Mit dem CityPilot macht Mercedes den Stadtbus zum Space Shuttle

Mürrische Busfahrer, gammelige Sitze, endlose Verspätungen und ein ruppiger Fahrstil: Was heute vielen Städtern die Lust am Bus verdirbt, ist vielleicht bald Vergangenheit. Das jedenfalls ist die Vision, mit der Mercedes jetzt den Future Bus auf die Räder gestellt hat: Gezeichnet fast wie ein Raumschiff auf Rädern wird der Fahrgastraum dort in der Vision der Designer nicht nur zum Fahrgast-Traum, der im Zentrum mit einer Expresszone und im hinteren Bereich mit einer Lounge für längere Fahren, Parkatmosphäre und zeitgemäßem Infotainment lockt. Sondern mit seinem neuen CityPiloten macht er gleich auch noch den Fahrer überflüssig. Oder zeigt zumindest, dass der meist ein gerne mal ein bisschen muffelige Mitarbeiter am Lenkrad irgendwann einmal überflüssig werden könnte.

„Mit unserem Highway Pilot haben wir vor knapp zwei Jahren gezeigt: autonomes Fahren wird den Lkw-Fernverkehr effizienter und sicherer machen. Jetzt bringen wir diese Technologie als CityPilot in unsere Stadtbusse,“ sagt Bereichsvorstand Wolfgang Bernhard. „Das macht den öffentlichen Nahverkehr effizienter, sicherer und leistungsfähiger: mehr Menschen können schnell, pünktlich und komfortabel von A nach B kommen. Busbetreiber, Busfahrer, Fahrgäste – alle profitieren.“

Während die Passagiere hinten auf bunt verteilten Bänken reisen oder sich an Stangen festhalten, die wie Bäume im Park zu dem von einem Blätterdach inspirierten Himmel wachsen, und sich von zwei 43-Zoll-Bildschirmen informieren oder unterhalten lassen, sitzt der Fahrer von in einem radikal reduzierten Cockpit, legt die Hände in den Schoß, hält die Füße still und lässt die Arbeit den CityPiloten machen.

Das System basiert auf dem HighwayPilot, den Mercedes vor zwei Jahren in einem Actros-Prototypen vorgestellt hat und mittlerweile auch auf der deutschen Autobahn erprobt. Allerdings hat Kollege Computer schon wieder dazu gelernt, kann jetzt auch  Fußgänger und andere Hindernisse erkennen, sich mit den Ampeln vernetzen und seine Umgebung so präzise erfassen, dass er auf den Zentimeter genau an die Haltestelle fährt.

Dafür nutzt der von einem 299 PS starken Diesel angetriebene Bus auf Basis des Citaro, der auch mit Erdgas-Turbine oder ab 2018 elektrisch fahren könnte, zehn Kameras und zahlreiche Radarsensoren, die ihn bei der Spurführung unterstützen. Er wählt sein Tempo so, dass er möglichst lange auf der Grünen Welle schwimmt, bleibt bis auf 20 Zentimeter genau auf der Mitte seiner Fahrspur und hält immer mit exakt fünf Zentimetern Abstand zur Bordsteinkante, so dass man durch die beiden in die Mitte gerückten Türen mit elektronisch gesteuerte Einbahnregelung bequem einsteigen kann, ohne dass im Gegenzug die Reifen leiden.

Zwar hat Mercedes all das schon seit Wochen und Monaten auf abgesperrten Testgeländen erprobt. Doch jetzt bekommt der Future Bus seine Feuertaufe im echten Leben. Denn zwei Monate vor der Publikumspremiere auf der Nutzfahrzeug-IAA in Hannover geht er in Holland Testweise in den Liniendienst. Auf der Linie 300 zwischen dem Amsterdamer Flughafen Schipol und der Stadt Haarlem muss sich die Theorie auf einem 20 Kilometer langen Abschnitt auch in der Praxis beweisen. Mit bis zu 70 km/h chauffiert der City-Pilot den futuristischen Riesen deshalb über Schnellstraßen und Ortsdurchfahrten, über Ampelkreuzungen und Brücken und traut sich sogar in ein paar Tunnel ohne GPS-Signal.

Während der Computer dabei Höchstleistungen erbringt, ist zwar weiterhin die Aufmerksamkeit des Fahrers gefordert, weil er immer die letzte Instanz ist und im Notfall eingreifen muss. Denn mit Rücksicht auf die nicht angeschnallten oder stehenden Passagiere verweigert die Elektronik zum Beispiel eine Vollbremsung. Doch solange alles nach Plan läuft, ist auch er nur ein besserer Passagier, der nicht einmal mehr Fahrscheine verkaufen oder kontrollieren muss. Das Ticket für das Space Shuttle auf Rädern löst man schließlich online, hat es auf dem Smartphone und sendet es automatisch an den Bus. Das sollten doch Aussichten sein, die selbst dem mürrischsten Busfahrer ein Lächeln entlocken.


Mehr Glanz für das schräge Schmuckstück: So poliert Mercedes den CLA auf

Mercedes-Benz CLA Shooting Brake

Mercedes-Benz CLA Shooting Brake

Er ist das schräge Schmuckstück in der Familie der kompakten Mercedes-Modelle und für die Fronttriebler zugleich der Türöffner zum US-Markt. Selbst wenn sein Verkaufsanteil eher niedrig ist, steht der CLA deshalb bei den Schwaben hoch im Kurs. Aus diesem Grund gönnen sie der kleinen Coupé-Limousine und dem unkonventionellen Shooting Brake deshalb jetzt auch ein Facelift. Zum erstem mal zu sehen kurz vor Ostern auf der Motorshow in New York und April zu bestellen, kommt das Update für das Designerstück im Juni in den Handel. Preise nennt Mercedes noch nicht. Doch weil der Spielraum klein ist in dieser Klasse und der Konkurrenzdruck groß, dürften sich die Änderungen im engen Rahmen halten. Die aktuell 29 214 Euro für den konventionellen CLA und die 29 810 Euro für den Shooting Brake taugen deshalb zumindest auch weiterhin als Richtgröße.

Zumal sich die Änderungen zur Mitte der Laufzeit ohnehin in arg engen Grenzen halten. Weil technische Neuerungen aktuell kaum verfügbar sind und auch die Motorenpalette mit den xxxx Benzinern, xxx Dieseln und einer Bandbreite von 109 PS beim 180d bis 381 PS beim CLA 45 AMG auf dem neuesten Stand ist, beschränken sich die Schwaben vor allem auf frische Schminke und neue Software.

So erkennt man den CLA des Jahrgangs 2016 von außen an einer neuen Frontschürze, dem schwarz eingefärbten Diamant-Grill, frischen Felgen, neuen Farben und ein paar geänderten Zierleisten am Heck. Innen gibt es mehr Glanz und Gloria im Cockpit, geänderte Instrumente und einen sichtlich schlankeren Monitor für das Command-System. Auf dem läuft auch die Software, mit dem sich Smartphones künftig noch leichter integrieren lassen sollen. Dazu gibt es für den Shooting Brake noch ein weiteres Gimmick aus der Elektronik-Abteilung: Wie bislang nur von der C-Klasse aufwärts kann man jetzt auch dort die elektrische Heckklappe mit einem angedeuteten Fußtritt öffnen.

Denn größten Unterschied zum Vorgänger sieht man allerdings erst, wenn man eigentlich nichts mehr sieht: Bei Dunkelheit. Denn zum ersten Mal bringt Mercedes jetzt die LED-Technik für die Scheinwerfer auch in die Kompaktklasse-Modelle und lässt den CLA im Dunkeln künftig noch besser funkeln.


Mit Bizeps zum Business: AMG legt erste Hand an die neue E-Klasse

Mercedes-AMG E 43 4MATIC

Mercedes-AMG E 43 4MATIC

Beim ersten Auftritt der neuen E-Klasse hat Mercedes noch den neuen Wunderdiesel mit 194 PS und 3,9 Litern Verbrauch in den Mittelpunkt gestellt. Doch jetzt zeigt der Benz fürs Business zum ersten Mal seinen Bizeps: Denn noch vor der offiziellen Markteinführung am 9. April ziehen die Schwaben auf der Motorshow in New York das Tuch vom neuen E 43 AMG. Bestellen kann man den vornehmen Kraftmeier allerdings erst ab Juni und die Händlerpremiere ist für September geplant. Erst dann will Mercedes auch die Preise verraten.

Wie schon im C-Coupé oder im SLC montiert die schnelle Truppe aus Affalterbach dafür im Bug der Limousine den bekannte V6-Benziner, der es im konventionellen E 400 auf 333 PS bringt. Mit zwei neuen Turboladern bestückt und neuer Software auf dem Steuerchip kommt das Triebwerk nun allerdings auf 401 PS und wird zu zugleich zum stärkstem 43er im AMG-Portfolio.

Mit der Leistung klettert auch die Drehmomentkurve und gipfelt nun bei 520 statt bislang 480 Nm. Zusammen mit dem serienmäßigen, etwas hecklastiger ausgelegten Allradantrieb und einer neuen Abstimmung für die Neungang-Automatik reicht das für einen spürbar schnelleren Sprint: Wo der E 400 bis Tempo 100 noch 5,3 Sekunden braucht, knackt der 43er die Fünf-Sekunden-Marke und geht mit sieben Zehnteln weniger durchs Ziel. Doch egal wie lange man danach auf dem Gas bleibt – bei 250 km/h ist Schluss.

Mehr Auslauf gibt es für den E 43 auch nicht für Geld und gute Worte. Wie überhaupt bei diesem Kraftmeier noch eine gewisse Zurückhaltung regiert. Denn auch die Modifikationen am Design sind eher verhalten und beschränken sich auf die etwas auffälligeren Schürzen und anders lackierte Anbauteile. Und innen gibt es lediglich etwas tiefer ausgeschnittene Sitze, ein AMG-Lenkrad und neue Pedale.

 

Das liegt allerdings nicht am mangelnden Mut der schnellen Schwaben oder daran, dass sie plötzlich zur Vernunft gekommen wären. Sondern es liegt am Respekt vor ihrem eigentlichen Renner. Denn mit dem E 43 läuft sich die E-Klasse auf der Überholspur nur warm. Richtig Ernst wird es erst Anfang nächsten Jahres, wenn AMG den neuen E 63 mit vermutlich um die 600 PS und einem sehr viel eigenständigeren Bodykit vom Stapel lässt. Der will dann nicht nur spielen, sondern wirklich Sport machen.


Schlaumeier aus Stuttgart: So wird die E-Klasse zum Star unter den Geschäftslimousinen

Fahren oder Fahren lassen – bislang hat sich diese Frage für Mercedes-Kunden vor allem in der S-Klasse gestellt. Doch wenn die Schwaben am 9. April zu Preisen ab 45 303 Euro die zehnte Generation der E-Klasse in den Handel bringen, steht plötzlich eine viel breitere Kundenschicht vor dieser Entscheidung – und muss dafür anders als im Flaggschiff keinen Chaffeur anstellen und nicht einmal den Sitzplatz wechseln. Denn mit dem neuen Benz fürs Business startet auch der neue Drivepilot und kommt dem autonomen Fahren näher als jedes andere Assistenzsystem. Oft minutenlang fliegt man damit freihändig über die linke Spur der Autobahn und muss nicht mehr tun, als gelegentlich mal die neuen Touchcontrol-Felder auf den Lenkradspeichen zu berühren. Alles andere macht die Limousine selbst, folgt automatisch der Spur auch wenn es um Kurven geht, regelt sich ohne Zutun des Fahrers auf das jeweils aktuelle Tempolimit herunter und überholt sogar den Vordermann, wenn man kurz am Blinkerhebel das entsprechende Signal gibt.

„Dafür haben wir die E-Klasse zum intelligentesten Auto der Welt aufgerüstet“, prahlt Entwicklungsvorstand Thomas Weber und seine Mannschaft erzählt von mehr Programmierzeilen als in einer Boeing 777. Aber Mercedes nutzt den IQ der Steuergeräte nicht nur fürs betreute Fahren, das jeden Chauffeur um seinen Job fürchten lässt. Sondern Webers schlaue Truppe hat dem Auto auch sonst die Sinne Geschärft und es zu einem Knoten in den digitalen Datenströmen gemacht: Die E-Klasse scannt auf Kreuzungen deshalb auch den Querverkehr oder weicht bei drohenden Kollisionen mit Fußgängern nach einem dezenten Hinweis des Fahrers alleine aus. Sie kommuniziert als erstes Serienmodell mit anderen Autos, bekommt ihre Updates über das Internet und statt den Fahrer beim Parken nur zu unterstützen, rangiert sie per Fernbedienung vom Smartphone aus selbst in die Lücke. Auch sonst spielt das Handy übrigens buchstäblich eine Schlüsselrolle in der neuen E-Klasse. Weil man die Zugangsdaten fürs Auto auf dem Telefonchip speichern kann, darf der Zündschlüssel auch mal zu Hause bleiben. So wird die E-Klasse der Baureihe W213 zum Musterschüler der Generation iPhone und wanzt sich so nahe an die Digital Natives heran, wie es bislang allenfalls Tesla geschafft hat. Dass man deshalb den Innenraum in 64 LED-Farbe tauchen und die Displays fast so frei konfigurieren kann wie auf dem Handy, gehört da wohl genauso dazu wie die erweiterte Sprachsteuerung oder das Touchpad auf der Mittelkonsole, das allerdings noch immer nur die zweitbeste Bedienlösung ist: Wenn schon Touch, dann doch bitte direkt am Screen-

Anders als früher die Streber in der Schule, will die neue E-Klasse aber kein Spießer sein, der auf den Partys nur in der Ecke steht und am Ende kein Mädchen für den Abschlussball abbekommt. Deshalb hat sich die Limousine ordentlich herausgeputzt und zugleich ihre Muskeln gestählt. Gezeichnet wie eine Mischung aus C- und S-Klasse und nicht mehr so barock wie der Vorgänger, reicht es zwar beim ersten Blick nicht gleich für Herzrasen. Denn für die Rolle des Beau gibt es ja bald auch wieder ein Coupé. Doch sieht auch die Limousine mit ihrem glatteren Gesicht und der ausgeprägten Schulterlinie, dem längeren Radstand und den gestrafften Proportionen deutlich schlanker und schnittiger aus als bisher.

Und wer den Drivepilot schweren Herzens mal in die Pause schickt oder auf eine kurvige Landstraße wechselt, der erlebt den Business-Express als überraschend handlich und agil. Natürlich wird aus einer mittlerweile fast fünf Meter langen Limousine auch mit variabler Luftfeder und weit gespreizter Charakter-Regelung kein Sportwagen. Aber zumindest macht die E-Klasse so viel Spaß am Steuer und beißt so hungrig in den Asphalt, dass man die Lust am Lenken so schnell noch nicht verliert und sich schnell darüber freut, dass all die vielen Assistenten auch ausgeschaltet werden können.

Bei allem Charme kann der Benz fürs Business den Streber allerdings auch unter der Haube nicht verheimlichen. Denn während der kernig bollernde E400 mit seinem 333 PS starken V6-Motor erst später kommt und vom AMG-Modell offiziell noch gar keine Rede ist, schwärmt Entwicklungschef Weber lieber von neuen Wunderdiesel OM 654, mit dem die Schwaben dem Selbstzünder die Zukunft sichern wollen. Schließlich ist er auf alle kommenden Schadstoffhürden vorbereitet und obendrein so ziemlich der sparsamste Ölbrenner, den man in dieser Klasse kaufen kann. Auch weil die E-Klasse zwar größer, aber trotzdem bis zu 70 Kilo leichter geworden ist, weil sie einen rekordverdächtigen cw-Wert von 0,23 hat und weil sie serienmäßig mit 9-Gang-Automatik kommt, verbraucht der mit 195 PS und 400 Nm alles andere als langweilige Vierzylinder im mittel nur 3,9 Liter. „Viele Autos aus der Kompaktklasse sind da weniger sparsam“, freut sich Weber.

Daneben gibt es zum Start einen E 200-Benziner mit 184 PS und im Lauf des Jahres ein halbes Dutzend weitere Motoren, darunter für Taxler den 150 PS starken E 200d, für Teckies mit grünem Gewissen ein Plug-In-Hybrid im E350e mit 286 PS Systemleistung, 30 Kilometern elektrischer Reichweite und einem Normverbrauch von 2,1 Litern und für Vielfahrer den E350d, der mit 258 PS und 620 Nm den nötigen Punch für den täglichen Kleinkrieg auf der Autobahn mitbringt und bei einem Normverbrauch von 5,1 Litern auch einen ausreichend langen Atem hat.

Aber nicht nur unter der Haube ist bei der E-Klasse Vielfalt Trumpf. Auch bei den Karosserievarianten haben die Schwaben noch viel vor. T-Modell, Coupé und Cabrio sind gesetzt und von einem Geländekombi im Stil des A6 Allroad wird schon so laut gemunkelt, dass es eigentlich gar keine offizielle Bestätigung mehr braucht.

Sparsamer, sicherer und schlauer als jede andere Mercedes-Limousine und mit dem neuen Cinemascope-Bildschirm im weit geschwungenen Cockpit, den faszinierenden Grafiken der digitalen Instrumente und der pfiffigen Blackberry-Tasten im Lenkrad bis auf den vielleicht ein bisschen zu sehr verspielten Startknopf vor allem innen auch noch schöner – so wird die neue E-Klasse nicht nur zum neuen Star in der Business-Klasse, sondern bringt womöglich auch im eigenen Haus die Hackordnung durcheinander  Flaggschiff gehörig in Bedrängnis. Denn zumindest für Selbstfahrer ohne Profilneurose gibt es diesseits der Achtzylinder kaum mehr einen Grund, jetzt eine S-Klasse zu kaufen. Natürlich werden die Strategen in Stuttgart das nicht gerne sehen. Doch zumindest den Buchhaltern wird es beinahe egal sein. Denn mit all den vielen neuen Extras lässt sich der Preis der neuen Limousine in ungeahnte Höhen treiben. Auch in dieser Disziplin kommt die E-Klasse der S-Klasse plötzlich gefährlich nahe.


Chill-Out-Zone in der Mega-City: In diesem Mercedes wird selbst der Tokio-Traffic zum Vergnügen

Mercedes-Benz Concept Tokyo 2015

Mercedes-Benz Concept Tokyo 2015

Neun Millionen Einwohner auf einer Fläche kleiner als Paris, die Stadtautobahn gerne mit acht Spuren und vier Etagen und die Straßen tief in den Häuserschluchten mit all ihrer Reklame auch nachts so hell erleuchtet, dass man fast schon zur Sonnenbrille greifen möchte: Nirgendwo auf der Welt ist der Stadtverkehr so faszinierend wie in Tokio – und nirgendwo kann man selbst morgens um drei länger im Stau stehen. Weil Autofahren so buchstäblich zum Abenteuer wird und es  zudem selbst zu Hause oft keine Privatsphäre gibt, sehen Japaner ihre Autos längst als zweites Wohnzimmer und richten sie entsprechend wohnlich ein. Diesen Trend greift jetzt auch Mercedes auf und enthüllt auf der Motorshow in Tokio eine Studie, die eine mehr eine Lounge auf Rädern ist als ein Auto – selbst wenn die Entwickler unter der Karosse Platz für einen Elektroantrieb und eine Brennstoffzelle gelassen haben.

Zwar kennt man wohnliche Mercedes-Visionen schon zur Genüge. Doch die „Vision Tokyo 2015“ ist anders, als alles, was die Schwaben bislang gezeigt haben. Denn weil die Welt in Japan gerne ein bisschen überzeichnet wird, weil Mercedes sein Spießer-Image gar vollends abstreifen und auch von den jungen als „cool“ gesehen werden will, wanzen sich die Schwaben mit dem Showcar an die Generation Z heran und machen ihrer Luxus-Lounge zur Chill-Out-Zone für die Internet-Gemeinde.

Mercedes-Benz Concept Tokyo 2015

Mercedes-Benz Concept Tokyo 2015

So offenbart der Blick durch die breite Flügeltür entlang der linken Flanke nicht nur ein weit geschwungenes Ledersofa für fünf Personen, das die übliche Sitzordnung in dem 4,80 Meter langen und 2,10 Meter breiten Space Shuttle auflöst. Sondern man sieht auch zahlreiche Bildschirme, die wie schon im F015 vom Anfang des Jahres beinahe nahtlos in den Konsolen integriert sind. Auf ihnen läuft aber nicht irgendein Infotainment-Programm. Sondern weil das Showcar seine Insassen kennt, als wären sie Freunde, und weil es mit „Deep Learning“ seine Wünsche antizipiert, trifft es auch ohne Kommandos den persönlichen Geschmack.

Was bei der Zeitreise in diesem monolithischen Mercedes, der eher an einen Wal auf Rädern erinnert als an einen Silberfisch, völlig verschwimmt, das ist die Grenze zwischen innen und außen: Denn vorne haben die Designer eine Glaskanzel eingebaut wie bei einem Speedboot und alle anderen Scheiben sind so bedruckt, dass die Übergänge nahtlos werden.

Selbst beim Infotainment verwischen die Grenzen zwischen Interieur und Exterieur: Nicht umsonst sind die stolze 26 Zoll großen Räder blau beleuchtet, das Heck bekommt mit einer roten Lichtinstallation eine gespenstische Tiefenwirkung und der mit LED-Elementen gespickte Kühlergrill flimmert im Takt der Musik, als stünde der Mercedes in der Disco. So hip waren die Schwaben noch nie.

Mercedes-Benz Concept Tokyo 2015

Mercedes-Benz Concept Tokyo 2015

Gespenstisch glatt, schillernd bunt, immer online und natürlich autonom – auf den ersten Blick ist der Vision Tokyo dem Google-Auto näher als etwa einer S-Klasse. Schließlich sieht man im Cockpit weder einen Fahrersitzt, noch ein Lenkrad. Doch ganz so weit geht die Revolution bei Mercedes dann doch nicht. Zwar findet die Studie genau wie der F 015 vom Anfang des Jahres allein ans Ziel. Aber es braucht nur einen Knopfdruck, dann übergibt die Maschine das Kommando wieder an den Menschen – aus dem Lounge-Sofa klappt wie der Jumpseat im Flugzeug-Cockpit ein Fahrersitz, und aus der Konsole unter der riesigen Panoramascheibe wächst ein Lenkrad. Und plötzlich ist selbst der Chill-Out-Benz für die Generation Z wieder ein Mercedes (fast) wie jeder andere.


Mercedes S-Klasse: Sternzeichen Großer Wagen

Sternzeichen großer Wagen: Mercedes feiert die S-Klasse als "bestes Auto der Welt".

Bei diesem Auto spart Mercedes sie nicht an großen Worten: Wenn Daimler-Chef Dieter Zetsche von der S-Klasse spricht, dann ist sie für ihn nicht weniger als das „beste Auto der Welt“. Kein Wunder also, dass für die Neuauflage des schwäbischen Flaggschiffs, das jetzt in Hamburg während einer großen Gala vorgestellt wurde und nach den Werksferien im Sommer in den Handel kommt, die Latte besonders hoch lag. „Die Aufgabenstellung war nicht Sicherheit oder Ästhetik, Leistung oder Effizienz, Komfort oder Dynamik. Sondern in jeder Dimension war unser Anspruch: Das Beste oder nichts. Kein anderes Auto steht so für das Markenversprechen von Mercedes-Benz wie die S-Klasse“, sagte Zetsche und präsentierte eine Luxuslimousine, die sicher nicht die Welt revolutionieren, aber zumindest die Maßstäbe im automobilen Oberhaus ein wenig verschieben dürfte.

Das Design ist dabei noch die kleinste Überraschung. Erstens, weil schon seit Wochen immer wieder Fotos aus Prospekten oder von Modellautos ins Internet tröpfelten und man sich so ganz langsam an die Form gewöhnen konnte. Und zweitens, weil Designchef Gordon Wagner diesmal auf jegliche Experimente verzichtet hat. Ja, es gibt die so genannten Fackeln in den großen Scheinwerfern, die Flanke wird von zwei Falzen stärker konturiert und das Heck läuft schlank zusammen wie bei einem Coupé. Doch mit dem stolzen Kühlergrill und dem stattlichen Format ist die S-Klasse auf den ersten Blick als der große Mercedes schlechthin zu erkennen – zumal sich an den Abmessungen nur wenig ändert: 5,12 Meter misst nun das Standardmodell und 5,25 Meter die Langversion. Und der Radstand liegt wie bislang auch bei 3,04 und 3,17 Meter.

Luxuslounge in Lack und Leder: In kaum einem anderen Auto sitzt man so gut wie in der neuen S-Klasse.

Viel mehr Eindruck schinden die Schwaben bei der ersten Sitzprobe, in dem in jeder Dimension um ein paar Millimeter gewachsenen Innenraum. Dabei erlebt man die S-Klasse als Spa-Klasse, die alle Insassen mit einem so noch nicht dagewesenen Wellness-Faktor umgarnt: Die kuscheligen Ledersitze simulieren mit beheizten Luftkissen, Ventilatoren und Klimatisierung auf Knopfdruck eine Hot-Stone-Massage. Der maßgeschneiderte Duftspender im Handschuhfach inszeniert mit vier speziell komponierten Parfums die persönliche Aroma-Therapie und im Fond gibt es auf Wunsch einen Liegesessel, für dessen Nutzer die Reise gar nicht lange genug sein kann.

Dazu passt auch das vorausschauende Fahrwerk, dessen Komfort die Entwickler gerne mit einem fliegenden Teppich vergleichen: Weil die S-Klasse permanent die Straße scannt, weiß sie schon im Voraus, welche Schlaglöcher und Bodenwellen auf das Fahrwerk zukommen und stellt die Federung in Sekundenbruchteilen so genau darauf ein, dass die Limousine angeblich völlig ungerührt auch über übelste Strecken schwebt.

Held der Hinterbänkler: Für die neue S-Klasse hat Mercedes fünf verschiedene Fondsitz-Konfigurationen entwickelt – eine davon mit einem Liegesitz wie vormals im Maybach.

Wer sich lieber anregen als beruhigen lassen möchte, dem steht ein breites Infotainment-Angebot zur Wahl. Nicht nur die Passagiere im Fond schauen auf zwei große Monitore im iPad-Design. Auch der Fahrer sitzt in einer digitalen Welt: Wo früher mal die klassischen, analogen Rundinstrumente platziert waren, prangen jetzt zwei riesige Monitore von jeweils mehr als 30 Zentimetern Diagonale, die unter ihrem Hochglanz-Deckglas und im silbernen Rahmen förmlich vor dem Armaturenbrett zu schweben scheinen. Darauf werden links die Instrumente simuliert und rechts die brillantesten Grafiken und Animationen angezeigt, die man im Auto bislang gesehen hat.

Dass sich bei diesem Wohlfühlprogramm überhaupt noch jemand auf die Straße konzentriert, daran haben offenbar auch die Entwickler gewisse Zweifel. Deshalb wurde für die S-Klasse auch das Heer der elektronischen Schutzengel weiter aufgerüstet. Herzstück ist eine neue Stereo-Kamera, die bis zu 500 Meter vorausschauen kann und die der Elektronik eine Art räumliches Sehen ermöglicht. So erkennt die S-Klasse nun im Stadtverkehr auch querende Fußgänger oder andere Autos auf Kreuzungen und bremst automatisch, bevor es zu einem Unfall kommt. Außerdem kann sie sich im Autobahnstau einfach an den Vordermann hängen und ihm sogar beim Spurwechsel folgen. Zwar muss man aus juristischen Gründen dabei stets die Hände am Lenkrad behalten, denn sonst schaltet der Quasi-Autopilot nach 15 Sekunden ab. Doch rückt die Vision vom autonomen Fahren mit dieser Technik wieder etwas näher und ist für die Entwickler generell kein Tabu-Thema mehr. Schließlich kann man die neue S-Klasse erst dann vollauf genießen, wenn man nicht mehr permanent mit dem Fahren beschäftigt ist. Und falls es doch mal krachen sollte, gibt es auch in Sachen passive Sicherheit ein paar Neuerungen. Die Gurtschlösser im Fond zum Beispiel werden jetzt nach dem Anschnallen elektrisch eingezogen, und im Gurtband der hinteren Sitze ist ein weiterer Airbag installiert.

Langer Lulatsch: Die S-Klasse wächst auf bis zu 5,25 Meter - und soll als Pullmann nochmals deutlich zulegen.

Mehr Komfort, mehr Assistenzsysteme und mehr Sicherheit als je zuvor – das waren aber nur drei der Entwicklungsschwerpunkte für die neue S-Klasse. Während diese vor allem auf der Elektronik fußen, sollte auch der klassische Fahrzeugbau nicht zu kurz kommen und vor allem der Effizienz des Luxusliners dienen. Das Auto ist zwar nicht nennenswert leichter als das Vorgängermodell und wiegt weiterhin rund zwei Tonnen, und die Motoren der Startauflage sind allenfalls überarbeitet. Doch mit dem besten cW-Wert der Oberklasse, viel technischem Feinschliff und gleich zwei Hybrid-Versionen wird die S-Klasse trotzdem zum Saubermann: 4,4 Liter stehen für den neuen Diesel-Hybrid mit 204 Verbrenner- und 37 elektrischen PS im Datenblatt. Und dabei soll es nicht bleiben. Denn neben den Benzinern mit zwölf oder sechs Zylindern und natürlich den AMG-Varianten kommt 2014 auch ein Plug-In-Hybrid, kündigt Entwicklungschef Thomas Weber an. „Das wird die erste S-Klasse, bei der beim Verbrauch eine Drei vor dem Komma stehen wird.“

Bis es soweit ist, haben die Kunden neben S 300 BlueTec Hybrid noch drei weitere Antriebsvarianten zur Wahl: Als zweiter Hybrid startet der S 400, bei dem die E-Maschine mit einem 306 PS starken V6-Benzier zusammen gespannt wird. Und für die Freunde der reinen Leere gibt es den V8-Benziner im 455 PS starken S 500 und den V6-Diesel im S 350 mit 258 PS.

Aber nicht nur bei den Motoren haben die Schwaben noch einiges in petto. Auch die Zahl der Karosserievarianten soll größer werden als je zuvor. Neben der aktuellen Standard S-Klasse und der für den Export nach Asien und Amerika wichtigen Langversion soll es noch S-Klassen in XL und XXL geben, mit denen sich dann auch die einstigen Maybach-Kunden anfreunden dürften. Und für die Schöngeister unter den Vielzahlern kommt nicht nur ein Nachfolger für das S-Klasse-Coupé CL, sondern zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte auch wieder ein richtig großes Mercedes Cabrio.

Zahlreiche Assistenzsysteme, der womöglich edelste Innenraum aller Oberklassemodelle, das Versprechen auf maximalen Komfort und deutlich reduzierte Verbrauchswerte – selbst wenn die S-Klasse vielleicht doch nicht das beste Auto der Welt sein sollte, die Schwaben dürfen dennoch stolz auf ihr neues Flaggschiff sein. Zumal sie in gewisser Weise sogar Zurückhaltung üben. Denn mit einem Grundpreis von 79.790 Euro ist die neue S-Klasse kaum teurer als die alte.


Mercedes hebt ab: Premiere eines Hubschraubers im Benz-Design

Eurocopter EC 145 "Mercedes-Benz-Style": Ein exklusives Fluggerät für bis zu acht Passagiere.u

“Mercedes-Benz-Style” hebt ab. Die neue Marke innerhalb des Stuttgarter Autobau-Unternehmens kümmert sich neben dem klassischen Pkw-Design auch um andere Gestaltungsaufträge aus der Industrie. Jüngstes Projekt war eine Luxusvariante des Hubschraubers EC 145 der europäischen Firma Eurocopter.

Das zweimotorige Fluggerät gilt als Premium-Hubschrauber und wird weltweit in der Luftrettung, zum Patiententransport und von Polizeibehörden eingesetzt. Auch beim Militär findet der Hubschrauber Verwendung, etwa in den USA, im Irak oder in Südafrika. Und er wird natürlich als Highend-Shuttle von Firmen oder wohlhabenden Privatpersonen genutzt.

An letztere Klientel richtet sich auch die jüngste Version des Modells EC 145, der Typ EC 145 Mercedes-Benz-Style. Er sei “maßgeschneidert für Business- und Privatreisen der Luxusklasse”, hieß es jetzt bei der Weltpremiere des Helikopters auf der Luftfahrtmesse EBACE in Genf. Der Beitrag der Mercedes-Designer beschränkte sich vor allem auf das Innendesign des Fluggeräts. Entworfen wurde es maßgeblich im so genannten Advanced Design Studio des Autobauers im italienischen Como.

Lichtspiele in der Kabine: Die Mercedes-Designer aus dem Studio im italienischen Como entwarfen die Kabine des Luxus-Hubschraubers.

Nach Angaben von Mercedes kommen im Interieur des Hubschraubers unter anderem Materialien zum Einsatz, die beispielsweise auch in den Pkw-Modellen der E- und S-Klasse Verwendung finden. Außerdem gibt es auch in der Hubschrauberkabine eine Ambientebeleuchtung, die sich in verschiedenen Farbtönen einstellen und dimmen lässt. Je nach Anzahl der Passagiere lässt sich die Kabine variabel einrichten – Sitzarrangements für vier bis acht Personen sind möglich, bei Bedarf können auch alle Sitze ausgebaut werden, um so einen kompakten Transporthubschrauber zu schaffen.

In Luftfahrtkreisen gilt der Eurocopter EC 145 als ausgereiftes Gerät. Ursprünglich entstand er bereits 1979 als Gemeinschaftsproduktion des deutschen Herstellers Messerschmitt-Bölkow-Blohm und des japanischen Unternehmens Kawasaki Heavy Industries. Die aktuelle, größere und modernere Variante – die in Europa inzwischen von Eurocopter unter der Typbezeichnung EC 145 gebaut wird, hatte im Jahr 2000 ihren Erstflug.