Opel Astra OPC Extreme: Wer hat Angst vorm bösen Golf?

 

Bitte recht böse: Der Astra trägt einen düsteren Kampfanzug aus Karbon

Schweiß drauf: Der Innenraum ist auf pure Sportlichkeit getrimmt.

In der Zulassungsstatistik ist der VW Golf längst unerreichbar und auch technisch hat Kompaktwagen aus Wolfsburg seinen Rüsselsheimer Rivalen Opel Astra mittlerweile abgehängt. Doch zumindest in einer Disziplin lassen sich die Hessen nicht die Schau stehlen und fahren dem Bestseller aus Niedersachsen jetzt doch noch an die Wand: in der Sportwertung.

Denn beim Autosalon in Genf enthüllt Opel eine Power-Version des Astra OPC, die sogar den neuen Golf R lammfromm erscheinen lässt. Und auch wenn der Kraftmeier im Kampfanzug aus Karbon offiziell noch als Studie läuft, lässt in Rüsselsheim keiner einen Zweifel an einer Kleinserie, die schon in diesem Sommer auf die Überholspur stürmen könnte.

Unter der Haube dies OPC Extreme steckt ein neuer Vierzylinder, der genau wie im Golf R auf zwei Liter Hubraum kommt und sich von einem Turbo Druck machen lässt. Während VW schon zurecht stolz auf 300 PS ist, verspricht Opel auf jeden Fall „mehr als 300 PS“ und setzt sich so an die Leistungsspitze in der bürgerlichen Kompaktklasse. Auch wenn der OPC anders als der R-Golf nicht auf Allrad-, sondern nur auf Frontantrieb baut, sollte das für Sprintwerte von 0 auf 100 unter fünf Sekunden reichen. Und weil die Hessen die Sache mit der freiwilligen Selbstbeschränkung der Höchstgeschwindigkeit nicht ganz so eng sehen, müssten statt 250 km/h locker 270 oder gar 280 Sachen drin sein.

Opel spricht bereits vom „schnellsten Astra aller Zeiten“. Aber es ist nicht nur der stärkere Motor, der Opel bei der Vollgas-Fraktion in die Poleposition bringt. Es ist vor allem das messerscharfe Design, das inspiriert ist von den Langstreckenrennern der VLN: Während der Golf R den Wolf im Schafspelz gibt, spielt der OPC mit den Muskeln wie ein Bodybuilder auf der Bühne. Vorn ein Spoiler scharf wie das Vorgelege eines Rasenmähers, die Motorhaube zerklüftet wie der Panzer eines Drachens, die Flanken weit ausgestellt und am Heck an Flügel, der scheinbar aus der Luftfahrt stammt. Dezent geht anders.

Obwohl dieser Astra erst einmal als Showcar gestylt wurde, ist der Wagen nicht nur ein Schaustück. Ob man wirklich Rennsitze braucht, in die Schmucknähte gesteppt sind, darüber kann man sicher streiten. Und wer es ernst meint mit der Straßenzulassung und der Alltagstauglichkeit, für den wäre ein Überrollkäfig sicher verzichtbar. Doch alle anderen Änderungen sind durchaus sinnvoll. Denn wo Hand an die Karosse gelegt wurde, kommen jetzt Aluminium oder Karbon zu Einsatz – und drücken das Gewicht um mehr als 100 Kilogramm. So sind die Karbon-Räder um insgesamt 20 Kilogramm leichter als solche aus Leichtmetall. Das Kohlefaserdach bringt nur noch 2,6 Kilogramm auf die Waage – im Vergleich zum 9,3 Kilogramm wiegenden Stahldach – und senkt damit auch den Schwerpunkt. Die Kotflügel sind aus Aluminium gefertigt und wiegen pro Stück nur noch 800 Gramm statt der 2,2 Kilogramm schweren Stahlteile. Und natürlich werden auch sämtliche Anbauteile aus Kohlefasern gebacken.

Das dicke Ende: So wird man den Astra wohl am häufigsten sehen - wenn die Kleinserie denn tatsächlich kommt.

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann feiert den Extreme als neues Spitzenmodel der Astra-Familie und attestiert ihm alle Attributen eines Supersportwagens. Nach einer ersten Testfahrt gab er sich begeistert: „Mit diesem Auto zeigen wir die pure Lust am Fahren.“ Wenn die Kunden das genauso sehen und sich diesen Spaß geschätzt 50.000 Euro kosten lassen, wird es nicht beim aufgemöbelten Messemodell nicht bleiben, sondern dann tritt der Wagen in einer Kleinserie auf jeden Fall auch an.


Furioses Finale: So fährt der Ford Focus mit 350 PS

Schwarz und schnell: Die 500 Exemplare des RS500 sind je 265 km/h schnell damit die fixesten Europa-Modelle von Ford bislang.

Der neue Ford Focus steht zwar schon in den Startlöchern, doch bis die nächste Generation des wichtigsten Ford-Modells zum Jahreswechsel in den Handel kommt, geben die Kölner jetzt mit der aktuellen Baureihe noch einmal Vollgas und läuten mit dem Focus RS500 ein furioses Finale ein: Extrem stark, furchterregend schnell, überaus teuer und streng limitiert ist der Wagen der schärfste europäische Ford aller Zeiten – und selbst die Amerikaner können allenfalls mit dem legendären GT40 dagegen halten.

Basis des zum Sommer ausschließlich in bitterbösem Mattschwarz lieferbaren Kraftpaketes ist das Sportmodell RS, das Ford vor zwei Jahren aufgelegte und das bei den Fans überraschend gut ankam. „Ursprünglich hatten wir mal mit 7000 bis 8000 Einheiten gerechnet“, erinnert sich Baureihenchef Gunnar Herrmann. „Doch wenn vor den Sommerferien die RS-Produktion ausläuft, werden es mehr als 11000 Autos sein.“ Um das zu feiern, bedankt sich Ford bei den Fans mit dem RS500, den die Ingenieure zwischen dem Genfer Automobilsalon im März und der Weltpremiere auf der AMI in Leipzig sogar nach Feierabend und am Wochenende fertig entwickelt hatten.

Dabei heraus gekommen ist der stärkste Focus aller Zeiten: Obwohl es dem Fünfzylinder-Turbomotor schon im normalen RS mit 305 PS nun wirklich nicht an Leistung fehlte, legt der 2,5-Liter-Motor noch einmal um 15 Prozent zu und kommt nun auf 350 PS. Gleichzeitig steigt das maximale Drehmoment um weitere 20 auf 460 Nm an. Außerdem haben die Kölner intensiv an der Motorcharakteristik und am Getriebe gefeilt. Lohn der Mühe: Der Motor dreht nun noch schneller hoch, der Turbo baut mehr Druck auf, und der Tritt ins Kreuz trifft den Fahrer nun mit noch mehr Härte.

Natürlich können Porsche-Kunden über einen Sprintwert von 5,6 Sekunden nur schmunzeln, und auch 265 km/h Höchstgeschwindigkeit sind für sie wohl nicht sonderlich imposant. In der Kompaktklasse allerdings fährt der Focus RS500 in einer eigenen Welt. Kein anders Modell ist stärker, keines ist schneller – und keines macht so viel Spaß. Denn wo andere Hochleistungstypen vor Kraft kaum rollen können, setzt der Ford seine Leistung überraschend präzise und souverän in Vortrieb um. Obwohl kein anderen anderes Auto so viel Power auf die Vorderachse bringt, schneidet der Focus scharf, aber sicher, durch Kurven und ist so sauber abgestimmt, dass die ESP-Kontrollleuchte selbst bei scharfer Gangart nur selten aufleuchtet. Die Reifen quietschen, auf dem handlichen Griff des knackigen Sechsganggetriebes bildet sich ein kleiner Schweißfilm, die Kupplung qualmt, aus dem Auspuff Marke „Ofenrohr“ hört man nur ein tiefes Röhren und die bissigen Bremsen haben ordentlich zu tun – aber bevor der Focus die Contenance verliert, geht eher dem Fahrer die Kraft aus. Zumindest so lange der Asphalt schön warm und trocken ist, kennt der Wagen keine Traktionsprobleme: „Nur im Winter und bei Regen muss man etwas vorsichtiger sein“, mahnt Gunnar Herrmann.

Damit man dem RS500 seine Sonderstellung auf den ersten Blick ansehen kann, haben auch die Designer noch einmal nachgelegt. Neben dem speziellen Schriftzug trägt der Kölner Kraftprotz einen mattschwarzen Tarnlack, wie man ihn sonst nur von echten Supersportwagen kennt. Außerdem gibt es schwarze 19-Zoll-Felgen aus denen kess die roten Bremssättel hervor blinzeln. Und innen wurden die strammen Sportsitze jetzt mit feinem Leder überzogen, das sie zudem ein wenig weicher macht. Das wichtigste Extra prangt allerdings auf der Mittelkonsole: Die Metallplakette, mit der handgravierten Seriennummer zwischen 001 und 500.

Dass mit dem Kraftakt auch der Preis im Vergleich zum RS um gut 10.000 Euro klettert und der RS500 nun mit 46.050 Euro die absolute Spitze im Ford-Programm markiert, scheint die Kunden nicht zu stören: Nachdem schon lange vor der Produktionsentscheidung die ersten Blindbestellungen auf dem Tisch lagen, waren die 55 für Deutschland reservierten Exemplare nach der Weltpremiere in Leipzig binnen weniger Stunden verkauft.