Zurück in die Zukunft: Zwei Tüftler machen Oldtimer zu Elektro-Autos

Batterie statt Boxer: Diesen Käfer hat Classic eCars schon auf Elektroantrieb umgerüstet.

Oldtimer sind laut, stinken und hinterlassen überall schmierige Ölflecken? Falsch! Zumindest nicht, wenn sie aus der Werkstatt von Jens Broedersdorff und Uwe Koenzen in Duisburg kommen. Denn frei nach dem Motto “Zurück in die Zukunft”, haben sich die beiden der Umrüstung von Autoklassikern zu Elektrofahrzeugen verschrieben und dafür schon vor mehr als 15 Jahren die Firma Classic eCars gegründet. Nachdem sie erst einen privaten Porsche 912 aus den sechziger Jahren zum Stromer umgebaut und dann ein paar Dutzend Umrüstsätze für VW Käfer, T1 und T2 sowie den Karmann Ghia verkauft haben, steigen sie jetzt in das Geschäft mit Komplettfahrzeugen ein. “Wir planen elektrische Versionen der Modelle Fiat 500, Citroen DS und der ersten Generation des VW Bus”, kündigen die beiden Autonarren an und kalkulieren für jedes Fahrzeug zunächst mit sehr bescheidenen Stückzahlen. “Jeweils zehn Exemplare sollten es schon werden, damit sich die Arbeit lohnt”, sagt Uwe Koenzen, “aber nach oben sind wir natürlich offen.” Schließlich wollen die beiden in der kleinen Hinterhofwerkstatt in einem Duisburger Industriegebiet erst einmal die Prototypen bauen und alle anderen Fahrzeuge dann von den entsprechenden Oldtimer-Spezialisten umrüsten lassen.

Dass sie ausgerechnet diesen drei Modellen starten, liegt vor allem an der Attraktivität und dem Charakter der Typen. “Aber wir haben uns auch die Verfügbarkeit von Fahrzeugen und Ersatzteilen angeschaut”, sagt Koenzen. Und Techniker Broedersdorf ergänzt, “außerdem müssen wir auch mit Elektroantrieb das entsprechende Fahrgefühl hinbekommen”. Natürlich ginge das auch bei Koenzen elektrischem Traumwagen, einem Jaguar E-Type mit Elektromotor – doch ein solches Modell überstiege wohl die finanziellen Möglichkeiten der meisten Interessenten.

Die zuvor von Profis restaurierten Oldies werden also bestückt aus einem modularen Antriebsbaukasten, dessen Komponenten vor allem aus dem Werkzeugmaschinenbau und der Industrie kommen. So werde eine Steuerung eingesetzt, die sonst hoch präzise Hebesysteme überwacht; und der Elektromotor für die Autoklassiker laufe zum Beispiel auch in Grubenlokomotiven, erläutert Koenzen. Geplant sind vier Leistungsstufen mit 30, 60, 90 oder 120 kW, mit denen Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h erreicht werden können. Auch bei den Batterien sieht Classic eCars eine Stufenlösung vor. “Wir werden Lithium-Ionen-Zellen für 50, 100, 150, 200 und 300 Kilometer Reichweite anbieten”, sagt Koenzen. Je nach Leistung und Kapazität solle der Preis für die Umrüstung bei 17.500 bis 45.000 Euro liegen – plus Basisfahrzeug, versteht sich. Einen elektrischen Cinquecento wird es also ab etwa 25.000 Euro geben.

In der Klassiker-Szene wird der Vorstoß der beiden Elektro-Pioniere geteilt aufgenommen. “Als wir damit anfingen, haben uns 98 von 100 Oldtimer-Fans den Vogel gezeigt”, erinnert sich Koenzen. “Heute liegt die Zustimmung schon bei bei einer Quote von 50:50, und die Tendenz steigt.” Und auch die Spezialisten, die für sie nach der Prototypen-Entwicklung die Komplettfahrzeuge restaurieren und umbauen sollen, seien plötzlich ganz Ohr.Elektrischer Dienstwagen: Mit diesem Porsche 912 sind die beiden Tüftler täglich unterwegs.

Zwar beginnt der Aufbau von Komplettfahrzeugen erst in diesem Sommer. Doch sind Boredersdorff und Koenzen keine Elektro-Neulinge: Derzeit verkaufen sie elektrifizierte Replikas wie den Porsche 550 von Chamonix und den Rudolph Spyder, von dem zwei Exemplare demnächst bei einem Forschungsprojekt im Allgäu eingesetzt werden sollen. Auch davor haben die beiden schon Elektro-Autos umgerüstet. Rund zwei Dutzend Antriebssätze haben sie seit der Firmengründung 1996 an die Fahrer von VW Bus, Käfer und Karmann Ghia ausgeliefert. Ein E-Antrieb jedoch verblieb in der Firma: Er schnurrt in ihrem Dienstwagen – einem Porsche 9. Koenzen: “Und das problemlos seit zehn Jahren und mehr als 35.000 Kilometern.“ Sogar die Ölflecken in der Garage sind mittlerweile verschwunden.