Porsche Panamera Sport Turismo: Showtime auf dem Sunset Boulevard

Schaustück: Bislang gibt es den Porsche Sport Turismo nur einmal, und dieses Unikat tingelt jetzt um die Welt.

Normalerweise hat in dieser Gegend kaum einer ein Auge für Autos. Denn wer auf dem Sunset Boulevard flaniert, der hält meist nach Hollywood-Stars Ausschau. Doch was ist schon normal wenn man mit dem Porsche Panamera Sport Turismo unterwegs ist. Schließlich ist das kein Auto wie es zu Tausenden durch die Traumfabrik fährt, sondern ein Einzelstück, das eigentlich nur für den großen Auftritt auf dem Pariser Salon gebaut wurde.

Doch weil es Porsche offenbar ernst ist mit einer zweiten Karosserievariante für die Luxuslimousine Panamera und weil Firmenchef Matthias Müller ein großer Kombi-Fan ist, darf die Designstudie jetzt in Hollywood zum ersten mal Frischluft schnuppern und Asphalt unter die Räder nehmen. Und weil sie sich auf dem Sunset Boulevard, auf dem Rodeo Drive oder in Beverly Hills mit Porsche besser auskennen als irgendwo sonst auf der Welt, wissen die Passanten, denen der Wagen dann doch auffällt, schnell Bescheid. Und dann stehen sie am Straßenrand, füllen die Speicherkarten ihrer Fotohandys und geben dem Auto-Unikat Szenenaupplaus. Es ist Showtime in Hollywood, und der Porsche ist mittenmang.

Sportlicher und schlanker: Mehr Muskeln, weniger Speck - so umschreibt Designer Mitja Borkert das Design der etwas gedrungeneren Porsche-Studie.

Denn einen Kombi wie diesen hat man noch nicht gesehen. Das Trumm ist ein Lifestyle-Laster, der sich weniger an einem klassischen Kombi orientiert, als vielmehr an der Formensprache eines Mercedes CLS Shooting-Break. Auch bei der Porsche Studie geht es nämlich nicht um den letzten Liter Ladevolumen oder maximale Innenraum-Variabilität, sondern einfach um die Kunst der schönen Kehrseite, die Designer Mitja Borkert entworfen hat. Im Vergleich zum aktuellen Panamera steht die Heckklappe deutlich steiler. Und auch die Proportionen sind verändert. Das Auto wirkt jetzt bulliger und kräftiger, es gibt keinerlei Zierat an der Karosserie, ja nicht einmal Außenspiegel. Stattdessen gibt es in den Flanken versteckte Kameras, die dem Fahrer zeigen, wie es hinter dem Auto aussieht. Obwohl der Sport Turismo das praktischere Auto ist, sieht er deutlich sportlicher aus als der bekannte Panamera. Wenn es wider Erwarten nicht für zwei Karosserieversionen der Panamera-Baureihe reichen sollte, dann ist die Studie zumindest eine Stilvorlage für die zweite Panamera-Generation, die in drei bis vier Jahren auf den Markt kommen wird.

Captain Future lässt grüßen: Alles in der Studie Sport Turismo ist top-modern und wirkt trotzdem vertraut.

Während die nagelneue Form aso vertraut wirkt, als sei der Sport Turismo schon seit Jahren auf der Straße, entführt Porsche die Passagiere in eine ganz neue Welt. Man sitzt tief über der Straße in belederten Rennschalen, schaut auf gläserne Einlagen in den Kopfstützen, in denen das Porsche-Logo leuchtet, greift nach blankem Aluminium, das kalt und clean in der Sonne glänzt und blickt auf riesige Monitore. Vor allem der Fahrer muss sich umstellen: Da, wo früher mal der Zündschlüssel war, sitzt jetzt ein kleiner Touchscreen, der den Fingerabdruck scannt; das Cockpit ist ein großer Bildschirm, über den auch die Videoeinblendungen der Kameras laufen, die Porsche anstelle der Rückspiegel montiert hat, und auf dem gewaltigen Mitteltunnel haben die Schwaben einen Tabletcomputer platziert, der das iPad wie ein antiquiertes Spielzeug aussehen lässt. Hier fühlt man sich eher wie Captain Future als wie Walter Röhrl, denn statt  nach Benzin und Gummi riecht es scheinbar nach Bits und Bytes. Sehr schick ist es auf jeden Fall.

Coole Kehrseite: Diesen Kombi verwechselt keiner mit einem öden Famlienauto.

Vor allem, weil unter der Haube noch ein richtiger Motor arbeitet – zumindest gelegentlich. Denn sobald man kräftig aufs Gas dritt, hört man das heißere Scharren eines drei Liter großen V6-Motors mit 333 PS, der in der Studie mit Sportauspuff und ohne Dämmung besonders brachial klingt. Lupft man den Fuß allerdings, wird es plötzlich still und der Sport Turismo gleitet nahezu lautlos durch Hollywood. In diesem Fall nämlich übernimmt ein E-Motor mit 95 PS die Antriebsleistung.

Warum das so ist, sieht man unter dem gläsernen Kofferraumboden: Dort hat Porsche eine Lithium-Ionen-Batterie installiert, die man binnen zweieinhalb Stunden an der Steckdose laden kann. Dann schafft der Luxusliner bis zu 30 Kilometer rein elektrisch und kommt in diesem Modus auf maximal 130 km/h – viel schneller fährt hier in Hollywood ohnehin keiner. Und viel weiter auch nicht.

Das macht den Sport Turismo zum ersten Plug-In-Hybridmodell von Porsche, das auf eine breitere Kundenschicht und einen größeren Alltagsnutzen zielt. Dass der Spaß dabei nicht auf der Strecke bleibt, deutet die Systemleistung von 416 PS an. Arbeiten beide Motoren im Team, wuchten sie den Luxusliner in weniger als sechs Sekunden auf Tempo 100. Trotzdem sind sie dank des elektrischen Puffers im Akku mit weniger als 3,5 Litern Durchschnittsverbrauch zufrieden, rechnet Porsche vor.

Ob die Zahlen so genau stimmen, kann bei der Fotofahrt durch Hollywood natürlich keiner nachweisen. Aber zumindest beweist die Studie, dass es nicht nur um graue Theorie geht. Weil das millionenschwere Einzelstück für Geschwindigkeiten bis weit über die hier erlaubten 65 km/h ausgelegt ist und vier Beverly Hills Cops uns den Weg frei halten, dürfen es die Testfahrer im Porsche etwas sportlicher angehen lassen. Wo die Stars auf dem „Walk of Fame“ mit goldenen Sternen geehrt werden, signiert die Studie den Asphalt mit zwei dicken, schwarzen Streifen.

Zukunft offen? Angeblich hat Porsche nochnicht entschieden, ob der Wagen gebaut wird. Aber es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn er ein Einzelstück bleibt.

Wenn es um die Zukunft des Sport Tourismo geht, ergehen sich die Schwaben in den üblichen Floskeln. Zwar zweifeilt eigentlich keiner daran, dass der Lifestyle-Laster spätestens in vier Jahren mit der nächsten Panamera-Generation in Serie geht. Und den Plug-In-Hybrid für Porsche hat Konzernchef Martin Winterkorn sogar schon für das Jahr 2013 angekündigt. Die offizielle Sprachregelung lautet jedoch anders. „Wir beobachten die Reaktion von Medien und Kunden, danach werden wir entscheiden“, sagt Designer Mitja Borkert. Wenn das so ist, muss man sich um das Auto keine Sorgen machen.” Zumindest nicht in Hollywood”, fügt Michl Behr aus dem Projektteam an. Denn kaum bleibt er bei den Fotofahrten irgendwo stehen, hält auch schon ein Porsche-Fan. “Manche wedeln sogar mit den Schecks”, sagt der Ingenieur. „Hier hätten wir den Wagen am Tag gleich mehrmals verkaufen können.“


Zurück in die Zukunft: Zwei Tüftler machen Oldtimer zu Elektro-Autos

Batterie statt Boxer: Diesen Käfer hat Classic eCars schon auf Elektroantrieb umgerüstet.

Oldtimer sind laut, stinken und hinterlassen überall schmierige Ölflecken? Falsch! Zumindest nicht, wenn sie aus der Werkstatt von Jens Broedersdorff und Uwe Koenzen in Duisburg kommen. Denn frei nach dem Motto “Zurück in die Zukunft”, haben sich die beiden der Umrüstung von Autoklassikern zu Elektrofahrzeugen verschrieben und dafür schon vor mehr als 15 Jahren die Firma Classic eCars gegründet. Nachdem sie erst einen privaten Porsche 912 aus den sechziger Jahren zum Stromer umgebaut und dann ein paar Dutzend Umrüstsätze für VW Käfer, T1 und T2 sowie den Karmann Ghia verkauft haben, steigen sie jetzt in das Geschäft mit Komplettfahrzeugen ein. “Wir planen elektrische Versionen der Modelle Fiat 500, Citroen DS und der ersten Generation des VW Bus”, kündigen die beiden Autonarren an und kalkulieren für jedes Fahrzeug zunächst mit sehr bescheidenen Stückzahlen. “Jeweils zehn Exemplare sollten es schon werden, damit sich die Arbeit lohnt”, sagt Uwe Koenzen, “aber nach oben sind wir natürlich offen.” Schließlich wollen die beiden in der kleinen Hinterhofwerkstatt in einem Duisburger Industriegebiet erst einmal die Prototypen bauen und alle anderen Fahrzeuge dann von den entsprechenden Oldtimer-Spezialisten umrüsten lassen.

Dass sie ausgerechnet diesen drei Modellen starten, liegt vor allem an der Attraktivität und dem Charakter der Typen. “Aber wir haben uns auch die Verfügbarkeit von Fahrzeugen und Ersatzteilen angeschaut”, sagt Koenzen. Und Techniker Broedersdorf ergänzt, “außerdem müssen wir auch mit Elektroantrieb das entsprechende Fahrgefühl hinbekommen”. Natürlich ginge das auch bei Koenzen elektrischem Traumwagen, einem Jaguar E-Type mit Elektromotor – doch ein solches Modell überstiege wohl die finanziellen Möglichkeiten der meisten Interessenten.

Die zuvor von Profis restaurierten Oldies werden also bestückt aus einem modularen Antriebsbaukasten, dessen Komponenten vor allem aus dem Werkzeugmaschinenbau und der Industrie kommen. So werde eine Steuerung eingesetzt, die sonst hoch präzise Hebesysteme überwacht; und der Elektromotor für die Autoklassiker laufe zum Beispiel auch in Grubenlokomotiven, erläutert Koenzen. Geplant sind vier Leistungsstufen mit 30, 60, 90 oder 120 kW, mit denen Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h erreicht werden können. Auch bei den Batterien sieht Classic eCars eine Stufenlösung vor. “Wir werden Lithium-Ionen-Zellen für 50, 100, 150, 200 und 300 Kilometer Reichweite anbieten”, sagt Koenzen. Je nach Leistung und Kapazität solle der Preis für die Umrüstung bei 17.500 bis 45.000 Euro liegen – plus Basisfahrzeug, versteht sich. Einen elektrischen Cinquecento wird es also ab etwa 25.000 Euro geben.

In der Klassiker-Szene wird der Vorstoß der beiden Elektro-Pioniere geteilt aufgenommen. “Als wir damit anfingen, haben uns 98 von 100 Oldtimer-Fans den Vogel gezeigt”, erinnert sich Koenzen. “Heute liegt die Zustimmung schon bei bei einer Quote von 50:50, und die Tendenz steigt.” Und auch die Spezialisten, die für sie nach der Prototypen-Entwicklung die Komplettfahrzeuge restaurieren und umbauen sollen, seien plötzlich ganz Ohr.Elektrischer Dienstwagen: Mit diesem Porsche 912 sind die beiden Tüftler täglich unterwegs.

Zwar beginnt der Aufbau von Komplettfahrzeugen erst in diesem Sommer. Doch sind Boredersdorff und Koenzen keine Elektro-Neulinge: Derzeit verkaufen sie elektrifizierte Replikas wie den Porsche 550 von Chamonix und den Rudolph Spyder, von dem zwei Exemplare demnächst bei einem Forschungsprojekt im Allgäu eingesetzt werden sollen. Auch davor haben die beiden schon Elektro-Autos umgerüstet. Rund zwei Dutzend Antriebssätze haben sie seit der Firmengründung 1996 an die Fahrer von VW Bus, Käfer und Karmann Ghia ausgeliefert. Ein E-Antrieb jedoch verblieb in der Firma: Er schnurrt in ihrem Dienstwagen – einem Porsche 9. Koenzen: “Und das problemlos seit zehn Jahren und mehr als 35.000 Kilometern.“ Sogar die Ölflecken in der Garage sind mittlerweile verschwunden.