Mercedes GT: Schwabenpfeil statt Flügeltürer

Schaulaufen in Tarnfolie: Jetzt sind ersten Erlkönige des SLS-Nachfolgers den Fotografen vors Objektiv gerast.

Gerüchte gab es schon lange, doch jetzt sind die ersten Prototypen aufgetaucht: Weil der Mercedes SLS allmählich auf die Zielgerade fährt, bereitet Werkstuner AMG den Start eines neuen Sportwagen vor. Der basiert zwar auf der gleichen Leichtbaukonstruktion wie das aktuelle Modell und erhält erneut einen weit nach hinten gerückten V8-Motor. Doch wenn stimmt, was die PS-Paparazzi in Affalterbach ausgegraben haben, wird er weder Flügeltüren bekommen, noch – wie der aktuelle SLS – in der Ferrari-Liga spielen. Stattdessen soll der intern C190 genannte Zweisitzer zum Porsche-Killer werden und als Mercedes GT für Preise knapp oberhalb von 100.000 Euro ab Ende 2015 oder Anfang 2016 dem Evergreen 911 das Sportwagenleben schwer machen.

Das passt zu einer Aussage von AMG-Chef Ola Källenius bei der Premiere des SLS Black Series, die beim Werkstuner als der krönende Abschluss einer Baureihe gilt. „Wir haben mit unserem ersten eigenen Sportwagen Blut geleckt“, sagte der AMG-Lenker und versprach, „das damit eroberte Terrain werden wir freiwillig nicht mehr räumen und mit der Transaxle-Architektur des SLS auch in Zukunft noch einiges anstellen.“

Überflieger mit Bodenhaftung: Diesmal gibt es keine Flügeltüren für den Mercedes-AMG-Sportwagen.

Fasst man die Indiskretionen aus dem Werk und aktuelle Medienberichte zusammen, wird das, was Källenius so „anstellen“ möchte, deutlich kürzer und rund 150 Kilo leichter als der SLS. Und auch unter der Haube rüsten die Schwaben ab. Statt des hochdrehenden Saugmotors mit 6,2 Liter Hubraum und maximal 631 PS bekommt der Nachfolger wohl als erstes AMG-Modell den neuen, vier Liter großen V8-Motor aus Affalterbach, der danach sukzessive in allen anderen Baureihen von der C- bis zur S-Klasse Einzug halten wird: Was diesem Triebwerk mit der internen Bezeichnung “M 177″ an Leistung fehlt, kompensieren die automobilen Bodybuilder mit zwei Turboladern. Die blasen dem Achtzylinder schon für das GT-Basismodell angeblich 485 PS ein. In einer verschärften Variante sollen es gar um 550 PS sein, und für das Modell Black Series ist die Rede von knapp 600 PS.

Während es also angeblich mindestens drei Motorvarianten für den neuen Spitzensportler aus Schwaben geben wird, ist Mercedes bei den Karosserievarianten sparsamer als zuletzt. Eine offene Version sei nicht geplant, melden Insider. Und auch an den bei AMG mittlerweile salonfähigen Allradantrieb sei nicht gedacht.

Zwar nähert sich mit der ersten Ausfahrt der GT-Prototypen das aktuelle Kapitel des Flügeltürers seinem Ende, doch noch bleibt den reichen Rasern genügend Zeit für eine SLS-Bestellung. „Wer noch einen SLS haben will, der bekommt auch noch einen“, sagt ein Mercedes-Manager.


Bentley Flying Spur: Schneller oder stärker war noch kein anderer Bentley

Glanz und Gloria: Wenn dieser Kühlergrill im Rückspiegel auftaucht, räumt man die linke Spur durchaus freiwillig.

Ihre Majestät, hier kommt Ihr nächster Dienstwagen: Falls die Queen tatsächlich noch einmal das Auto wechselt, dann könnte der neue Bentley Flying Spur ihre erste Wahl sein. Denn der Luxusliner, den die britische VW-Tochter derzeit auf dem Genfer Salon vorstellt und im Sommer in den Handel bringt, ist nicht nur protziger und prunkvoller als je zuvor – und damit der würdige Nachfolger für das aktuelle Jubilee-Car aus Crewe, in dem sich Elizabeth II. schon seit 2002 chauffieren lässt. Sondern ganz nebenbei ist das 5,30 Meter lange Prunkschiff auch die stärkste und schnellste Limousine, die Bentley je gebaut hat.

Zwar trägt der Flying Spur die Verwandtschaft nicht mehr im Namen, doch natürlich gehört auch dieser Wagen zur Continental-Baureihe der Briten und macht deshalb einen evolutionären Generationswechsel mit. Wo man bei Coupé und Cabrio aber schon fast zweimal hinschauen muss, um die Unterschiede zu erkennen, zeugen bei der Limousine mehr als der jetzt beinahe senkrecht stehende Kühlergrill und die neuen Scheinwerfer-Augen von der stilistischen Überarbeitung. Denn vor allem das Heck hat eine völlig neue Kontur bekommen: Die C-Säule ist breiter, der Heckdeckel sitzt tiefer und läuft länger aus. Das erinnert zwar an die aktuellen Rolls-Royce-Modelle, die ja seit zehn Jahren von BMW verantwortet werden, lässt die Konkurrenz-Limousine aber dennoch wesentlich flüssiger und eleganter aussehen.

Gruß nach Goodwood: Das Heck des Bentley erinnert jetzt an die Kehrseite der aktuellen Rolls-Royce-Modelle.

Außen ist der Bentley von einer fast modernen Eleganz, und innen gibt es Lack und Leder satt. Doch nach dem Austausch von mehr als 600 Bauteilen ist vom traditionsreichen Mief nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil: Mit einem aufwändigen Infotainment-System und riesigen Bildschirmen im Fond ist der Flying Spur endlich in der Neuzeit angekommen und buhlt mit einer herausnehmbaren Touchscreen-Fernbedienung sogar um die Gunst der Generation iPhone. Weil manche Kunden sogar im Auto noch ein wenig arbeiten müssen, um den Wohlstand zu mehren, lässt sich der als Vier- oder Fünfsitzer bestellbare Prunkwagen auch zum mobilen Büro aufrüsten – Schreibtische und WLAN-Anschluss inklusive. Dass unter dem Blech eigentlich noch immer der betagte VW Phaeton steckt, ist spätestens dann längst vergessen.

Trotzdem sind die technischen Rahmenbedingungen natürlich gleich: Auch der Flying Spur fährt mit Allradantrieb und einem Zwölfzylindermotor in W-Form. Allerdings ist der bei Bentley nicht nur mit einer Achtgang-Automatik gekoppelt, sondern auch mit zwei Turboladern beatmet. Sie treiben die Leistung des Luxusliners auf 625 PS und mobilisieren extra fette 800 Nm Drehmoment. Obwohl der Flying Spur mit 2,5 Tonnen beileibe kein Fliegengewicht ist, beschleunigt er kinderleicht und erreicht schon nach 4,6 Sekunden Tempo 100. Schluss ist erst bei 322 km/h – Rekord für einen Viertürer mit dem „Flying B“ auf der Haube.

Lounge in Lack und Leder: Der Flying Spur protzt mit allem erdenklichen Luxus - bis hin zum WLAN-Hotspot bei 322 km/h.

Natürlich steht Bentley für Luxus und Leistung, und nicht zuletzt der Überfluss unter der Motorhaube gehört zum guten Ton der Marke. Doch wird es neben dem sechs Liter großen W12-Motor ganz sicher später auch den V8-Benziner geben, der mit 507 PS noch immer leichtes Spiel mit dem Schwergewicht haben sollte. Aber das ist offenbar nicht alles. „Auch einen Dieselmotor könnten wir uns im Flying Spur ganz gut vorstellen“, lässt Baureihenleiter Ken Scott durchblicken.

Wie viel der neue Flying Spur kosten wird? Exakt sind es 191.590 Euro für das Grundmodell. Sicher: Man muss kein Adeliger und erst recht kein Monarch sein, um sich dieses Auto leisten zu können. Doch ein gewisser Reichtum schadet sicher nicht.

 


Mercedes E 63 AMG S: E wie echt extrem

E-Klasse im Adrenalin-Rausch: 585 PS machen den neuen E 63 AMG S zum stärksten Modell in der bisherigen Geschichte der Baureihe.

Von wegen lahmes Taxi oder konservative Familienkutsche! Wenn AMG die Mercedes E-Klasse in die Finger bekommt, wird aus dem Business-Benz ein Kraftsportler im Smoking, der nicht nur auf der Überholspur, sondern durchaus auch auf der Rennstrecke eine gute Figur macht. Das gilt zwar schon seit vielen Jahren, doch noch nie haben die Haustuner aus Affalterbach diesen Auftrag so ernst genommen wie heute. Denn zur Modellpflege der E-Klasse gibt es neben einer markanteren Frontpartie mit einer zweischneidigen Klinge im Kühlergrill und einer eigenwilligen Signatur um die Lufteinlässe in der Frontschürze (genannt „A-Wing“) für den E 63 AMG nun auch eine neue S-Version, die man mit einer ganz einfachen Gleichung zusammenfassen kann: E wie Extrem. Noch stärker, noch schneller und noch brachialer bricht sie in der Baureihe alle Rekorde und wird zur sportlichsten E-Klasse in der bisherigen Geschichte.

Dickes Ende: Das ist die Perspektive, aus der man den E 63 AMG S wohl am häufigsten sehen wird.

Dafür braucht es nicht mehr als ein wenig Feinschliff und ein gebührendes Maß an Unvernunft. Schon beim Grundmodell hat AMG die Leistung des 5,5 Liter großen Achtzylindermotors um 32 PS angehoben und entlockt dem Doppelturboaggregat nun 557 PS. Und wer das S-Modell bestellt, kann künftig mit 585 PS und irrwitzigen 800 Nm Drehmoment punkten. Solange man die E-Klasse mit Samthandschuhen anfasst, lässt sich auch diese Kraft überraschend kultiviert genießen. Ein bisschen lauter als sonst und vielleicht ein wenig ruppiger rollt der als Limousine oder Kombi lieferbare E 63 AMG S fast so unauffällig und kommod durch die Stadt wie ein Taxi. Aber wehe, wenn sie losgelassen! Senkt man den Fuß nur ein bisschen tiefer aufs Gaspedal und wechselt man dazu auch noch vom Komfort- in den Sportmodus, wird der AMG regelrecht zum Kampfwagen, der sich von nichts aufhalten lässt. Unter ohrenbetäubendem Gebrüll schießt er davon, den Vordermann überholt man in Wimpernschlag-Geschwindigkeit und ständig muss man aufpassen, dass man nicht übers Limit schlägt: Wer in 3,6 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und selbst jenseits von 200 km/h beim Kickdown noch einmal in den Sitz gepresst wird, ist sehr schnell viel zu schnell unterwegs und hat womöglich nicht lange Freude an seinem Boliden. Dabei ist es schon eine Versuchung wert, einmal auf dem Gas stehen zu bleiben und auszuprobieren wie es sich anfühlt, wenn die Elektronik der rasanten E-Klasse bei 300 km/h den Saft abdreht.

Kraftpaket: Aus 5,5 Liter Hubraum holen die schnellen Schwaben dank eines Doppelturbos jetzt schon 585 PS.

Obwohl knapp zwei Tonnen schwer und nahezu fünf Meter lang, ist die E-Klasse aber nicht nur auf der Geraden schnell. Sondern dank des strammen Sportfahrwerks und des Sperrdifferentials an der Hinterachse lässt sich das Dickschiff auch überaus handlich durch die Kurven zirkeln. Damit der Höllenritt kein böses Ende nimmt und die immense Kraft beim Kickdown nicht gänzlich von den elektronischen Regelsystemen kleingerechnet wird, bricht AMG mit einer Tradition und rüstet die E-Klasse erstmals mit Allradantrieb aus. Ein Drittel der Kraft wird damit automatisch an die Vorderachse umgeleitet und sorgt dafür, dass die Extremklasse auch bei artgerechter Bewegung länger und stabiler auf Kurs bleibt. Diese Form der Traktionskontrolle bleibt übrigens nicht dem S-Modell vorbehalten, sondern gegen Aufpreis gibt es Allradantrieb künftig auch im gewöhnlichen E 63 AMG und außerdem noch im CLS.

585 PS, 800 Nm, 3,6 Sekunden von 0 auf 100 und 300 km/h Spitze – so extravagant wie die Fahrleistungen der neuen Extrem-Klasse ist auch ihr Preis: mit 118.405 Euro für die Limousine und 121.023 Euro für den Kombi ist das neue Flaggschiff der AMG-Palette fast dreimal so teuer wie das Basismodell.


Mercedes SL 63 AMG: Das Monster mit den guten Manieren

Schneller Schönling: Mit dem Performance-Package fährt der SL 63 bis zu 300 km/h.

Der Beau lässt seinen Bizeps spielen. Nur wenige Wochen nach der Premiere des neuen Mercedes SL stürmt jetzt die AMG-Version des Roadsters aus Affalterbach auf die Überholspur. Während schon das Serienmodell deutlich athletischer und agiler daher kommt als die Vorgängerversion, wird der Luxusliner im AMG-Trimm zu Preisen ab 157.675 Euro vollends zum Bodybuilder und fährt der Konkurrenz mit bis zu 564 PS davon.

Möglich macht das ein V8-Triebwerk, das Motorenchef Fritz Eichler etwas ungelenk als „Monster mit Knigge-Manieren“ bezeichnet. Monströs nämlich seien die Kraft und der Klang des 5,5 Liter großen Direkteinspritzers mit zwei Turboladern. Schon in der Basisversion leistet die Maschine 537 PS und 800 Nm, mit denen sie den SL in 4,3 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt. Und wer das Performance-Package für 14.000 Euro bucht, der kann auf 564 PS und bis zu 900 Nm zurückgreifen. Damit sprintet der Zweisitzer in kaum mehr als vier Sekunden auf Tempo 100, erreicht nach 12,6 Sekunden 200 km/h und hat beim offiziellen Limit von 250 km/h noch so viel Luft, dass Mercedes dem SL in dieser Spielart auf Wunsch des Kunden Auslauf bis 300 km/h gewährt.

Dabei macht der Roadster ein Spektakel, dass einem die Ohren klingeln. Wer vom Komfortprogramm „Controlled Efficiency“ in den Sport- oder gar den Rennmodus wechselt, spürt nicht nur, wie sich das gesamte Fahrzeug innerlich zu spannen scheint, härter federt, höher dreht und noch besser auf der Straße liegt. Sondern das Grollen aus den vier Endrohren wird noch tiefer, das Brüllen noch lauter und das Röhren noch beängstigender. Und spätestens wenn die Elektronik wie zum Tusch beim Schalten Fehlzündungen und Zwischengas-Stöße einstreut, wird die Akustik rennstreckentauglich. „Der Abschied vom Saugmotor fiel und nicht leicht, deshalb haben wir besonders viel Mühe auf das Sounddesign des Turbos verwendet“, sagt Eichler und freut sich über Testfahrer, die jeden Zwischenspurt genießen. Die Arbeit mit der Anpassung der Musikanlage von Bang & Olufsen hätten sich die Schwaben glatt sparen können.

Kraftpaket: Aus 5,5 Litern Hubraum holt der V8-Motor dank zweier Turbolader bis zu 564 PS.

Was Eichler mit den guten Manieren des Monsters meint, merkt man an der Tankstelle – zumindest in der Theorie. Denn trotz der stärkeren Leistung ist der neue V8-Motor im Normzyklus deutlich sparsamer – rund 30 Prozent oder 4,2 Liter Verbrauchsvorteil reklamiert Eichler für den Turbo, dessen offizieller Normwert  9,9 Liter beträgt. Freilich ist das nur PS-Prosa vom Prüfstand. Wer den 564 Pferden die Sporen gibt, der muss die Zeche zahlen.

Dass der SL trotzdem deutlich sparsamer zu fahren ist als bisher, liegt nicht nur am neuen Motor, an der optimierten Siebengang-Automatik und der serienmäßig installierten Start-Stopp-Funktion, an die man sich bei einem Sportwagen erst noch gewöhnen muss. Sondern das ist auch ein Verdienst der erfolgreichen Gewichtsreduktion. Wie in der Serie speckt der SL mehr als 100 Kilogramm ab, weil die Karosserie nun erstmals bei einem Mercedes der Neuzeit komplett aus Aluminium gefertigt wurde. Und weil AMG einen Ruf zu verlieren hat, wurde dort noch weiter an der Gewichtsspirale gedreht: Die Tuner werden zu Karbonpionieren im Daimler-Konzern und setzen erstmals in der Großserie einzelne Karosserieteile aus Kohlefaser ein. Beim SL ist es der Heckdeckel, der dadurch fünf Kilogramm weniger wiegt als das Alu-Bauteil des normalen SL-Modells.

Leistung und Leidenschaft und dazu ein deutlich nachgeschärftes Fahrwerk, das allein reicht nicht. Weil beim SL neben dem Sein immer auch der Schein zählt, hat AMG auch am Design gefeilt: Spoiler und Schweller sind deshalb eine Nummer größer als bei der Serienversion, die Frontpartie wirkt etwas aggressiver und der Innenraum ist ein Mischung aus Sportstudio und Luxussuite.

Dickes Ende: Diffusor-Einsatz, vier Endrohre und einen Heckflügel aus Karbon - so werden die SL 63 AMG die meisten anderen Verkehrsteilnehmer sehen: Von hinten.

Der SL AMG 63 ist eines der wichtigsten Autos für die Scharfmacher aus Affalterbach. Immerhin war der von 2001 bis 2007 gebaute SL 55 das bislang meistverkaufte Modell des Haustuners, und insgesamt fahren bereits 26.500 SL mit einem V8-Motor von AMG über den Globus. Aber gerade beim SL ist der Achtzylinder nicht die einzige Variante, die AMG in petto hat. Denn schon in ein paar Wochenziehen die schnellen Schwaben noch einmal das Tuch von einem neuen SL und feiern im 65er-Modell das Comeback des Zwölfzylindermotors. Er wird in jeder Hinsicht noch eine Schippe drauflegen. Mit 630 PS und 1000 Nm Drehmoment ist er nicht nur stärker und schneller, sondern auch deutlich teurer: 236.334 Euro machen ihn vorübergehend zum teuersten Auto aus Deutschland – zumindest, bis der V12 ab Sommer auch in die G-Klasse eingebaut wird.


Opel Insignia Biturbo: Der Berge-Bügler

Anti-Aging: Um den Insignia gegen das Altern zu wappnen, bekommt er jetzt einen neuen Dieselmotor mit Biturbo.

Von außen sieht der Insignia noch immer Klasse aus. Doch innen nagt an ihm schon der Zahn der Zeit. Zwar ist der Wagen erst seit vier Jahren auf dem Markt und wirkt im Grunde noch immer elegant und stimmig. Aber pixelige Grafiken auf dem Monitor des Bordcomputers, klotzige Schalter und ein Navigationssystem ohne Online-Zugang zeigen, dass es langsam Zeit für eine Modellpflege wird. Die ersten Details hat Opel schon geändert: So gibt es jetzt einen Tempomat mit Abstandsregelung – und endlich einen Spitzendiesel, der diesem Namen auch gerecht wird. Denn mit 195 PS, 420 Nm und einem feinfühlig ansprechenden Doppelturbo tritt der neue Zweiliter-Motor so kräftig an, dass er jeden Berg platt bügelt.

Opel rühmt den neuen Motor als Musterbeispiel des Downsizing: „In dieser Liga waren bislang Sechszylinder mit rund drei Litern Hubraum die übliche Wahl. Mit der Biturbo-Technologie entwickeln wir mit einem kleineren Motor noch mehr Kraft bei gleichzeitig 30 Prozent weniger Verbrauch“, sagt Insignia-Chefingenieur Volker Scharf. Er ist durchaus stolz auf die 4,2 Liter Verbrauch, mit denen der Insignia auf dem Prüfstand im besten Fall zufrieden ist. Dabei hilft auch die Start-Stopp-Automatik, die bei allen Handschaltern serienmäßig eingebaut wird. Gleichzeitig setzen sich die Hessen mit dem Bituro vor die Konkurrenz aus Wolfsburg. Denn VW spart sich die teuren Doppellader, weshalb die Diesel-Leistungsskala des Passat bei 170 PS endet.

Eiliger Ölbrenner: Mit 195 PS fährt der Insignia dem Passat davon.

Der neue Motor ist tatsächlich eine Wucht. Egal bei welchem Tempo und welcher Topographie man auch aufs Gas tritt: Immer macht der Insignia einen kleinen Satz nach vorn und legt einen Zahn zu. Dass der Kraftmeier kein Leisetreter ist, stört dabei kaum. Überholen jedenfalls wird so zum Kinderspiel, Bergpässe machen richtig Spaß und lange Autobahnetappen schmelzen wie die Schneereste in der Frühjahrssonne. Nur den Durchschnittsverbrauch von 4,9 Litern kann man vergessen: Mit schlankem Gasfuß schafft man es rund sechs Liter. Schnell gefahren und voll beladen werden es eher sieben Liter – für so viel Kraft noch immer ein gutes Ergebnis.

Der neue 2.0 CDTi ist der stärkste von vier Dieselmotoren, deren Leisungspalette bei 110 PS beginnt. Er kostet mindestens 33.405 Euro und ist damit gut 2000 Euro teurer als der bisherige stärkste Selbstzünder mit 160 PS. Angeboten wird der Motor in allen drei Karosserievarianten und auf Wunsch auch mit Allrad. Technisches Highlight ist sein Doppelturbo: Zwei Lader laufen gestaffelt allein oder im Team und sprechen so schnell an, dass kein Turboloch mehr spürbar ist. Schon bei 1250 Touren stehen 320 Nm breit und bei 1750 Umdrehungen entwickelt der Motor seine volle Antrittskraft von 400 Nm. Entsprechend flott ist der Wagen unterwegs: Den Sprint auf Tempo 100 schafft er in 8,7 Sekunden und Schluss ist erst bei 230 km/h.

Der Diesel im Insignia kommt spät, dafür aber gewaltig. Denn eigentlich hätte der Biturbo schon vor drei Jahren fertig sein sollen. Jetzt also montiert Opel einen klasse Motor in ein Auto, das schon langsam Staub ansetzt. Klar, die ersten Flocken wird der Selbstzünder mit seinem druckvollen Antritt locker wegblasen. Doch ausruhen dürfen sich die Hessen darauf nicht. Denn in die Begeisterung für den neuen Selbstzünder mischt sich die Ernüchterung, wie schnell das Flaggschiff altert und wie modern jüngere Konkurrenten wie Kia Optima, Hyundai i40 oder Peugeot 508 gegen den Insignia mittlerweile wirken.


McLaren MP4-12C: Formel 1 für die Straße

Nur fliegen ist schöner: Näher kann man der Formel 1 auf der Straße kaum kommen.

Ein neuer automobiler Tiefflieger drängt auf die Überholspur. Knapp 20 Jahre nach dem legendären F1 baut der britische Rennstall McLaren jetzt wieder einen Straßensportwagen. Der Nomenklatur der Formel-1-Renner folgend, hört er auf das Kürzel MP4-12C und steht seit ein paar Wochen in Deutschland für exakt 200.000 Euro bei zunächst vier McLaren-Händlern.

Zeit, diesen sperrigen Namen auszusprechen, bleibt dem Fahrer kaum: Bis man die Buchstaben über die Lippen bekommen hat, zeigt der Tacho schon mehr als 200 km/h und der Horizont kommt einem gefährlich nahe. Denn schärfer, präziser und schneller als der Exot aus England fährt kaum ein anderer Spitzensportler dieser Preisklasse. Und dank Karbonkarosse, aktiver Aerodynamik, adaptivem Fahrwerk und Bremshilfe beim Lenken ist keiner technisch so nah an der Formel 1 wie der Bolide aus Woking. Das sichert McLaren eine Stellung im Wettbewerbsumfeld, die das Unternehmen aus dem Rennbetrieb bestens kennt: die Pole Position.

Glatter Keil: Das Design ist etwas bieder, aber die Fahrlleistungen reißen alles raus.

In Fahrt bringt den Zweisitzer ein Mittelmotor mit acht Zylindern und 3,8 Liter Hubraum, der dank zweier Turbos 600 PS leistet und mit bis zu 600 Nm zur Sache geht. Lässt man die Finger vom Setup für Antrieb und Fahrwerk, gibt sich der Motor handzahm und lammfromm. Man kann den McLaren buchstäblich mit dem kleinen Finger fahren, der V8 dreht kaum über 2000 Touren, die Doppelkupplung wechselt fast unmerklich die Gänge und im Auto ist es flüsterleise. Dauerläufe von Hamburg nach München sind damit fast so entspannt möglich wie in einer sportlichen Limousine.

Flotter Feger: 600 PS, 600 Nm und 330 km/h - so wird der MP4-12C zur Trumpfkarte - nicht nur im Autoquartett.

Doch wehe, man dreht an den beiden Schaltern auf der Mittelkonsole. Im Sport- und erst recht im Track-Modus zeigt der McLaren sein wahres Gesicht. Die Drehzahlen schnellen bis weit in die 8000er, jeder Gangwechsel fühlt sich stark und schnell an wie der Tritt eines Karate-Kämpfers und der Motor brüllt selbst die innere Stimme nieder, die den Fahrer vergebens zur Vernunft mahnt. Zu verführerisch ist die Selbstverständlichkeit, mit der sich die 1,3 Tonnen schwere Karbonflunder in 3,3 Sekunden auf Tempo 100 und in weniger als zehn Sekunden auf 200 km/h katapultieren lässt, zu spektakulär ist die Leichtigkeit, mit der sich der Wagen durch Schikanen wedelt und zu faszinierend die Präzision, mit der er sich an die Ideallinie heftet. Die Formel1-Technik macht die Jagd nach der Bestzeit zum Kinderspiel und weckt in jedem von uns einen kleinen Lewis Hamilton. Und wer genügend Mut hat und eine hinreichend lange Gerade findet, ist mit 330 km/h sogar schneller als mancher Formel-1-Pilot. Dass bei derartigen Spielen die teuren 20-Zoll-Reifen auf der Hinterachse schneller in Rauch aufgehen als später die Zigarre im Drivers Club und der Bordcomputer dann locker mal einen Verbrauch von 20 Litern anzeigt – wenn juckt das schon in dieser Liga. Bei maximal 2000 Autos im Jahr können selbst Klimaschützer gelassen bleiben. Außerdem ist der Wagen mit 11,7 Litern zumindest im Normzyklus vergleichsweise sparsam.

Luxus für Leistungssportler: Ganz so schlicht wie in einem F1-Boliden geht es am Steuer des McLaren nicht zu. Ein bisschen Komfort darf man bei 200.000 Euro schließlich auch erwarten.

So spektakulär die Fahrleistungen und so raffiniert die Technik, so zurückhaltend ist das Design: Nicht dass es ihm an Sportlichkeit mangeln würde, und zumindest die Flügeltüren sorgen vor dem Casino in Monte Carlo oder den Nobelhotels zwischen Moskau und Miami für den richtigen Showeffekt. Doch wo andere Sportwagen dieses Kalibers aggressiv und provozierend wirken, bleibt der Brite höflich und zurückhaltend. Einzig die riesigen Kiemen an der Flanke, die unkonventionellen Endrohre auf Hüfthöhe, der ausklappbare Spoiler vom Format eines Bügelbretts und natürlich und das Fenster zum Motorraum im Heck lassen vermuten, welch’ heißes Herz unter der kühlen Hülle aus lackiertem Karbon schlägt.

Gebaut wird der Zweisitzer am McLaren-Stammsitz in Woking, wo auch der Formel-1-Rennstall und die Entwicklung zu Hause sind. Kurze Wege, ein reger Personalaustausch und gemeinsame Mittagspausen aller Mitarbeiter sollen dafür sorgen, dass der Geist der Rundstrecke auch auf der Landstraße lebendig bleibt. Das merkt man selbst an kleinen Details: Nach den abschließenden Testfahrten von Lewis Hamilton wurde zum Beispiel extra noch einmal der Bezug des Lenkrads modifiziert. Wer dem MP4-12C jetzt ins Steuer greift, hat exakt das gleiche Gefühl in den Fingern wie der Profi in seinem Formel-1-Renner.