Lamborghini Aventador: Karbon-Jet für Auto-Piloten

Cooler Keil: Mit dem Lamborghini Aventador verliert jeder Rennstrecke ihren Schrecken.

Dieses Auto macht seinem Namen alle Ehre: Denn Aventador war nicht nur ein besonders tapferer Kampfstier, sondern damit meint der Spanier umgangssprachlich auch den Tritt in den Hintern. Und den spürt man am Steuer des neuen Supersportwagens von Lamborghini gleichen Namens auf Anhieb. Sobald man wie ein Jetpilot per Knopf, der unter einer roten Schutzklappe platziert ist, den nagelneuen V12-Motor startet und loslegt, wird man brutal in den Sitz gepresst. In 2,9 Sekunden reißt das 6,5 Liter große Triebwerk den Krabonrenner auf Tempo 100, nach nur 8,9 Sekunden zeigt der viel zu kleine Digitaltacho schon 200 Sachen an, in 24,5 Sekunden sind 300 km/h erreicht, und wenn die Gerade dann noch nicht zu Ende ist, jagt der Avntador weiter bis 350 km/h. So etwas hat es diesseits der Formel 1 noch selten gegeben. Das passt zum Anspruch, den der Ferrari-Konkurrent seit mehr als 40 Jahren zum Leitmotiv erhoben hat. „Wir sind immer weit über das hinausgegangen, was die anderen überhaupt für möglich gehalten haben“, sagt Lamborghini-Chef Stephan Winkelmann. Zum Aventador sagt er: „Kein anderer Supersportwagen ist mit unserem neuen Flaggschiff zu vergleichen. In Design und Technik haben wir eine ganze Generation übersprungen.“

Dieser Stolz fußt nicht allein auf dem Design des Donnerkeils. Das Auto ist nur 1,14 Meter hoch, verfügt über riesige Lufteinlässe und extrem scharf gefalzte Karosseriekanten. Auch technologisch reklamiert Winkelmann eine Führungsposition für den 4,78 Meter langen und gewaltige 2,03 Meter breiten Zweisitzer: Als erstes Auto seiner Art besteht der Aventador fast vollständig aus einer Karbonstruktur, die in einem halbwegs maschinellen Prozess hergestellt wird. Nicht von Hand geschnitten und dann gebacken, wie zuletzt beim Mercedes SLR, sondern wenigstens zum Teil automatisiert, entsteht ein nur knapp 150 Kilogramm schweres Monocoque aus Kohlefaser. Dazu gibt es ein Chassis aus Karbon und Aluminium und am Ende ein Trockengewicht von 1575 Kilogramm. Mit Sprit, Öl und Fahrer dürften daraus noch immer 1,8 Tonnen werden, so dass der Aventador eher im Schwer- als im Fliegengewicht antritt. Aber immerhin sind das 90 Kilogramm weniger als beim bisherigen Topmodell. Außerdem wurde der Verbrauch um 20 Prozent auf 17,2 Liter gesenkt.

Kraft im Überfluss: Im Heck steckt ein neuer V12-Motor mit einer Leistung von 700 PS und 690 Nm Drehmoment.

Was der Wagen wiegt, wird beim Fahren allerdings vollkommen unwichtig. Denn mit so viel Kraft im Heck spielt die Physik der Trägheit kaum noch eine Rolle. Vorwärts, vorwärts, eine andere Richtung kennt der Lamborghini nicht. Während das gewaltige Auspuff-Endrohr beim Anfahren die Wände wackeln lässt, die Nadel des Drehzahlmessers über die 8000er-Marke wischt als wäre der rote Bereich eine Wohlfühlzone und im Genick ein Gewitter tobt, schleudert das 6,5 Liter große Kraftwerk das Coupé mit der Macht von 690 Nm dem Horizont entgegen.

Während der Preis von 312.970 Euro im Rausch des Rasens ebenso an Bedeutung verliert wie der CO2-Ausstoß von fast 0,4 Kilogramm pro Kilometer, rücken andere Zahlen in den Vordergrund: Zum Beispiel die 50 Millisekunden, in denen das neue Getriebe  die Gangwechsel erledigt.Zum ersten Mal in einem Straßenauto kommt bei Lamborghini eine Schaltung mit so genannten Independant Shifting Rods (ISR) zum Einsatz, für die ein manuelles Siebenstufengetriebe automatisiert wurde. Die Technik schaltet nicht nur schneller als je zuvor, sondern braucht auch weniger Platz und ist nur halb so schwer wie eine Automatik mit Doppelkupplung. Ebenfalls eine Serienpremiere feiert das Fahrwerk mit so genannten Pushrods, die Lamborghini aus der Formel 1 entlehnt hat. Zusammen mit dem traditionellen Allradantrieb, zahlreichen elektrischen Helfern und der ausgefeilten Aerodynamik sorgt es dafür, dass der Aventador nie die Bodenhaftung verliert. Selbst wenn man vom vergleichsweise zahmen „Strada“-Modus, in dem der Sportwagen nicht giftiger ist als ein Audi R8, in die Rennstufe „Corsa“ wechselt und einem Profi auf der Ideallinie hinterher hechelt, kommt der Fahrer viel schneller an seine Grenzen als das Auto. Vollbremsungen in Haarnadelkurven, Sprints zwischen zwei Schikanen und Überholduelle auf der Start-Ziel-Geraden: nie fühlt sich die Fahrt nach dem an, was sie eigentlich ist. Ein Ritt in einer Rakete.


Lamborghini Aventador: Karbon-Jet im Tiefflug

Böse und breit: Wenn dieses Autogesicht im Rückspiegel auftaucht, gibt es nur noch eins – Platz machen.

Die Gesichte ist schon so oft erzählt worden, doch sie ist einfach zu schön, um sie nicht noch einmal zu bemühen. Schließlich geht spätestens in diesem Sommer der alte Traum von Ferruccio Lamborghini in Erfüllung, der nur deshalb den besten Sportwagen der Welt entwickeln wollte, weil ihn Enzo Ferrari als Traktorbauer beschimpft und ihm keinen Job in der Konstruktion gegeben hat. So sann er auf Rache und gründete 1964 seine eigene Marke, die – seit 1998 unter dem Dach des VW-Konzerns – der Konkurrenz aus Maranello nun endgültig davon fährt. Denn während Ferrari den Supersportwagen mit dem neuen Top-Modell FF zur beinahe schon biederen Familienkombi degradiert, schicken die Lamborghini-Entwickler in Sant’Agata exakt zehn Jahre nach dem Debüt des Murciélago jetzt einen neuen Tiefflieger auf die Überholspur: 700 PS stark, 350 km/h schnell und so scharf gezeichnet wie ein Skalpell geschliffen, soll das neue Topmodell Aventador LP 700-4 beweisen, was der Firmengründer einst behauptete: Die besten Sportwagen kommen von Lamborghini. „Kein anderer Supersportwagen ist mit unserem neuen Flaggschiff zu vergleichen“, tönt auch Firmenchef Stephan Winkelmann. Er nennt das Auto den neuen Maßstab in dieser Klasse, das mindestens eine Generation überspringe und die Zukunft des Genres zur Gegenwart macht.

Dieser Stolz fußt nicht so sehr auf dem Design des flach geduckten Aventador, sondern Winkelmann reklamiert vielmehr eine technologische Führungsposition für den 4,78 Meter langen Zweisitzer: Als erstes Auto seiner Art nämlich besteht der Aventador fast vollständig aus einer Karbonstruktur, die in einem halbwegs maschinellen Prozess hergestellt wird. Nicht von Hand geschnitten und gebacken wie zuletzt beim Mercedes SLR, sondern zum Teil automatisiert, entsteht ein nur knapp 150 Kilogramm schweres Monocoque aus Kohlefaser. Dazu gibt es ein Chassis aus Karbon und Aluminium und am Ende ein Trockengewicht von 1575 Kilogramm – immerhin 75 Kilo weniger als beim Vorgänger.

Feudales Fitnessstudio: Obwohl bei der Karosserie jedes Kilo zählt, muss der Lambo-Fahrer nicht auf Komfort verzichten.

Hinter den Sitzen und auf Wunsch auch unter Glas sitzt ein neuer Zwölfzylindermotor, der mit dem Aventador buchstäblich leichtes Spiel hat: Aus 6,5 Litern Hubraum schöpft die Drehorgel, deren Limit erst weit jenseits von 8000 Touren liegt, brachiale 700 PS und urgewaltige 690 Nm. Damit schießt der Aventador binnen 2,9 Sekunden auf Tempo 100 und danach weiter bis 350 km/h. Die Karbonkarosse und der neue Motor verbessern nicht nur das Leistungsgewicht als Relation von Kilowatt und Kilogramm, sondern sie drücken auch den Verbrauch: Obwohl knapp zehn Prozent stärker, ist der Lamborghini zugleich um etwa 20 Prozent spritsparender. Aber erstens sind das im Normzyklus noch immer 17,2 Liter. Und zweitens ist das dem Lamborghini-Kunden wohl ebenso egal wie der Preis, der mit dem Generationswechsel die nächste Schallmauer knackt und nun bei 303.450 Euro liegt.

Mehr Wert legen die Käufer eines Supersportwagens auf ganz andere Zahlen – zum Beispiel die 50 Millisekunden, die das neue Getriebe nur noch für einen Gangwechsel benötigt. Denn zum ersten Mal in einem Straßenauto kommt bei Lamborghini eine Schaltung mit so genannten Independant Shifting Rods (ISR) zum Einsatz, für die ein manuelles Siebenstufengetriebe automatisiert wird. Das schaltet nicht nur schneller als je zuvor, sondern braucht auch weniger Platz und ist nur halb so schwer wie eine Automatik mit Doppelkupplung. Ebenfalls eine Serienpremiere feiert das Fahrwerk mit so genannten Pushrods, das Lamborghini aus der Formel 1 entlehnt hat. Zusammen mit dem traditionellen Allradantrieb, zahlreichen elektrischen Assistenzsystemen und einer ausgefeilten Aerodynamik soll es dafür sorgen, dass der Wagen nie die Bodenhaftung verliert.

Treibende Kraft: Die 6,5 Liter Hubraum und 700 PS Leistung des neuen Zwölfzylindermotors machen den neuen Lamborghini zum Überflieger.

Wie immer in der jüngeren Geschichte trägt auch der neue Sportwagen passend zum Markenlogo den Namen eines Kampfstiers: Avantador. Bei dem Tier soll es sich um einen kapitalen Bullen gehandelt haben, der sich 1993 in der Arena zu Saragossa besonders teuer verkauft hat. Jedoch hat der Name im Spanischen angeblich noch eine zweite Bedeutung, die mindestens genauso gut zu dem Boliden passt: Aventador, so ist im Internet nachzulesen, sei auch der Fachbegriff  für einen Tritt in den Hintern. Gut möglich, dass man sich deshalb bald bei Ferrari & Co. den Hosenboden reibt.