Qoros GQ3: Der Premium-Preisbrecher aus Fernost

Frischling aus Fernost: Mit dieser Limousine will die Marke Qoros von China aus Europa erobern.

Lustloses Design, billige Plastiklverkleidungen, schlampige Verarbeitung und katastrophale Crashtestergebnisse – was bislang an Autos aus China nach Europa kam, taugte allenfalls als Lachnummer. Bange jedenfalls musste den etablierten hiesigen Marken wegen dieser Fahrzeuge nicht werden. Doch jetzt könnte Importeuren wie Skoda, Chevrolet, Kia oder Hyundai womöglich erstmals eine ernsthafte Konkurrenz aus China erwachsen. Auf dem Genfer Autosalon im März gibt eine neue Marke aus China ihren Einstand, die für fernöstliche Verhältnisse beinahe einen Premium-Anspruch verfolgt und vor allem gezielt für den Export in den Westen entwickelt wurde. Dass dem Kunstprodukt „Qoros“ dabei als erster Marke aus dem Reich der Mitte durchaus Chancen eingeräumt werden, liegt vor allem am erfahrenen Personal. Denn für Entwicklung, Produktion, Design und Vertrieb zeichnen keine unerfahrenen chinesische Experten, sondern durchweg erfahrene europäische Automanager verantwortlich.

Wichtigster Mann im Vorstand ist der deutsche Volker Steinwascher, der zuletzt für VW den US-Markt verantwortete. Und für das Design ist Gert Volker Hildebrand verantwortlich, der beispielsweise für BMW den Mini in Form brachte. Zusammen mit einem internationalen Team zeichnet er nun in Deutschland, Österreich und Schweden eine ganze Flotte von neuen Fahrzeugen, die mit der Technik von renommierten Zulieferern wie Bosch, Continental, TWR oder Valeo ausgestattet und maßgeblich bei Magna-Styr in Graz entwickelt werden. „95 Prozent unserer Zulieferer zählen zur internationalen Elite“, prahlen die Qoros-Verantwortlichen. Und auch das Management ist international. Neben Hildebrand arbeiten in Shanghai, München oder Graz etwa 30 weitere deutsche Spezialisten. So übernimmt die Fahrzeuggesamtverantwortung ein einstiger Entwickler der BMW M GmbH, die Entwicklung leitet ein hochrangiger Ingenieur aus den Diensten von Jaguar und Land Rover und für das Qualitätsmanagement zeichnet ein ehemaliger Opelaner verantwortlich.

Neues Gesicht von alten Bekannten: Hinter dem Design von Qoros steht der ehemalige Styling-Chef von Mini, Gert Hildebrand.

Beginnen soll der Qoros-Rollout mit der kompakten Limousine GQ3, die in Genf ihre Premiere feiern und schon kurz danach in den Handel kommen soll. Offizielle Preise gibt es noch nicht. Aber in der Branche kursieren ein mutmaßlicher Preis zwischen 12.000 und 14.000 Euro; das dürfte Autos wie den Skoda Rapid oder den Seat Toledo genauso unter Druck setzten wie Modelle vom Typ Chevrolet Crzue oder VW Jetta.

Zurückhaltend und mit nur wenigen Linien gezeichnet, sieht der Viertürer im Format von Skoda Rapid oder VW Jetta auf den ersten Blick schlicht und schick aus und wirkt wie ein etwas zu klein geratener VW Passat. Er hat markant geformte Scheinwerfer und Rückleuchten, eine elegante Silhouette, eine schmucke Dachlinie und es gibt keine verspielte Details – nur das riesige Q im Kühlergrill wirkt ein wenig übertrieben.

Auch der Innenraum macht auf den ersten Fotos einen überraschend noblen, geradezu deutschen Eindruck. Es gibt gedeckte Farben, augenscheinlich hochwertige Materialien die sauber verarbeitet wirken, und vor allem eine üppige Ausstattung. So bekommt der GQ3 nicht nur ein schlüsselloses Start-System, einen Tempomat und eine Klimaautomatik, sondern sogar serienmäßig ein großes Touchscreen-Navigationssystem samt Musikanlage.

Attraktives Ambiente: Zumindest auf den ersten Fotos sieht der Debütant der Marke Qoros nicht nach Billigauto aus.

Zur Technik machen die Qoros-Leute noch nicht viele Worte. Man sieht auf den ersten Bildern eine Version mit Automatikgetriebe, und man weiß, dass der österreichische Zulieferer AVL für Qoros neue Vierzylindermotoren entwickelt hat. Aber wie viel Hubraum die Triebwerke haben und welche Leistung sie entwickeln, sowie ob es auch einen Diesel geben wird – das ist bislang noch alles offen. Nur beim Thema Sicherheit wird die Qoros-Mannschaft mitteilsamer: Gewarnt von den katastrophalen Crashergebnissen von Fabrikaten der Marken Landwind und Brilliance verspricht sie eine umfangreiche Sicherheitsausstattung und stellt fünf Sterne im Euro NCAP-Crashtest in Aussicht.

Bei der Limousine soll es freilich nicht bleiben: Auf der gleichen Plattform planen die Chinesen eine Schrägheckvariante und einen kleinen Geländewagen. Und natürlich kommt danach das zumindest für den Heimatmarkt China augenscheinlich unverzichtbare Elektroauto. Drei Jahre später soll dann eine zweite Plattform in der Mittelklasse das Portfolio erweitern, lassen die Manager durchblicken.

Obwohl die Ambitionen groß sind, bleiben die Planungen erst einmal bescheiden. Fürs erste hat Qoros sein Werk vor den Toren von Shanghai für 150.000 Autos pro Jahr ausgelegt. Um diese Stückzahl zu produzieren, braucht der VW-Konzern kaum mehr als eine Woche.