Renault Twin’Run: Das Ding mit den eckigen Augen

Böser Blick aus eckigen Augen: Das Gesicht des Rennwagens wird auch beim nächsten Twingo zu sehen sein - nur ohne die vier quadratischen Zusatzscheinwerfer.

Das ist mal ein poppiger Kleinwagen, im dem sich auch Männer gerne sehen lassen würden. Weil am Wochenende in Monaco ein bisschen schneller gefahren wurde als sonst, hat Renault pünktlich zum Grand-Prix im Mittelmeer-Fürstentum einen radikalen Kleinwagen auf die Räder gestellt, und das Auto dann am Rande des Formel-1-Spektakels an der Cote d’Azur vorgestellt.

Der kompakte Renner wiegt weniger als  eine Tonne, ist etwas kürzer als 3,70 Meter – aber dennoch überbordene 320 PS stark. Twin’Run heißt die Studie, die beim Prolog des Rennens eine lärmende Ehrenrunde durch das Fürstentum drehen durfte. Ganz in der Tradition irrwitziger Rennsemmeln wie der R5 Turbo und der Clio V6 welche waren, ist der neue Kleiwagen eine Kraftmaschine, die eigentlich um den fetten Motor herum gebaut worden ist. Das Triebwerk hat sechs Zylinder, 3,5 Liter Hubraum und ist so groß, dass es anstelle der Rückbank in Mittelmotorbauweise montiert wurde. Dazu gibt es nicht viel mehr als zwei Schalensitze, einen Überrollkäfig, ein sequentielles Getriebe und einen Tank, aus dem der Bonsai-Bolide seinen gewaltigen Durst stillen kann.

Die Fahrleistungen stempeln das blau-rot lackierte Auto zur Kanonenkugel. Denn wenn 380 Nm an den 18-Zöllern auf der Hinterachse reißen, schießt der Kraftzweg in 4,5 Sekunden auf Tempo 100 und jagt danach mit 250 Sachen den meisten aufgebretzelten Kompaktwagen davon. GTI-Fahrer dürften angesichts dieses Fegers im Rückspiegel die Augen aus dem Kopf fallen.

Von wegen Knutschkugel: Mit 320 PS und 250 km/h Spitze ist das Renault-Modell eher eine Kanonenkugel.

Ob es so weit kommt? Vorerst ist die Studie lediglich eine Spielerei. Das Auto gehört zu dem Zyklus an Studien, die Renault-Designchef Laurens van den Acker seit seinem Antritt bei der französichen Marke in schöner Regelmäßigkeit ins Rampenlicht fahren lässt. Die Showcars sollen alle Phasen des Lebens abbilden und nach Konzeptautos zu den Themen Liebe, Arbeit und Familie wurde jetzt also tatsächlich ein Modell zum „Spielen“ auf die Räder gestellt.

Allein fürs Spektakel beim Grand-Prix in Monaco war der Wagen aber nicht gedacht. Tatsächlich erkennt man in dem sportlichen Kleinwagen Twin’Run schon eine ziemlich finale Form des nächsten Twingo, der wohl im kommenden Frühjahr auf dem Genfer Salon stehen wird. Auf die dicken Backen, den großen Heckflügel und die flutlichtgleichen Zusatzscheinwerfer wird das Serienauto sicher verzichten müssen. Und auch bei den Fahrleistungen muss man wohl ein paar Abstriche machen. Doch die charmante Frontparte sowie das glatte, elegante Heck mit den Hightech-Rückleuchten unter dem Deckglas der Heckklappe oder die stark nach Fiat 500 ausschauende Silhouette – die wird man ganz sicher wiedersehen. Na dann, au revoir Twin’Run.


McLaren MP4-12C Spider: Sturmfront aus England

 

Eiliger Engländer: bei geschlossenem Dach schafft der Spider 328 km/h, bei offenem Verdeck kaum weniger.

Brachialer Brite: Mit geschlossenem Dach schafft der Spider 328 km/h, bei offenem Verdeck kaum weniger.

Wenn es einer wissen muss, dann McLaren: Ein echter Sportwagen fährt oben ohne – schließlich sitzen auch die Formel-1-Fahrer bei der Arbeit an der frischen Luft. Deshalb erfolgt jetzt für alle Vollgasfreunde mit prallem Konto eine Sturmwarnung aus England. Der McLaren MP4-12C nämlich lupft die Mütze und steht ab dem Jahreswechsel auch als Spider bei den wenigen Händlern. Für einen Aufpreis von gut 20.000 Euro – was den Preis des Wagens auf 231.650 Euro hievt – holt der Rennstall aus Woking damit noch eine Portion mehr Formel-1-Gefühl auf die Straße.

Das versenkbare Hardtop des Karbonrenners kann auch währen der Fahrt bewegt werden. Bis  Tempo 30 funktioniert die Mechanik des Deckels und legt in binnen 17 Sekunden so hinter den beiden Hutzen auf dem Heck ab, dass man den von zwei Turboladern befüllten V8-Motor auch weiterhin durch die kleines Fenster betrachten kann. Auch wenn das Dach geschlossen ist, bietet die Konstruktion einen Vorteil: Dann nämlich lässt sich der Verdeckkasten so öffnen, dass ein zusätzlicher Kofferraum für zwei maßgeschneiderte Taschen mit insgesamt 50 Litern Volumen frei wird. „Damit ist der Spider im Vergleich zum Coupé sogar das praktischere Auto“, sagt McLaren-Sprecher Wayne Bruce. Außerdem haben die Briten, ähnlich wie BMW beim 6er Cabriolet, eine separat versenkbare Heckscheibe eingebaut. Sie dient beim offenen Spider als Windschott und lässt bei geschlossenem Dach auf Wunsch ein wenig Luft ins Auto. Vor allem ist diese Scheibe so etwas wie der Backstage-Pass zum Konzert einer Rockband. Denn das, was der im Heck montierten V8 in den Innenraum schickt, ist Motormusik vom Allerfeinsten: Grollen oder Grölen, Brüllen oder Bollern, Schmatzen oder Schreien, Sägen oder Schreien – die Maschine beherrscht alle Tonarten und der Fahrer wird zum Komponisten und Dirigenten in Personalunion: Mit dem rasend schnellen Doppelkupplungsgetriebe schreibt er die Partitur in sieben Strophen und das Gaspedal wird sozusagen zum Taktstock.

Musikmaschine: Den Soundtrack zu großen Sause spielt ein V8-Motor mit 3,8 LItern Hubraum und 625 PS.

Musikmaschine: Den Soundtrack zu großen Sause spielt ein V8-Motor mit 3,8 LItern Hubraum und 625 PS.

Das ist der Soundtrack zu einem Spektakel, das auf zivilen Straßen seinesgleichen sucht. Mit 625 PS und 630 Nm explodiert der McLaren MP4-12C fast in Beschleunigung. Schneller, als man den sperrigen Namen ausgesprochen hat, erreicht das Auto Tempo 100 (im besten Fall reichen 3,1 Sekunden), nach neun Sekunden zeigt der Tacho bereits 200 Sachen. Und wer mutig den Gasfuß stehen lässt, der lernt, wie es sich anfühlt, wenn einem der Horizont entgegenfliegt. 328 km/h meldet McLaren als Höchstgeschwindigkeit.

Vorher allerdings sollte man die zwei Drehschalter auf der Mittelkonsole betätigen. Nicht “Normal” oder “Sport”, sondern “Track” muss man wählen, wenn man dem McLaren richtig auf den Zahn fühlen will. Der linke der beiden Regler zwingt der Stabilitätskontrolle mehr Toleranz auf, macht die Lenkung scharf wie ein Rasiermesser und trimmt das Fahrwerk so hart, das man sogar Schatten auf der Straße zu spüren glaubt. Mit dem rechten Drehknopf nimmt man Einfluss auf den Antrieb. Die Doppelkupplung wechselt die Gänge jetzt schnell und hart, der Motor dreht weit über 7000 Touren und aus dem Auspuff kommt ein Krawall, gegen den Iron Maiden nach Kindergeburtstag klingen.

Am Steuer nimmt man das alles mehr unterbewusst war. Die Augen blicken konzentriert voraus und auch die anderen Sinne fokussieren vor allem das Ziel, sehr schnell zu fahren. Der Blick sucht die Ideallinie, über den Höcker der Radläufe peilt man die Scheitelpunkte der Kurven an, und mit spielerischer Leichtigkeit prügelt man den Boliden über den Kurs. McLaren-Pilot Lewis Hamilton übrigens hat das Auto gemeinsam mit seinem Teamkollegen Jenson Button abgestimmt. Der alte, aber noch immer aktuelle Porsche Turbo, der Audi R8, der Mercedes SLS Roadster oder der offene Lamborghini Gallardo – alles tolle Autos. Aber gegen diesen Sturm aus dem Vereinigten Königreich sind das nur laue Lüftchen. Mit Ausnahme des  Ferrari 458 kann dem McLaren so schnell keiner das Wasser reichen.


Ferrari F12 Berlinetta: Das Hammer-Gerät aus Maranello

Schnell und schön: Der F12 ist keine brutale Krawallschleuder, sonden ein rasendes Kunstwerk.

Downsizing, Elektro-Antriebs-Euphorie und Geiz ist Geil? Mag ja sein, dass das die bestimmenden Themen im großen Automobilgeschäft sind – aber gewiss nicht für eine Marke wie Ferrari. Wie weit die pfeilschnelle Fiat-Tochter tatsächlich über den Dingen steht, beweisen die Italiener jetzt mit dem neuen Flaggschifs F12 Berlinetta, das nächste Woche in Genf Premiere feiert und vermutlich Anfang 2013 in den Handel kommt: Denn der Nachfolger des 599 GTB sieht mit der endlos langen Haube, den muskulösen Flanken und dem knackigen Heck nicht nur verboten gut aus, sondern er bricht auch unter der Haube alle Rekorde: 740 PS machen ihn zum bislang stärksten Straßenmodell in der Firmengeschichte.

Heißer Hintern: Bei einem Spitzentempo von mehr als 340 km/h wird man den F12 wohl am häufigsten aus dieser Perspektive sehen.

In Fahrt bringt das rassige Coupé aus der Feder von Altmeister Pininfarina zwar derselbe V12-Motor, der am im  Familienmodell FF zum Einsatz kommt. Doch während der 6,3-Liter im Viersitzer vergleichsweise mickrige 660 PS leistet, haben die Italiener jetzt noch einmal 15 Prozent Leistung extra mobilisiert. Außerdem steigt das maximale Drehmoment auf 680 Nm, von denen 90 Prozent bereits ab 2500 Touren an der Hinterachse reißen. Kein Wunder, dass der F12 in nur 3,1 Sekunden auf Tempo 100 schnellt, nach 8,5 Sekunden schon 200 Sachen auf dem Tacho anzeigt und erst jenseits von 340 km/h außer Puste kommt.

Technisch eng mit den Formel-1-Rennwagen verwandt, ist der F12 aber nicht nur auf der Geraden schnell. Ferrari verspricht auch eine herausragende Kurvendynamik. Dafür gibt es neben Karbonbremsen und einem Trans-Axle-Getriebe mit Formel-1-Genen unter anderem ein weiter entwickeltes Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern und eine Karosserie, die knapper geschnitten und leichter konstruiert ist. In jeder Dimension haben die Italiener ein paar Zentimeter gekappt und mit dem neuen Spaceframe aus Aluminium sowie jeder Menge Karbon das Gewicht um 70 auf kaum mehr als 1500 Kilo gedrückt.

Von wegen Sportstudio: Von so einem noblen Arbeitsplatz können die Formel-1-Fahrer bei Ferrari nur träumen.

Außerdem haben sie den 4,62 Meter kurzen und 1,27 Meter flachen Wagen im Windtunnel gründlich glatt geschliffen und ein paar aerodynamische Finessen eingebaut, die einerseits den Anpressdruck erhöhen, andererseits aber den Luftwiderstand senken. Lohn der Feinarbeit: Die Runde auf der Rennstrecke von Fiorano spult der F12 in 1:23 Minuten ab und ist damit schneller als jeder Serien-Ferrari zuvor.

Angenehmer Nebeneffekt von Leichtbau, aerodynamischem Feinschliff und Motor-Optimierung: Der Verbrauch sinkt um 30 Prozent auf 15 Liter. Das dürfte den Kunden allerdings ebenso egal sein wie der Preis, der sicher deutlich über 300.000 Euro liegen wird. Wer Ferrari kennt, der weiß, dass er sich darüber keine Gedanken machen darf: Während die einen noch überlegen und rechnen, haben nämlich die anderen schon das Scheckbuch zur Hand. Vermutlich wird es auch beim F12 Berlinetta sein wie schon so oft: die erste Jahresproduktion ist bereits zum Messedebüt ausverkauft.


McLaren MP4-12C: Formel 1 für die Straße

Nur fliegen ist schöner: Näher kann man der Formel 1 auf der Straße kaum kommen.

Ein neuer automobiler Tiefflieger drängt auf die Überholspur. Knapp 20 Jahre nach dem legendären F1 baut der britische Rennstall McLaren jetzt wieder einen Straßensportwagen. Der Nomenklatur der Formel-1-Renner folgend, hört er auf das Kürzel MP4-12C und steht seit ein paar Wochen in Deutschland für exakt 200.000 Euro bei zunächst vier McLaren-Händlern.

Zeit, diesen sperrigen Namen auszusprechen, bleibt dem Fahrer kaum: Bis man die Buchstaben über die Lippen bekommen hat, zeigt der Tacho schon mehr als 200 km/h und der Horizont kommt einem gefährlich nahe. Denn schärfer, präziser und schneller als der Exot aus England fährt kaum ein anderer Spitzensportler dieser Preisklasse. Und dank Karbonkarosse, aktiver Aerodynamik, adaptivem Fahrwerk und Bremshilfe beim Lenken ist keiner technisch so nah an der Formel 1 wie der Bolide aus Woking. Das sichert McLaren eine Stellung im Wettbewerbsumfeld, die das Unternehmen aus dem Rennbetrieb bestens kennt: die Pole Position.

Glatter Keil: Das Design ist etwas bieder, aber die Fahrlleistungen reißen alles raus.

In Fahrt bringt den Zweisitzer ein Mittelmotor mit acht Zylindern und 3,8 Liter Hubraum, der dank zweier Turbos 600 PS leistet und mit bis zu 600 Nm zur Sache geht. Lässt man die Finger vom Setup für Antrieb und Fahrwerk, gibt sich der Motor handzahm und lammfromm. Man kann den McLaren buchstäblich mit dem kleinen Finger fahren, der V8 dreht kaum über 2000 Touren, die Doppelkupplung wechselt fast unmerklich die Gänge und im Auto ist es flüsterleise. Dauerläufe von Hamburg nach München sind damit fast so entspannt möglich wie in einer sportlichen Limousine.

Flotter Feger: 600 PS, 600 Nm und 330 km/h - so wird der MP4-12C zur Trumpfkarte - nicht nur im Autoquartett.

Doch wehe, man dreht an den beiden Schaltern auf der Mittelkonsole. Im Sport- und erst recht im Track-Modus zeigt der McLaren sein wahres Gesicht. Die Drehzahlen schnellen bis weit in die 8000er, jeder Gangwechsel fühlt sich stark und schnell an wie der Tritt eines Karate-Kämpfers und der Motor brüllt selbst die innere Stimme nieder, die den Fahrer vergebens zur Vernunft mahnt. Zu verführerisch ist die Selbstverständlichkeit, mit der sich die 1,3 Tonnen schwere Karbonflunder in 3,3 Sekunden auf Tempo 100 und in weniger als zehn Sekunden auf 200 km/h katapultieren lässt, zu spektakulär ist die Leichtigkeit, mit der sich der Wagen durch Schikanen wedelt und zu faszinierend die Präzision, mit der er sich an die Ideallinie heftet. Die Formel1-Technik macht die Jagd nach der Bestzeit zum Kinderspiel und weckt in jedem von uns einen kleinen Lewis Hamilton. Und wer genügend Mut hat und eine hinreichend lange Gerade findet, ist mit 330 km/h sogar schneller als mancher Formel-1-Pilot. Dass bei derartigen Spielen die teuren 20-Zoll-Reifen auf der Hinterachse schneller in Rauch aufgehen als später die Zigarre im Drivers Club und der Bordcomputer dann locker mal einen Verbrauch von 20 Litern anzeigt – wenn juckt das schon in dieser Liga. Bei maximal 2000 Autos im Jahr können selbst Klimaschützer gelassen bleiben. Außerdem ist der Wagen mit 11,7 Litern zumindest im Normzyklus vergleichsweise sparsam.

Luxus für Leistungssportler: Ganz so schlicht wie in einem F1-Boliden geht es am Steuer des McLaren nicht zu. Ein bisschen Komfort darf man bei 200.000 Euro schließlich auch erwarten.

So spektakulär die Fahrleistungen und so raffiniert die Technik, so zurückhaltend ist das Design: Nicht dass es ihm an Sportlichkeit mangeln würde, und zumindest die Flügeltüren sorgen vor dem Casino in Monte Carlo oder den Nobelhotels zwischen Moskau und Miami für den richtigen Showeffekt. Doch wo andere Sportwagen dieses Kalibers aggressiv und provozierend wirken, bleibt der Brite höflich und zurückhaltend. Einzig die riesigen Kiemen an der Flanke, die unkonventionellen Endrohre auf Hüfthöhe, der ausklappbare Spoiler vom Format eines Bügelbretts und natürlich und das Fenster zum Motorraum im Heck lassen vermuten, welch’ heißes Herz unter der kühlen Hülle aus lackiertem Karbon schlägt.

Gebaut wird der Zweisitzer am McLaren-Stammsitz in Woking, wo auch der Formel-1-Rennstall und die Entwicklung zu Hause sind. Kurze Wege, ein reger Personalaustausch und gemeinsame Mittagspausen aller Mitarbeiter sollen dafür sorgen, dass der Geist der Rundstrecke auch auf der Landstraße lebendig bleibt. Das merkt man selbst an kleinen Details: Nach den abschließenden Testfahrten von Lewis Hamilton wurde zum Beispiel extra noch einmal der Bezug des Lenkrads modifiziert. Wer dem MP4-12C jetzt ins Steuer greift, hat exakt das gleiche Gefühl in den Fingern wie der Profi in seinem Formel-1-Renner.


Rasante Vision: Fährt die Formel 1 im Jahr 2035 mit Magnetschwebe-Rennern?

Motorsport von Morgen: So stellt sich Harald Belker den Grand Prix in 25 Jahren vor.Gegen Athleten wie Thomas Mann oder Tyler Max ist selbst Sebastian Vettel nur ein Durchschnittsfahrer. Denn wenn Vollgas-Pilot Mann in seinem Rennwagen mal richtig aufs Gas steigt, beschleunigt er in 9,1 Sekunden von 0 auf 300 Sachen und bremst die Fuhre auch wieder bis zum Stillstand ab. Wie das? Pure Phantasie. Mann ist nämlich einer der Stars in der fiktionalen Rennserie „Pulse“, die mit Rennautos ohne Räder, aber mit Magnetschwebetechnik über Kurse jagen, die jede Achterbahn in den Schatten stellen.

Mann rast mit zwei Dutzend Athleten aus aller Herren Länder durch eine virtuelle Welt, die sich der deutsche Designer Harald Belker ausgedacht hat. Belker lebt in Hollywood und hat in den letzten fünf Jahren die Vision „Pulse – the Future of Racing“ entwickelt, der Mann & Co. entsprungen sind. Das Science-Fiction-Spektakel skizziert ein Motorsport-Szenario, das gut 20 Jahre in der Zukunft spielt und auf Fahrzeuge setzt, gegen die aktuelle Formel-1-Boliden aussehen wie Oldtimer.

Magnete statt Motoren: Die Formel-1-Wagen von übermorgen fahren – jedenfalls in der Vision Pulse – wie der Transrapid auf starken Magnetfeldern.

Weil heute der Reifen und seine beschränkte Kraftübertragung der wesentliche limitierende Faktor im Motorsport ist, bleibt das schwarze Rundstück in der wilden Vision aus Hollywood auf der Strecke . Und mit ihm auch gleich der Verbrennungsmotor. Statt auf der Straße fährt die Rennserie von Übermorgen auf Schienen, und statt mit Sprit fährt sie mit Strom: Genau wie der Transrapid rasen die aerodynamisch optimierten Gleiter auf einem Magnetfeld über den Kurs und erreichen dabei Geschwindigkeiten, die nahe an die menschliche Belastungsgrenze kommen.

Das spüren bei Pulse übrigens nicht nur die Rennfahrer, sondern durchaus auch die Zuschauer. Statt mit einem Getränk auf der Tribüne zu sitzen oder zu Hause vor dem Fernseher die Bilder der Cockpitkamera zu verfolgen, sind sie in diesem Szenario mittenmang dabei: denn in riesigen Simulatoren fahren sie die Rennen einfach selber mit.

Theorie statt Praxis: Noch gibt es Belkers Rennsport-Szenario nur als Buch. Aber bald soll es Videos, Computerspiele und vielleicht sogar einen Film darüber geben. Und dann? Ist zumindest Harald Belker ein reicher Mann.

Die sollen in der Vision von Motorsportfan Belker viel spannender sein als die Formel 1 heute. Nicht mehr Taktik und Teamorders, sondern wieder fahrerischer Mut und optimale Technik entscheiden über den Sieg – und zwar nicht in der Boxengasse, sondern auf der Strecke. Dafür übernimmt das Regelement zahlreiche Elemente aus anderen Sportarten: Von der Tour de France zum Beispiel ist eine Teamwertung entlehnt, und aus der Rallye-WM wurde die Idee mit den Sonderprüfungen, für die es in den Rennstrecken besonders halsbrecherische Streckenabschnitte gibt, auf Pulse übertragen.

Hinter der virtuellen Welt steht der aus Deutschland nach Los Angeles ausgewanderte Autodesigner Harald Belker, der nach Zwischenstopps bei Porsche und Mercedes seit knapp zehn Jahren für die Hollywood-Studios arbeitet und das „Transportation-Design“ für Filme wie “Spiderman” oder “Minority Report” macht. Dafür entwirft er Raumgleiter, futuristische Verkehrswelten oder Hochgeschwindigkeitszüge und vor allem Autos – bis hin zum Batmobil. So ein Auftrag sei zwar der Traum jedes Designers, sagt Belker. Doch selbst wenn man das berühmteste Filmauto der Welt zeichnet, reicht es am Ende doch nur für eine Fußnote im Abspann. Deshalb hat er begonnen, eine eigene Welt zu entwerfen und die unter dem eigenen Namen publik zu machen.

Bislang gibt es die virtuelle Raserei allerdings nur auf dem Rechner des Künstlers und in einem kürzlich erschienenen Buch. Das rief bereits das Interesse von Medienschaffenden hervor: Mit der BBC verhandelt Belker derzeit über eine Serie kurzer Videos, es laufen Planungen für Pulse-Spielwaren und ein Pulse-Computerspiel, und mit etwas Glück wird für den Hollywood-Mann danach auch der Traum vom eigenen Kinofilm wahr. Nur dass die Magnet-Gleiter irgendwann tatsächlich einmal über Kurse in Berlin, Las Vegas oder Shanghai schießen, darauf wagt selbst ihr Schöpfer nicht zu hoffen. Gänzlich ausschließen will Belker das natürlich trotzdem nicht. Immerhin war auch das Mobiltelefon mal eine Erfindung aus einem Science-Fiction-Film. Und weil der Pulse-Macher nicht nur Designer ist, sondern auch ein Ingenieursstudium absolviert hat, hat er die Grenzen der Physik bei seinem Projekt nicht vollends außer acht gelassen. Belker: „Gut möglich, dass etwas wie Pulse möglich wäre.”


Lotus T 125: Formel-1-Technik für 25 Vollgas-Millionäre

Lotus T 125: Entwickelt als Formel-1-Prototyp, wird das Rennauto jetzt in einer Auflage von 25 Exemplaren gebaut.

Der britische Sportwagenhersteller Lotus baut einen Formel-1-Rennwagen für Jedermann – na ja, tatsächlich für einen exklusiven Zirkel sehr wohlhabender Vollgas-Fans, denn hergestellt werden vom Modell T 125 lediglich 25 Exemplare, und kosten soll ein Auto rund eine Million Euro. Beim Concours d’Elegance in Pebble Beach hat der Autobauer aus Hethel den 650 PS starken Boliden vorgestellt, der unter anderem mit einem Monochoque aus Kohlefaser und Keramik-Komposite-Bremsen vorfährt.

Während es bei einem wirklichen Formel-1-Renner hilfreich ist, beim Starten mehrere Mechaniker in der Nähe zu haben, lässt sich der Kundenrenner T 125 auch ohne Boxenmannschaft starten und am Laufen halten kann. Der Starterknopf im Cockpit, mit dem der 3,5-Liter-V8-Rennmotor zum Leben erweckt wird, ist allerdings das einzige Zugeständnis an so etwas wie Alltagstauglichkeit. Eine Straßenzulassung erhält der Rennwagen natürlich nicht.

Nur für die Piste: Der Lotus T 125 ist ein besonderes Auto und braucht auch eine besondere Umgebung, um sich entfalten zu können.

Es würde vermutlich auch keinen Spaß machen, mit dem lediglich 650 Kilogramm schweren Einsitzer einfach so im Straßenverkehr mitzumischen. Der Motor dreht bis deutlich über 10.000 Touren, das maximale Drehmoment liegt bei 450 Nm und – obgleich es noch keine offiziellen Fahrdaten von Lotus gibt – dürfte der Wagen in rund drei Sekunden von 0 auf Tempo 100 schießen sowie, falls die Gerade lang genug ist, auch locker 300 km/h erreichen.

Damit die erlauchten Kunden mit dem Kraftbolzen auch angemessen umgehen, gibt es zum Auto mehrere Fahreinweisungen und Renntrainings, bei denen nach Lotus-Auskunft auch die aktuellen Formel-1-Fahrer des Teams, Jarno Trulli und Heikki Kovalainen, mit von der Partie sein werden. Zudem bietet Lotus den T-125-Käufern die Beratung durch einen Ernährungsexperten an, denn wer den Kräften standhalten möchte, die in einem Formel-1-Renner am Limit auf den Körper wirken, sollte durchtrainiert und wirklich fit sein.