Bitte recht böse: Zwei Monster-SUV stürmen nach Genf

Cayenne im Kampfanzug: Mit auffälligem Karbon-Ornat macht Mansory den Stuttgarter Geländewagen zum düsteren Geschoss für die linke Spur.

Der Autosalon in Genf trägt grün – aber natürlich nicht durchgängig. Auch wenn diverse Hersteller Ökokutschen auf die Messe stellen, ihr Heil in Elektrofahrzeugen suchen und sich öffentlichkeitswirksam um den CO2-Ausstoß sogen – echte Autos sehen anders aus. Zumindest in den Augen der Tuner. Und weil die UN-Metropole Genf die zweite Heimat für hunderte millionenschwerer Araber und neureicher Russen ist, stehen auf der Messe auch stets Modell, die nach wie vor dem klassischen PS-Wettrüsten verpflichtet sind. Dazu stellen sie Otto-Normalinteressenten oft auf eine harte Geschmacksprobe – das Motto dieser Karren lautet aggressiv, breit, brachial.

Das vermutlich dickste Ding dieses Salons hat Kourosh Mansory am Start. Der Iraner, der seit 30 Jahren in Deutschland lebt und immer wieder mit bis zur Unkenntlichkeit verbastelten Rolls-Royce oder Ferrari von sich reden macht, hat sich mit seinem Schweizer Tochterunternehmen diesmal des Porsche Cayenne angenommen. Während die Schwaben beim Generationswechsel das Modell ein wenig abgespeckt und den SUV etwas schlanker gezeichnet haben, wird er bei Mansory zum Testosteron-geblähten Monster-SUV. Dicke Karbonplanken, ein Kühlermaul wie ein aufgerissner Haifischschlund, Schwellerleisten wie beim Bodybuilding und ein Diffusor wie eine Murmelbahn machen den Cayenne um Extrem-SUV, dem alle Blicke sicher sind – egal ob vor Mitleid oder Missgunst.

Natürlich bleibt es nicht bei der Karosserie im Kampfanzug-Stil. Sondern auch innen hat Mansory jeden freien Quadratzentimeter mit Karbon ausgelegt, das Leder dicker aufgepolstert und die Nähte farblich betont.

Zwar wird der Mansory-Cayenne zumeist im Schritttempo auf den Ufer-Boulevards des Genfer Sees promenieren, den Hügel zum Casino von Monte Carlo hinauf rollen oder durch die Hochhausschluchten von Dubai kreuzen. Doch falls ein Emir in Eile doch mal Gas geben möchte oder ein Oligarch auf Abwegen der Polizei entfliehen muss, soll es an Power nicht mangeln: Mit neuer Elektronik, größeren Turbo und weniger Gegendruck im Sportauspuff steigert Mansory die Leistung des 4,8 Liter großen V8-Motors von 500 auf 690 PS. Den Sprint auf 100 schafft der Kaventsmann so in 4,4 Sekunden, und wo dem Serienmodell bei 278 km/h die Puste ausgeht, ist für den Mansory-Cayenne erst bei 300 Sachen Schluss.

Böser Blick: Mit dem Invader L60 hat der Tuning-Wahn nun zum ersten Mal auch die Toyota-Marke Lexus erwischt.

Bei Porsche ist man solche Umbauten schon gewöhnt und hat eine gewisse Toleranz für den schlechten Geschmack der reichen Schnellfahrer entwickelt. Doch in Genf muss sich nun erstmals auch Lexus einer solchen Prüfung stellen. Denn aus Tokio hat sich ein Tuner mit dem bezeichnenden Namen „Invader“ angemeldet, der das in Europa sonst gar nicht angebotene Lexus-SUV-Modell LX570 zum potenten Prunkwagen aufrüstet. Invader, das heißt Eindringling, und genau so sieht der Geländewagen auch aus: Aggressiv und angriffslustig drängt er auf die Überholspur, als würde er Stadtautos zum Frühstück vernaschen und alles niederwalzen, was sich ihm in den Weg stellt.

Auch bei den Japanern zählt allerdings nicht nur der schrille Schein. Sondern wer rund 300.000 Euro für die Wuchtbrumme hinblättert, der bekommt auch die passende Motorleistung geboten: Ab Werk 383 PS stark, kitzeln die Tuner mit einem neuen Kompressor immerhin 600 PS aus dem 5,7 Liter großen Achtzylinder und wuchten den Wagen damit in 5,5 Sekunden auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit hat Invader noch nicht gemessen, weil es in Japan schließlich ein Tempolimit gibt. Und zum Verbrauch gibt es, genau wie bei Mansory, auch noch keine Angaben. Warum auch? Wer so ein Auto kauft, der schwimmt ohnehin im Geld oder sitzt buchstäblich an der Ölquelle.

An Autos wie dem Invader und dem Mansory Cayenne scheiden sich in Genf traditionell die Geister. Die einen schütteln entgeistert die Köpfe, die anderen wedeln mit Blanko-Schecks, nur um als erste hinters Steuer zu kommen. Gut, dass der Genfer Salon in der Schweiz stattfindet. Dort ist man nicht nur neutral, sondern auch tolerant und mischt sich in diese Diskussion gar nicht erst ein.