Opel Adam Cup: Der kleine Dreckskerl mit dem Blitz

Matsch-Fun: Als Cup-Auto mag es der Adam gerne auch mal schmutzig.

Er ist, man kann das ohne beleidigend zu sein sagen, ein echter Dreckskerl. Während die anderen Typen der Baureihe fein herausgeputzt sind, mit quietschbunten Lacktönen, schmucken Zierstreifen und glanzpolierten Felgen, suhlt sich der Opel Adam Cup im Schlamm und trägt die Schmutzspritzer wie Orden auf dem Blech. Denn dieses Auto ist nicht für den urbanen Laufsteg gebaut, sondern für die Rallye-Piste. Es markiert damit nach jahrelanger Abstinenz die Rückkehr von Opel in den Motorsport. Der Adam Cup ist zwar mit einem Grundpreis von knapp 30.000 Euro etwa doppelt so teuer wie das Serienmodell, doch dafür macht der in einer Kleinserie von weniger als 50 Exemplaren von Hand gebaute und längst ausverkaufte Rallye-Adam auch doppelt so viel Spaß wie ein Auto von der Stange – vor allem, wenn man mit dem Renner auf der richtigen Strecke unterwegs ist.

Ja, man muss sich beim Einsteigen ein bisschen winden und verrenken. Schließlich läuft quer durch den Türausschnitt eine Strebe des Überrollkäfigs. Und statt der poppig-bunten Sitze des Standard-Adam gibt es hier nur zwei dünne Sitzschalen, in die man von der Schwerkraft mit einem Schmatzen förmlich hineingesogen wird. Den Sternenhimmel im Rolls-Royce-Stil sucht man im Rallye-Feger natürlich genauso vergebens wie die bunten Zierleisten, dafür gibt es Hosenträgergurte, die einen fest ans Auto binden.

Käfighaltung: Der Fahrer im Adam sitzt fest verzurrt in einem Schalensitz, der erst nach einer Kletterpartie durch den Überrollkäfig zu entern ist.

Dann wird es ernst und der Spaß beginnt. Zwei Kippschalter umlegen, Schlüssel drehen, Startknopf drücken – und von vorn unter der Haube meldet sich mit großem Getöse ein 1,6-Liter-Motor zu Wort. Der hat zwar auch nur wenig mehr Hubraum als das Serienmodell, doch mit etwa 140 PS hat er fast 50 Prozent mehr Leistung als der stärkste Straßen-Adam – und er macht in der komplett entkernten Karosserie Krawall wie ein ganz Großer.

Zurecht. Denn kaum schnappt im sequentiellen Getriebe mit einem kräftigen Druck gegen den riesigen Schalthebel der erste Gang ein, macht Adam einen Satz, als habe Eva ihn gerufen – dann geht es schnurstracks Richtung Paradies. Schon in der ersten Kurve weiß man, weshalb die Gurte so stramm sitzen müssen. Wie eine Asphaltfräse rasiert der Adam um die Kurvenradien und nimmt die Kehren mit einer Verve, wie man sie selbst bei manchen Supersportwagen vergebens sucht. Klein und gemein, knüppelhart und wieselflink – jede Achterbahn-Fahrt ist dagegen ein Sonntagsausflug.

Dreck lass' nach: Mit 140 PS wühlt sich der Adam flink durch den Schlamm auf der Rallye-Piste.

Erst recht, wenn man die Richtung nicht nur mit dem kleinen Sportlenkrad, sondern auch per Handbremse vorgibt. Nicht umsonst ragt deren Hebel fast genauso groß und prominent und prächtig aus dem Mitteltunnel wie der baseballschlägergroße Schaltknüppel. Erst einen Hauch einlenken, dann kräftig an der Bremse reißen, schon dreht sich der Adam wie ein Brummkreisel in die Kurve, steht plötzlich quer zur Fahrbahn und braucht für eine 180-Grad-Wende weniger Platz als ein Opel Astra zum Parken – das ist ein Tanz, wie es ihn nur im PS-Paradies gibt.

Und falls zwischen zwei Kurven mal eine Gerade kommt, geht es noch rasanter voran. Da der erste Gang für mehr als 80 Sachen reicht und jeder weitere Gang ins Kreuz knallt wie ein Schlag von Klitschko, ist die Hatz in dem Auto einfach nur klasse. Dass ein Sprintwert von 8,8 Sekunden bis 100 eigentlich nicht berauschend ist und das Spitzentempo von 174 km/h auch nicht nach Rennstrecke klingt, tut nichts weiter zur Sache. Schließlich ist eine Rallyepiste schmaler als der Standstreifen auf der Autobahn – und vor allem lange nicht so glatt und gerade. Und wer einmal mit Tempo 90 über einen gewundenen Waldweg geschossen ist, der will gar nicht wissen, wie sich 180 km/h dort anfühlen würden.

Wasser marsch: Auch vor üblen Pfützen ist dem Cup-Auto nicht bange.

Mit jeder Runde hat man den Wagen besser im Griff, die Kurvenradien werden enger, das Glücksgefühl größer und selbst der Gurt fühlt sich irgendwann nicht mehr so eng an wie am Anfang. Denn mittlerweile hat es einen so tief in den Sitz gerüttelt, dass  man wieder richtig Luft zum Atmen hat. Aussteigen? Eigentlich nicht. Solange noch Sprit im Tank ist, könnte die Raserei beinahe ewig dauern. Auch wenn der Kleine, der seine Karriere ursprünglich als Lifestyle-Auto begonnen hat, allmählich unter einer Kruste aus Dreck verschwindet.


Stadtpark-Revival: In Hamburg wummern die Motoren

Strohballen-Schikane: Ein Porsche 356 A GT aus dem Baujahr 1958 auf der Ideallinie.

Autorennen mitten in der Stadt sind etwas Außergewöhnliches. Weil Motorsport in einem Umfeld stattfindet, in dem im Rest des Jahres Stop-and-Go-Verkehr herrscht und Ampeln, Vorfahrtsregeln und strenge Verkehrspolizisten für Ordnung und allenfalls gemäßigtes Vorankommen sorgen. Das gilt für den Grand Prix in Monaco ebenso wie für das Stadtpark-Rennen in Hamburg. An diesem Wochenende (1. und 2. September) findet wieder die große Revival-Veranstaltung statt. Es ist bereits das elfte Mal, dass sich Fans des klassischen Motorsports mit ihren Autos und Motorrädern hier treffen. Auf dem 1,7 Kilometer langen Rundkurs entlang des Stadtparks, vorbei am Planetarium und an etlichen Fleeten (so heißen die kleinen Kanäle und Flüsschen in Hamburg) werden die Wettbewerbe ausgetragen; etwa 300 Fahrzeuge sind in diversen Klassen am Start.

Schlanker Feger: Das Hamburger Automuseum Prototyp geht unter anderem mit diesem Cisitalia D46 Rennwagen von 1946 an den Start.

Erstmals gestartet wurde das Stadtpark-Rennen in der Hansestadt im Jahr 1934 – damals war das Spektakel noch eine reine Motorrad-Veranstaltung. Im Jahr 1938 traten dann erstmals auch Automobile an. Zuvor war der Belag des Kurses erneuert worden und auch die Streckenführung der gut sechs Kilometer langen Piste wurde für die neuen Rennen deutlich anspruchsvoller. Der Zweite Weltkrieg stoppte die Rennen rund um den Hamburger Stadtpark. Erst 1948 senkte sich dort wieder die Startflagge, doch auch diesmal währte die Raserei nur ein paar Jahre. Ein schwerer Unfall während der Renntage 1952 beendete das Spektakel mitten in der Stadt für Jahrzehnte. Es dauerte bis 1999, ehe die Tradition in Form des Stadtpark-Revivals neu belebt wurde – und diese neue Form der Motorsport-Liebhaberei dauert bis heute an.

Schicker Sprinter: Ein Denzel VW-WD 4 Sport, der ebenfalls zum Bestand der Sammlung "Prototyp" gehört, startet ebenfalls beim Stadtpark-Revival.

In diesem Jahr neu ist ein Porsche-Demolauf, bei dem mehr als 20 Renn- und Sportwagen aus Zuffenhausen gut 50 Jahre Vollgasgeschichte der Marke in flotter Fahrt repräsentieren werden. Die Marke Audi wiederum ist mit drei Klassikern aus dem Bestand ihrer Traditionsabteilung vertreten, nämlich mit einem NSU 1000 Sport von 1965, einem NUS 1300 TT Jägermeister von 1969 und einem Renn-Spider mit Wankelmotor von 1964. Hinterm Steuer der Flitzer von einst sitzt unter anderem die Hamburger Rallye-Legende Klaus-Joachim “Jochi” Kleint. Für Motorradfreunde ein besonderes Schmankerl dürfte die Original-Kompressor-BMW-Werksrennmaschine sein, die ehemals vom Zweirad-Ass Schorsch Meier pilotiert wurde.

 


Rasante Vision: Fährt die Formel 1 im Jahr 2035 mit Magnetschwebe-Rennern?

Motorsport von Morgen: So stellt sich Harald Belker den Grand Prix in 25 Jahren vor.Gegen Athleten wie Thomas Mann oder Tyler Max ist selbst Sebastian Vettel nur ein Durchschnittsfahrer. Denn wenn Vollgas-Pilot Mann in seinem Rennwagen mal richtig aufs Gas steigt, beschleunigt er in 9,1 Sekunden von 0 auf 300 Sachen und bremst die Fuhre auch wieder bis zum Stillstand ab. Wie das? Pure Phantasie. Mann ist nämlich einer der Stars in der fiktionalen Rennserie „Pulse“, die mit Rennautos ohne Räder, aber mit Magnetschwebetechnik über Kurse jagen, die jede Achterbahn in den Schatten stellen.

Mann rast mit zwei Dutzend Athleten aus aller Herren Länder durch eine virtuelle Welt, die sich der deutsche Designer Harald Belker ausgedacht hat. Belker lebt in Hollywood und hat in den letzten fünf Jahren die Vision „Pulse – the Future of Racing“ entwickelt, der Mann & Co. entsprungen sind. Das Science-Fiction-Spektakel skizziert ein Motorsport-Szenario, das gut 20 Jahre in der Zukunft spielt und auf Fahrzeuge setzt, gegen die aktuelle Formel-1-Boliden aussehen wie Oldtimer.

Magnete statt Motoren: Die Formel-1-Wagen von übermorgen fahren – jedenfalls in der Vision Pulse – wie der Transrapid auf starken Magnetfeldern.

Weil heute der Reifen und seine beschränkte Kraftübertragung der wesentliche limitierende Faktor im Motorsport ist, bleibt das schwarze Rundstück in der wilden Vision aus Hollywood auf der Strecke . Und mit ihm auch gleich der Verbrennungsmotor. Statt auf der Straße fährt die Rennserie von Übermorgen auf Schienen, und statt mit Sprit fährt sie mit Strom: Genau wie der Transrapid rasen die aerodynamisch optimierten Gleiter auf einem Magnetfeld über den Kurs und erreichen dabei Geschwindigkeiten, die nahe an die menschliche Belastungsgrenze kommen.

Das spüren bei Pulse übrigens nicht nur die Rennfahrer, sondern durchaus auch die Zuschauer. Statt mit einem Getränk auf der Tribüne zu sitzen oder zu Hause vor dem Fernseher die Bilder der Cockpitkamera zu verfolgen, sind sie in diesem Szenario mittenmang dabei: denn in riesigen Simulatoren fahren sie die Rennen einfach selber mit.

Theorie statt Praxis: Noch gibt es Belkers Rennsport-Szenario nur als Buch. Aber bald soll es Videos, Computerspiele und vielleicht sogar einen Film darüber geben. Und dann? Ist zumindest Harald Belker ein reicher Mann.

Die sollen in der Vision von Motorsportfan Belker viel spannender sein als die Formel 1 heute. Nicht mehr Taktik und Teamorders, sondern wieder fahrerischer Mut und optimale Technik entscheiden über den Sieg – und zwar nicht in der Boxengasse, sondern auf der Strecke. Dafür übernimmt das Regelement zahlreiche Elemente aus anderen Sportarten: Von der Tour de France zum Beispiel ist eine Teamwertung entlehnt, und aus der Rallye-WM wurde die Idee mit den Sonderprüfungen, für die es in den Rennstrecken besonders halsbrecherische Streckenabschnitte gibt, auf Pulse übertragen.

Hinter der virtuellen Welt steht der aus Deutschland nach Los Angeles ausgewanderte Autodesigner Harald Belker, der nach Zwischenstopps bei Porsche und Mercedes seit knapp zehn Jahren für die Hollywood-Studios arbeitet und das „Transportation-Design“ für Filme wie “Spiderman” oder “Minority Report” macht. Dafür entwirft er Raumgleiter, futuristische Verkehrswelten oder Hochgeschwindigkeitszüge und vor allem Autos – bis hin zum Batmobil. So ein Auftrag sei zwar der Traum jedes Designers, sagt Belker. Doch selbst wenn man das berühmteste Filmauto der Welt zeichnet, reicht es am Ende doch nur für eine Fußnote im Abspann. Deshalb hat er begonnen, eine eigene Welt zu entwerfen und die unter dem eigenen Namen publik zu machen.

Bislang gibt es die virtuelle Raserei allerdings nur auf dem Rechner des Künstlers und in einem kürzlich erschienenen Buch. Das rief bereits das Interesse von Medienschaffenden hervor: Mit der BBC verhandelt Belker derzeit über eine Serie kurzer Videos, es laufen Planungen für Pulse-Spielwaren und ein Pulse-Computerspiel, und mit etwas Glück wird für den Hollywood-Mann danach auch der Traum vom eigenen Kinofilm wahr. Nur dass die Magnet-Gleiter irgendwann tatsächlich einmal über Kurse in Berlin, Las Vegas oder Shanghai schießen, darauf wagt selbst ihr Schöpfer nicht zu hoffen. Gänzlich ausschließen will Belker das natürlich trotzdem nicht. Immerhin war auch das Mobiltelefon mal eine Erfindung aus einem Science-Fiction-Film. Und weil der Pulse-Macher nicht nur Designer ist, sondern auch ein Ingenieursstudium absolviert hat, hat er die Grenzen der Physik bei seinem Projekt nicht vollends außer acht gelassen. Belker: „Gut möglich, dass etwas wie Pulse möglich wäre.”


Coole Schminke für extreme Rennwagen

Go Faster: Auf dem Buchcover ist das Lieblings-Rennwagenmodell des Autors zu sehen, ein Porsche 908/3 im typischen Gulf-Design.

Ein Buch wie es noch keines gibt, denn das Thema Grafikdesign von Rennwagen war bislang noch nicht bearbeitet worden. Sven Voelker hat es nun getan und legt den Band “Go Faster. The Graphic Design of Racing Cars” vor (Gestalten Verlag, 144 Seiten, 25 Euro). Voelker ist Professor für Kommunikationsdesign an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle – und  Auto- und Rennsport-Aficionado. “Das Buch ist ein Bilderfest, eine Hymne auf die große Zeit des Motorsports in den sechziger und siebziger Jahren”, sagt er. Interessiert haben ihn aber weniger die rasantesten Autos oder die wagemutigsten Fahrer, sondern das “Aufeinandertreffen von dreidimensionalen Rennwagenkarosserien und zweidimensionaler Grafik”, wie er sagt.

Die Rennwagenkörper folgen den Gesetzen der Aerodynamik. Ihre Bemalung hingegen läuft der Windschlüpfigkeit optisch meist zuwider. Da gibt es Streifen und Pfeile, Kanten, Ecken, wilde Linien und kreischende Farbkombinationen – eine regelrechte Anarchie des Grafikdesigns. “Interessanterweise werden die Autos durch diese Art von Kriegsbemalung scheinbar noch rasanter – auf jeden Fall aber noch viel cooler als sie ohnehin schon sind.”

Weiß oder bunt: Mit Kreidestaub eingefärbte Modelle verdeutlichen die phantastische Wirkung der so genannten Kriegsbemalung von Rennwagen.

Um diese Wirkung zu verdeutlichen, hat Voelker seine Sammlung von Rennwagenmodellen geopfert. Er färbte die Autos mit Kreidestaub mattweiß – und stellte den blassen Skulpturen die grellbunt lackierten und beklebten Vollgas-Pendants gegenüber. So erfasst der Betrachter auf den ersten Blick die Wirkung des Grafikdesigns auf den Autokörpern. Nur ein Renner entkam der Behandlung mit dem Kreidestaub – Voelkers Lieblingsmodell, ein Porsche 908/3 im klassischen, hellblau-orangefarbenen Gulf-Look. Der Wagen ist auf dem Buchcover zu sehen, das Original gehört übrigens US-Fernsehstar Jerry Seinfeld. Vielleicht besorgt der sich jetzt auch das Buch.