75 Jahre Toyota: Japanischer Hersteller feiert Jubiläum

Toyota Prototyp Model AA: Der Wagen wurde bereits 1936 gebaut, doch die offizielle Zeitrechnung bei Toyota beginnt erst mit der Gründung der Autosparte im Jahr darauf.

Toyota feiert seinen 75. Geburtstag – jedenfalls der Teil von Toyota, der hierzulande am bekanntesten ist: die Automobilsparte. Gegründet wurde das Unternehmen nämlich ursprünglich bereits Ende des 19. Jahrhunderts von Sakichi Toyoda, der gemeinsam mit seinem Sohn Kiichiro unter anderem den ersten automatischen Webstuhl der Welt erfand. Kiichiro Toyoda war es dann, der nach einem USA-Aufenthalt auf die Idee kam, auch Automobile herzustellen. Mitte der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde zunächst ein Lkw entwickelt, dann ein Pkw-Prototyp namens AA. Der sah sehr manierlich aus und machte offenbar Lust auf mehr. Was noch gebraucht wurde, war ein Markenname. Die Wahl fiel schließlich auf den leicht abgewandelten Familiennamen Toyota – auch deshalb, weil das entsprechende japanische Schriftzeichen aus acht Strichen besteht, und acht ist eine Glückszahl in Fernost.

Gegründet wurde die Toyota Motor Company (inzwischen wurde aus der Company eine Corporation) am 28. August 1937. Gefeiert wird der 75. Unternehmensgeburtstag offiziell jedoch am 3. November, weil an diesem Tag – allerdings erst ein Jahr später, also 1938 – die Produktion im Werk Koromo begann, der  ersten Autofabrik von Toyota.

Toyota Crown Eight: Die 4,70 Meter lange Limousine mit 2,6-Liter-V8-Motor krönte ab 1964 das Toyota-Modellprogramm.

Der Zweite Weltkrieg unterbrach auch in Japan die zivile industrielle Entwicklung – und nach dieser Zäsur wurden zunächst sehr kleine, bescheidenen Autos gebaut. Der erste Toyota-Nachkriegs-Pkw war ein kompakter Zweitürer mit 27-PS-Motor, der den Spitznamen Toyopet erhielt. In den fünfziger Jahren fiel Toyota nicht so sehr durch technische Produktinnovationen auf, sondern konzentrierte sich auf moderne Produktionsverfahren. Just-in-time war eines der Prinzipien, mit denen die Kosten der Autofertigung gesenkt werden sollten, ein anderes war ein hoher Grad an Automation. Die daraus hervor gehende Toyota-Produktionsmethode galt später als prägend für die gesamte Autoindustrie und wurde als Toyota-Modell weltweit kopiert.

Ab 1957 übrigens exportierte Toyota Fahrzeuge in die USA – es war der erste Schritt auf dem Weg zum Weltmarktführer. Heute baut das Unternehmen in 14 Fabriken in Nordamerika Autos für den dortigen Markt, insgesamt wurden in diesen Werken bereits mehr als 25 Millionen Autos gebaut. Nach Europa lieferten die Japaner ab 1960 die ersten Autos, anfangs nach Malta und Zypern, später nach Dänemark, Finnland und Holland. Deutschland folgte ab Anfang der siebziger Jahre.

Triumph bei der Safari-Rallye: Insgesamt acht Mal (zwischen 1984 und 1995) siegten Toyota-Celica-Teams bei der legendären Rallye durch Kenia.

Toyota wurde hierzulande rasch populär. Die Autos boten eine umfassende Ausstattung zu vergleichsweise niedrigen Preisen. Und sie galten als zäh und langlebig. Baureihen wie Starlet, Corolla oder Tercel wurden zu Bestsellern, Sportwagen wie Celica oder MR-2 pimpten das Image der so überaus vernünftig, rational und uninspirierend daherkommenden Marke. Auch die Gründung der noblen Tochtermarke Lexus im Jahr 1989 (ab 1990 in Europa) sollte ein wenig Glanz auf den Konzern werfen, der in vielerlei Hinsicht als beispielhaft galt, aber dennoch seltsam blass blieb.

Einen ganz neuen Dreh erhielt das Image der Marke mit dem Debüt des Modells Prius, des ersten Serien-Vollhybrid-Autos der Welt. Drei Jahre später kam der Wagen auch nach Europa – und die Kombination aus Benzin- und Elektromotor sowie die daraus resultierende Spritsparsamkeit prägten fortan die Marke, die inzwischen als der Hybridauto-Hersteller weltweit gilt. Allein in Europa wurden bislang rund eine halbe Million Hybridmodelle von Toyota und Lexus verkauft.

Zuletzt litt Toyota mehrfach unter spektakulären Rückrufaktionen. Der zwischenzeitlich größte Autohersteller der Welt ist inzwischen wieder auf auf Rang zwei hinter General Motor abgerutscht. Und von Rang drei drängt der Volkswagen-Konzern an die Spitze. Dennoch gehört Toyota zu den ganz großen der Branche: mit mehr als 200 Millionen verkauften Fahrzeugen in den vergangenen 75 Jahren und weltweit rund 300.000 Beschäftigten.