Kraftwerk am Haken: Dieser Anhänger macht E-Autos zu Dauerläufern

Range Extender zum Mitnehmen: Wer die "PRU" mit Generator und Zusatzakkus an den Haken nimmt, kann die Reichweite eines Elektroautos auf mehr als 1000 Kilometer steigern.

Die beschränkte Reichweite und die langen Akku-Ladezeiten gelten –neben dem hohen Preis und der bislang geringern Verfügbarkeit – als die größten Hindernisse für den Durchbruch des Elektroautos. Doch für alles gibt es offenbar eine Lösung – zumindest wenn man Will Cashen glaubt. Er ist Chef des Automobilzulieferers EMAV im US-Staat Indiana und hat jetzt die Idee für eine Art mobiler Ladestation vorgestellt. Wer mit einem Elektroauto längere Strecken fahren möchte, nimmt in dieser Vision einfach eine „Power Recovery Unit“ (PRU) an den Haken. Das ist eine Art Kraftwerk im Anhänger, in dem ein kleiner Vierzylinder-Dieselmotor einen Generator antreibt, der Lithium-Akkus mit zusammen 70 kWh füllt. Mit den 22 Litern Sprit könne so ohne Zwischenstopp und Ladepause der Strom für rund 1000 Kilometer erzeugt werden, teilt das Unternehmen mit. Trotzdem bietet der etwa 1,80 Meter lange Anhänger noch Platz für reichlich Gepäck und gleicht so auch noch den bei Elektroautos meist beschränkten Kofferraum aus. Um den Antrieb des Fahrzeugs zu entlasten, bekommt die PRU einen eigenen Motor, der über Sensoren gesteuert wird und dadurch dasselbe Tempo wie der Zugwagen anschlägt. Außerdem will Cashen die jeweilige Fahrstrecke mit Google Earth online analysieren und so die Ladestrategie an die Topographie anpassen.

Nachdem EMAV in diesen Tagen die ersten Skizzen veröffentlicht hat, will das Unternehmen bis zum Frühjahr einen Prototypen bauen und in der zweiten Jahreshälfte 2011 mit der Produktion beginnen. Wie die Elektro-Autos ist aber auch das mobile Kraftwerk ein teures Vergnügen: Mit etwa 15.000 Dollar wird es rund achtmal so viel kosten wie ein normaler Anhänger – aber der ist ja auch vollkommen leer.

Das Prinzip des „Range Extenders“ oder Reichweitenverlängerers ist in der Welt der Elektroautos natürlich nicht neu. Schließlich wollen damit zum Beispiel auch Chevrolet Volt und Opel Ampera den Kunden die Angst vor der eingeschränkten Reichweite nehmen. Im Anhänger der PRU verpackt, sieht das Notstromaggregat vielleicht nicht ganz so elegant aus. Aber es hat einen entscheidenden Vorteil: Man kann den Ballast bei Kurzstreckenfahrten auch zu Hause lassen. Dann nämlich reicht die Energie in den Auto-Akkus völlig aus.