Bentley Continental GTC V8S: S geht noch was

Aber bitte mit Sahne: Das S im Namen des Autos steht für die kleine Sünde für noch mehr Spaß im Bentley.

Es ist zwar nur ein Buchstaben und ansonsten vor allem viel Software, doch wenn im Juni zu Preisen ab 180.285 Euro für das Coupé und 198.373 Euro für das Cabriolet der neue Bentley Continental V8 S ausgeliefert wird, dann dürfte es auf der Überholspur noch ein bisschen sportlicher zugehen. Denn um den Kunden den weiten und teuren Weg zum Zwölfzylinder-Modell abzukürzen, bieten die Briten demnächst auch eine Sportversion ihres Achtzylinder-Modells an.

Ein paar tiefere Schürzen, ein anderer Kühlergrill und die neue “S”-Logos sowie ein neuer Chip für die Motorsteuerung und etwas mehr Turbo-Druck – das war’s. Doch diese Zutaten machen aus dem Feger einen Racer. Projektleiter Paul Jones probiert gar nicht erst, die Änderungen groß zu betonen. „Die Hardware haben wir nicht angefasst“, sagt er.

Doch wer links vom Lenkrad den Zündschlüssel dreht, den riesigen Schaltknauf Marke Baseballkeule auf “S” scheibt und das rechte Bein ganz durchdrückt, der hört gleich, welche Musik hier gespielt wird. Mit dem neuen Sportauspuff knurrt und brüllt der sonst so kultivierte Luxuswagen so rotzfrech und bösartig, dass selbst Porsche- oder Aston-Martin-Fahrer das Fürchten lernen.

Und dann erst die Beschleunigung. Zwar wähnt man sich auf den breiten Ledersitzen des nobel ausgeschlagenen Continental wie auf einem behäbigen Luxusdampfer. Doch urplötzlich geht das Dickschiff ab wie Speedboot. Der neue Steuerchip und die 0,1 bar mehr Druck der beiden inmitten des V des Achtzylindermotors positionierten Lader kitzeln aus vier Litern Hubraum nun 528 statt zuvor 507 PS und heben die fast topfebene Drehmomentlinie noch einmal um 20 Nm an. Wenn dann über den Allradantrieb und die breiten 20-Zoll-Reifen imposante 680 Nm am Asphalt zerren, fühlen sich die 2,5 Tonnen des Cabrios sowie die 2,3 Tonnen des Coupés plötzlich überaus leicht an. Vor allem, wenn man in 4,3 Sekunden von 0 auf 100 beschleunigt, auch jenseits von 150 oder 180 km/h beim Kickdown noch einen Satz nach vorn macht und es auf freier Strecke und ausreichend Wagemut munter so weiter treiben kann, bis die Tachonadel irgendwann bei 309 km/h stehen bleibt.

Kraftspritze: Für das S-Modell legt Bentley noch einmal 21 PS Leistung und 20 Nm Drehmoment drauf.

Dumm nur, dass schon der normale V8 nicht gerade träge ist, in 4,6 Sekunden auf Tempo 100 kommt und ebenfalls die 300er-Marke knackt. Da fällt es schwer, die 21 PS mehr Leistung und die 20 Nm mehr Drehmoment tatsächlich heraus zu fahren – zumindest, so lange die Straße halbwegs gerade ist.

Mehr als auf solchen Abschnitten merkt man die Unterschiede zum Standard-Modell auf einem kurvigen Kurs. Den Allradantrieb und die variablen Dämpfer haben zwar alle Continental-Typen, doch mit dem um einen Zentimeter tiefer gelegten Fahrwerk der S-Variante, dem größeren Sturz an der Vorderachse, der nachjustierten Lenkung und den strafferen Federn kann man die Grenzen der Physik zumindest ein bisschen verschieben und es auch in engen Kehren noch einen Tick ernsthafter angehen lassen. Irgendwann allerdings gerät auch die Haftung der vier Gummiwalzen an ihre Grenzen, das ESP wird machtlos, die famosen Bremsen, in diesem Fall die größten Keramikscheiben in der PKW-Welt, verlieren den Biss und die ganze Fuhre drängt beängstigend zum Kurvenäußeren hin – 2,5 Tonnen bleiben eben 2,5 Tonnen. Das kann man lange ignorieren, aber eben doch nicht ganz vergessen.

Gemessen an der W12-Variante für knapp 190.000 Euro und erst recht am Top-Modell Speed für rund 207.000 Euro ist der V8 zwar auch als S-Modell noch ein gutes Angebot. Doch wer den Aufpreis von ziemlich genau 10.000 Euro gegenüber dem normalen Achtzylinder auf die Leistung herunterrechnet, kommt auf einen PS-Preis von 500 Euro. Den Bentley-Managern kann diese Art von feiner Differenzierung nur recht sein. Es gilt in diesem Fall der altbekannte Filmtitel: Die Gentleman bitten zur Kasse.


Bentley Flying Spur: Schneller oder stärker war noch kein anderer Bentley

Glanz und Gloria: Wenn dieser Kühlergrill im Rückspiegel auftaucht, räumt man die linke Spur durchaus freiwillig.

Ihre Majestät, hier kommt Ihr nächster Dienstwagen: Falls die Queen tatsächlich noch einmal das Auto wechselt, dann könnte der neue Bentley Flying Spur ihre erste Wahl sein. Denn der Luxusliner, den die britische VW-Tochter derzeit auf dem Genfer Salon vorstellt und im Sommer in den Handel bringt, ist nicht nur protziger und prunkvoller als je zuvor – und damit der würdige Nachfolger für das aktuelle Jubilee-Car aus Crewe, in dem sich Elizabeth II. schon seit 2002 chauffieren lässt. Sondern ganz nebenbei ist das 5,30 Meter lange Prunkschiff auch die stärkste und schnellste Limousine, die Bentley je gebaut hat.

Zwar trägt der Flying Spur die Verwandtschaft nicht mehr im Namen, doch natürlich gehört auch dieser Wagen zur Continental-Baureihe der Briten und macht deshalb einen evolutionären Generationswechsel mit. Wo man bei Coupé und Cabrio aber schon fast zweimal hinschauen muss, um die Unterschiede zu erkennen, zeugen bei der Limousine mehr als der jetzt beinahe senkrecht stehende Kühlergrill und die neuen Scheinwerfer-Augen von der stilistischen Überarbeitung. Denn vor allem das Heck hat eine völlig neue Kontur bekommen: Die C-Säule ist breiter, der Heckdeckel sitzt tiefer und läuft länger aus. Das erinnert zwar an die aktuellen Rolls-Royce-Modelle, die ja seit zehn Jahren von BMW verantwortet werden, lässt die Konkurrenz-Limousine aber dennoch wesentlich flüssiger und eleganter aussehen.

Gruß nach Goodwood: Das Heck des Bentley erinnert jetzt an die Kehrseite der aktuellen Rolls-Royce-Modelle.

Außen ist der Bentley von einer fast modernen Eleganz, und innen gibt es Lack und Leder satt. Doch nach dem Austausch von mehr als 600 Bauteilen ist vom traditionsreichen Mief nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil: Mit einem aufwändigen Infotainment-System und riesigen Bildschirmen im Fond ist der Flying Spur endlich in der Neuzeit angekommen und buhlt mit einer herausnehmbaren Touchscreen-Fernbedienung sogar um die Gunst der Generation iPhone. Weil manche Kunden sogar im Auto noch ein wenig arbeiten müssen, um den Wohlstand zu mehren, lässt sich der als Vier- oder Fünfsitzer bestellbare Prunkwagen auch zum mobilen Büro aufrüsten – Schreibtische und WLAN-Anschluss inklusive. Dass unter dem Blech eigentlich noch immer der betagte VW Phaeton steckt, ist spätestens dann längst vergessen.

Trotzdem sind die technischen Rahmenbedingungen natürlich gleich: Auch der Flying Spur fährt mit Allradantrieb und einem Zwölfzylindermotor in W-Form. Allerdings ist der bei Bentley nicht nur mit einer Achtgang-Automatik gekoppelt, sondern auch mit zwei Turboladern beatmet. Sie treiben die Leistung des Luxusliners auf 625 PS und mobilisieren extra fette 800 Nm Drehmoment. Obwohl der Flying Spur mit 2,5 Tonnen beileibe kein Fliegengewicht ist, beschleunigt er kinderleicht und erreicht schon nach 4,6 Sekunden Tempo 100. Schluss ist erst bei 322 km/h – Rekord für einen Viertürer mit dem „Flying B“ auf der Haube.

Lounge in Lack und Leder: Der Flying Spur protzt mit allem erdenklichen Luxus - bis hin zum WLAN-Hotspot bei 322 km/h.

Natürlich steht Bentley für Luxus und Leistung, und nicht zuletzt der Überfluss unter der Motorhaube gehört zum guten Ton der Marke. Doch wird es neben dem sechs Liter großen W12-Motor ganz sicher später auch den V8-Benziner geben, der mit 507 PS noch immer leichtes Spiel mit dem Schwergewicht haben sollte. Aber das ist offenbar nicht alles. „Auch einen Dieselmotor könnten wir uns im Flying Spur ganz gut vorstellen“, lässt Baureihenleiter Ken Scott durchblicken.

Wie viel der neue Flying Spur kosten wird? Exakt sind es 191.590 Euro für das Grundmodell. Sicher: Man muss kein Adeliger und erst recht kein Monarch sein, um sich dieses Auto leisten zu können. Doch ein gewisser Reichtum schadet sicher nicht.