Mazda MX-5 „Yusho“: Beauty mit Biss

Gedopter Sonnenfeger: Mit einem Kompressor-Kit kommt der MX-5 auf 240 PS.

Er ist zwar der meistverkaufte offene Sportwagen der Welt. Und überall auf dem Globus lobt man ihn als federleichtes Handlingwunder. Aber so richtig ernst nimmt man den Mazda MX-5 unter den Schnellfahren auch nach über zwei Jahrzehnten noch nicht. Zu weich und zu weiblich und vor allem viel zu schwach ist der Roadster, als dass man ihn ernsthaft mit einem Porsche Boxster oder einem Nissan Z vergleichen würde.

Doch der vorschnelle Eindruck täuscht. Denn mit ein bisschen Feinschliff wird die Schönheit zum Biest, das es mit fast jedem Kraftmeier aus Süddeutschland aufnehmen kann. Dafür braucht es nur ein etwas strammeres Fahrwerk, breite Reifen mit wenig Profil und zum Beispiel einen Kompressor des amerikanischen Veredlers „Flyin’ Miata“. Schon bekommt der Japaner so viel Biss, dass es locker für ein Kräftemessen mit dem Boxster reicht. Um das zu beweisen, hat Mazda jetzt den Prototypen „Yusho“ (japanisch für: Sieg) aufgelegt, der mehr Spaß macht als jedes andere Modell in der langen MX-5-Geschichte.

König der Kurven: Mit seine Semi-Slicks klebt der MX-5 förmlich auf der Straße.

Mit einem leistungsstarken Lader samt Ladeluftkühler holt Mazda aus dem 2,0-Liter-Motor statt der üblichen 160 stolze 240 PS, die dem Leichtgewicht ordentlich Beine machen. Wenn nicht 188, sondern 247 Nm mit den kaum mehr als 1 000 Kilo spielen, geht es ordentlich zur Sache: Während der neue Sportauspuff den Putz von den Wänden brüllt und bei jedem Lastwechsel seine ganze Lust auf Leistung förmlich herausspuckt, das sechsstufige Getriebe mit der speziellen Sportkupplung nur so durch die Gänge klackert und einem der Wind immer stärker an den Haaren reißt, jagt der Japaner wie ein Kamikazi-Pilot in runden sechs Sekunden auf Tempo 100 und schafft locker 240 Sachen – davon konnte man im MX-5 bei einem offiziellen Spitzentempo von 194 km/h bislang nur träumen.

Aber der stärkere Motor, die straffe Kupplung und die kürzere Übersetzung sind nur die halbe Miete. Für den Rest sorgen das stramme aber keineswegs unkomfortable Fahrwerk und die Semi-Slicks auf den 17-Zoll-Felgen. Als seien sie von Pattex und nicht von Pirelli, Conti & Co klebt der Roadster selbst in den engsten Kurven förmlich auf der Straße. Solang der Asphalt trocken und die Fahrbahn sauber sind, fährt man deshalb über die Landstraßen wie auf einer Carrera-Bahn in 1:1. Keine Kehre ist zu eng, kein Radius zu klein, als dass dem MX-5 die Fliehkraft etwas anhaben könnte. Scharf wie ein frisch geschliffenes Messer durch rohen Thunfisch schneidet man deshalb über die Landstraßen und wünscht sich, dass nie wieder eine Gerade kommt. Und dass Mazda das Auto nicht zurück haben möchte.

Dickes Ende: Dank eines Sportauspuffs mit Schallklappen brüllt der MX-5 auf der Überholspur alles nieder.

Nur wird da leider nichts draus. Denn auch die längste Serpentine ist einmal zu Ende, und natürlich wollen die Japaner ihren kleinen Sieger zurück. Schließlich ist der „Yusho“ fürs erste noch ein Einzelstück. Doch setzt Mazda Deutschland gerade alle Hebel in Bewegung, um zumindest eine Kleinserie an den Start zu bringen. 100 Autos zu einem Preis von 32 000 Euro müssten sie verkaufen, dann wären zumindest das neue Fahrwerk, der geänderte Bereifung, der Auspuff, das Getriebe, der wuchtige Karbon-Diffusor und die mattweiße Folierung machbar.

Die Sache mit dem Motor ist dagegen schon schwieriger, weil sich die Japaner da um Gewährleistung und Homologation sorgen. Deshalb haben sie schon einen großen Händler ins Boot geholt, der als mit dem Segen aus der Zentrale in Leverkusen die Umrüstung übernehmen, für den TÜV-Eintrag sorgen und im Garantiefall einstehen würde. Das allerdings hat seinen Preis: Rund 14 000 Euro würde der Umbau kosten, der den Schönen zum Biest macht und ihn auf Boxster-Niveau hebt. Das ist zwar eine schöne Stange Geld – aber das Gesicht manch verdutzten Porschefahrers sollte einem das schon fast wert sein.