Nachklapp: Als Sportbrake will sich der Jaguar XF die gebührende Beachtung verschaffen

Eigentlich hätte es ihn gar nicht mehr geben sollen. Denn als Jaguar vor zwei Jahren den neuen XF vom Stapel gelassen hat, wollten die Briten die Kombi-Kunden im ihren F-Pace lotsen und den Sportbrake still und leise sterben lassen. Doch diese Rechnung ist nur zum Teil aufgegangen: Das erste SUV der Marke läuft zwar wie geschnitten Brot und ist bereits fest im Straßenbild verankert, der XF dagegen fährt mit nicht einmal 2 000 Zulassungen im letzten Jahr nahezu unter der Wahrnehmungsschwelle und hat gegen Mercedes E-Klasse, Audi A6 oder BMW Fünfer nicht den Hauch einer Chance. Deshalb haben die Briten ihre Planung über den Haufen geworfen und bringen jetzt doch wieder einen Sportbrake. Gerade am Rande des Tennisturniers in Wimbledon enthüllt, soll er im Herbst zu Preisen ab 43 960 Euro verlorenen Boden gutmachen und dem XF doch noch die gebührende Beachtung in der Business-Klasse bringen.

Dabei setzen die Briten auf eine Mischung aus Premium und Praxis. Denn zum einen ist der Sportbrake ein ebenso schnörkelloses wie schickes Auto geworden, das mit seinem glatten, breiten Heck und der klaren LED-Grafik wie ein F-Pace in flach aussieht. Und zum anderen bietet er Platz ohne Ende. Im Fond kann man besser sitzen, versprechen die Briten und hinter der großen Klappe mehr einladen: Wenn sie nach einem angedeuteten Fußtritt elektrisch aufschwingt, blickt man in einen topfebenen Kofferraum von 565 Litern, der sich mit wenigen Handgriffen auf bis zu 1 700 Liter erweitern lässt. Dazu gibt es eine Luftfederung mit Niveauausgleich für die Hinterachse, die selbst dann den nötigen Komfort garantiert, wenn der Sportbrake die maximal möglichen zwei Tonnen an den Haken nimmt.

Während hinten vieles neu ist, ändert sich vorne nicht viel: Auch der Kombi fährt deshalb mit den bekannten Ingenium-Motoren, von denen Jaguar zunächst vier Diesel und nur einen Benziner ausgewählt hat. Während die Otto-Fraktion allein einen 250 PS starken Vierzylinder mit zwei Litern Hubraum bekommt, können die Öltanker deshalb zwischen einem 2,0-Liter mit 163, 180 oder 240 PS wählen oder sich gleich für das Topmodell mit einem 340 PS starken V6-Diesel von drei Litern Hubraum entschieden. Während der Basisdiesel mit 4,5 Litern zum Sparer werden soll, verspricht Jaguar für diese Variante bei einem Sprintwert von 5,5 Litern dann auch einen gewissen Sportsgeist.

So ambitioniert der XF Sportbrake für einen Kombi auch sein mag, halten die Briten insgeheim offenbar nicht sonderlich viel von dieser Karosserievariante. Den Absatz mag sie zwar beleben, doch weil in dieser Kategorie erst die Vernunft kommt und dann das Vergnügen, befürchtet Jaguar trotz des eleganten Designs und der engagierten Technik offenbar eine frühzeitige Ermattung. Deshalb haben sie die Ausstattung nicht nur um nette Neuigkeiten wie eine Gestensteuerung fürs Schiebedach oder den wasserfesten Activity Key aus dem F-Pace erweitert. Sondern zum ersten Mal baut Jaguar beim XF Sportbrake auch einen Müdigkeitswarner ein.