Auf dem Weg in die Wirklichkeit: So stimmt Porsche die Vollgasfraktion auf des Ende des Elfers ein

Als er vor gut zwei Jahren auf der IAA stand, war er noch ein UFO aus einer anderen Zeit. Doch während Elon Musk mit seinen Teslas die etablierte PS-Welt vor sic her hat, waren sie in Zuffenhausens nicht untätig. Sondern der Porsche Mission E ist auf der Zielgeraden und das UFO setzt so langsam zur Landung an. Die ersten Milliarden sind investiert, der Rohbau für die Produktion am Stammsitz Zuffenhausen wächst und immer öfter sieht man Stuttgarter Erlkönige verdächtig lange an der Ladesäule. Intern hat die Jagd auf Tesla damit längst begonnen. Doch weil es für die Kunden noch immer mehr als ein Jahr bis zur Markteinführung dauert und weil die Konkurrenz Porsche mit Autos wie dem Jaguar iPace die Pole Position streitig macht, legen die Schwaben jetzt noch einmal nach und zeigen als weiteren Lückenbüßer in Genf den Mission E Cross Turismo.

Der 4,95 Meter lange Zwitter aus SUV, Kombi und Sportwagen hat dabei für Designchef Michael Mauer eine doppelte Funktion: Zum einen soll er mit sehr viel mehr Bodenhaftung als der elektrische Erstling schon mal so langsam auf das konkrete Serienmodell einstimmen. Denn viel mehr als Color & Trimm und ein paar Gimmicks wie die Blicksteuerung werden sich bis zum Produktionsbeginn nicht mehr ändern, verspricht Mauer: Die auf eigenen Flügeln wie schwebend montierten Vierpunkt-LED-Scheinwerfer werden deshalb genauso kommen wie das je nach Ladezustand und –zyklus unterschiedlich blinkende Leuchtenband am Heck. Und auch das komplett digitale Cockpit ist so gesetzt – selbst wenn der Mission E damit zum ersten Porsche ohne Drehzahlmesser wird.

Zum anderen soll er aber auch zeigen, in welche Richtung die Mission E-Familie erweitert werden könnte. Denn dass es nicht bei der Coupé-Limousine alleine bleiben soll, hat Projektleiter Stefan Weckbach schon verraten. Und weil ein klassischer Geländewagen vielleicht nicht ganz zum Gedanken der Nachhaltigkeit passt, könnte ein zum CUV umgetauftes SUV ohne schlechtes Gewissen die bessere Lösung sein. Zumal der Flachmann mit den großen Rädern und der hohen Bodenfreiheit so gut aussieht, dass man sich ohnehin fragt, warum nicht er anstelle des eher einfallslosen Panamera Sport Turismo gebaut wurde. Aber keine Sorge, wer darüber mit Designchef Mauer spricht, geht mit einem Lächeln aus dem Termin. Denn wenn der Designer stolz erzählt, dass es bislang jede Studie irgendwie auf die Straße geschafft hat, muss man die Frage nach den Serienaussichten gar nicht mehr stellen, sondern allenfalls noch über die Jahreszahl spekulieren.

Zwar markiert der Mission E den Beginn einer neuen Ära bei Porsche und nicht nur der Cross Turismo zeigt, dass die Schwaben einen großen Plan für eine komplette Modellfamilie haben. Und der Elektroantrieb ist dabei offenbar das alles bestimmende Thema. Doch so ganz muss die Vollgasfraktion die Flinte nicht ins Korn werfen. Denn erstens wird auch der auf eine Reichweite von 500 Kilometern ausgelegte Mission E fahren wie ein typischer Porsche, sagt Baureihenchef Weckbach: „Egal ob Benziner oder E-Motor, ob Sportwagen, SUV oder wie beim Mission E eine Coupélimousine – wir wollen immer das fahrdynamischste, agilste und sportlichste Auto im Segment anbieten.“ Und bei 600 PS und Allradantrieb, Hinterachslenkung und Torque Vectoring sowie einem Sprintwert von 3,5 Sekunden sollte das gelingen. Und zweitens markiert der Anfang des Elektrozeitalters eben nicht das Ende des Verbrenners, beruhigt der Baureihenleiter die Gemüter: „Solange es für Autos wie einen 911R oder einen GT3 Kunden gibt und es die Gesetze erlauben, werden wir das eine tun und das andere zu lassen.“ Nicht umsonst kommt deshalb noch vor dem Mission E auch erst mal eine neue Generation 911 – und zwar mit einem Tankstutzen und ohne Steckdosenanschluss.