Sparsam, aber kein bisschen spießig: Der Niro ist cooler als der Prius und sauberer als der Sportage

Kia NiroChic oder sparsam? Bislang mussten sich die Kunden in der Kompaktklasse in der Regel zwischen diesen beiden Extremen entscheiden. Denn so cool und trendy die vielen handlichen Geländewagen auch aussehen mögen, zahlt man dafür eben auch an der Tankstelle einen Aufpreis. Und wer mit Prius & Co  vorfährt, beweist zwar ein grünes Gemüt, gewinnt aber ganz sicher keinen Schönheitspreis. Dieses Dilemma will Kia jetzt lösen und schickt dafür im September zu Schätzpreisen ab etwa 30 000 Euro den Niro ins Rennen. Bullig gezeichnet und obendrein ein paar Zentimeter aufgebockt, reitet der 4,36 Meter lange Kompakte unterhalb des Sportage deshalb auf der einen Seite auf der Erfolgswelle der kleinen SUV, sieht cool aus und bietet neben ausreichend Platz auf allen Plätzen auch noch reichlich Kofferraum. Auf der anderen Seite allerdings startet er als erstes designiertes Hybrid-Modell der Koreaner und garantiert den Kunden deshalb trotzdem ein reines Gewissen.

Dafür haben die Ingenieure unter die Karosse im trendigen Cross-Over-Look ihre neue Öko-Plattform gesteckt, auf der die Schwestermarke Hyundai auch den Ioniq aufbaut. Die treibende Rolle spielt deshalb ein Doppelpack aus einem 1,6 Liter großen Benziner mit 105 PS und einer E-Maschine, die auf 44 PS kommt. Mit vereinten Kräften erreichen die beiden Motoren eine Systemleistung von 141 PS und bringen den Niro mit bis zu 265 Nm auf Touren.

Die Fahrleistungen dieses gemischten Doppels sind zwar eher vernünftig als vergnüglich. Denn so kräftig der Niro beim Ampelspurt auch ausschreitet, so zäh wird es oben heraus, so dass für den Spurt von 0 auf 100 immerhin 11,5 Sekunden vergehen und dem koreanischen Saubermann jenseits von 160 km/h bereits wieder die Luft weg bleibt. Und mit seiner betont gutmütigen, komfortablen und kompromissbereiten Abstimmung lockt das softe SUV auch nicht gerade auf eine kurvige Landstraße.

Dass die Fahrt im Niro trotzdem mehr Spaß macht als mit Prius & Co hat deshalb einen anderen Grund: Das Doppelkupplungsgetriebe, das für ein erwachsenes und komfortables Fahrgefühl sorgt und den Insassen das Heulen einer stufenlosen Automatik erspart. So hat man noch mehr den Eindruck, in einem ganz konventionellen Auto zu sitzen und den Hybridantrieb deshalb schon nach wenigen Kilometern glatt vergessen.

Das liegt auch am reibungslosen Zusammenspiel der beiden Triebwerke. Man muss schon ganz genau auf die unscheinbare Anzeige im Cockpit schauen, ob nun gerade der Verbrenner fährt, der E-Motor oder ab mal wieder Team-Work-angesagt ist. Selbst bestimmen kann man das übrigens nicht. Denn es gibt keine Taste, mit der sich der Niro in den Elektrobetrieb zwingen ließe. Sondern wer die rund zwei Kilometer elektrischer Reichweite des 1,56 kWh großen Puffer-Akkus ausloten will, der muss den rechten Fuß ganz leicht machen und so zaghaft durch die Stadt zuckeln, dass die Geduld der Hintermänner arg strapaziert wird.

Nötig ist das allerdings nicht. Denn die Elektronik weiß selbst am besten, wie der Niro am sparsamsten unterwegs ist. Nicht umsonst rollt der Koreaner im besten Fall mit einem Normwert von 3,8 Litern und einem CO2-Ausstoß von 88 g/km vom Prüfstand – so sauber ist in diesem Segment kaum ein anderes SUV. Erst reicht keines, mit Benzin-Motor.

Kia NiroZwar gibt der Niro an der Tankstelle den Knauser und so richtig schnell und spitzig fährt man mit dem Öko-Cross-Over natürlich nicht. Doch nur weil er sparsam sein will, ist der noch lange keine Verzichtserklärung. Im Gegenteil: Zumindest in den gehobenen Modellvarianten bietet der Koreaner alle erdenklichen Extras und konventionelle Konkurrenten wie den Tiguan ziemlich spartanisch aussehen. Nicht umsonst hat Kia wieder eine Lenkradheizung, die klimatisierten Sitze oder ein zeitgemäßes Online-Navigationssystem samt Smartphone-Integration und WLAN-Hotspot im Angebot. Und sieben Jahre Garantie bietet sonst auch keiner – weder für herkömmliche Kompakte, und erst recht nicht für Hybrid-Modelle.

Chic und trotzdem sparsam, gut ausgestattet und wie alle Kia-Modelle wahrscheinlich  auch aggressiv eingepreist – kein Wunder, dass Europachef Michael Cole  große Hoffnungen für den kleinen Wagen hegt. Das gilt nicht nur für die reinen Stückzahlen. Sondern der Niro hat auch eine übergeordnete Mission, sagt Cole: „Er soll uns helfen, die Effizienz unserer Flotte bis 2020 im Vergleich zu 2014 um durchschnittlich 25 Prozent zu steigern.“ So cool sich die Koreaner auch gerne geben, haben nämlich auch sie ganz spießige Ziele.


Öko im Trankleid: Der Kia Niro gibt den coolen Prius-Herausforderer

2017 Niro

2017 Niro

Nicht jeder Saubermann muss auch ein Spießer sein – mit dieser Vorgabe schickt Kia jetzt gegen den Toyota Prius seinen neuen Niro ins Rennen. Denn während man dem Hybrid-Bestseller aus Japan seinen alternativen Antrieb auf 100 Meilen gegen den Wind ansieht, tarnt sich der Herausforderer aus Korea im Gewand eines kompakten SUV eine halbe Klasse unterhalb des neuen Sportage. Zum ersten Mal zu sehen ist der Niro in diesen Tagen auf der Motorshow in Chicago, seine Europa-Premiere gibt er nächsten Monat in Genf und in den Handel kommt er zu Schätzpreisen knapp unter 30 000 Euro noch in diesem Sommer.

„Wir wollen nicht allein mit einem extrem niedrigen Verbrauch und ordentlichen Fahrleistungen überzeugen, sondern auch mit einem attraktiven Design“, sagt Produktplaner Orth Hedrick: „Deshalb schreit der Niro nicht gleich: Ich bin ein Hybrid!“ Statt mit der ausgeprägten Tropfenform des Toyota tritt er deshalb mit dem bulligen Look eines schnittigen Geländewagens auf und wirkt so wie die gelungene Mischung aus Kia Soul und Sportage. Und ein bisschen mehr Platz als Prius & Co bietet er bei 4,35 Metern Länge mit seinem aufrechten Heck und seinem großen Kofferraum obendrein.

Unter dem Blech allerdings machen die Koreaner keine Kompromisse und setzen auf  die Kombination aus einem nagelneuen 1,6-Liter-Turbdirekteinspritzer und einer E-Maschine, die aus einem Lithium-Polymer-Akku gespeist wird. Zusammen 141 PS stark, kommt der Antrieb auf maximal 265 Nm, sollte den Niro in knapp zwölf Sekunden auf Tempo 100 wuchten und bei Vollgas rund 180 km/h schaffen.

Zwar kann der Niro anders als der Prius nicht auf Knopfdruck rein elektrisch fahren und viel mehr als ein paar hundert Meter ohne Verbrenner schafft man auch mit dem sanftesten Gasfuß nicht. Doch dafür ist das Antriebstandem im Mischbetrieb entsprechend sparsam. Rund fünf Liter kalkulieren die Amerikaner in ihrem Normzyklus, in Europa werden wohl vier oder sogar etwas weniger im Datenblatt stehen.

Cooles Design und überzeugende Öko-Technik im Tarnkleid – ob diese Rechnung aufgeht, wird sich zeigen müssen. So ganz sicher sind sich die Koreaner da offenbar selbst nicht. Deshalb fahren sie mit ihren zwei Marken vorsichtshalber zweigleisig – und bieten bei Hyundai den gleichen Antrieb im Ioniq mit originärem Prius-Design an.