Frisch gewürzt ins Gewühl: So stiehlt der Kia Picanto den europäischen Großstadt-Zwergen die Schau

Er ist zwar winzig klein, doch für Kia ist er eine große Nummer. Denn mit mehr als 120.000 Zulassungen seit 2004 zählt der Picanto bei uns zu den meistverkauften Modellen der Koreaner. Kein Wunder also, dass sie sich für die dritte Auflage mächtig Mühe gegeben haben. Sie startet am 1. April und bleibt wie der Vorgänger zumindest in der Basisversion im psychologisch wichtigen vierstelligen Bereich und startet bei 9.990 Euro.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn wo die Konkurrenz von Citroen C1 bis Renault Twingo vor allem auf die Magie der kleiner Preise setzt, putzt Kia den Picanto mächtig heraus und staffiert ihn aus wie einen Großen.

Es gibt deshalb nicht nur Infotainment-Highlights wie eine große Touchscreen-Navigation und eine kabellose Ladeschale fürs Smartphone und als neues Sicherheitsfeature einen autonomen Notbremsassistenten mit Radarauge. Sondern zum ersten Mal legen die Koreaner den Picatno auch in einer GT Linie auf. Die sieht außen mit neuer Schürze und roten Zierelementen aus wie ein kleiner Sportwagen und glitzert innen mit reichlich Klavierlack und schmeichlerisch weichem Leder. Sogar Sitz- und die bei Kia fast unvermeidliche Lenkradheizung sind dann an Bord. Dann allerdings klettern auch die Preise und man bewegt sich jenseits von 15 000 Euro schell auf einem Niveau, auf dem auch Rio oder Vers schon erreichbar sind.

Doch man muss nicht so tief in die Tasche greifen, um zumindest ein paar Vorzüge des Generationswechsels mitzunehmen. Der Auftritt ist auch ohne des GT-Paket elegant und erwachsen, der Wendekreis ist ein bisschen geschrumpft und von den die neuen Platzverhältnisse profitiert man im Basismodell genauso wie in der Topversion. Denn obwohl der Picanto mit 3,60 Metern genauso groß ist wie bisher, ist er innen deutlich gewachsen. Man sitzt in beiden Reihen spürbar besser und der Kofferraum macht seinem Namen jetzt alle Ehre. Er legt um 25 Prozent zu, bekommt einen doppelten Boden und fasst jetzt 255 Liter. Allerdings ist er so schmal, dass man trotzdem ein bisschen puzzeln muss, wenn man einen Bord-Koffer aus dem Handgepäck hinter die Klappe zwängen will.

Auch bei den Motoren macht Kia keinen Unterschied – bislang zumindest. Denn unabhängig Colbert Ausstattung gibt es den Picanto mit zwei bekannten und im Detail optierender es Benziner: Einem 1,0-Liter-Dreizylinder mit 67 und einem Vierzylinder mit 1,2 Litern Hubraum und 84 PS.

Sonderlich spritzig ist der Winzling damit zwar nicht. Doch weil der Stadtflitzer mit seinen knapp 1 000 Kilo nichts wiegt und das leider nur fünfstufige Getriebe gut abgestufft ist, kommt man zumindest mit dem 1,2-Liter trotzdem flotter in Fahrt, als  man es bei  12,0 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 vermuten würde. Und wenn man nur lang genug auf dem Gas bleibt, hat man irgendwann tatsächlich 173 km/h auf dem Tacho.

Dabei wirkte der Kia erwachsener und größer als er eigentlich ist: Das Fahrwerk ausgewogen, die Lenkung feinfühlig und vor allem die Dämmung so gut wie man es von deutlich größerem Autos kennt , macht er einen soliden und souveränen Eindruck und lockt bisweilen sogar auf die Langstrecke.

Kein Wunder, dass die Koreaner mit dem Kleinen noch Großes vorhaben: Ab Herbst gibt es den Dreizylinder auch als Turbo, der mit 100 PS sogar bei GTI & Co an den Kofferraum klopfen will.