VW Taigun: Bonsai für die Buckelpiste

Kleiner Kraxler: Der Taigun ist über einen halben Meter kürzer als der Tiguan.

Kleiner Kraxler: Der Taigun ist mehr als einen halben Meter kürzer als der VW Tiguan.

Meiner ist kleiner: Lange Jahre konnte es bei Geländewagen – oder besser: bei den modischen, auf Offroader getrimmten SUV-Modellen – gar nicht groß genug zugehen. Selbst Anfang dieses Jahres haben sich Marken wie Lamborghini und Bentley noch ein Wettrüsten um das dickste Ding für den protzigsten Auftritt geliefert. Doch jetzt hat sich der Wind gedreht und alle Welt schaut auf die kleinen SUV-Typen. “Sie brauchen weniger Sprit, kommen leichter durch die Stadt und passen einfach besser in die Zeit”, sagt Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics und sagt den Bonsai-Modellen eine große Zukunft voraus. Mit dem Mokka hat die für Opel schon begonnen, und die Hessen sind stolz wie Bolle, dass bislang noch kein anderer deutscher Hersteller auf die Idee gekommen ist. Doch diese Freude währt wohl nicht lange. Denn jetzt ist auch VW auf diesen Trend aufgesprungen und hat auf der Autoshow in Sao Paulo das Modell Taigun enthüllt. Offiziell ist das Auto noch eine Studie, doch man braucht nicht viel Phantasie, um in dem Wagen bereits das künftige Serienauto zu erkennen.

Der Taigun ist allerdings kein Spross des Modularen Querbaukastens, sondern stammt aus der so genannten New Small Familiy, ist also in technischer Hinsicht ein Ableger des Kleinwagens Up. Das bedeutet womöglich den Verzicht auf einen Allradantrieb, doch braucht im Dschungel der Großstadt ohnehin kein Mensch. Die technische Basis wiederum ermöglicht es, die Länge auf 3,86 Meter zu beschränken und das Gewicht auf unter eine Tonne zu drücken. Damit ist der mit hoher Bodenfreiheit und einer Rüstung aus robustem Plastik gewappnete Taigun rund 60 Zentimeter kürzer und zehn Zentner leichter als der Tiguan. Dafür bietet er allerdings, jedenfalls in der Studie, auch nur Platz für vier Personen, die aber bei fast 2,50 Metern Radstand ganz ordentlich Platz finden dürften. Der Kofferraum ist mit 280 Litern Fassungsvermögen so groß wie der des VW Polo. Und wem das nicht reicht, der klappt die Rückbank um: Dann kann man durch die horizontal geteilte Klappe fast 1000 Liter Ladung in den ebenso schlichten wie schicken Innenraum hieven.

Up auf Abwegen: Die technische Basis für den Taigun liefert die New Small Familiy des VW-Konzerns.

Während hinter dem Gesamtkonzept noch ein paar kleine Fragezeichen stehen, ist zumindest der Antrieb schon reif für die Serie. Denn hinter dem schmucken Kühlergrill des Taigun läuft ein Dreizylinder-Turbomotor, der bald auch den Up GT befeuern wird. Aus einem Liter Hubraum holt er 110 PS und 175 Nm Drehmoment, die für einen Sprintwert von 9,2 Sekunden und ein Spitzentempo von 186 km/h reichen. Wenn der Motor im flacheren und noch deutlich leichteren Up eingebaut wird, sollte die 200er-Marke kein Problem mehr sein.

Studie hin oder her – mittlerweile ist es ein offenes Geheimnis, dass VW unterhalb des Tiguan noch mindestens ein weiteres SUV auf den Weg bringen wird. Wenn eines davon sich am Taigun orientiert, dann hätten die Niedersachsen tatsächlich den dann kleinsten SUV einer heimischen Marke im Angebot. Und dann wäre der um fast 40 Zentimeter längere Opel Mokka in dieser Disziplin nur noch kalter Kaffee.


Neue Kleinwagenfamilie: Jetzt geht es auch bei Skoda Up

Skoda Citigo: Technisch ist der neue Kleinwagen der tschechischen Marke identisch mit dem VW Up.

VW spricht von der New Small Family – und meint damit die Riege neuer Kleinwagenvarianten um das Kernmodell VW Up, das Mitte September auf der IAA in Frankfurt präsentiert wurde. Die Familienbande reichen aber noch weiter, nämlich in andere Konzernmarken hinein. Erkennbar wird das am Skoda Citigo, dem neuen Kleinwagen der tschechischen Tochtermarke des Wolfsburger Konzerns. Das Auto ist der erste Ableger des Up – und obgleich es einige optische Eigenheiten des Wagens gibt, mit diesem technisch völlig identisch. Beide Typen sind 3,54 Meter lang, werden zunächst als Dreitürer angeboten und später auch als Fünftürer und von neuen 1-Liter-Dreizylinder-Benzinmotoren mit 60 oder 75 PS Leistung angeboten. Während VW den neuen Up als Renaissance der “Idee vom Volkswagen” feiert, weil die Basisversion des Autos gerade eben unter 10.000 Euro kosten soll, plant Skoda den Up-Zwilling Citigo vor allem als Stückzahlbringer ein. Die Marke aus Mlada Boleslav nämlich will in den nächsten Jahren ihren Pkw-Absatz auf rund 1,5 Millionen Fahrzeuge pro Jahr verdoppeln. Und zwar getrieben vor allem durch erhebliche Verkaufszuwächse in Indien und China, wo sich billige Kleinwagen westlicher Bauart vermutlich verkaufen wie geschnitten Brot.

VW Up: Noch in diesem Jahr soll der neue, kleine VW hierzulande auf den Markt kommen; der Skoda Citigo wird Anfang 2012 folgen.

A propos billig. Da Skoda konzernintern die Billigmarke ist, sollte der Citigo mindestens tausend Euro günstiger angeboten werden als der Up. Ein Einstiegspreis von rund 9000 Euro könnte also durchaus realistisch sein, doch offiziell wird das derzeit weder bestätigt noch dementiert. Noch unübersichtlicher dürfte die neue Kleinwagenlandschaft innerhalb des Konzerns werden, wenn auch Seat seine Variante des Up vorstellt. Das soll, so hört man aus Barcelona, bereits in wenigen Tagen geschehen. Und wenn nicht alles täuscht, dann wird dieses Auto den merkwürdigen Namen Mii tragen. Was die Technik betrifft, so darf man auch bei diesem Modell darauf wetten, dass es Up und Citigo exakt gleichen wird. Unklar ist allerdings noch, wie weit die Differenzierung der neuen Kleinwagen von Seat und Skoda gehen wird. VW jedenfalls hat für den Up bereits eine Version mit Erdgasantrieb angekündigt und will ab 2013 auch einen Up mit Elektroantrieb anbieten. Zumindest letzteres Modell dürfte hinsichtlich der Verkaufszahlen in den derzeitigen Boom-Märkten wie Indien, China oder Brasilien kaum von Bedeutung sein. Umso mehr jedoch für hiesige Kunden, die auch in Sachen Automobil Up to date sein wollen.