Bollerwagen light: So brüllt der SLK-Nachfolger die Sehnsucht nach dem Achtzylinder weg

The new Mercedes-AMG SLC

The new Mercedes-AMG SLC

Ist das eine Stuttgarter Krankheit oder einfach nur der sprichwörtliche schwäbische Zwang zum Sparen. Nachdem in den letzten Monaten schon Porsche die Puristen geschockt und erst den Sauger im 911 und danach den Sechszylinder im Boxer ausgemustert hat, zieht jetzt der große Nachbar Mercedes nach und rüstet seinen kleinen Roadster ab. Wenn aus dem SLK in diesen Tagen der SLC wird, gibt es deshalb nicht nur einen Hauch frischer Schminke, ein neues Navigationssystem und einen neuen Namen, sondern vor allem einen neuen AMG-Motor. Denn an die Stelle des famosen SLK 55 mit seinem V8-Triebwerk rückt nun der SLC 43, der nur noch auf sechs Flammen brennt. Zwar sinkt damit der Preis um rund 20 000 auf 59 887 Euro und Klimabesorgte können sich den Rückschritt auch mit einem theoretischen Verbrauchsvorteil von 0,6 Litern schön reden. Doch statt 421 stehen jetzt nur noch 367 PS im Datenblatt und statt des V8-Bollerns hört man nur noch das künstlich aufgebauschte Brüllen eines überdrehten Sechszylinders.

The new Mercedes-AMG SLC

The new Mercedes-AMG SLC

Natürlich weiß auch Mercedes, dass der SLC mit dem Abschied vom Achtzylinder ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal verliert. Denn getunte Sechszylinder gibt es auch bei BMW und zumindest als junge gebrauchte auch bei Porsche. Und zum Fünfzylinder im TT RS von Audi ist es dann auch nicht mehr weit. Deshalb trösten die Schwaben ihre schnellsten Kunden mit einem imposanten Soundtrack über die Sehnsucht nach der guten alten Zeit hinweg: Viel freier, viel frecher und viel vorlauter als in der C-Klasse oder den vielen anderen 43er-Derivaten darf der Sechszylinder im SLC durch seinen Klappenauspuff brüllen und die Elektronik ist viel großzügiger mit ihrem Zwischengas für Fehlzündungen und Fanfaren. Damit macht der SLC 43 zwar tatsächlich ein gehöriges Spektakel, doch so richtig authentisch wirkt der Krawall nicht. Stattdessen erinnert der Roadster mit seinem Röhren an einen braven Sachbearbeiter, dem beim Karaoke-Abend plötzlich einen Hardrock-Titel zugelost worden ist. Und wer auch nur annährend dem V8-Fahrgefühl nacheifern möchte, kann den Normverbrauch von 7,8 Litern ohnehin vergessen.

Dabei sind die Fahrleistungen ja gar nicht schlecht. Denn immerhin mobilisiert der V6-Motor 520 Nm, beschleunigt den SLC in 4,7 Sekunden auf Tempo 100 und kratzt wütend an der 250er-Marke. Nur mit dem Vorgänger darf man das eben nicht vergleichen. Der war nicht nur stärker und schneller, sondern rundherum engagierter. schärfer und kompromissloser. Außerdem hatte er ein prägnanteres Design, die aufwändigere Technik und die bessere Ausstattung. Und die Plakette mit dem Autogramm des Motorenbauers ist mit der Abrüstung auch verschwunden.

The new Mercedes-AMG SLC

The new Mercedes-AMG SLC

Dass man mit dem SLC unter Umständen trotzdem schneller auf Touren kommt als mit dem SLK, ist deshalb kein Verdienst der Motoreningenieure, sondern allein den Karosseriebauern zu verdanken. Denn die haben das versenkbare Hardtop endlich so programmiert, dass man jetzt auch losfahren kann, wenn der Deckel noch nicht ganz im Kasten verschwunden oder wieder über den Insassen geschlossen ist. Bei einem Blech-Ballett von bald 20 Sekunden spart man so tatsächlich reichlich Zeit.

Die Abrüstung für den kleinen Sonnenanbeter aus Stuttgart trifft übrigens nicht nur die reichen Raser, sondern auch die bürgerlichen Frischluftfreunde. Denn für die nötige Distanz zum kommenden Cabrio der C-Klasse und für die Nachwuchsförderung füttert Mercedes die Familie von unten mit einem SLC 180 an. Der hat zwar nur 1,6 Liter Hubraum und 156 PS, und bei 226 km/h ist es schon wieder vorbei mit der Raserei. Doch sinkt mit dem neuen Einstiegsmodell der Preis um rund 5 000 Euro und macht den SLC nach dem Smart zum günstigsten Open-Air-Modell unter dem Sternenhimmel.


Luxusoase im lauen Wind: Als Cabrio tauscht die S-Klasse das Business-Dress gegen Bermuda-Shorts

Das neue S-Class Cabriolet und der neue SLC

Das neue S-Class Cabriolet und der neue SLC

Die Mercedes S-Klasse ist die erfolgreichste Luxuslimousine der Welt und fährt deshalb meist in offizieller Mission. Doch jetzt lässt selbst der große Benz fürs dicke Business mal ein bisschen locker, hängt Anzug und Krawatte in den Schrank und öffnet sogar die obersten zwei Knöpfe am Hemd: Denn nach mehr als 40 Jahren bietet Mercedes sein Flaggschiff endlich auch wieder als Cabrio an. Für Preise ab 139 052 Euro wird das Prunkschiff deshalb noch in diesem Frühjahr zur Luxusoase im lauen Wind und bringt ein wenig sommerlichen Teint auf die Gesichter der Herren Vorstandsvorsitzenden und ihrer verwöhnten Gattinnen.

Auf den ersten Blick ist das überfällige Cabrio, das dem Sechser BMW weit voraus ist, Audi eine schmerzhafte Lücke im Portfolio aufzeigt und sich in großen Schritten englischen Luxusmodellen wie dem Bentley Continental oder gar dem Rolls-Royce Dawn annähert, freilich nicht viel mehr als eine offene Variante traditionellen S-Klasse Coupés. Doch mit ein paar billigen Schnitten mit der Blechschere wollten sich die Entwickler nun wirklich nicht zufrieden geben. Deshalb haben sie nicht nur so aufwändig die Struktur verstärkt, dass die S-Klasse zu einem der steifsten und stabilsten Cabrios am Markt wird und selbst auf schlechten Strecken kein Knistern im Gebälk zu spüren ist. Sondern sie haben gleich auch einen neuen Hinterwagen konstruiert und dabei mehr denn je auf eine Konstruktion aus Aluminium gesetzt. So drücken sie das Gewicht des Rohbau beim Cabrio auf den gleichen Wert wie beim Coupé.

Das neue S-Class Cabriolet und der neue SLC

Das neue S-Class Cabriolet und der neue SLC

Wenn die Schwaben ihre teuersten Kunden schon an die frische Luft setzen, soll es ihnen wenigstens an nichts fehlen. Deshalb will die S-Klasse natürlich auch das komfortabelste Cabrio aller Zeiten sein. Dafür fahren die Entwickler noch einmal ordentlich auf: Von der offenem E-Klasse gibt es den ausfahrbaren Windabweiser im Scheibenrahmen, der zwar nicht schön aussieht und beim Fahren obendrein ein bisschen Lärm macht. Aber zusammen mit dem ebenfalls elektrischen Windschott, das hinter den Rücksitzen ausgefahren wird, streicht einem dann auch bei hohem Tempo tatsächlich nur noch ein laues Lüftchen durch das Haupthaar. Dazu gibt es den bekannten Nackenföhn Airscarf. Man kann nicht nur alle vier Sitze individuell heizen, sondern sogar die Armauflagen vorglühen. Wenn sich das elektrische Verdeck mit einem Druck auf den ziemlich unpraktisch unter der Armlehne versteckten Knopf oder mit der Fernbedienung am Schlüssel bis Tempo 60 auch während der Fahrt binnen 20 Sekunden in den Kofferraum faltet, schaltet die Klimaanlage automatisch so um, dass die Temperatur innen unverändert bleibt. Und obwohl einem in einer S-Klasse eigentlich immer die Sonne scheint, haben die Schwaben das Cabrio auch für schlechtes Wetter gerüstet: Das Verdeck ist so dick gepolstert, dass die S-Klasse bei geschlossenem Dach flüsterleiste bleibt und man keinen Unterschied mehr zum Coupé spürt.

Kraftstoffverbrauch kombiniert:  8,5 (l/100 km), CO2-Emissionen kombiniert: 199 (g/km)

Kraftstoffverbrauch kombiniert: 8,5 (l/100 km), CO2-Emissionen kombiniert: 199 (g/km)

Selbst an so schnöde Nebensächlichkeiten wie den Gepäcktransport hat Mercedes gedacht und für das Cabrio der S-Klasse die erste automatische Verdeckwanne entwickelt: Künftig müssen reiche Sonnenanbeter deshalb nicht mehr von Hand die Trennung zwischen Koffern und Dach aufstellen um das Volumen von 250 auf 350 Liter zu vergrößern, sondern können auch diesen Handgriff einer Elektronik und einem Elektromotor überlassen. Nur eines hat selbst Mercedes nicht hinbekommen: Zwar mag die mit ihren 5,05 Metern ziemlich stattliche S-Klasse vier Sitze haben und zur Not kann man sich tatsächlich auf die Rückbank quetschen, doch ein echter Viersitzer ist auch das größte Cabrio der Republik nicht.

Wo sie schon so viel Energie in die Sonnenseite der S-Klasse gesteckt haben, durften sich die Entwickler beim Antrieb vornehm zurück gelehnt und mussten keine Änderungen vorgenommen. Warum auch? Sowohl der 455 PS starke V8-Motor aus dem S 500 als auch der S63 mit den 585 PS von AMG aus Affalterbach sind über jeden Zweifel erhaben und mit Sprintwerten von bestenfalls 3,9 Sekunden allemal zuverlässige Garanten für ein hinreichendes Maß an frischer Luft. Und für alle die, die es wirklich wissen wollen, gibt es ja bald auch noch den 630 PS starken V12 aus dem S65.

Kraftstoffverbrauch kombiniert:  8,5 (l/100 km), CO2-Emissionen kombiniert: 199 (g/km)

Kraftstoffverbrauch kombiniert: 8,5 (l/100 km), CO2-Emissionen kombiniert: 199 (g/km)

Doch wo man sonst nie genug Leistung haben kann, ist diesmal weniger sogar mehr: Der V8 aus dem 500er ist so kultiviert und hat mit seinen zwischen 1 800 und 3 500 Touren abrufbaren 700 Nm so viel Punch, dass die AMG-Versionen nur für Selbstdarsteller zur Versuchung werden und man sich die fast 50 000 Euro Aufpreis für den 63er getrost sparen kann. Natürlich geht der mit einem größeren Drehmoment zu Werke, klingt kerniger und verbeißt sich noch fester im Vordermann. Aber auch mit dem stärkeren Motor und dem strafferen Fahrwerk wird aus diesem luftgefederten Gleiter kein Fighter, so dass man seinen gesunden Blutdruck gar nicht erst in Gefahr bringen muss. Maximale Entspannung statt aggressiver Anspannung – so lautet in diesem Daimler die Devise. Dafür macht Mercedes im S-Klasse Cabrio nicht nur sein eigenes Klima, lässt das Licht herein oder sperrt Lärm und Luftzug aus. Sondern die Schwaben kümmern sich an der frischen Luft sogar um den passenden Duft: Damit es selbst im Stau oder im Stadtverkehr ein bisschen nach California Dreaming riecht, fächelt aus dem elektronischen Zerstäuber im Handschuhfach exklusiv das Cabrio-Parfüm „Pazifik Mood“.


Mehr Glanz, weniger Gloria: So macht Mercedes aus dem SLK den SLC

Mercedes-Benz SLC 300

Mercedes-Benz SLC 300

Mercedes gibt sich weiter offen im neuen Jahr und bläst tapfer zur großen Open-Air-Offensive. Denn als wären neue Cabrios für die S-Klasse ganz oben im Portfolio und für den Smart ganz unten nicht genug, polieren die Schwaben jetzt auch noch ihre Roadster auf. Den frisch gemachten SL haben sie schon im November in Los Angeles gezeigt und seinen kleinen Bruder enthüllen sie im Januar auf der Motorshow in Detroit. Dann allerdings unter neuem Namen. Denn als letzter Brocken aus der schwäbischen Buchstabensuppe wird der SLK künftig als SLC geführt, um die technische Nähe zur C-Klasse zu betonen.

Von hinten betrachtet, ist das C anstelle des K fast schon die einzige Neuerung beim Design. Vorne dagegen werden die Unterschiede dann schon etwas deutlicher. Denn zwischen den neuen, jetzt auf Wunsch auch mit LED-Technik erhältlichen Scheinwerfern ragt nun ein steilerer Grill auf, der wie bei A-Klasse & Co Daimlers neue Diamanten-Optik trägt.

Dazu gibt es einen aufgehübschten Innenraum mit metallischen Schaltern, neuen Sportlenkrädern und einem größerem Display in der Mittelkonsole, über das nun die neueste Infotainment-Generation läuft. Und weil die Mercedes-Ingenieure doch einen Sinn fürs Praktische haben, geben sie bei der Verdeckbedienung endlich klein bei. Als einer der letzten Roadster erlaubt deshalb nun auch der SLC die Betätigung des hart verschalten Variodachs während der Fahrt – zumindest, wenn man die Bewegung im Stand gestartet hat und nicht mehr als 40 Sachen fährt.

Mercedes-Benz SLC 300

Mercedes-Benz SLC 300

Die größten Änderungen gibt es unter der Haube – und das sind nicht unbedingt die besten. Denn auch wenn der SLC im Alphabet nach vorne rückt, fällt er motorisch deutlich zurück und bietet zwar mehr Glanz, aber dafür weniger Gloria. Der neue Basismotor im SLC 180 mit 156 PS mag noch in Ordnung gehen. Nicht zuletzt, weil er dafür sorgen wird, dass die noch nicht näher bezifferten Preise halbwegs konstant bleiben und man den SLC wohl auch weiterhin unter 40 000 Euro bekommen wird. Doch dass statt des famosen V8-Motors mit seinen 421 PS im SLK 55 nun ein magerer 367 PS starker Dreiliter-V6 eingebaut wird und man sich mit einem SLC 43 anfreunden muss, dass dürfte den eingefleischten Fans vor allem in den USA sauer aufstoßen – selbst wenn AMG-Chef Tobias Moers das Dowsizing mit niedrigerem Gewicht und geringerem Verbrauch schönredet, schönredet, von einer vergleichbaren Rennstrecken-Performance spricht und damit prahlt, dass der SLC 43 „den AMG-typischen Fahrspaß in einem kompakten offenen Zweisitzer zeitgemäß auf die Straße“ bringt. Denn auch wenn der SLC 43 in unter dem Strich fehlen dem Roadster damit 4,7 Sekunden von 0 auf 100 kommt und wie der SLK 55 bei 250 km/h abgeregelt wird, fehlen ihm zwei Zylinder, 2,5 Liter Hubraum und 44 PS. Was sind da schon 0,6 Liter Verbrauchsdifferenz?

S-Klasse und Smart, SL und SLC – vier neue Open-Air-Modelle in einer Saison – das hat es bei Mercedes so noch nie gegeben. Doch zufrieden sind die Schwaben damit noch nicht. Sondern wenn es stimmt, was die Spatzen in Stuttgart von den Dächern pfeifen, steht im März in Genf auch noch ein Cabrio der C-Klasse und mit ein bisschen Glück lässt im Oktober in Paris der AMG GT die Hüllen fallen.