eoch auch so ist schon bei 145 Sachen Schluss. Der Verbrauch bleibt mit dem Motorwechsel nahezu unverändert und liegt auch künftig im besten Fall bei 10,0 Litern. Verbessert wurde übrigens die Geräuschdämmung, und auch andere Reifen erhält der Wagen nun ab Werk.

Dauerläufer: Seit 1948 läuft der Defender unverändert vom Band. Na ja, beinahe zumindest.

Ließen die Briten bislang immer Zweifel an der Zukunft der Legende, hat Land Rover auf der IAA im September in Frankfurt mit den beiden DC-100-Studien endlich Nägel mit Köpfen gemacht. Die Prototypen zeigen, wie der künftige Defender aussehen könnte. Natürlich werden die Autos nicht genau so in Serie gehen, wie sie auf der Messe gezeigt wurden, doch die Botschaft ist trotzdem klar und deutlich formuliert: In vier Jahren bekommt der Defender definitiv einen Nachfolger. Und bei der Vorstellung des neuen Motors haben die Briten jetzt noch einmal nachgelegt und den Fans ein wichtiges Versprechen gemacht: „Wir werden den aktuellen Defender so lange hegen und pflegen, bis der neue fertig ist.“