Range Rover Sport: Sportlichkeit im Großformat

Im Dienste Ihrer Majestät: Bei der Jungfernfahrt des Range Rover Sport durch Manhattan saß Daniel Craig am Steuer.

Zwei Finger reichen Mike Cross, um über zwei Tonnen zu gebieten. Ganz gelassen sitzt der oberste Testfahrer von Jaguar und Land Rover am Steuer des neuen Range Rover Sport und treibt den Prototypen mit sparsamen Bewegungen über die britischen Landstraßen. Während seine Kollegen in New York gerade die Weltpremiere auf der dortigen Motorshow feiern, James-Bond-Darsteller Daniel Craig den neuen Wagen in Hollywood-Manier durch die Straßen von Manhattan chauffierte und rund tausend VIPs bei einer spektakulären Premieren-Party den ersten Blick auf das sportlichere Design sowie das hochwertigere Interieur gewährten, tourte Cross noch immer durch die Countryside. Sein Auftrag: Dem Fahrwerk des potenten Luxusliners den letzten Schliff zu verpassen. Schließlich dauert es noch bis September, ehe das Auto zu Preisen ab etwa 60.000 Euro in Kundenhände und auf die Straßen kommen wird. Die Zeit bis dahin soll genutzt werden, denn Land Rover hat sich für das Projekt L494 ambitionierte Ziele gesetzt. „Ohne Kompromisse bei den Offroadfähigkeiten und ohne Einbußen bei dem für einen Range Rover typischen Luxus wollen wir diesmal auch bei der Fahrdynamik mit den besten Wettbewerbern aus Deutschland konkurrieren“, sagt Cross. Als Referenzmodelle nennt er vor allem BMW X5 und Porsche Cayenne.

Oberster Dynamiker bei Land Rover: Testfahrer Mike Cross im Prototyp des Range Rover Sport

Kein Wunder also, dass Cross bei diesen Testfahrten einen besonders schweren Fuß hat und der Range Rover Sport überraschend schnell und stramm durch den patschnassen Vorhang aus Nebel und grauen Wolken stürmt und dabei die Insassen tief in die stark konturierten Ledersitze drückt. Der Komfort dabei ist immer noch beachtlich. Und auch der fünf Liter große Achtzylindermotor hält sich mit seinem Kompressor so weit zurück, dass man nur eine Ahnung des Leistungsvermögens bekommt. Cross jedenfalls muss seine Stimme nicht heben, wenn er die komplett unterschiedlichen Fahrwerksabstimmung erklärt. Und so bügelt der Range Rover Sport bestimmt und komod zugleich über Bodenwellen und Kopfsteinpflaster, nimmt die Kurven dank eines tieferen Schwerpunkts mit mehr Verve als der normale Range Rover und lässt die Insassen unmitelbarer teilhaben im Geschehen jenseits der Luxuslounge aus Lack und Leder. „Während man sich im Range Rover über den Dingen wähnt, ist man hier mittendrin“, fasst Cross das Konzept des Range Rover Sports zusammen.

Dafür haben die Ingenieure mehr geändert, als nur Fahrwerk und Karosserie, die übrigens 15 Zentimeter kürzer und sechs Zentimeter flacher ist als beim konventionellen Range Rover. „Alles, was den Charakter des Fahrzeugs ausmacht, ist neu“, sagt Projektleiter Craig Carter. Mit dem normalen Range habe der Range Rover Sport lediglich 25 Prozent an Gleichteilen. Und so wurden eben nicht nur Dämpfer, Federn und Stabilisatoren modifiziert, sondern man reist auf völlig neuen Sitzen, greift in ein kleineres Lenkrad und blickt auf neue Konsolen, die nicht nur sportlicher dekoriert sind, sondern auch etwas mehr Raum beanspruchen und den Fahrer so buchstäblich für den Wagen einnehmen. Damit eine wirklich enge Bindung zwischen Mensch und Maschine zustande kommt, ragt anstelle des Drehreglers für die Achtgang-Automatik jetzt auch wieder ein Schaltknauf aus dem Mitteltunnel.

Schneeritt im Smoking: Der Range Rover Sport ist sich auch für Fahrten abseits der Straße nicht zu schade.

Dass sich der Wagen nicht nur gegenüber dem Range Rover, sondern auch im Vergleich zum Vorgängermodell so schnell und sportlich anfühlt, hat noch einen anderen Grund: die erfolgreiche Diät. Weil er jetzt nicht mehr vom Discovery abgeleitet ist und sich die Technik mit dem Range Rover teilt, ist auch der neue Range Rover Sport komplett aus Aluminium gefertigt und deshalb um rund 420 Kilo leichter als das Vorgängermodell. „Mit einem Vierzylindermotor könnten wir sogar 500 Kilo sparen und erstmals unter zwei Tonnen kommen“, sagt Projektleiter Craig Carter und Testfahrer Cross nickt zufrieden. „Spätestens in den Kurven merkt man jedes Kilo, dass der Wagen weniger wiegt – auch die 45 Kilo, die er gegenüber dem aktuellen Range Rover eingespart hat.“

Mittelfristig ist der von Carter erwähnte Vierzylinder vielleicht tatsächlich eine Option. Doch fürs erste gibt es die gleichen Motoren, die man vom Range Rover kennt. Also neben dem 510 PS starken V8-Motor aus Cross’ Testwagen noch der drei Liter große Diesel, der wahlweise mit 258 oder 292 PS angeboten wird. Die Motoren beschleunigen nicht nur besser, fahren flotter und das V8-Modell knackt sogar erstmals die 250 km/h-Marke. Sondern sie sind auch sparsamer. „Im besten Fall geht der Verbrauch um 24 Prozent zurück“, prahlt Carter und nennt für den schwächeren Diesel einen Durchschnittswert von 7,3 Liter. Das reiche aber noch nicht: Für die IAA im September in Frankfurt kündigt Land Rover bereits einen Diesel-Hybrid an, der um die sechs Liter brauchen soll. Und wer es etwas kräftiger möchte, für den gibt es ab Herbst auch noch den V8-Diesel mit 4,4 Litern Hubraum und 339 PS.

Eiliger Abgang: Der neue Range Rover Sport ist der schnellste und agilste Land Rover aller Zeiten und schafft erstmals 250 km/h.

Aber der Range Rover Sport soll nicht nur den Dynamiker geben, sondern auch zum Praktiker in der Modellfamilie werden. Obwohl nur sechs Zentimeter länger als bislang, wurde der Radstand um fast 18 Zentimeter gestreckt, das Auto fast sechs Zentimeter in die Breite gezogen und so insgesamt mehr Platz im Fond geschaffen. Jetzt können Erwachsene auch in der zweiten Reihe bequem sitzen, der Kofferraum ist größer und besser zu nutzen, und zum ersten Mal gibt es für den Range Rover Sport auf Wunsch eine dritte Sitzreihe. „Die ist zumindest für Jugendliche noch bequem zu benutzten“, sagt Projektleiter Carter. Zumindest, wenn nicht gerade Mike Cross am Steuer sitzt. Denn der hat sich langsam richtig warm gefahren und treibt den Prototypen so flott durch den Nebel, dass man sich auf dem Beifahrersitz fast schon in einem Sportwagen wähnt.

Einsame und enge Landstraßen in den Midlands, Feldwege in den Highlands, Gebirgsstrecken in Marokko, die Wüste um Dubai, das Eis von Arjeplog und die Nordschliefe des Nürburgrings – überall dort war der Range Rover Sport bereits unterwegs. „Denn das Testprogramm war für Range Rover und Range Rover Sport identisch und vor allem bei den Offroad-Fähigkeiten haben wir keine Abstriche gemacht”, sagt Cross. Allerdings wurde beim Range Rover Sport der Anteil des Dynamikprogramms deutlich erhöht. „Kein anderer Land Rover zuvor war bei der Erprobung so oft auf Rennstrecken unterwegs wie der neue Range Rover Sport“, sagt der oberste Testfahrer, bevor er den Prototypen auf den Rockingham Speedway – eine Stunde östlich von Solihull – lenkt und die nächsten Runden dreht. Mit dem Terrain Response System in der Stellung „Dynamic“, etwas mehr Toleranz bei den elektronischen Fahrsystemen und den Händen diesmal kompromisslos am Lenkrad, lässt Cross den vornehmen Allradler von der Leine und nimmt die engsten Passagen der Strecke in einem eindrucksvollen Drift. „Plötzlich kann man mit dem Auto richtig spielen“, freut sich Cross. Den Kurs hat der Testfahrer übrigens nicht nur ausgewählt, weil er so nah an der Fabrik liegt und sich obendrein als „schnellste Rennstrecke Europas“ rühmt. „Sondern wir sind vor allem deshalb hierher gekommen, weil hier auch die finale Abstimmung des Jaguar F-Type gemacht wurde“, sagt Cross. „Wenn wir sicher gehen wollen, dass der Range Rover Sport seinem Namen gerecht wird, dann dürfen wir uns vor solchen Strecken nicht drücken.“


Aston Martin DB5: Im Dienste Ihrer Majestät

Feste Größe: Die Bond-Darsteller wechseln, das Auto bleibt –auch wenn es Pausen gab, diesmal fährt 007 wieder seinen klassischen DB5.

BMT 216A – die Nummernschilder hat Claus Fischer griffbereit im Kofferraum. Denn wo immer er sein Auto in offizieller Mission vorfährt, müssen auch die originalen Kennzeichen dran. Im echten Leben ist der Wagen in Wiesbaden zugelassen. Aber im Geiste fährt Fischer durch London, über den Furka-Pass oder auf den schönsten Traumstraßen der Welt und ist dann auch nicht mehr der erfolgreiche IT-Unternehmer, sondern Lebemann, Frauenschwarm – und Weltenretter. Denn Fischer fährt nicht irgendeinen englischen Sportwagen, sondern den Sportwagen schlechthin. „Martin, Aston Martin“, könnte er sagen, wenn er seinen DB5 stilgerecht vorstellen wollte. Denn der Hesse fährt genau so ein silbernes Coupé, wie es seit dem ersten Kinoauftritt 1964 mit Sean Connery als Geheimagent 007 in „Goldfinger“ auf ewig mit James Bond verbunden ist. Zwar hat 007 seine Autos genauso häufig gewechselt wie seine Gespielinnen, fuhr mal Lotus, mal Toyota und zwischendurch sogar mal BMW. Doch dem DB5 hat er die Treue gehalten wie sonst nur Mrs. Monnypenny und seiner Chefin „M“.

Schöne Silhouette: Der DB5 kann es rein ästhetisch mit manchem Bond-Girl aufnehmen.

Während Bond den Wagen allerdings im Schnitt nur alle zwei Jahre für einen neuen Film wie jetzt “Skyfall” aus der Garage holt, ist Fischer fast täglich mit dem DB5 unterwegs. Für ein fast 50 Jahre altes Auto ist der silberne Sportwagen mit der wundervoll geschwungenen Karosserie von Superleggera grandios in Schuss, sitzt wie ein maßgeschneiderter Smoking und ist nach ein paar Reparaturen und technischen Updates kinderleicht zu fahren: Vergleichsweise bequem gelangt man durch die großen Türen auf die kleinen, schwarzen Ledersitze, in denen man fast bis auf den Asphalt hinunter einsinkt. Das große Holzlenkrad vor der Brust, den winzigen Schaltknauf beinahe in der Kniekehle, vor den Augen ein Cockpit, das mit der Auslage von Tifanny’s um die Wette funkelt, sowie eine sinnlich geformte Motorhaube – so sieht die Welt selbst an einem regenverhangenen Nachmittag im Rheingau nach Glanz & Glamour aus.

Muskeln unter dem Karoserie-Smoking: Den DB5 treibt ein Reihensechszylinder mit satten vier Litern Hubraum an.

Ein Dreh am Schlüssel im weit oben und in der Mitte platzierten Zündschloss genügt, schon meldet sich der vier Liter große Reihensechszylindermotor mit der gleichen Zuverlässigkeit zu Wort, mit der Big Ben den Londonern die Stunde schlägt. Nur dass hier der Fahrer die Tonart vorgibt. Und die ist, wie bei Bond, ausgesprochen wechselhaft. Eben noch ganz ruhig, vornehm und gelassen, genügt schon ein beherzter Tritt aufs Pedal und der DB5 lässt die Muskeln spielen. Als Neuwagen spurtete das Auto in gut sieben Sekunden auf Tempo 100 und konnte es mit einer Höchstgeschwindigkeit von maximal 229 km/h mit der Sportwagen-Elite jener Zeit durchaus aufnehmen. Ob das heute auch noch drin ist, will man angesichts der niedrigen Stückzahlen und der hohen Preise lieber nicht ausprobieren. Doch schon ein kleiner Gastoss beweist, dass das Feuer noch nicht verloschen ist, sondern sofort wieder lichterloh brennen würde.

Schnellfahren mit Stil: Der Aston ist innen beinahe so elegant wie Bonds Suiten in den Luxushotels dieser Welt.

Die Original-Kennzeichen im Kofferraum, auf der Heckscheibe klebt ein 007-Logo und auf der Rückbank liegt wie zufällig und sehr dekorativ eine leere Champagner-Flasche, am Handschuhfach steckt ein Ausweis des britischen Geheimdienstes und über ein paar seidene Wäschestücke irgendwo in den Lederpolstern würde sich in diesem Auto wahrscheinlich auch niemand wundern. Doch die Zusatzausstattung von Bonds Waffenmeister „Q“ fehlt natürlich. Fischer hat weder ein Maschinengewehr hinter den Blinkern noch ausfahrbare Klingen in den Zentralverschlüssen seiner wunderschönen Speichenfelgen. Natürlich gibt es auch keinen Schleudersitz, keinen Kugelfang und kein Radar. Und wenn der Wagen tatsächlich einen Ölnebel hinter sich herziehen würde, wäre Fischer sicher nervöser als Bond in den heikelsten Situationen.

Denn auch wenn er den Aston Martin fast wie ein Alltagsauto nutzt und seinen modernen V8 Vantage so oft wie möglich zugunsten des silbernen Klassikers in der Garage lässt, ist ihm der DB5 für Agenteneinbauten viel zu kostbar. „Von diesem Auto habe ich geträumt, seit ich zum ersten Mal einen ersten Bond-Film gesehen habe“, sagt der Mittfünfziger, der den Wagen übrigens schon als Kind sein eigenen nannte – damals noch als Druckguss-Modell. Bis er sich das Original leisten konnte, vergingen noch viele Jahre. Und Geld sei nur das eine Problem gewesen, sagt Fischer. „Man musste erst einmal einen Wagen finden.“ Da der DB5 von 1963 bis 1965 nur gut 1000 Mal gebaut wurde, war das eine Herausforderung. Wie so oft, war auch in diesem Fall der Zufall im Spiel; Fischer entdeckte bei einer Dienstreise in die Schweiz einen DB5 – und landete dabei einen Glücksgriff. Nicht nur, weil unter den fünf Lackschichten des ebenso roten wie rostigen Coupés als Originalfarbe das Bond-Silber durchschimmerte, sondern weil das Auto zwar nicht aus der Film-Flotte stammte, aber dafür für die Premiere 1964 auf dem Genfer Salon ausgestellt gewesen war.

Dass er nach dem Zuschlag mittlerweile mindestens noch einmal den Kaufpreis in Restauration und Pflege des Wagens investiert hat, kümmert ihn nicht. Denn bei aktuellen Marktpreisen von deutlich über 300.000 Euro für ein solches Exemplar sei der Deal noch immer ein gutes Geschäft, sagt Fischer. „Und der Spaß mit dem Auto ist ohnehin unbezahlbar.“


Aston Martin Vanquish: Gerührt, geschüttelt, gefahren

Bonds Bester: Einen besseren Dienstwagen hätte sich 007 eigentlich nicht aussuchen können - doch im neuen Film "Skyfall" fährt mal wieder DB5.

Power, Beauty and Soul – wenn man Ulrich Bez nach den Kernwerten eines Aston Martin fragt, reichen ihm diese drei Worte. Kraft und Seele, das gibt es bei anderen Herstellern natürlich auch. Aber der Schönheit huldigt niemand so treu und ehrfürchtig wie die Briten. Während sich Lamborghini fast schon pornografisch gibt und Ferrari die Leistung lasziv inszeniert, bleibt Aston Martin stets so stilvoll und elegant, dass man ästhetisch kaum noch etwas verbessern kann. Ob vor dem Parkhotel oder dem Pub, auf dem Schlosshof oder in der Siedlung – wo ein Aston Martin vorfährt, sind ihm bewundernde Blicke sicher. Zu verdanken ist das neben Klassikern wie dem von James Bond im neuen Film einmal mehr bevorzugten DB5 vor allem dem Vanquish, mit dem die Briten vor gut zehn Jahren eine Renaissance begannen. Mit dem Sportwagen hat es die Marke zurück in den Fuhrpark von 007 und auf die Shopping-Liste der Superreichen gebracht. 2007 allerdings machten neue  Abgasnormen dem Spitzensportler den Garaus.

Jetzt meldet sich der Gran Turismo zurück. Noch bevor der neue Bond in die Kinos kommt, rollt die Neuauflage seines ehemaligen Dienstwagens zu Preisen ab 249.995 Euro auf die Straße und macht die Überholspur zum Laufsteg. Denn kein anderes Coupé inszeniert seine Power so cool wie der Typ aus Gaydon: Die Front geduckt und markant, ohne aggressiv zu sein, die Flanken potent aber nicht protzig und das Heck zu kräftig und knackig, so dass man es sogleich tätscheln möchte. So müssen Autos sein, wenn sie Begehrlichkeit wecken sollen.

Luxus aus Lack und Leder: Im Innenraum möchte der Aston mit Bentley & Co. konkurrieren.

Für diese Eleganz treibt Aston Martin einen gewaltigen Aufwand und fertigt erstmals die gesamte Karosserie aus Karbon. Andere Hersteller greifen zu dieser Maßnahme, um das Gewicht zu senken; den Briten jedoch geht es eher um die Form, denn manche der Kanten und Schwünge des neuen Vanquish könnten in Blech einfach nicht verwirklicht werden. Zudem lassen sich aus Karbon größere Bauteile fertigen, was wiederum zu weniger Fugen führt. Auch der Heckspoiler ist deshalb nicht aufgeschraubt, sondern wird aus einem Stück im Verbund mit der Kofferraumklappe modelliert – selbst wenn der Zulieferer allein an dieserm Bauteil zwei Tage arbeitet. Die Gewichtsersparnis der Karbon-Karosserie gegenüber einer aus Aluminium ist übrigens marginal – sie betrüge in diesem Fall lediglich sechs Kilogramm.

Auch innen hegen die Briten den hohen Anspruch. Sie verarbeiten mehr Leder und steppen mehr Nähte als die Konkurrenz. Der Zündschlüssel wirkt wie aus Kristallglas und damit so vornehm, dass Aston Martin ihn als „Emotion Control Unit“ bezeichnet. Und auf der neuen Mittelkonsole gibt es für Klimaanlage & Co. spezielle Sensorfelder, die sich wie bei einem iPhone hinter schwarzem Glas verbergen.

So weit, so gut. Nur leider haben die Engländer über die Kür die Pflicht vergessen: Die Sitze im Fond beispielsweise taugen nicht einmal als Alibi und auch die beiden Sportsitze in der ersten Reihe dürften mehr Kontur und Komfort bieten. Auch die Verarbeitungsqualität lässt zumindest bei den frühen Testwagen noch zu Wünschen übrig. Das Navigationssystem kennt man aus französischen Kleinwagen, die Lenkstockhebel erinnern verdächtig an den alten Kooperationspartner Ford und die manuelle Handbremse im Fußraum wirkt genauso von gestern wie die extrem kurze Liste der Assistenzsysteme: Weil Aston-Martin-Fahrer vorausschauend seien und Firmenchef Bez die meisten elektronischen Assistenzsysteme ohnehin für Spielerei hält, sucht man nach Extras wie etwa einer Abstandsregelung vergebens.

Quell der Kraft: Ein V12-Motor mit sechs Liter Hubraum garantiert standesgemäßen Vortrieb.

Der Sound des des Zwölfzylindermotors übertönt derartige Einwände souverän. Wenn die Maschine erst einmal läuft, hat man keinen Blick mehr für mangelhafte Verarbeitung, kein Gehör mehr für knarzende Bauteile und eine Aufmerksamkeit mehr für ein Navigationssystem, das regelmäßig abstürzt. Dann möchte man nur noch aufs Gas treten, immer und immer wieder aufs Gas treten, den Sound genießen und die fast explosive Beschleunigung fühlen, wenn der sechs Liter große Motor das 1,7 Tonnen schwere Coupé nach vorn treibt.

Ja, es gibt Supersportwagen, die haben mehr als 573 PS und 620 Nm, und es gibt in dieser Liga auch Autos, die weniger als 4,1 Sekunden bis Tempo 100 brauchen oder schneller fahren als 300 km/h. Aber wer gerne Sport im Smoking treibt, der will aus diesem Auto nicht mehr aussteigen. Denn auch beim Sprint bleibt der Aston ganz britischer Gentleman und macht sich nicht gemein mit den Rambos unter den Rennern. Das gilt übrigens auch für die Trinksitten, die mit einem Normverbrauch von 14,4 Litern für diese Klasse gar nicht so schlecht sind.

Zumindest nicht, so lange man die Finger von den Sporttasten auf dem ungewöhnlich eckigen Lenkrad lässt. Die rechte Taste kann man bedenkenlos drücken. Sie steuert Getriebe, Motorelektronik und die Schallklappen im Auspuff und bringt wunderbar das Blut in Wallung. Die linke dagegen strafft das Fahrwerk und ist zumindest auf englischen Landstraßen mit Vorsicht zu gebrauchen. Ohnehin eher auf eine kompromisslos sichere als eine komfortable Straßenlage ausgelegt, wird der Vanquish dann vollends zu einem bocksteifen Gesellen, der seine Passagiere ordentlich malträtiert. Dafür hält er dann eisern die Spur. Wellige Geraden, enge Kurven, lange Bögen oder verwinkelte Ecken – leichtfüßig, agil, perfekt ausbalanciert und giftig verbeißt sich der Vanquish in die Ideallinie.

Sportler im Smoking: Aston Martin setzt auf Eleganz statt auf Aggressivität.

Während das gesamte Auto in England gebaut wird, kommt der Motor übrigens aus Deutschland. Aus alter Verbundenheit lässt Aston Martin das Triebwerk bei Ford in Köln bauen – wobei der einstigen Konzernmutter mittlerweile nur noch die Halle gehört: „Maschinen und Mitarbeiter sind von Aston Martin, und die Konstruktion natürlich ohnehin“, sagt Entwicklungschef Ian Minards.

Eine völlig neue Karbon-Karosserie mit vielen Designzitaten aus dem millionenschweren Supersportwagen One-77, ein Motor, der mit dem Vorgänger nur noch den Hubraum gemein hat, bessere Fahrleistungen und weniger Verbrauch – für Aston Martin-Chef Bez braucht es nicht viele Worte, um den neuen Vanquish in die Modellpalette einzuordnen. „Er ist nicht weniger als das beste Auto, das wir je gebaut haben.“ Die ersten Kunden werden das in ein paar Wochen überprüfen können. Nur der vielleicht wichtigste Aston-Martin-Fahrer darf vorerst nicht hinters Steuer. In neuen Film nämlich fährt James Bond wieder mit einen alten DB5.


Lachen und lachen lassen: Mit diesem Rolls-Royce rettet Johnny English die Welt

Agentenauto: Wo James Bond gerne Aston Martin fährt, rettet Johnny English die Welt einem Rolls-Royce Phantom.

Agentenauto: Während James Bond gerne Aston Martin fährt, rettet Johnny English die Welt in einem Rolls-Royce Phantom.

Bond, immer wieder dieser Bond! Für eine kleine Handvoll Kinobesucher mag das ja ein berühmter Geheimagent sein. Doch für jemanden wie Johnny English zählen allenfalls die ersten beiden Ziffern seiner Personalkennung 007: eine doppelte Nullnummer. Denn der wahre Held des britischen Geheimdienstes ist – Bescheidenheit hin, Understatement her – natürlich er selbst. Und nun, wo er für den Film „Johnny English- Jetzt erst recht“ aus dem tibetanischen Exil zurück kehrt, wird es das aller Welt auch endgültig beweisen.

Wie immer in solchen Spionage-Thrillern ist der Held nicht allein auf sich gestellt – selbst wenn es nur eine groteske Komödie ist. Sondern genau wie James Bond hat auch Johnny English eine gut gefüllte Rüstkammer mit allerlei Spezialwaffen und natürlich ein passendes Agentenauto. Wo sich der arme Bond mit einem Aston Martin begnügen und zwischendurch sogar mal BMW oder gar Ford fahren musste, ist für Johnny English das Beste gerade gut genug. Ein Rolls-Royce ist deshalb das Mindeste, was „MI7“ über die Leinwand kutschiert. Da passt es gut, das Schauspieler Rowan Atkinson, besser bekannt als Mr. Bean, ein begeisterter Autosammler ist, selbst einen Rolls-Royce besitzt und darüber hinaus einen engen Draht zum Rolls-Royce-Chefdesigner Ian Cameron pflegt.

Allerdings kann es für einen außergewöhnlichen Agenten kein gewöhnliches Auto geben. Deshalb hat Rolls-Royce eigens für Johnny English einen ganz speziellen Phantom entwickelt. Zwar sind die Briten auch sonst für alle möglichen Sonderwünsche offen, weil die Kunden dafür gerne oft Extrakosten in Höhe des kompletten Kaufpreis zusätzlich zahlen. Doch so besonders wie das Film-Auto war noch kein Phantom vor ihm. Denn statt des 6,75 Liter großen V12-Motors steckt unter der Haube nun der erste 16-Zylinder der Firmengeschichte. Und wenn man Insidern aus Goodwood glauben darf, dann fährt der Wagen damit sogar. Wie stark der neun Liter große Motor ist und wie schnell der Wagen damit fährt, darüber verlieren die Briten natürlich kein Wort. Schließlich ist der Phantom mit dem Kennzeichen „JE 1“ das geheime Auto eines geheimen Agenten. „Schnell wie der Wind, nur leiser“, das ist alles, was sie sich dazu entlocken lassen.

Kraftpaket: Nicht dass 6,75 Liter Hubraum und zwölf Zylinder nicht genug wären. Doch für jemanden wie Johnny English darf's schon ein bisschen mehr sein. Zum Beispiel ein experimenteller V16 mit neun Liter Hubraum. Wie stark? "Ausreichend!" Wie schnell? "Wie der Wind, nur leiser."

Genauso wenig Worte machen sie über die Spezialausstattung des blauen Coupés mit der verführerischen Frauenstimme, gegen die Mrs. Monnypenny klingt wie die Lottozahlenansagerin. Klar, dass der Wagen kugelsicher ist, kann man sich denken. Und den Trick mit den Wechselkennzeichen kennt man schon von diesem anderen Stümper aus dem britischen Geheimdienst. Doch wie sie den Autopiloten mit Sprachsteuerung hinbekommen haben, oder wie sie kurz vor dem ersten Abschlag einen Satz Golfbälle in die Mittelablage zaubern, das bleibt wohl ein ewiges Geheimnis aus der Rüstkammer ihrer Majestät.

Nicht minder eindrucksvoll sind die Tricks mit der Sprachsteuerung und dem Autopiloten, die sich selbst von Johnny Englishs wirren Kommandos nicht aus der Fassung bringen lassen. Und wenn sich der Rolls-Royce mit einem Laserstrahl aus den Augen der Kühlerfigur „Spirit of Ecstasy“ den Weg selbst durch Wände frei schneidet, dann versteht man, warum Atkinson von einem „guten Kumpel“ spricht: „Dieses Auto eilt seinem Besitzer zur Hilfe, wenn ihn alle anderen schon aufgegeben haben.“ Es hat einen Charakter, es spielt eine eigene Rolle und es hat am Ende eine wichtige Aufgabe, sagt der Schauspieler. „Wenn man so will, dann rettet dieser Rolls-Royce sogar die Welt – zumindest in unserem Film.“

Ob der Phantom den Film heil übersteht und damit ein besseres Schicksal erleidet als die meisten Bond-Autos, das wird die Kinopremiere zeigen. Doch die Chancen dafür stehen nicht günstig. Denn erstens stolpert Johnny English mehr durch seine Abenteuer, als dass er sie wirklich meistert. Und zweitens ist Rowan Atkinson auf der Leinwand ein begnadeter Komiker und im echten Leben ein absoluter Autonarr, doch hinterm Lenkrad hatte der Rolls-Royce-Fan und Rennwagensammler gerade ziemliches Pech. Die letzten PS-Schlagzeilen machte er als Bruchpilot am Steuer eines McLaren F1. Auch ein britisches Auto, ebenfalls extrem schnell – und genau wie der Phantom sündhaft teuer.


Luxus-Einkaufswagen: Der Drei-Meter-Knirps von Aston Martin

Aston Martin Cygnet: Die Start-Edition "Black" oder "White" des neuen Luxus-Kleinwagens kostet pro Stück 48.995 Euro.

Die Idee ist gar nicht schlecht für ein Unternehmen, das ausschließlich luxuriöse Supersportwagen baut: Um ein bisschen Bescheidenheit zu demonstrieren, ein wenig ökologisches Einsehen und einen Hauch von Sozialromantik zu verströmen, wird einfach ein extrem kleines, aber dennoch höchst luxuriöses Stadtwägelchen gebaut. Die englische Nobelmarke Aston Martin verfolgt diese Strategie, jetzt ist der Kleinwagen Cygnet (“junger Schwan”) startklar. Ab April 2011 beginnt die Produktion bei Aston Martin in Gaydon, wobei Produktion nicht ganz richtig ist. Bei dem Auto handelt es sich im Grunde nämlich um einen Toyota iQ, der komplett nach England geliefert wird, dort aber auseinander gelegt und mit der entsprechenden Außen- und Innenausstattung wieder zusammengeflickt wird. Antriebsstrang, Fahrwerk und andere technische Grundeigenheiten bleiben dabei unverändert.

Auch der Aston Martin Cygnet fährt also, wie der Toyota iQ, mit einem 1,3-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 98 PS vor, der den Drei-Meter-Knirps in 11,8 Sekunden von 0 auf 100 beschleunigt und für maximal 170 km/h gut ist. Als Durchschnittsverbrauch gibt Aston Martin rund fünf Liter je 100 Kilometer an. Im Vergleich zu den übrigen Produkten des Hauses ist der Cygnet damit das mit Abstand sparsamste und umweltschonendste Modell im Sortiment.

Keine Abstriche sollen angeblich bei der Ausstattung gemacht werden. Leder, Holzvertäfelungen, Karbonapplikationen und natürlich ein Höchstmaß an Individualisierung werden geboten. Die so genannte Start-Edition, von der je etwa 50 Exemplare des Typs “White” und “Black” aufgelegt wreden, wird darüber hinaus mit einem sechsteiligen Gepäckset der Marke Bill Amberg ausgeliefert.

Wer nicht ganz so dick auftragen möchte mit dem kleinen Aston Martin, kann auch das ganz normale Modell bestellen, das zum Preis ab 37.995 Euro verkauft wird. Übrigens nicht nur, wie es anfangs mal gedacht war, an Eigner eines großen Aston- Martin-Modells. “Unsere Kunden werden zwar bevorzugt bedient”, sagt eine Sprecherin des Unternehmens, “aber im Prinzip wird der Cygnet an jeden Interessenten verkauft.” Noch nie war Aston Martin fahren so billig. Exklusiv wird es dennoch bleiben, denn in einem vollen Verkaufsjahr sollen nicht mehr als rund 1500 Exemplare des kleinen Luxuslords ausgeliefert werden.


James Bond’s Aston Martin DB5 kommt unter den Hammer

Aston Martin DB5: Der Wagen mit dem legendären Kennzeichen "FMP 7B" ist James-Bond-Fans aus den Filmen "Goldfinger" und "Feuerball" bekannt. Demnächst wird er versteigert.

Der Wagen elektrisiert Autofans ebenso wie Cineasten: Am 27. Oktober wird in London vom Auktionshaus RM in Zusammenarbeit mit Sothebys der legendäre Aston Martin DB5 versteigert, der in den Bond-Filmen “Goldfinger” und “Feuerball” die automobile Hauptrolle spielte – natürlich mit Sean Connery am Steuer. Das Auto wurde vom Filmprofi John Stears mit allerlei erstaunlichen Agenten-Extras bestückt: Zum Beispiel Maschinengewehren die hinter den vorderen Blinkern verborgen waren, einem Schleudersitz, ausfahrbaren Reifenschlitzern in den hinteren Radnaben, einem Kugelfang der vor der Heckscheibe ausgefahren werden konnte und diversen Extras mehr. Gesteuert wird die 007-Spezial-Ausstattung von einem unter der vorderen Armlehne verborgenen Tastenfeld, und außerdem lässt sich die Kappe des Schaltknaufs hochklappen, um an den roten Knopf zu gelangen, der die Maschinengewehrsalven auslöst.

Schutz gegen Schüsse: Hinter der Heckscheibe lässt sich eine Art Kugelfang ausfahren.

RM Auctions erwartet, dass der Wagen bei der Versteigerung mindestens fünf Millionen Dollar einbringt. Das Geld will der jetzige Besitzer, der US-Amerikaner Jerry Lee, in seine Stiftung gegen Jugendkriminalität und soziale Benachteiligung stecken.

Vom Aston Martin DB5 wurden zwischen 1963 und 1965 etwas mehr als tausend Exemplare gefertigt. Motorisiert sind die Wagen mit einem 4-Liter-Reihensechszylinder-Triebwerk, das rund 300 PS mobilisiert. Als Höchstgeschwindigkeit wurden damals 238 km/h angegeben. Bestechend an diesem Auto aber ist vor allem die überaus elegante, distinguierte und doch auch rassige Form. Gentlemen, submit your offers!