Bowler EXR-S: Eine Range-Rover für Rambo

Breit und böse: Wenn diese Front im Rückspiegel auftaucht, räumt man am besten zügig die Spur.

Gegen dieses Auto sind selbst SUV-Dickies wie der Porsche Cayenne Turbo S oder der Mercedes ML 63 AMG nur langweilige Spielzeugmodelle. Wenn Drew Bowler den Motor des EXR-S anlässt, dann scheint der Boden zu Beben und in den Pfützen ringsum bilden sich Wellen. Wenn Mister Bowler dann Gas gibt, scheint für einen Moment alles still zu stehen – um unmittelbar darauf zu verschwimmen. Der Allradler vom Typ EXR-S lässt die gelernte Ordnung der Fahrzeug-Kategorien dahinschmelzen wie die Sonne einen Schneemann. Denn auch wenn der EXR-S jeden Lamborghini niederbrüllt und beim Ampelspurt fast jeden Porsche stehen lässt, ist er eigentlich ein Geländewagen. Allerdings nicht irgendeiner, sondern der Bowler EXR-S hat das Zeug zum brutalsten Buckelpisten-Boliden der Welt.

Inspiriert ist der Wagen von den modernen Rennern, mit denen sich furchtlose Offroader in die Marathon-Rallyes der FIA stürzen. Nicht umsonst mischt Drew Bowler mit seinem englischen Rennstall seit mittlerweile fast dreißig Jahren in diesem Geschäft mit und hat in dieser Zeit rund 500 Rallye-Rennwagen gebaut.

Hereinspaziert: Einladend ist der Innenraum des Bowler nicht, denn viel mehr als Schalensitze und Hosenträgergurte hat er an Ausstattung nicht zu bieten.

Doch mittlerweile sind ihm die Rallyepisten nicht mehr genug. Nachdem immer mehr Rennfahrer ihren Dienstwagen auch außerhalb der Saison bewegen wollten und reiche Raser aus allen Ecken der Welt nach den Boliden von Bowler gefragt haben, entwickelte der Allrad-Tuner in den letzten Jahren eine Straßenversion, die in diesem Frühjahr in Produktion geht. So bekam das „EXR“ für „Extreme Rallye“ noch ein „S“ für „Street“ angehängt, das sequentielle Getriebe wurde ausgebaut und die Motoren dürfen jetzt freier atmen – viel mehr ändert sich allerdings nicht. „Wir wollen kein Luxus-SUV für verwöhnte Millionäre bauen“, sagt Firmenchef Bowler, „sondern wir bleiben auch mit dem Straßenauto so nah wie möglich am Rallye-Erlebnis.“ Da ist es schon fast ein Wunder, dass sich Bowler zum Einbau einer Klimaanlage und eines Radios hat hinreißen lassen.

Die Inspiration kommt aus dem Rallyesport, die technische Basis jedoch liefert der Range Rover Sport. Mit Teilen von Land Rover arbeitete  Bowler schon, seit er als Jugendlicher einen Defender umbaute. Und auch danach hat er sich bei jeder Entwicklung der Serienprodukte aus Solihull bedient. Seit dem Sommer nun gibt es eine offizielle Partnerschaft zwischen dem Rennstall und dem Großserienhersteller. Deshalb steht jetzt stolz und in großen Lettern „Powerd by Land Rover“ auf den Bowler-Autos. Und deshalb hat Bowler auch keine Sorge um den Nachschub für das Projekt, selbst wenn der Range Rover Sport bald in die nächste Generation geht. „Wir nutzen schließlich keine Komplettfahrzeuge, die nachher umgebaut werden. Sondern wir brauchen für den EXR-S lediglich Komponenten wie den Rahmen, Motor und Getriebe, Teile des Fahrwerks und die Elektrik. Und das ist über die Ersatzteilversorgung für die nächsten Jahre gewährleistet“, sagt Bowler.

Range für Rambo: Dass unter der Glasfaser-Karosse ein Range Rover Sport steckt, kann man kaum mehr erkennen.

Zwar treibt beide Modelle der gleiche Motor an, und auch das Getriebe und der Allradantrieb sind weit gehend identisch. Doch könnte das Fahrverhalten kaum unterschiedlicher sein. Dabei macht der Rückbau aller Restriktionen am fünf Liter großen V8-Kompressor noch den kleinsten Unterschied. Natürlich brüllt der Achtzylinder lauter, wenn alle Dämmung fehlt und der Auspuff nur ein Stummel ist, der direkt hinter der Fahrertür ins Freie tritt. Und mit dem Rückbau der Serienrestriktionen steigt auch die Leistung bei Bowler um zehn Prozent an. Aber ob jetzt 510 oder 557 PS im Datenblatt stehen und 625 oder bis zu 700 Nm Drehmoment an den Reifen reißen – das macht den Kohl nun auch nicht fett.

Sondern was die beiden Autos trennt und das Fahrgefühl so irre macht, ist der Gewichtsunterschied. Weil die Bowler-Karosse, die so muskulös dasteht wie Arnold Schwarzenegger als „Mr. Universum“, aus glasfaserverstärktem Kunststoff besteht, die Scheiben aus Kunststoff sind und es innen nicht viel mehr gibt als einen Überrollkäfig und zwei Schalensitze, wiegt der Bowler 700 Kilo weniger als der Land Rover und stürmt entsprechend leichtfüßig davon. Als lässt man eine wütende Dogge von der Leine, explodiert der eilige Engländer beinahe in Vortrieb und lässt beim Spurt jeden anderen Geländewagen weit hinter sich. Das Auto erreicht Tempo 100 schon nach 4,2 Sekunden. Und wer etwas länger auf dem Gas stehen bleibt, mag partout nicht glauben, dass der Reiz des Rasens schon bei 250 km/h wieder vorbei ist. Aber irgendwann fordern die Physik und mehr noch der kleine Rest von Vernunft eben doch ihren Tribut. Und wenn es nur aus Angst um den Führerschein ist. Denn an der Fahrstabilität und der Standfestigkeit der Bremsen liegt es sicher nicht. Im Gegenteil: Auch in schnellen Kurven tut sich der Bowler buchstäblich leichter als der Range Rover, und seine Bremsscheiben im Familienpizza-Format stoppen die Fuhre mit einer fast endzeitlichen Bestimmtheit.

Relikt des Rallye-Sports: Die Konstruktion des EXR-S stammt vom Dakar-Rennwagen.

Wer den EXR-S einmal im Rückspiegel gesehen hat, der wird ihn so schnell nicht vergessen. Und wer einmal am Steuer des Hardcore-Geländewagens gesessen hat, der will nie wieder aussteigen. Beides wird jedoch nur selten der Fall sein, denn bei einer Jahresproduktion von maximal 50 Autos stehen die Chancen auf eine Begegnung mit dem Bowler vergleichsweise gering. Und bei einem Preis von umgerechnet 230.000 Euro könnte das auch mit dem Besitz ein bisschen schwierig werden. Doch wenn die Sehnsucht gar zu groß wird, hilft vielleicht schon ein Blick in den Fernseher. Denn in ein paar Tagen startet die Rallye Dakar – und der EXR ist natürlich mit von der Partie.


VW Race Touareg „Qatar“: Einsatzwagen für den Emir in Eile

Wüstenkrieger: Im weiß-goldenen Smoking statt im Rennanzug will VW mit dem Race Touareg die Scheichs locken.

Gerade erst hat der VW Touareg die legendäre Rallye Dakar gewonnen, da steht er schon wieder im Rampenlicht: Auf der ersten Katar Motorshow in Doha feiern die Niedersachsen jetzt die Premiere des Race Touareg „Qatar“ und zeigen damit, wie eine Straßenversion des Wüstenrenners aussehen könnte. Bislang nur ein schönes Gedankenspiel, wird daraus womöglich bald Ernst. „Wenn wir genügend Interessenten für das Auto finden, könnten wir uns durchaus eine Kleinserie vorstellen,“ deutet ein VW-Insider an. Die abzusetzen dürfte selbst bei einem Schätzpreis in Millionenhöhe gerade in den Golfstaaten kein Problem sein.

Vom Siegerauto aus Südamerika unterscheidet sich der Prototyp auf den ersten Blick nur durch ein paar kleine Zugeständnisse an die Straßenverkehrsordnung – und durch seinen feinen Zwirn: Trug er zur Rallye noch den dunkelblauen Rennanzug mit quietschbunten Sponsoren-Aufklebern, zeigt er sich in Katar in einer Farbe, die im Morgenland gut ankommen dürfte. Ein reines Weiß mit dem klangvollen Namen „Magic Morning“, das bei bestimmten Lichteinfall ins Gold changiert und so bestens zu den güldenen Felgen und dem gleichfarbigen „Race Touareg“-Schriftzug auf den Flanken passt.

Davon abgesehen jedoch bleibt der Race Touareg die wilde Kampfmaschine, die sich ohne Kompromisse durch die Wüste wühlt und mit dem Serienmodell kaum mehr als den Namen und das VW Logo auf der Kühlermaske gemein hat. Die Karosserie aus Karbon und Kunststoff hat nur noch zwei Türen und dafür das Heck eines Coupés, auf dem Dach duckt sich eine riesige Hutze, Bodenfreiheit und Federwege reichen für die wildeste Kletterpartie, und wo die Araber sonst einen V8-Benziner bestellen würden, will VW sie jetzt mit einem Diesel locken.

Schneller Sonderling: Bis auf die Markenzeichen hat auch der zivile Race Touareg nichts mit dem VW-Serienmodell gemein.

Der im Heck platzierte Fünfzylinder hat vergleichsweise magere 2,5 Liter Hubraum, bringt es aber unter ohrenbetäubendem Lärm auf 310 PS und beschleunigt den Rennwagen wie eine Kanononkugel. Zwar liegt das Spitzentempo bei der Dakar bei kaum 200 km/h, doch mit weniger als sechs Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 lässt der Koloss selbst manchen Sportwagen blass aussehen.

Auch innen ist der Race Touareg meilenweit entfernt vom Serienmodell. „Bis auf den Blinkerhebel gibt es keine Gleichteile“, sagt Mark Miller aus dem Rennfahrer-Kader der Dakar. In seinem Arbeitsgerät allerdings musste er sich in abwaschbare Schalensitze zwängen, blickte auf blankes Blech und auf ein Gewirr aus Kabeln und Schläuchen; das Messemodell aus Doha dagegen wirkt innen eher wie eine Luxuslounge. Zwar bleibt es bei der verwirrenden Vielfalt an Schaltern und Instrumenten, der Knauf für das sequentielle Getriebe ragt wie ein Knüppel ins Cockpit und man muss auch hier durch einen Überrollkäfig auf den Platz klettern. Doch sind die weiterhin sehr körperbetonten Schalensitze jetzt mit Nubuk und Nappa beledert, und die Konsolen sind mit mattiertem Karbon oder poliertem Aluminium verkleidet.

Dass die Niedersachsen den zivilisierten Wüstenrenner ausgerechnet in Katar zeigen, liegt nicht nur am vielen Sand in der Gegend. Und auch nicht an den günstigen Spritpreisen, die den Einsatz des mit einem Verbrauch weit jenseits von 20 Litern alles andere als sparsamen Diesels ermöglichen würden. Sondern es liegt vor alllem an der Vorlieber der Emiratis für schwere, schnelle und spektakuläre Geländewagen. Davon haben bislang vor allem Porsche, Mercedes und zum Teil auch BMW profitiert. Doch VW und den Touareg hatten die schnellen Scheichs bis dato nicht auf der Shopping-Liste. Das, so hofft ein VW-Offizieller, könnte sich mit diesem Auftritt schnell ändern.