Quattro macht in Duo: Audi baut Hightech-Fahrräder aus Holz

Holz als Hightech: Mit Fahrrädern wie diesem will die Audi Quattro GmbH umweltbewegte Hedonisten in den USA ansprechen.

Normalerweise arbeiten die Ingenieure der Audi Quattro GmbH mit Aluminium oder besser noch mit Karbon. Und eigentlich geht bei den Entwicklern in Neckarsulm nichts ohne vier angetriebene Räder. Doch jetzt macht die Audi-Tochter eine Ausnahme und bricht gleich mit zwei Tabus: Denn zumindest in den USA erweitern die sportlichen Autobauer in diesen Tagen ihr Zubehör-Programm um drei Produkte, die lediglich ein angetriebenes Rad haben und obendrein aus einem ausgesprochen bodenständigen Material geschnitzt sind: Fahrräder aus Holz.

Die neusten Bikes der Quattro GmbH hören auf den bezeichnenden Namen Duo und werden von der Manufaktur Renova Hardwood Bikes in Portland (Oregon) produziert. „Für uns sind die Duo-Bikes gleichermaßen ein Stück Kunst wie ein Fortbewegungsmittel“, heißt es bei der amerikanischen Audi-Dependance. „Sie vereinen Schönheit und Handwerkskunst mit Leistung und Technologie.“

Zwar mag man bei Holz nicht auf Anhieb an Hightech denken, doch reklamieren die Entwickler eine ganze Reihe von Vorteilen für die Bio-Rahmen: Sie sähen nicht nur einzigartig aus, sondern seien auch besonders leicht. Darüber hinaus verfügen die Holzrahmen quasi über eine natürliche Federung und können am Ende der Lebenszeit kurzerhand kompostiert werden – rostige Fahrradleichen in der Innenstadt gehören damit der Vergangenheit an.

Die Gefahr, dass die Audi-Fahrräder tatsächlich einmal alt und gammlig im Stadtpark verrotten, ist allerdings gering. Dafür sorgen nicht zuletzt die stolzen Preise für die drei Fahrräder. Der Spaß beginnt mit einem bequemen Freizeitrad für rund 6500 Dollar und reicht bis zur Rennmaschine mir extraschmalen Reifen und 20-Gang-Schaltung, für die Audi knapp 7500 Dollar verlangt. Für derartige Preise, so unken die amerikanischen PS-Blogs, gebe es auch moderne Hightech-Räder mir Karbon-Konstruktion. Die haben allerdings einen entscheidenden Nachteil: Wenn der Rahmen einen Kratzer hat, kann man ihn nicht einfach mit Schmirgelpapier reparieren.


Mercedes Biome: Der Silberpfeil für Captain Future

Auf Zukunft programmiert: So stellen sich die Advanced Designer von Mercedes den Sportwagen von morgen vor.

Bislang war die LA Design Challenge nur eine Spielwiese der Zeichner, die ihre kühnsten Visionen auf Papier brachten. Doch Mercedes dreht das Rad ein bisschen weiter. Die Schwaben haben für den Wettbewerb auf der Autoshow in Los Angeles nicht nur drei Entwürfe eingereicht, sondern einen davon so gar in Originalgröße nachgebaut. Und was für einen! Im Mercedes-Designstudio in Carlsbad, zwei Stunden südlich von Hollywood, entstand sozusagen der Silberpfeil für Captain Future.

Mit etwas mehr als vier Metern kaum länger als eine B-Klasse, aber mit über zwei Metern Breite wuchtiger als jeder andere Sportwagen der Marke, duckt sich die Flunder extrem flach auf die Straße und zeigt eine völlig neue Designlinie. „Es gibt kaum eine Gerade an dem Wagen, alles ist rund und flüssig, und trotzdem sieht er extrem sportlich aus“, sagt Studioleiter Hubert Lee über den Viersitzer, in dem der Fahrer vorne, die zwei Passagiere in der Mitte und der vierte Insasse hinten und dann auch noch entgegen der Fahrtrichtung reist.

Nicht nur die Form ist faszinierend, sondern auch die Konstruktion. Denn die gesamte Karosse ruht auf einem Gerüst, das an ein Skelett erinnert und das auch das gesamte Interieur trägt. Und wo heute noch der Flügeltürer anderen Sportwagen die Schau stielt, wird die Biome genannte Studie vielleicht in zehn oder zwanzig Jahren damit punkten, dass sich die gesamte Karosserie aufklappen lässt wie die beiden Hälften einer Muschel.

Binnen sechs Wochen haben die Designer das Auto zuerst gezeichnet, dann modelliert und schließlich in Originalgröße gebaut. Diesen Aufwand treiben die Schwaben nicht nur für die Messe und den Wettbewerb, sondern damit wollen sie beweisen, dass sie gar nicht so spießig und behäbig sind, wie immer wieder mal unterstellt wird. „Solche Aufgaben fordern das Team, setzen eine ungeheure Kreativität frei und bringen uns auch bei den Serienprodukten weiter“, sagt Steffen Köhl, der das Advanced Design von Mercedes leitet und den Biome ebenso verantwortet, wie die Maybach Rikscha aus Tokio und den gestrickten Smart aus Sindelfingen, die beide ebenfalls in der LA Design Challenge antreten.

Schöne Spinnerei: Eigentlich nur eine wilde Vision, so wirkt das Auto. Doch die Designer deuten an, dass manche Details durchaus auch in Serie gehen könnten.

Zu den starken Formen gibt es noch stärkere Fiktionen für Produktion und Antrieb des Showcars. So soll der Wagen aus genetisch programmierten Samen in einer Mercedes-Gärtnerei wachsen und mit einem speziellen Bio-Nektar fahren. Das klingt so abgedreht, dass man eigentlich die gesamte Studie als Spinnerei abtun könnte. Womöglich aber wäre gerade das ein Fehler. Denn die Bio-Fasern, mit denen die Designer das Gewicht – wie von der Wettbewerbskommission – gefordert, unter 450 Kilogramm gedrückt haben, könnte man ja zum Beispiel durch Karbon ersetzen. Und statt des Nektar-Antriebs ließen sich eventuell die Elektromotoren aus dem SLS einbauen – und schon hätte Mercedes ein Auto, das optisch wie technisch mit neuen BMW-Öko-Sportwagen „Vision Efficient Dynamics“ konkurrieren könnte.

Deshalb erheben die Mercedes-Designer Einspruch, wenn man die Studie Biome vorschnell als Hirngespinst abtut. „Schritt für Schritt analysiert und auf reale Techniken herunter gebrochen, stecken in diesem Auto viele Details, die wir vielleicht irgendwann im Design eines kommenden Sportwagens wieder sehen werden“, sagt Biome-Macher Hubert Lee. Sein Chef Köhl ist dankbar, dass Lee in Carlsbad so weit voraus denkt. „Genau das ist doch die Aufgabe der Advanced Designer. Mir ist es lieber, man muss die Jungs mal wieder einfangen und zurück in die Gegenwart holen, als sie ständig nach vorne treiben zu müssen.“