Nissan Juke-R: Der mattschwarze Quertreiber

Klein, schwarz, stark: Der Juke-R ist so ziemlich der bösartigste Kleinwagen, den man sich denken kann.

Querdenken und damit Erfolg haben – so hat sich Nissan in den letzten Jahren konsequent von der lustlosen Langeweile der japanischen Großserie verabschiedet. Angefangen hat das mit dem Qashqai in der Kompaktklasse, und vor gut einem Jahr hat die Renault-Schwester mit dem Juke die zweite Stufe gezündet: Denn als ebenso modernes wie modisches Crossover bringt die Kreuzung aus Coupé und Geländewagen seitdem die Kleinwagenklasse durcheinander: Fast 140.000 Zulassungen in einem Jahr zeugen davon, wie gut der Grenzgänger bei den Kunden in Europa ankommt. Doch damit nicht genug. Jetzt schreibt Nissan auch noch eine gehörige Portion Rennwagen ins Rezept und rüstet den Juke vollends zum Quertreiber auf: Mit dem Antrieb des Supersportwagens GT-R wird das Modemobil zum Kraftzwerg, der auf einem Rundkurs so machen ernsthaften Boliden ziemlich alt aussehen lässt.

Wo bislang ein 1,6 Liter großer Vierzylinder mit 190 PS genügen müsste, röhrt jetzt der Bi-Turbo aus dem japanischen Flachmann. Damit die Entwickler den 3,8 Liter großen V6 samt Transaxle-Getriebe, Allrad und Fahrwerk überhaupt in den Juke bekommen haben, mussten sie zwar den Triebstrang des GT-R um 25 Zentimeter kürzen. Doch die Mühe hat sich gelohnt: Jetzt kommt Godzillas neuer Kinderwagen auf 485 PS und wird zum wohl schärfsten Kleinwagen aller Zeiten.

Schneller Abgang: MIt den 485 PS des GT-R lässt dieser Juke alle anderen seiner Art stehen.

Wenn 588 Nm an den nur mühsam in die weit ausgestellten Radhäusern gequetschten 20-Zöllern reißen, kennt der Juke kein Halten mehr: 3,7 Sekunden reichen ihm für den Sprint von 0 auf 100, und wenn die Start-Ziel-Gerade lang genug ist, schafft er es auf grandiose 257 km/h. Aber mindestens so eindrucksvoll wie seine Längsdynamik ist das Kurvenverhalten des Juke: Der riesige Heckspoiler presst ihn auf den Asphalt, der aerodynamisch optimierte Unterboden saugt ihn fest, und der Allrad beißt sich sich förmlich in die Kehren. Leicht zu lenken und handlich zu führen, hält der Juke eisern die Spur und pfeilt durch die Schikanen wie einst der Hackl Schorsch durch den Eiskanal. Spätestens da weiß man, weshalb die Ingenieure auch die Bremsanlage des GT-R eingebaut und auf Extras wie die Rennschalen oder den Überrollkäfig bestanden haben. Die Instrumente des Supersportwagens dagegen sind völlig überflüssig: Der Mechaniker auf dem Beifahrersitz mag dort vielleicht nach der Querbeschleunigung, dem Öldruck und der Motortemperatur schauen. Aber der Fahrer hat ohnehin nur Augen für die Strecke.

Projektleiter Michael Mallock vom Rennstall RML schließt eine Serienfassung des Juke-R derzeit aus. Denn den Umbau, der pro Auto (zwei Exemplare wurden gefertigt) angeblich rund 250.000 Euro gekostet hat, könne und wolle von den Nissan-Kunden wohl keiner bezahlen. Doch allen enttäuschten Racern spenden die Japaner mit einer anderen Ankündigung Trost: Wenn demnächst der Werkstuner Nismo auch international auf den Plan tritt, dann gibt das Sport-Label sein Debüt mit einem heiß gemachten Juke. Für die Leistung des Juke-R wird es wohl nicht reichen. Doch 250 PS sind in der Klasse von Polo & Co. ja auch keine schlechte Ansage.