Mercedes G-Klasse: Update für ein Urgestein

Dinosaurier durch dick und dünn: Die Mercedes G-Klasse lässt sich nicht stoppen. Nicht von Wasserläufen unf erst recht nicht von Zulassungsregeln.

Einer geht noch, und das, obwohl kein anderes Auto aus Deutschland gibt, das sich schon so lange gegen alle Trends und Moden sträubt, wie die Mercedes G-Klasse. Jetzt also bekommt der kantige Klassiker noch einmal ein Facelift: Zum Sommer frischen die Schwaben das Design des Urtypen ein wenig auf, dazu wird der Innenraum aufgemöbelt und die Ausstattungsliste ergänzt. Das Wichtigste allerdings verbirgt sich unter der Haube: Dort halten gleich zwei neue Motoren aus der AMG-Fraktion Einzug. Die Preise ändern sich für G-Klasse-Verhältnisse nur marginal, legen um rund 2000 Euro zu und beginnen dann bei 85.311 Euro.

Will man die kommende von der noch aktuellen G-Klasse unterscheiden, dann muss man schon genau hinschauen. Denn nach wie vor ist der Geländewagen ein König der Kanten, der allein mit dem Lineal und dem Winkelmesser gezeichnet scheint; seinen Ursprung als Militärfahrzeug kann er nicht leugnen. Weil die Designer trotzdem ein wenig mit der Zeit gehen müssen, haben sie unter die Rundscheinwerfer eine Leiste voller LED-Punkte fürs Tagfahrlicht gesetzt und dem Wagen neue Außenspiegel verpasst. Die bieten nicht nur das vom Gesetzgeber vorgeschriebene, größere Blickfeld, sondern sind auch aerodynamischer verkleidet und dürften damit das Geräuschniveau reduzieren.

Schöner Wohnen: Innen zeugen neue Instrumente und der große, freistehende Monitor von der Frischzellenkur.

Innen ist der Fortschritt dann schon etwas deutlicher erkennbar. Man blickt in ein nagelneues Cockpit mit vielen Anleihen aus M- und E-Klasse, in dem zwischen Tacho und Drehzahlmesser ein großes Display platziert ist. Und über dem Mitteltunnel wächst eine breite Konsole mit einem zweiten Bildschirm und vielen schmucken Tastern in die Höhe. Über die bedient man zahlreiche neue Ausstattungen wie etwa das serienmäßige Comand-System mit Online-Navigation oder die aufpreispflichtigen Assistenten zum Rückwärtsrangieren, zur Abstandsregelung oder für den Blick in den toten Winkel.

Die meiste Arbeit mit der Modellpflege hatten allerdings die Motorenentwickler. In der Großserie bleibt es beim V8-Benziner im G 500 mit 388 PS und dem V6-Diesel für den 211 PS starken G 350. Doch hat der Haustuner AMG das Motorenprogramm fürs G-Modell erneuert und vor allem erweitert. Aus dem G 55 wird ein G 63, dessen weiterhin 5,5 Liter großer V8-Motor nun 544 PS leistet, und an die Spitze rückt erstmals eine Variante mit Zwölfzylinder: Der G 65 AMG fährt mit einem sechs Liter großen Doppelturboaggregat vor, das in jeder Hinsicht die Spitze markiert. Mit 612 PS ist er der stärkste Geländewagen der Republik, mit einem Preis von 264.180 Euro das teuerste Modell im Mercedes-Sortiment und mit einem Verbrauch von 17 Litern der größte Schluckspecht der Schwaben. Doch die Kunden in Dubai, Moskau oder Miami werden jubeln.

Kantiger Klassiker: Am Design des G-Modells hat sich augenscheinlich nichts geändert.

Vor allem sie sind es, die dem G über alle Jahre die Treue gehalten und ihm so das Leben gerettet haben. Denn die zivile Karriere des Klassikers kam  nur langsam in Fahrt. Inzwischen wird das Auto praktisch kaum noch von einer Armee bestellt – dafür umso lieber von Menschen, die gerne etwas großspuriger daher kommen. Seit die Pkw-Division von Mercedes das G-Modell unter ihren Fittichen hatte, entwickelte sich das Auto auf den Wogen der ersten Allradwelle zu einem Lifestyle-Objekt, das sich mit Kanten, Charakter und seiner technischen Sonderstellung von den Emporkömmlingen aus dem In- und Ausland differenzierte. Und nachdem sein Stern wegen des immensen Verbrauchs und der erstarkten Konkurrenz vor einigen Jahren doch zu verglühen schien, entdeckten plötzlich die Amerikaner ihre Liebe für den „G from Germany“. Heute schätzen rund um den Globus nicht nur Abenteurer und Aufschneider den kantigen Klassiker, sondern als gepanzertes Modell in der schwersten Schutzstufe B7 ist der G-Guard vielen Prominenten und Potentaten zur Trutzburg auf Rädern geworden.

Ziel Zukunft: Die Wege mögen holprig sein, aber die Zukunft für die G-Klasse ist wohl gesichert.

Zudem ist die G-Klasse der fahrende Beweis dafür, dass das Marketing nicht vor Fehlern gefeit ist. Denn immerhin wollten die Verkäufer die Produktion des Geländegiganten schon wiederholt stoppen. Doch mittlerweile steht Stuttgart wieder in Treue fest zu dem Kastentyp – nicht zuletzt, weil jedes Auto bei längst finanzierten Werkzeugen bares Geld verdient: „Unsere G-Klasse ist seit 33 Jahren der Fels in der Brandung“, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche und denkt derzeit nicht an ein Ende. Im Gegenteil: Schon vor drei Jahren zum 30. Geburtstag sagte Zetsche einen Satz, der die Fans entzückte. „Wir haben bisher 200.000 Exemplare vom G verkauft. Das Fahrzeug ist heute erfolgreicher denn je, die Kunden sind begeisterter denn je, und vielleicht feiern wir ja in zehn Jahren den nächsten runden Geburtstag.”