Mercedes GT: Schwabenpfeil statt Flügeltürer

Schaulaufen in Tarnfolie: Jetzt sind ersten Erlkönige des SLS-Nachfolgers den Fotografen vors Objektiv gerast.

Gerüchte gab es schon lange, doch jetzt sind die ersten Prototypen aufgetaucht: Weil der Mercedes SLS allmählich auf die Zielgerade fährt, bereitet Werkstuner AMG den Start eines neuen Sportwagen vor. Der basiert zwar auf der gleichen Leichtbaukonstruktion wie das aktuelle Modell und erhält erneut einen weit nach hinten gerückten V8-Motor. Doch wenn stimmt, was die PS-Paparazzi in Affalterbach ausgegraben haben, wird er weder Flügeltüren bekommen, noch – wie der aktuelle SLS – in der Ferrari-Liga spielen. Stattdessen soll der intern C190 genannte Zweisitzer zum Porsche-Killer werden und als Mercedes GT für Preise knapp oberhalb von 100.000 Euro ab Ende 2015 oder Anfang 2016 dem Evergreen 911 das Sportwagenleben schwer machen.

Das passt zu einer Aussage von AMG-Chef Ola Källenius bei der Premiere des SLS Black Series, die beim Werkstuner als der krönende Abschluss einer Baureihe gilt. „Wir haben mit unserem ersten eigenen Sportwagen Blut geleckt“, sagte der AMG-Lenker und versprach, „das damit eroberte Terrain werden wir freiwillig nicht mehr räumen und mit der Transaxle-Architektur des SLS auch in Zukunft noch einiges anstellen.“

Überflieger mit Bodenhaftung: Diesmal gibt es keine Flügeltüren für den Mercedes-AMG-Sportwagen.

Fasst man die Indiskretionen aus dem Werk und aktuelle Medienberichte zusammen, wird das, was Källenius so „anstellen“ möchte, deutlich kürzer und rund 150 Kilo leichter als der SLS. Und auch unter der Haube rüsten die Schwaben ab. Statt des hochdrehenden Saugmotors mit 6,2 Liter Hubraum und maximal 631 PS bekommt der Nachfolger wohl als erstes AMG-Modell den neuen, vier Liter großen V8-Motor aus Affalterbach, der danach sukzessive in allen anderen Baureihen von der C- bis zur S-Klasse Einzug halten wird: Was diesem Triebwerk mit der internen Bezeichnung “M 177″ an Leistung fehlt, kompensieren die automobilen Bodybuilder mit zwei Turboladern. Die blasen dem Achtzylinder schon für das GT-Basismodell angeblich 485 PS ein. In einer verschärften Variante sollen es gar um 550 PS sein, und für das Modell Black Series ist die Rede von knapp 600 PS.

Während es also angeblich mindestens drei Motorvarianten für den neuen Spitzensportler aus Schwaben geben wird, ist Mercedes bei den Karosserievarianten sparsamer als zuletzt. Eine offene Version sei nicht geplant, melden Insider. Und auch an den bei AMG mittlerweile salonfähigen Allradantrieb sei nicht gedacht.

Zwar nähert sich mit der ersten Ausfahrt der GT-Prototypen das aktuelle Kapitel des Flügeltürers seinem Ende, doch noch bleibt den reichen Rasern genügend Zeit für eine SLS-Bestellung. „Wer noch einen SLS haben will, der bekommt auch noch einen“, sagt ein Mercedes-Manager.


Mercedes SLS Black Series: Der Überflieger

 

Gelb und giftig: Schwarz ist bei diesem SLS "Black Series" nur die Seele.

Spezielles Tuning für den Mercedes SLS eigentlich nicht nötig, doch die Schwaben sehen das offenbar anders und bringen jetzt den SLS „Black Series“ auf den Weg. Mit den Veränderungen verleihen die Macher ihrem Silberpfeil nun endgültig Flügel: 631 PS, Karbon bis zum Abwinken und ein Design wie ein Kampfjet machen den Flügeltürer zum Überflieger, der Rennsportatmosphäre auf die Autobahn zaubern soll. Ein bisschen allerdings müssen sich reiche Raser noch gedulden: Gezeigt wird der schärfste Benz des aktuellen Modellprogramms zwar schon Ende des Monats auf der Autoshow in Los Angeles, doch in den Handel kommt der Wagen erst im kommenden Sommer.

Inspiriert vom GT3-Rennwagen hat AMG bei der Aufrüstung des Flügeltürers alle Register gezogen. So bauen die Mercedes-Haustuner nicht nur einen stärkeren Motor ein, sondern sie haben durch den vermehrten Einsatz von Karbon 70 Kilo gespart, die Aerodynamik und den Abtrieb verbessert, das Fahrwerk verschärft, die Bremsen bissiger gemacht und bei der Doppelkupplungsautomatik noch einen Zahn zugelegt.

Das Ergebnis ist ein Sportwagen, der nach den Worten von AMG-Chef Ola Källenius wie kein anderer für den Techniktransfer von der Rennstrecke auf die Straße stehe und „Driving Performance in Reinkultur“ biete. Der Black Series ist der dynamischste Flügeltürer aller Zeiten und damit wie geschaffen für schnelle Runden und, um es in aufgeblasenem Marketing-Deutsch zu sagen, für hoch-emotionale Fahrerlebnisse.

Leistungsspritze: Nach der Kraftkur kommt der V8-Motor jetzt auf 631 PS.

Als Triebwerk dient dem Überflieger der bekannte 6,2-Liter-V8, der in der Leistung um knapp zehn Prozent zugelegt hat und jetzt auf 631 PS kommt. Weil zugleich das Gewicht unter 1550 Kilogramm sinkt, muss jede Pferdestärke nicht einmal mehr 2,5 Kilo bewegen. Das garantiert eine schier explosive Kraftentfaltung und faszinierende Beschleunigungswerte. So reißen die 635 Nm Drehmoment des Aggregats den Flügeltürer in 3,6 Sekunden auf Tempo 100 und ermöglichen so viel Speed, das Mercedes bei 315 km/h sicherheitshalber die Reißleine zieht. Schneller darf das Auto nicht fahren.

Damit jeder gleich auf Anhieb sieht, was für ein Auto-Kaliber da von hinten heran stürmt, hat AMG auch das Design überarbeitet: Die Kotflügel sind weiter ausgestellt, Schweller, Splitter und Spoiler aus Karbon künden von der Nähe zum Rennsport und für den geregelten Sauerstoffhaushalt des Spitzensportlers wurden jede Menge Luftlöcher ins Blech geschnitten. Dazu gibt’s verdunkelte Scheinwerfer für den bösen Blick und eine Heckansicht, die man so schnell nicht mehr vergesst – selbst wenn der SLS nach ein paar Sekunden schon wieder aus dem Blick ist.

Wie schon bei den vier bisherigen Black Series-Modellen auf Basis von SLK 55 (2006), CLK 63 (2007), SL 65 (2008) und C 63 Coupé (2011) wird das rasende Vergnügen auch beim SLS einen hoffenden Preis haben. Die exakte Summe will Mercedes zwar erst in einigen Wochen verraten, doch braucht es nicht viel Phantasie für deren schwindelerregende Höhe: Wenn schon der vergleichsweise zahme SLS GT mit knapp über 200.000 Euro in der Liste steht, wird es den Extremstürmer kaum unter 250.000 Euro geben.


Cigarette-Boot inspired by AMG: Dieser Mercedes macht sogar den Flügeltürer nass

Silberfisch statt Silberpfeil: Das Cigarette-Boot nutzt Farben und Design der Mercedes-Tochter AMG.

Es war so etwas wie Liebe auf den ersten Blick. Seit Skip Braver zum ersten Mal den Mercedes SLS gesehen hatte, wusste er: „Das wird mein nächstes Auto.“ Das mag schon vielen Besserverdienern mit schwerem Gasfuß so ergangen sein. Doch weil Braver nicht irgendein reicher Rentner aus Florida ist, sondern ihm die berühmte Cigarette-Weft in Miami gehört, hat er sich etwas Besonderes ausgedacht. Als Zeichen seiner Begeisterung für den Flügeltürer ließ er eines seiner Speedboote im AMG-Style umbauen und legte so den vielleicht schärfsten Silberfpeil aller Zeiten auf Kiel.

Im originalen Alubeam-Ton von AMG lackiert, funkelt das Speedboat wie ein Diamant in der Sonne. Es ist flach und schmal und schier unendlich lang: 14 Meter misst es von Bug bis Heck, das ist fast so viel wie ein Lkw vom Typ Actros. Für die Passagiere bietet das Boot allerdings vergleichsweise wenig Platz: Fünf große, in weißem AMG-Leder gepolsterte Sitze sind alles, was an Bord geboten wird. Vorn im Bug gibt es noch eine winzige Kajüte. „Aber wer will bei Vollgas schon in diese schmale Röhre klettern“, fragt Braver und lässt die wasserdichte Tür schnell wieder zugleiten. Das gesamte Heck des Bootes nehmen die beiden Motoren ein, von denen jeder fast so groß ist wie ein ganzer Smart.

Am liebsten hätte Braver dort die Achtzylinder-Aggregate aus dem SLS untergebracht. Aber die 6,2-Liter-Motoren aus Affalterbach zu tunen und dann auch noch hochseefest zu machen, das hätte den Kostenrahmen gesprengt. Also brüllen unter er hydraulischen Haube zwei V8-Maschinen von Mercury. Jede hat rund neun Liter Hubraum, wiegt 800 Kilogramm und kommt auf unglaubliche 1350 PS. Zusammen hat das Boot so viel Leistung wie fünf Flügeltürer. Kein Wunder, dass der Racer bei Vollgas das Meer schier zum Kochen bringt und umgerechnet 235 Liter auf 100 Kilometer verbraucht. Dagegen ist der SLS (13,2 l/100 km) ein echter Knauser.

Kraftakt: 2700 PS treiben das Speedboot auf über 200 km/h.

Halb steht man, halb sitzt man hinter dem Steuerrad. Der Rücken lehnt an feinen Lederpolstern, der Blick schweift über Instrumente, die an den SLS erinnern, die Boxen der 100.000 Dollar teuren Musikanlage sehen aus wie die Felgen des Flügeltürers und in der zweiten Reihe gibt es drei belederte Schalensitze, die jeden Sportwagen schmücken würden. Nur sind sie viel dicker gepolstert, und davor gibt es stabile Haltegriffe.

Warum? Das merkt man, sobald der Skipper die beiden Schubregler nach vorne schiebt und der Silberfisch wie ein Torpedo durchs Wasser schneidet. Ein infernalisches Brüllen in den Ohren, die Gischt im Gesicht und den Sturm in den Haaren reitet man mit dem AMG-Boot über die Wellen. Dagegen ist jede Achterbahn auf dem Rummeplatz ein Kinderkarussel. Von 0 auf 100 macht das Cigarette-Boat den Flügeltürer buchstäblich nass. Nur bei Vollgas hat das Auto die Nase vorn: Während auf der Straße 317 km/h drin sind, ist auf dem Wasser bei 220 km/h Schluss, und schon da fühlt sich der Sturz in ein Wellental an wie ein Sprung aus dem dritten Stock. Ein Wunder, dass der Rumpf aus Karbon und Fiberglas das überhaupt aushält.

Teure Triebwerke: Jeder der beiden V8-Motoren im Heck kostet glatt zweimal soviel wie ein Mercedes SLS.

So nahe sich das Rennboot und der Flügeltürer in Auftritt und Fahrdynamik sind, so weit liegen sie beim Preis auseinander: Für einen SLS bekommt man nicht einmal einen halben Cigarette-Motor, rechnet Braver vor. Los geht es mit den Booten aus seiner Werft bei etwa einer Million Dollar. Aber auf einem Markt, auf dem die Kunden schon mal 100.000 Dollar allein für eine Stereoanlage ausgeben, sind die Preise nach oben offen. Das AMG-Boot ist ein Einzelstück und erst einmal nicht zu verkaufen, sagt Braver. „Und falls doch – es gibt schon jede Menge Interessenten.“


Ciento Once: Ein Traum von einem Supersportwagen

Mercedes-C111-Epigone: Ciento Once heißt das Auto, dass die Tuningfirma GWA aus San Antonio plant.

Den kenn’ ich doch? Genau, irgendwo hat man dieses Auto schon einmal gesehen. Das Gefühl stimmt – und auch wieder nicht, denn der silberfarbige Sportwagen mit dem Mercedes-Stern am Bug ist derzeit noch eine Vision – und zwar die eines Remakes des legendären Mercedes-Experimentalautos C 111 aus dem Jahr 1969.

Damals enthüllten die Schwaben einen orangefarbenen Keil mit Flügeltüren, der die Autowelt auf Anhieb faszinierte. Wegen seines Designs, mehr noch aber wegen der Antriebstechnik, denn im Heck des originalen C 111 steckte ein Dreischeiben-Wankelmotor mit mit 258 PS. In einer zweiten Version des Konzept-Sportwagens verbaute Mercedes gar einen Vierscheiben-Wankelmotor mit 350 PS Leistung, der bis zu 300 km/h schnell war. 1976 schließlich wurde eines der insgesamt zwölf produzierten C 111-Modelle mit einem Fünfzylinder-Turbodiesel ausgerüstet, um auf dem Hochgeschwindigkeitskurs im italienischen Nardo reihenweise Diesel-Weltrekorde aufzustellen. Eine Serienfertigung jedoch erlebte das Modell C 111 nie.

Jetzt plant Arturo Alonos, Chef des texanischen Mercedes-Tuners GWA aus San Antonio genau dies. Er will quasi den C 111 reanimieren, oder zumindest dessen Formensprache. Der Name des künftigen Wagens, der derzeit nur als Projekt im Computer existiert, lautet Ciento Once – spanisch für einhundertelf.

Traum vom Fliegen: Wie das große Vorbild Mercedes C 111 soll auch der Ciento Once Flügeltüren bekommen.

Optisch ähnelt der Wagen mit Gitterrohrrahmen und Aluminiumkarosserie stark dem Original von 1969. Neu ist allerdings ein ausfahrbarer Spoiler am Heck – und die Technik. Für Vortrieb soll ein V12-Motor von Mercedes-AMG mit 408 PS sorgen, Komponenten wie die Bremsanlage oder das Fahrwerk stammen ebenfalls aus Modellen des Stuttgarter Herstellers. So jedenfalls der Plan. Im Innenraum herrscht der Stil der siebziger Jahre vor – mit einer spartanisch-sportlichen Einrichtung und einem lässigen Karo-Muster auf den Bezügen der Karbonsitze.

Ob das Auto je gebaut wird, ist völlig offen. Offenbar harrt Arturo Alonso nun erst einmal der Dinge und wartet, ob und wie viele Millionäre sich bei ihm melden mit dem dringenden Wunsch, ein Auto wie den Ciento Once zu besitzen. Der Wagen selbst dürfte ziemlich teuer werden. Und ob er wirklich einen Mercedes-Stern auf der Nase tragen würde, ist wohl auch fraglich. Denn wenn es um Markenrechte geht, kennen Autohersteller keine Ausnahmen.


Mercedes SLS AMG E-Cell: Flügeltürer unter Strom

Grell und schnell: Der elektrische Flügeltürer schafft ein Spitzentempo von 250 km/h.

Er ist grell, schnell und sauber. Kaum hat Mercedes AMG den SLS auf die Straße gebracht, schicken die Schwaben einen elektrischen Flügeltürer hinterer. Allerdings vorerst nur ein Einzelstück, erst 2013 soll es das Auto zu kaufen geben. Doch über den Preis wollen die Entwickler lieber noch nicht reden, weil der sich nach aktuellem Stand wahrscheinlich mindestens doppelt so hoch wie der des konventionell angetriebenen Sportwagens sein müsste, wenn Mercedes Geld mit dem Auto verdienen will. Doch nach dem Erfolg des Nischenmodells Tesla Roadster und dem Trara, das Audi um den Elektro-Prototyen E-tron veranstaltet, will Mercedes AMG nicht länger hinten anstehen und bat zur Testfahrt mit dem elektrischen Prototypen.

Lackiert in der fluoreszierenden Farbe “Lumilectric” und rasant wie es sich für einen Supersportwagen gehört, jagt der Flügeltürer wie ein Blitz im Gewitterhimmel durch den Nieselregen an der grauen norwegischen Atlantikküste und beweist mit jedem Meter, dass Autofahrern auch in der Zeit nach dem Ölverbrennen nach Spaß machen könnte.

Denn auf Faszination muss bei diesem E-Auto keiner verzichten. Projektleiter Jan Feustel: „Wir haben uns vorgenommen, mit diesem Auto das Thema Supersportwagen neu zu definieren.“ Dafür stehen vier Elektromotoren nahe den Rädern bereit, die zusammen auf 533 PS und 880 Nm kommen. Ebenso neue Möglichkeiten in Sachen Fahrdynamik, die mit dem Elektrokonzept einhergehen: Allradantrieb, variable Drehmomentverteilung für jedes Rad und eine Rekuperationsbremse, die sich wie Zurückschalten anfühlt – mit solchen Finessen wollen die Schwaben die bisherigen Erwartungen an ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug neu definieren.

Sauberes Kraftpaket: Vier Elektromotoren liefern 533 PS und 880 Nm. Damit sprintet der SLS in vier Sekunden auf Tempo 100.Das Fahrgefühl ist tatsächlich eindrucksvoll. Dass Elektroautos einen starken Antritt haben und schnell beschleunigen können, ist mittlerweile bekannt. Doch katapultiert der SLS den Fahrer in eine ganz andere Liga: Vier Sekunden für den Sprint auf Tempo 100, elf Sekunden bis 200 km/h und ein Limit von 250 Sachen – da bleiben die meisten anderen Stromer auf der Strecke.

Doch ist es ist nicht nur die Längsbeschleunigung, die den SLS E-Cell zum Faszinosum macht. Selbst wenn die Lenkung noch ungewohnt ist und sich die 300 Kilo Mehrgewicht vor allem in Kurven nicht wegdiskutieren lassen, ist der Batterie-Bolide ohne Zweifel der sportlichste und bislang ausgereifteste Stromer. Und so dauert die Testfahrt keine fünf Minuten, sondern mehr als eine Stunde. Und selbst nach 80 Kilometern auf einsamen Landstraßen zeigt die Ladeskala der Batterie noch eine Energiereserve von mehr als 50 Prozent.

Eindrucksvoll wie die Beschleunigung ist die das Bremsen. Die Keramikscheiben sind nicht sonderlich feinfühlig, und lange bevor man tatsächlich aufs Pedal tritt, kann man den Wagen mit Tasten am Lenkrad verzögern. Mit ihnen lässt sich der Grad der Rekuperation bestimmen. So wird der Motor zum Generator und produziert während der Fahrt Strom.

Neben dieser Art von Schaltwippen gibt es eine so genannte AMG Drive Unit auf dem Mitteltunnel. Die besteht aus drei einfachen Druckknöpfen für Parken, Vorwärts- und Rückwärtsfahren. Zudem können vier verschiedene Performance-Stufen vorgewählt werden. C steht für City und Comfort. Da wird der SLS zum Cruiser, rollt mit 40 Prozent der Leistung und fährt maximal 120 km/h – ist aber besonders sanft unterwegs und hat die größte Reichweite. Am anderen Ende der Skala gibt es einen Rennmodus, bei dem alles auf Volldampf programmiert ist.

Zisch und weg: Kaum fällt ein Schatten aufs Fahrpedal, jagt der SLS davon als würde Scotty ihn beamen.

Während diese Elemente schon aus dem konventionellen SLS vertraut sind, haben die Entwickler bei der Instrumentierung ihren Spieltrieb ausgelebt: Die Mittelkonsole sieht jetzt nach Zukunft aus, weil die billige Bedieneinheit aus der C-Klasse einem modernen Touchscreen im Stile eines Apple iPad gewichen ist. Und auch im Blickfeld des Fahrers sieht es anders aus. Wo beim normalen SLS noch echte Zeiger durch klassische Rundinstrumente rotieren, gibt es hier Bildschirme mit fast hypnotischer Wirkung. Denn im Tacho dreht sich die Skala kreisweise um einen festen Zeiger. Und dort, wo sonst der Drehzahlmesser ist, gibt es jetzt eine Leistungsanzeige für den Ladestand der Batterie und den Energiefluss beim Bremsen und Rekuperieren.

Statt eines Tanks hat der elektrische SLS mehrere hundert Lithium-Ionen-Zellen an Bord, die in sechs Paketen gebündelt sind. Je zwei davon sind vorn und hinten unter der Haube , zwei im Mitteltunnel untergebracht. So bleibt die Gewichtsverteilung in der Balance und die Karosseriestruktur muss nicht verändert werden.

Die Fahrleistungen liegen nahezu auf dem Niveau des 571 PS starken Benziners. Und den Sound bewertet Projektleiter Feustel als ähnlich extrem wie bei einem SL 63 „nur eben am anderen Ende der Skala“. Einzig bei der Reichweite kann es der Stromer mit den anderen AMGs noch nicht aufnehmen. Doch die insgesamt 324 Zellen mit 40 Amperestunden und 48 Kilowattstunden Kapazität haben immerhin genügend Saft für 150 bis 180 Kilometer. Danach muss der Flügeltürer für acht Stunden an die Steckdose.

Dass AMG kaum mehr als ein halbes Jahr nach der Ankündigung des Strom-Sportlers einen derart ausgereiften Prototypen vorzeigen kann, hat einen einfachen Grund. „Wir haben diese Variante von Anfang an mit eingeplant und den Flügeltürer entsprechend konzipiert“, sagt Feustel. Um so schwerer wird jetzt die Geduldsprobe für all jene AMG-Kunden, die gerne einen solchen Elektro-Sportwagen bewegen würden. Projektleiter Feustel vertröstet sie: „Für den Feinschliff brauchen wir noch zwei Jahre. Vor 2013 wird der SLS E-Cell nicht auf den Markt kommen.“