Koleos statt Kodiaq – Mit seinem neuen SUV-Flaggschiff geht Renault auf Bärenjagd

In der ersten Generation war er nur ein schrulliger Exot. Doch jetzt, wo alle Welt nach großen SUV zum kleinen Preis schreit, erhofft sich auch Renault mehr Chancen für seine Koleos. Nicht umsonst haben die Franzosen das Flaggschiff der mittlerweile relativ stattlichen CrossOver-Familie zum Generationswechsel ordentlich herausgeputzt und dabei auch noch kräftig in die Länge gezogen. Wenn der Allradler am 24. Juni zu Preisen ab 30.900 Euro in den Handel kommt, zielt er deshalb nun vor allem auf Konkurrenten wie den Kia Sorento, den Hyundai Santa Fe und natürlich den Skoda Kodiaq und macht gegen diese Stammspieler gar keine so schlechte Figur.

Denn mit seinen riesigen Leuchtsicheln neben den LED-Scheinwerfern, den charismatischen Rückleuchten und dem fast schon teutonisch präzisen Design sieht die zweite Auflage des Koleos nicht nur deutlich besser aus bisher. Sondern der Wagen bietet bei nun 4,67 Metern Länge und 2,71 Metern Radstand auch reichlich Platz auf allen Plätzen, hat mit 498 bis 1 706 Litern Fassungsvermögen einen großzügigen Kofferraum, den man nun auch mit einem angedeuteten Fußkick elektrisch öffnen kann, und wie man es von Renault kennt jede Menge Ablagen. Und vor allem verwöhnt er mit einem erhabenen Fahrgefühl, wie es man es im SUV zu schätzen weiß.

Man sitzt auf kuschelweichen und natürlich klimatisierten Sesseln, die Kopfstütze legt sich wie ein Kragen um den Nacken und hat sogar eine eigene Heizung, der Tempomat hält den Abstand zum Vordermann und wer im dichten Verkehr den Überblick zu verlieren droht, dem helfen Spurhalteassistent und Totwinkel-Kontrolle bei der Orientierung.

Dazu gibt es für ein Auto, das in Korea gebaut wird und deshalb aus dem Mutterland der Smartphones zwar überraschend wenig USB-Ladebuchsen, dafür aber ein zumindest teilweise animiertes Display, eine wunderbar verspielte Ambiente-Beleuchtung in den schrillsten Farben und auf dem wie in Espace & Co senkrecht montierten Touchscreen des Infotainments eine Navigationsgrafik, die in Brillanz und Präzision kaum zu toppen ist.

Technisch eng verwandt mit dem Nissan X-Trail, fährt der Koleos in der Topversion für 35 150 Euro aufwärts mit einem 2,0 Litern großen Diesle von 177 PS und 380 Nm, der immer mit Allrad und auf Wunsch auch mit der leidigen CVT-Automatik der japanischen Schwester kombiniert ist. Die verkürzt zwar den Sprintwert auf 9,5 Sekunden und schafft 201 km/h, sägt aber wie alle stufenlosen Getriebe unnötig an den Nerven der Passagiere und arbeitet so wirkungsvoll gegen die Entspannung, die der Koleos sonst so lustvoll predigt. Und mit ihrem Normwert von 5,8 Litern verbraucht sie auch noch zehn Prozent mehr als der Schalter.

Alternativ dazu gibt es noch einen 1,6-Liter-Diesel mit 130 PS und 320 Nm, der nur die Vorderräder antreibt und ausschließlich von Hand geschaltet wird. Er braucht von 0 auf 100 dann schon 11,4 Sekunden, schafft nur 185 km/h, braucht dafür aber auch nur 4,6 Liter.

In Form und Format deutlich aufgewertet, bei Assistenz, Ausstattung und Infotainment auf der Höhe der Zeit, entspannt zu fahren und vernünftig eingepreist – so könnte es im zweiten Anlauf für den Koleos tatsächlich klappen. Und wer zur Konkurrenz aus Fernost tatsächlich die zwei Notsitze in der dritten Reihe vermisst, dem bieten die Franzosen ja reichlich Alternativen mit mehr Raum – nicht umsonst sehen auch Grand Scénic und Espace mittlerweile aus wie Geländewagen.